Für Obst und Gemüse sind die Marktbeschicker aus der Region Experten. Auf den Märkten im Kreis Gütersloh und im Kreis Warendorf geben sie ihren Kunden wertvolle Tipps zur Lagerung und Verwertung der Produkte. Je nach Saison suchen wir uns eine Sorte Obst oder Gemüse heraus und sammeln wissenswerte Informationen für Sie.


Zum Stressabbau ans Waffeleisen

Vor fünf Jahren hat Frederic Wolf mit der Imkerei begonnen. Er gehört zu den jüngsten Marktbeschickern in Gütersloh. Zurzeit kümmert er sich um sechs eigene Bienenvölker. Angefangen hatte er vor fünf Jahren mit zwei Völkern. Der gute Honig ist es, der die Waffeln am Stand des 48-Jährigen – donnerstags am Wochenmarkt in Gütersloh-Friedrichsdorf und samstags auf dem Prekermarkt in Gütersloh – wohl so lecker macht. Er verwendet ihn anstelle von Industriezucker. Auch die anderen Zutaten in seinem Teig wie zum Beispiel Eier und Milch haben keinen weiten Weg, sie stammen von Marktbeschickern, die um ihn herum sind. „Und das Weizenmehl kommt aus einer Gütersloher Mühle“, ergänzt er. Der lokale Bezug sei ihm bei der Verarbeitung seiner Zutaten sehr wichtig.

Heißer Dampf zieht über dem Waffeleisen auf, als Frederic Wolf mit Hut und gelber Schürze in seinem selbst umgebauten Verkaufsanhänger auf einer leichten Erhöhung steht. Der Waffelteig reicht an diesem Samstag nicht aus. Seine Frau Doreen hat bereits neuen gebracht. Die frischen Honigwaffeln kommen bei den Marktbesuchern gut an. Wolf hat Stammkunden, die wie einige Marktbeschicker die selbst gemachten Waffeln bereits zur Abholung vorbestellen. 

Frederic Wolf ist schon als Kind in seiner französischen Heimat, der Region Elsass, mit dem Imkern in Berührung gekommen. „Ein Nachbar hatte damals Bienen und ich habe ihm häufiger zugeschaut“, erinnert er sich. 2006 ist Wolf von Frankreich nach Gütersloh gekommen. Hier hat er mittlerweile seinen Traum von der Selbstständigkeit als Imker verwirklicht – leben könne er allein davon aber „leider nicht“. „Ich arbeite unter der Woche 35 Stunden als Bauzeichner“, sagt er und freut sich, dass er in seinem Hauptjob Stunden reduzieren konnte und somit seit Oktober donnerstagnachmittags auch Zeit für den Markt in Friedrichsdorf hat. Die Imkerei betreibt er sonst nebenberuflich morgens, abends und am Wochenende.

Damit er für die beiden Marktstandorte gut gerüstet ist, hat sich der Imker im vergangenen Jahr einen Anhänger gekauft und ihn nach seinen Bedürfnissen umgebaut. „Der Anhänger bringt mir einen erheblichen Zeitvorteil. Früher musste ich die Waren an den Markttagen aus dem Autokofferraum aus- und am Ende wieder einräumen“, erklärt er.

Der gebürtige Franzose bietet auch Brioche mit Rosinen an, ein Gebäck aus seiner Heimat. Außer den frischen Backwaren und verschiedenen Sorten Honig verkauft er weitere Produkte, die Honig enthalten: zahlreiche Bonbonsorten wie Sanddorn-Honig, Milch-Honig oder Ingwer-Honig, Wein aus edlem Honig, Seife, Kerzen und Teelichter. „Ich muss einiges hinzukaufen“, sagt Wolf, schließlich ist der Marktstand noch ein Nebenberuf für ihn. Dabei habe er im Blick, dass die Produkte auch aus der Region kommen.

Der 48-Jährige mag die Marktatmosphäre und den Kontakt zu den Kunden, „den man hier sehr zu schätzen weiß“. Auch das Miteinander mit den anderen Marktbeschickern empfinde er als sehr angenehm und kollegial. Wolf ist nach eigenen Worten der jüngste Beschicker am Prekermarkt – sowohl von seinem Alter her gesehen als auch von der Dauer, die er als Beschicker aktiv ist.

Imkerei Frederic Wolf
Ahornallee 20, 33330 Gütersloh
Telefon: 05241 3057316
E-Mail: Imkerei-Wolf@outlook.com
Instagram: Prekerimker

Öffnungszeiten:
Frederic Wolf steht mit seinen Honigartikeln donnerstags zwischen 14 und 18 Uhr auf dem Wochenmarkt in Gütersloh-Friedrichsdorf. Samstags bietet er von 7 bis 13 Uhr seine Produkte auf dem Prekermarkt in Gütersloh an. Nach Absprache können seine Produkte auch bei ihm zu Hause erworben werden.

Text: Noah Wedel, Fotos: Noah Wedel / privat


Einblick in Bentelers Chickeria

Seinen Chicks, wie Dietmar Zimmermeier seine Hühner liebevoll nennt, ermöglicht er ein artgerechtes Leben.

Der Duft von gegrilltem Fleisch liegt in der Luft. „Eine Hühnersuppe bitte“, sagt eine Kundin am Marktstand von Landwirt Dietmar Zimmermeier. „Ich könnte mich da reinlegen. Also in die Suppe“, merkt sie an und lacht. Am Stand freitags in Oelde können seine Produkte auch probiert werden. Das sei dem Landwirt besonders wichtig, denn so könne der Kunde den Geschmacksunterschied erfassen.

Der Geflügelbauer verkauft nicht nur Hühnerfleisch, sondern auch Eier und Produkte, die daraus hergestellt werden können, wie Eier- und Geflügelsalat sowie Eierlikör. Um möglichst viel verwerten zu können, werden die Hühnerfüße gedörrt und zu Hundesnacks verarbeitet. Das Besondere an seinem Hof: Seine frei laufenden Hühner stammen aus 100-prozentiger Öko-Haltung.

Aufgewachsen ist Zimmermeier auf dem Hof in Langenbergs Ortsteil Benteler im Kreis Gütersloh, auf dem er aktuell mit seiner Familie wohnt. Die Landwirtschaft hat immer einen wichtigen Punkt in seinem Leben gespielt. Bis er 15 Jahre alt war, half er bei der Ernte. Und doch ist er als gelernter Holztechniker und studierter Betriebswirt ein Quereinsteiger. In den 1990er-Jahren übernahm er zwar die Räumlichkeiten von seinen Eltern, bis seine „Chickeria“, so nennt er seinen Hof, entstand, vergingen Jahrzehnte. Die Pachtverträge für seine Ländereien liefen 2017 aus und sein Arbeitsverhältnis wurde aufgelöst. „Der Wunsch, mich selbstständig zu machen, war immer da“, sagt Zimmermeier. „Und das war der perfekte Zeitpunkt.“ Auf 3,3 Hektar Land entstand 2020 seine „Chickeria“.

In seiner Kindheit sammelte er Champignons, doch das sei alles mit den Monokulturen verschwunden. Aus Streuobstwiesen wurden Ackerflächen. „Mir war klar, dass ich der Natur etwas zurückgeben möchte“, erklärt der Benteleraner. Die einstigen Ackerflächen werden als Brachflächen für Wildkräuter von Insekten und anderen Tieren wiederbelebt.

Dazu tragen auch seine 1700 gepflanzten Hecken bei, die 750 Meter lang sind. „Sie speichern nicht nur CO2, sondern bieten den Tieren Schutz“, erklärt Zimmermeier. Hühner seien Waldrandbewohner und haben zudem einen Fluchtinstinkt. Die dreireihigen Hecken und die neu angelegten Streuobstbäume bieten somit eine artgerechte Haltung und die Möglichkeit, sich zu verstecken. Denn so tierwohlorientiert die Freilandhaltung ist, sie birgt auch Gefahren in sich. „Wir haben einen Bussard hier“, merkt der Landwirt an. „Es kam vor, dass der Vogel Hühner gerissen hat.“ Aber das ist die Ausnahme. Scharren, picken und den Schnabel wetzen: Das ist für die Hühner von Dietmar Zimmermeier Alltag. Die bäuerliche Freilandhaltung wird von drei Mobilställen ergänzt. Dabei handelt es sich um vollständig ausgestattete Stallsysteme, die dafür konzipiert sind, in regelmäßigen Abständen den Standort zu wechseln. „Die Ställe werden jede Woche verstellt“, erklärt er. So könne sich der Boden erholen. Zwei Mobilställe auf seinem Hof sind für die Legehennen und eine Behausung für die Hähnchen, die später geschlachtet werden. Es leben auf seinem Hof 900 Tiere.

Die Vorzüge der bäuerlichen Freilandhaltung können die Hähnchen 84 Tage genießen, bis sie geschlachtet werden. Zum Vergleich: „Masthähnchen werden nach 35 Tagen geschlachtet“, erklärt der Experte. „In der Zeit ist nicht mal das Immunsystem der Tiere ausreichend aufgebaut.“ Die Schlachtung der Tiere übernimmt die Bioschlachterei Baumhöver in Rheda-Wiedenbrück. „Sie haben sich zertifizieren lassen“, sagt Zimmermeier. Denn es müsse nach strengen Bio-Regeln geschlachtet werden.

Zimmermeiers Bio-Hühnerhof
Dietmar Zimmermeier
Telefon: 05242 598895
Nienkampstraße 15
33449 Langenberg-Benteler
Telefon: 05248/ 609442 oder 0151/ 52291668
E-Mail: info@zimmermeiers.de
Internet: www.zimmermeiers.de

Öffnungszeiten: Zimmermeier bietet seine Produkte freitags in Oelde und samstags in Lippstadt auf dem Wochenmarkt an. Der Hofladen in Benteler ist samstags von 9 Uhr bis 13 Uhr geöffnet. Nach Absprache an der Haustür erhältlich.

Text: Lisa Bergen, Fotos: Lisa Bergen/ZWOEINS Marketing GmbH


Waffelschmiedin kommt mit dem Dreirad

Die kleine Piaggio ist das Markenzeichen von Inge Bultschnieder. Mit ihrer mobilen Bäckerei ist sie jeden Samstag auf dem Wochenmarkt in Wiedenbrück.

Verführerisch zieht der unverwechselbare Geruch von frischen Waffeln in die Nase. Dorthin, wo er hängen bleibt und Erinnerungen weckt. Unweigerlich scheinen die leckeren Düfte die Besucher zum kleinen Zelt am Rande des Wiedenbrücker Wochenmarkts zu ziehen. Normalerweise wäre sie mit ihrem zur Waffelschmiede umgebauten Dreiradroller, eine Piaggio Ape, zum Markt gekommen. Doch weil die „Biene“ häufiger für Events gebucht wird, hat sie dieses Mal ein Zelt aufgebaut.
Dort, im Schatten der Aegidiuskirche, hat Inge Bultschnieder an diesem Morgen wieder ihren Waffelstand aufgebaut. Seit nunmehr elf Jahren kommt sie jeden Samstag auf den Kirchplatz, um selbst gebackene Waffeln, Spritzgebäck, Nussecken und auch ein saisonales Brot anzubieten.
„Es ist einfach schön“, sagt Inge Bultschnieder, während sie ein duftendes Gebäck aus dem gusseisernen Waffeleisen zieht. „Ich bin mit meinem Stand eine kleine Anlaufstelle, um einen Plausch zu halten.“ Um genügend Kundschaft muss sich die ausgebildete Bäckerin keine Sorgen machen. Im Gegenteil: An diesem Samstagmorgen wird sie förmlich überrannt. Ihren Kunden macht das nichts aus, dass die Piaggio Ape fehlt. Für die großen und kleinen Marktbesucher scheint eine Stippvisite zum Abschluss des Einkaufs ein Pflichttermin zu sein. Und ein leckerer noch dazu, schließlich gibt es neben den normalen gepuderten Teigwaren auch die eher seltenen Apfelwaffeln.
Tatsächlich ist das Waffelbacken die große Leidenschaft von Inge Bultschnieder. „Das ist total toll“, beschreibt die 50-Jährige die Augenblicke, wenn insbesondere die jungen Marktbesucher sich eine süße Auszeit gönnen. „Für mich geht dann die Sonne auf, wenn die Kinder sich auf das süße Gebäck freuen.“ Aber nicht nur die Jüngsten kommen gerne zu ihrem Stand, der oft auch als mobile Waffelschmiede mit drei Rädern auf Veranstaltungen aller Art wie Hochzeiten, Firmenevents oder Kinderfesten gebucht ist. Meistens steht Inge Bultschnieder mit ihrer dreirädrigen Ape sonntags an den Fischteichen im Wiedenbrücker Stadtholz.
Über Umwege hat die alleinerziehende Mutter zweier Kinder wieder zu ihrem Ausbildungsberuf zurückgefunden. „Ich bin eine Bäckerin aus Leidenschaft“, erklärt Inge Bultschnieder. „Wer dieses Handwerk nicht aus Leidenschaft macht, braucht damit erst gar nicht anzufangen.“
Dementsprechend viel Zeit und Liebe investiert die Rheda-Wiedenbrückerin in der Backstube. Gute Zutaten seien ihr wichtig, verrät die 50-Jährige. Das Rezept hat sie von der Großmutter einer langjährigen Freundin. Hochwertiges Vollkornmehl, Weizen und Naturjoghurt, dazu selbst gepflückte Äpfel von der Obstwiese bei Haus Nottbeck in Oelde für die Apfelwaffeln. „Mehr wird aber nicht verraten“, will Inge Bultschnieder nicht zu viele Geheimnisse preisgeben. Sie bietet nicht nur frische Waffeln an, sondern auch anderes süßes Gebäck wie Nussecken. Die Haselnüsse hat sie selbst zerkleinert, im Innern bringt Aprikosenmarmelade eine herrliche Leichtigkeit in den Teig. Der Clou ist aber das Brot, das sie monatlich aus drei Sorten wechselt. Im Oktober war ihr Kürbisstuten in Windeseile ausverkauft, im November bereitet sie beispielsweise einen Rosinenstuten zu.

Die Waffelschmiede
Inge Bultschnieder
Telefon: 05242 598895
E-Mail: hallo@die-waffelschmiede.de
Internet: www.die-waffelschmiede.de
Öffnungszeiten: Die 50-Jährige bietet ihre Produkte samstags auf dem Wiedenbrücker Wochenmarkt an.

Text und Fotos: David Inderlied