Für Obst und Gemüse sind die Marktbeschicker aus der Region Experten. Auf den Märkten im Kreis Gütersloh und im Kreis Warendorf geben sie ihren Kunden wertvolle Tipps zur Lagerung und Verwertung der Produkte. Je nach Saison suchen wir uns eine Sorte Obst oder Gemüse heraus und sammeln wissenswerte Informationen für Sie.


Waffelschmiedin kommt mit dem Dreirad

Die kleine Piaggio ist das Markenzeichen von Inge Bultschnieder. Mit ihrer mobilen Bäckerei ist sie jeden Samstag auf dem Wochenmarkt in Wiedenbrück.

Verführerisch zieht der unverwechselbare Geruch von frischen Waffeln in die Nase. Dorthin, wo er hängen bleibt und Erinnerungen weckt. Unweigerlich scheinen die leckeren Düfte die Besucher zum kleinen Zelt am Rande des Wiedenbrücker Wochenmarkts zu ziehen. Normalerweise wäre sie mit ihrem zur Waffelschmiede umgebauten Dreiradroller, eine Piaggio Ape, zum Markt gekommen. Doch weil die „Biene“ häufiger für Events gebucht wird, hat sie dieses Mal ein Zelt aufgebaut.
Dort, im Schatten der Aegidiuskirche, hat Inge Bultschnieder an diesem Morgen wieder ihren Waffelstand aufgebaut. Seit nunmehr elf Jahren kommt sie jeden Samstag auf den Kirchplatz, um selbst gebackene Waffeln, Spritzgebäck, Nussecken und auch ein saisonales Brot anzubieten.
„Es ist einfach schön“, sagt Inge Bultschnieder, während sie ein duftendes Gebäck aus dem gusseisernen Waffeleisen zieht. „Ich bin mit meinem Stand eine kleine Anlaufstelle, um einen Plausch zu halten.“ Um genügend Kundschaft muss sich die ausgebildete Bäckerin keine Sorgen machen. Im Gegenteil: An diesem Samstagmorgen wird sie förmlich überrannt. Ihren Kunden macht das nichts aus, dass die Piaggio Ape fehlt. Für die großen und kleinen Marktbesucher scheint eine Stippvisite zum Abschluss des Einkaufs ein Pflichttermin zu sein. Und ein leckerer noch dazu, schließlich gibt es neben den normalen gepuderten Teigwaren auch die eher seltenen Apfelwaffeln.
Tatsächlich ist das Waffelbacken die große Leidenschaft von Inge Bultschnieder. „Das ist total toll“, beschreibt die 50-Jährige die Augenblicke, wenn insbesondere die jungen Marktbesucher sich eine süße Auszeit gönnen. „Für mich geht dann die Sonne auf, wenn die Kinder sich auf das süße Gebäck freuen.“ Aber nicht nur die Jüngsten kommen gerne zu ihrem Stand, der oft auch als mobile Waffelschmiede mit drei Rädern auf Veranstaltungen aller Art wie Hochzeiten, Firmenevents oder Kinderfesten gebucht ist. Meistens steht Inge Bultschnieder mit ihrer dreirädrigen Ape sonntags an den Fischteichen im Wiedenbrücker Stadtholz.
Über Umwege hat die alleinerziehende Mutter zweier Kinder wieder zu ihrem Ausbildungsberuf zurückgefunden. „Ich bin eine Bäckerin aus Leidenschaft“, erklärt Inge Bultschnieder. „Wer dieses Handwerk nicht aus Leidenschaft macht, braucht damit erst gar nicht anzufangen.“
Dementsprechend viel Zeit und Liebe investiert die Rheda-Wiedenbrückerin in der Backstube. Gute Zutaten seien ihr wichtig, verrät die 50-Jährige. Das Rezept hat sie von der Großmutter einer langjährigen Freundin. Hochwertiges Vollkornmehl, Weizen und Naturjoghurt, dazu selbst gepflückte Äpfel von der Obstwiese bei Haus Nottbeck in Oelde für die Apfelwaffeln. „Mehr wird aber nicht verraten“, will Inge Bultschnieder nicht zu viele Geheimnisse preisgeben. Sie bietet nicht nur frische Waffeln an, sondern auch anderes süßes Gebäck wie Nussecken. Die Haselnüsse hat sie selbst zerkleinert, im Innern bringt Aprikosenmarmelade eine herrliche Leichtigkeit in den Teig. Der Clou ist aber das Brot, das sie monatlich aus drei Sorten wechselt. Im Oktober war ihr Kürbisstuten in Windeseile ausverkauft, im November bereitet sie beispielsweise einen Rosinenstuten zu.

Die Waffelschmiede
Inge Bultschnieder
Telefon: 05242 598895
E-Mail: hallo@die-waffelschmiede.de
Internet: www.die-waffelschmiede.de
Öffnungszeiten: Die 50-Jährige bietet ihre Produkte samstags auf dem Wiedenbrücker Wochenmarkt an.

Text und Fotos: David Inderlied


Seit der Kindheit: Alles Käse

Probieren ist bei Mecki‘s Käseparadies erlaubt. Die Wahl fällt bei so vielen leckeren Sorten, die Alexander Konietzka auf Märkten anbietet, nicht leicht.
Er führt die Tradition seiner Mutter fort, die vor 36 Jahren mit dem Käseverkauf begann.

Auf dem Wochenmarkt in Warendorf herrscht an diesem Dienstag wie immer geschäftiges Treiben. Wer zu Mecki‘s Käseparadies kommt, dem Stand von Alexander Konietzka, wird von ihm fröhlich begrüßt. „Darf es erst einmal etwas zum Probieren sein?“, fragt er gut gelaunt. Wer würde da nicht Ja sagen? An Mecki‘s Käseparadies herrscht gute Stimmung – der Stand ist hier nicht mehr wegzudenken, zahlreiche Stammkunden kommen. Auf seinem Wagen habe Alexander Konietzka, der aus Versmold im Kreis Gütersloh kommt, schon jede Menge Emotionen durchlebt, wie er schildert. Er habe gescherzt und gelacht - und das nicht zu wenig. Aber ebenso getrauert und bitterlich geweint. Warum, das wird er später erzählen.

Vor 36 Jahren ist Mechthild Konietzka zum ersten Mal mit ihrem Käsewagen auf den Markt gefahren, erinnert sich ihr Sohn Alexander Konietzka. Der Schritt sei für sie ein Sprung ins kalte Wasser gewesen. Die gelernte Friseurin ging zu dem Zeitpunkt einem Bürojob nach - für ihre Leidenschaft habe sie diesen aufgegeben. Zuvor habe sie einer Bekannten auf ihrem Marktstand ausgeholfen. „Es hat ihr so viel Spaß gemacht, dass sie sich entschloss, einen eigenen Käsestand zu eröffnen“, schildert ihr Sohn. Mecki‘s Käseparadies war geboren. Sie habe auf verschiedenen Märkten für ihre Produkte geworben, als Erstes pries sie ihre Waren in Freckenhorst und Warendorf an. Inzwischen erfreut Mecki‘s Käseparadies seine Kunden auch in Beckum, Telgte und Everswinkel mit seiner Anwesenheit.

Alexander Konietzka erinnert sich gern an seine Kindheit zurück. In den Ferien habe er seine Mutter auf den Markt begleitet und ihr schon als kleiner Junge geholfen. Als „der Junge von Mecki“ sei er bei den anderen Verkäufern bekannt gewesen. Nach der Schule habe er kurz überlegt, ob er Speditionskaufmann werden sollte. Er entschloss sich dann aber doch dazu, bei seiner Mutter in die Lehre zu gehen und eine Ausbildung zum Kaufmann im Einzelhandel zu machen. So sei er mit in das Geschäft eingestiegen, zwischenzeitlich wurde sogar ein zweiter Verkaufswagen angeschafft. Alles sei gut gelaufen, bis Alexander Konietzka im Jahr 2012 einen schweren Schicksalsschlag verkraften musste. Seine Mutter ist ganz plötzlich verstorben. Auch für die Stammkunden sei diese Nachricht ein Schock gewesen, denn für viele von ihnen seien die Konietzkas fast wie eine Familie gewesen. „Gemeinsam mit den Kunden sind auf dem Markt in der Zeit sehr viele Tränen geflossen“, erzählt Konietzka.

Seitdem führt der 43-Jährige das Geschäft. Unterstützung bekommt er von seiner Frau Mona, außerdem hat er zwei Mitarbeiter. Es blieb jedoch nicht bei dem einen Schicksalsschlag. Zweimal wurde bei Konietzka Krebs diagnostiziert. Wie schon beim Tod der Mutter habe sich gezeigt, wie verbunden ihm seine Kundschaft ist. „Ich bekam Tüten voller Geschenke gebracht - und zwar direkt nach Hause.“

 

Mecki´s Käseparadies
Alexander Konietzka
Mobil: 0172 5781206
E-Mail: meckis.kaeseparadies@mail.de
Internet: www.meckis-kaeseparadies.de
Öffnungszeiten: Der 43-Jährige bietet seine Produkte auf folgenden Wochenmärkten an:
Telgte (dienstagnachmittags, donnerstagvormittags), Warendorf (dienstagvormittags, freitagvormittags), Everswinkel (freitagnachmittags),
Beckum (samstagvormittags).

Text: Andi Kleinemeier, Fotos: Kleinemeier, privat


Die Kraft der Sonne Messeniens

Homer, Dichter der Antike, schätzte es als flüssiges Gold, der Arzt Hippokrates nannte es den großen Heiler. Die Rede ist von Olivenöl. Liberis Panagiotaris aus Gütersloh schwört auf eine Sorte aus seiner Heimat Messenien.

Freitagmorgen auf dem Oelder Wochenmarkt: Die Sonne scheint, die Kirchturmuhr schlägt zur vollen Stunde. Lymperis Panagiotaris, der nur Liberis genannt werden möchte, steht hinter seinem Stand. Er ist in seinem Element. Eine Passantin nähert sich. „Guten Morgen“, ruft er in freudigem Tonfall. Sie bestellt: „Eine Flasche Olivenöl bitte. Den halben Liter.“

„Ich liebe es, auf den Wochenmarkt zu gehen“, sagt der 62-Jährige. „Die Atmosphäre, die Gespräche mit den Menschen, dieses Zwischenmenschliche, das wir alle nötig haben“, führt er aus. Er ist stolz auf die Produkte, die er anbietet. „Alles aus meiner Heimat“, betont er. Liberis stammt aus Messenien. Die Region liegt im südwestlichen Teil der Peloponnes in Griechenland. Kalamata ist die Landeshauptstadt des Regionalbezirks Messenien und bekannt für die gleichnamigen, weltberühmten Oliven. Sie finden sich selbstverständlich im Sortiment von Liberis, eingelegt in extra nativem Olivenöl oder Meersalzlake.

Sooft er kann, pendelt er zwischen Gütersloh und Kalamata. Seit Generationen bewirtschaftet die Familie Panagiotaris ihre Olivenhaine in ihrer Dorfgemeinde, erntet ihre Früchte und lässt sie in der modernen Ölmühle vor Ort weiterverarbeiten. Allen voran sein Vater und sein Onkel hätten ihn mit den Feinheiten und Geheimnissen vertraut gemacht, erläutert der 62-Jährige. Sie hätten als Familie und auch mit anderen Familien ihrer Dorfgemeinde viel auf den Feldern zusammengearbeitet.

Ein Kriterium für die hohe Qualität des Olivenöls stellt laut Liberis der Baumschnitt dar. Handarbeit gilt dabei als A und O. Als weitere Besonderheit, die über Wohl oder Wehe des Olivenöls entscheidet, nennt er den Zeitpunkt der Ernte, der abgewartet werden muss. In der Regel sei der optimale Reifezeitpunkt im November erreicht, und die Ernte könne in seiner Region bis Januar andauern.

 

Liberis Olivenöl
von Lymperis Panagiotaris
Telefon: 05241/1791506
E-Mail: info@liberis-olivenoel.de
Internet: www.liberis-olivenoel.de

Der Messenier bietet seine Produkte auf folgenden Wochenmärkten an: Beckum, Oelde, Harsewinkel, Gütersloh (-Isselhorst, -Friedrichsdorf), Lippstadt, Bielefeld, Halle und Steinhagen.

Text: Simon Brand, Fotos: Simon Brandt/privat