Für Obst und Gemüse sind die Marktbeschicker aus der Region Experten. Auf den Märkten im Kreis Gütersloh und im Kreis Warendorf geben sie ihren Kunden wertvolle Tipps zur Lagerung und Verwertung der Produkte. Je nach Saison suchen wir uns eine Sorte Obst oder Gemüse heraus und sammeln wissenswerte Informationen für Sie.


Verpackung? Nein, am liebsten lose

Marion van Aart mag es am liebsten ganz ohne. Auf lokalen Märkten gehen ihre Waren pur über den Tresen. Tüte und Zellophan ade.

Haferflocken, Quinoa, Nudeln oder Nüsse. Marion van Aart bietet in ihrem Unverpacktmobil auf den Wochenmärkten der Region eine Vielzahl von Produkten an. Eins haben sie gemeinsam: Sie sind unverpackt, denn das ist der 45-Jährigen besonders wichtig.

Wer auf dem Ahlener Wochenmarkt bei Marion van Aart einkauft, muss auf eines verzichten: auf Plastik. Das hat die Hammerin aus ihrem Leben und ihrem Sortiment verbannt. „Ich habe mein Leben nachhaltig ausgerichtet“, erzählt sie. Und da in Hamm und in der näheren Umgebung nach ihrer Erkenntnis kein Geschäft unverpackte Waren angeboten hat, ist sie auf die Idee gekommen, sich mit einem Marktstand selbstständig zu machen.

Regine Vieth gehört in Ahlen zu den Stammkunden. Am Samstagmorgen holt sie ein Glas aus ihrer Einkaufstasche und reicht es van Aart über den Verkaufstresen. Dort stellt die Hammerin das Glas auf die Waage, um das Gewicht zu bestimmen. Dann rieselt eine Körnermischung aus dem Vorratsbehälter ins Glas, das anschließend erneut gewogen wird.

„Danke, das ist für heute alles“, sagt Vieth, sieht auf das Display an der Waage, das ihr den Preis nebst QR-Code anzeigt. Die Kundin hat die Wahl, sich den Bon ausdrucken zu lassen oder mittels QR-Code aufs Handy zu scannen. „Ich finde es wichtig, Verpackungsmaterial einzusparen“, sagt Vieth und zahlt. „Es ist eine gute Idee, Produkte nachhaltig zu handeln – und es schmeckt auch. Man muss sich erst umstellen, aber es geht.“

200 verschiedene Produkte hat van Aart in ihrem Verkaufswagen an Bord. Darunter auch Artikel zur Körperpflege, Waschmittel und Spülmaschinenreiniger. „Ich habe Freunde und Bekannte gefragt, was sie brauchen würden und wo ihnen die Plastikverpackungen auf den Keks gehen“, erklärt die Unverpackt-Händlerin. „Anschließend habe ich mein Sortiment zusammengestellt.“

Die Hammerin hat immer ein Auge auf Produkte, die ein besonderes Plastikeinsparpotenzial haben. Ein gutes Beispiel sei Zahnpasta, sagt sie. Bei van Aart gibt es keine Zahncreme in Tuben. Sie bietet stattdessen Denttabs an, die sie lose in der gewünschten Stückzahl verkauft. „Die Tabs lösen sich in Verbindung mit Speichel auf. Man kann wie gewohnt die Zähne putzen“, erklärt van Aart. „Und das ganz ohne Plastikmüll.“

Fünf Tage in der Woche ist die 45-Jährige auf Wochenmärkten in Sachen Nachhaltigkeit unterwegs. Sonntag und Montag macht sie Pause. Ihre Entscheidung, sich selbstständig zu machen, hat Marion van Aart nicht bereut.

Am liebsten lose
Marion van Aart
Mobil: 0175 5001012
Internet: www.amliebstenlose.com
Öffnungszeiten:
Die 45-Jährige bietet ihre Produkte auf folgenden Wochenmärkten an: Ahlen (samstags), Drensteinfurt (donnerstagvormittags 14-täglich).

Text und Fotos: Harald Hübl


Seit der Kindheit: Alles Käse

Probieren ist bei Mecki‘s Käseparadies erlaubt. Die Wahl fällt bei so vielen leckeren Sorten, die Alexander Konietzka auf Märkten anbietet, nicht leicht.
Er führt die Tradition seiner Mutter fort, die vor 36 Jahren mit dem Käseverkauf begann.

Auf dem Wochenmarkt in Warendorf herrscht an diesem Dienstag wie immer geschäftiges Treiben. Wer zu Mecki‘s Käseparadies kommt, dem Stand von Alexander Konietzka, wird von ihm fröhlich begrüßt. „Darf es erst einmal etwas zum Probieren sein?“, fragt er gut gelaunt. Wer würde da nicht Ja sagen? An Mecki‘s Käseparadies herrscht gute Stimmung – der Stand ist hier nicht mehr wegzudenken, zahlreiche Stammkunden kommen. Auf seinem Wagen habe Alexander Konietzka, der aus Versmold im Kreis Gütersloh kommt, schon jede Menge Emotionen durchlebt, wie er schildert. Er habe gescherzt und gelacht - und das nicht zu wenig. Aber ebenso getrauert und bitterlich geweint. Warum, das wird er später erzählen.

Vor 36 Jahren ist Mechthild Konietzka zum ersten Mal mit ihrem Käsewagen auf den Markt gefahren, erinnert sich ihr Sohn Alexander Konietzka. Der Schritt sei für sie ein Sprung ins kalte Wasser gewesen. Die gelernte Friseurin ging zu dem Zeitpunkt einem Bürojob nach - für ihre Leidenschaft habe sie diesen aufgegeben. Zuvor habe sie einer Bekannten auf ihrem Marktstand ausgeholfen. „Es hat ihr so viel Spaß gemacht, dass sie sich entschloss, einen eigenen Käsestand zu eröffnen“, schildert ihr Sohn. Mecki‘s Käseparadies war geboren. Sie habe auf verschiedenen Märkten für ihre Produkte geworben, als Erstes pries sie ihre Waren in Freckenhorst und Warendorf an. Inzwischen erfreut Mecki‘s Käseparadies seine Kunden auch in Beckum, Telgte und Everswinkel mit seiner Anwesenheit.

Alexander Konietzka erinnert sich gern an seine Kindheit zurück. In den Ferien habe er seine Mutter auf den Markt begleitet und ihr schon als kleiner Junge geholfen. Als „der Junge von Mecki“ sei er bei den anderen Verkäufern bekannt gewesen. Nach der Schule habe er kurz überlegt, ob er Speditionskaufmann werden sollte. Er entschloss sich dann aber doch dazu, bei seiner Mutter in die Lehre zu gehen und eine Ausbildung zum Kaufmann im Einzelhandel zu machen. So sei er mit in das Geschäft eingestiegen, zwischenzeitlich wurde sogar ein zweiter Verkaufswagen angeschafft. Alles sei gut gelaufen, bis Alexander Konietzka im Jahr 2012 einen schweren Schicksalsschlag verkraften musste. Seine Mutter ist ganz plötzlich verstorben. Auch für die Stammkunden sei diese Nachricht ein Schock gewesen, denn für viele von ihnen seien die Konietzkas fast wie eine Familie gewesen. „Gemeinsam mit den Kunden sind auf dem Markt in der Zeit sehr viele Tränen geflossen“, erzählt Konietzka.

Seitdem führt der 43-Jährige das Geschäft. Unterstützung bekommt er von seiner Frau Mona, außerdem hat er zwei Mitarbeiter. Es blieb jedoch nicht bei dem einen Schicksalsschlag. Zweimal wurde bei Konietzka Krebs diagnostiziert. Wie schon beim Tod der Mutter habe sich gezeigt, wie verbunden ihm seine Kundschaft ist. „Ich bekam Tüten voller Geschenke gebracht - und zwar direkt nach Hause.“

 

Mecki´s Käseparadies
Alexander Konietzka
Mobil: 0172 5781206
E-Mail: meckis.kaeseparadies@mail.de
Internet: www.meckis-kaeseparadies.de
Öffnungszeiten: Der 43-Jährige bietet seine Produkte auf folgenden Wochenmärkten an:
Telgte (dienstagnachmittags, donnerstagvormittags), Warendorf (dienstagvormittags, freitagvormittags), Everswinkel (freitagnachmittags),
Beckum (samstagvormittags).

Text: Andi Kleinemeier, Fotos: Kleinemeier, privat


Die Kraft der Sonne Messeniens

Homer, Dichter der Antike, schätzte es als flüssiges Gold, der Arzt Hippokrates nannte es den großen Heiler. Die Rede ist von Olivenöl. Liberis Panagiotaris aus Gütersloh schwört auf eine Sorte aus seiner Heimat Messenien.

Freitagmorgen auf dem Oelder Wochenmarkt: Die Sonne scheint, die Kirchturmuhr schlägt zur vollen Stunde. Lymperis Panagiotaris, der nur Liberis genannt werden möchte, steht hinter seinem Stand. Er ist in seinem Element. Eine Passantin nähert sich. „Guten Morgen“, ruft er in freudigem Tonfall. Sie bestellt: „Eine Flasche Olivenöl bitte. Den halben Liter.“

„Ich liebe es, auf den Wochenmarkt zu gehen“, sagt der 62-Jährige. „Die Atmosphäre, die Gespräche mit den Menschen, dieses Zwischenmenschliche, das wir alle nötig haben“, führt er aus. Er ist stolz auf die Produkte, die er anbietet. „Alles aus meiner Heimat“, betont er. Liberis stammt aus Messenien. Die Region liegt im südwestlichen Teil der Peloponnes in Griechenland. Kalamata ist die Landeshauptstadt des Regionalbezirks Messenien und bekannt für die gleichnamigen, weltberühmten Oliven. Sie finden sich selbstverständlich im Sortiment von Liberis, eingelegt in extra nativem Olivenöl oder Meersalzlake.

Sooft er kann, pendelt er zwischen Gütersloh und Kalamata. Seit Generationen bewirtschaftet die Familie Panagiotaris ihre Olivenhaine in ihrer Dorfgemeinde, erntet ihre Früchte und lässt sie in der modernen Ölmühle vor Ort weiterverarbeiten. Allen voran sein Vater und sein Onkel hätten ihn mit den Feinheiten und Geheimnissen vertraut gemacht, erläutert der 62-Jährige. Sie hätten als Familie und auch mit anderen Familien ihrer Dorfgemeinde viel auf den Feldern zusammengearbeitet.

Ein Kriterium für die hohe Qualität des Olivenöls stellt laut Liberis der Baumschnitt dar. Handarbeit gilt dabei als A und O. Als weitere Besonderheit, die über Wohl oder Wehe des Olivenöls entscheidet, nennt er den Zeitpunkt der Ernte, der abgewartet werden muss. In der Regel sei der optimale Reifezeitpunkt im November erreicht, und die Ernte könne in seiner Region bis Januar andauern.

 

Liberis Olivenöl
von Lymperis Panagiotaris
Telefon: 05241/1791506
E-Mail: info@liberis-olivenoel.de
Internet: www.liberis-olivenoel.de

Der Messenier bietet seine Produkte auf folgenden Wochenmärkten an: Beckum, Oelde, Harsewinkel, Gütersloh (-Isselhorst, -Friedrichsdorf), Lippstadt, Bielefeld, Halle und Steinhagen.

Text: Simon Brand, Fotos: Simon Brandt/privat