Kleine Blätter, großer Geschmack

Es gibt fast nichts, was man hierzulande im Winter anpflanzen kann. Das gibt Susanne Utler ganz unverblümt zu. „Bis auf Feldsalat. Der gehört unbedingt in die Zeit“, fügt sie an und lacht. Mit ihrem Mann führt sie einen Gartenbaubetrieb in Herzebrock, auf dem Markt in Rheda teilt sie jede Woche ihr Wissen. Blumen sowie frisches Obst und Gemüse erhalten Kunden bei ihr – und dazu hilfreiche Tipps für Garten und Küche. „Feldsalat schmeckt erst dann richtig gut, wenn es draußen richtig kalt geworden ist. Dann wird er schön nussig“, erklärt sie.

Beinahe an jedem Gemüsestand auf den Wochenmärkten in der Region ist der Salat mit den kleinen Blättern zu finden. Frische erkennt man daran, dass die Blätter noch nicht welk und kräftig grün sind. Damit das auch zu Hause so bleibt, sollte er im Kühlschrank aufbewahrt werden. Das rät nicht nur Utler, sondern auch Sarah Könighaus aus Rietberg, die am Stand gegenüber eine Kundin bedient. Feldsalat sollte mit den Wurzeln nach unten in einer Plastiktüte oder Tupperdose aufbewahrt werden. Wichtig sei, dass diese nicht geschlossen und der Salat leicht feucht gehalten sowie dicht aneinandergereiht wird. „Feldsalat muss man mit Liebe verpacken, da Knicke in den Blättern ihn matschig werden lassen“, erklärt Könighaus.

Ulrike Riede, die auf dem Wochenmarkt in Ahlen am Stand von Ingo Hoffmeier aus Bad Sassendorf arbeitet, empfiehlt, die Wurzeln bis zum Verzehr an den Feldsalat-Rosetten zu lassen. So bleibt er länger frisch – und fällt nicht auseinander. „Wenn man ihn später zubereitet, kann man unten die Wurzeln abknapsen und die zusammenhängenden Blätter ansprechend drapieren“, erklärt sie. Gut waschen müsse man den Salat aber auf jeden Fall: Zwischen den feinen Blättern bleibt der Sand gut haften.

Ein Rezept, das Sarah Könighaus sehr gut gefällt, hat sie von ihrer Schwägerin. Dabei wird Feldsalat mit Rotweinzwiebeln, Birne und Ziegenkäse serviert. Ulrike Riede vom Wochenmarkt in Ahlen kombiniert ihn vielfältig. Mit Walnüssen, Gorgonzola und karamellisierter Birne beispielsweise ergebe sich eine tolle Variation, beschreibt sie. Dazu Traubenöl und fertig ist die Vorspeise. „Auch gemischt mit Rucola, dazu Zucchini, Tomate und Gurke, ist schnell ein leckerer Salat auf dem Tisch“, sagt Riede.

Saison hat der nährstoffreiche Salat – er enthält viel Vitamin C sowie Eisen – ab September, sagt Riedes Chef Ingo Hoffmeier. „Es gibt ihn zwar inzwischen das ganze Jahr über, aber wenn man Feldsalat aus der Region kaufen möchte, gibt es den vor allem im Herbst und Winter.“

Text und Fotos: Kirstin Oelgemöller

 


Kraftpaket vom Acker

Länglich, mal etwas schlanker, mal etwas breiter in der Form, liegen sie am Marktstand vom Gemüsehof Claas aus Herzebrock: Bohnen. Gelbe und grüne, dicke und dünne – alle vom eigenen Hof. Für jeden ist etwas dabei. Elisabeth Stratmann, die an diesem Dienstag auf dem Wochenmarkt in Oelde zu Petra Claas gekommen ist, weiß schon genau, was sie mit den Hülsenfrüchten anfängt: „Ich schneide die grünen Bohnen nachher zu Schnippelbohnen, koche sie ab und friere sie anschließend an“, erklärt sie. „Dann habe ich für den Winter passend große Portionen und kann mir zum Beispiel einen leckeren Eintopf daraus machen.“ Aktuell, da die Hülsenfrüchte noch Saison haben, kommen sie selbstverständlich frisch auf den Tisch.

Ein Eintopf ist auch das Lieblingsgericht mit Bohnen von Sabrina und Hermann Stratmann junior aus Ahlen-Dolberg. Seit dem vergangenen Jahr bieten sie auf ihrem Hof Bohnen zum Selbstpflücken an – auf Anregung der Kunden ihres Hofladens, wie Sabrina Stratmann erklärt. „Aktuell ist noch sehr viel Idealismus dabei, wir sind noch in der Testphase und müssen abwarten, wie es sich entwickelt“, ergänzt ihr Mann. Gelbe Wachsbohnen, grüne Prinzessbohnen und platte, grüne Buschbohnen, die auch als Brechbohnen bekannt sind, wachsen auf etwa einem halben Hektar. Reihe an Reihe, Strauch an Strauch. Routiniert pflückt das Paar die Hülsenfrüchte, die einen besonders hohen Eiweißgehalt aufweisen. Auch die Mineralstoffe Kalium, Kalzium und Eisen enthalten sie in größerer Menge. Innerhalb weniger Minuten sind einige hundert Gramm zusammengekommen.

Bohnen zum Selbstpflücken – „das kann man sich so vorstellen wie auf einem Erdbeerfeld“, erklärt Hermann Stratmann. Donnerstags, samstags und sonntags hat das Feld geöffnet. Er oder seine Frau kommen mit Bulli, Eimern und Waage zum Acker. Dann ist es Aufgabe der Kunden, sich so viele Bohnen zu pflücken, wie sie möchten. „Bei uns kann jeder sehen, wo die Produkte herkommen“, fügt er an. Die Unkrautregulierung geschieht mit einer Maishacke und in Handarbeit. Gespritzt werden die Pflanzen nicht. Und bei Trockenheit wird das Feld zusätzlich bewässert. „Wir haben mehrere Sätze Buschbohnen gesät. Deshalb haben wir von Mitte Juli bis Mitte oder Ende September kontinuierlich Bohnen“, sagt der Landwirt. Und so lange noch Hülsenfrüchte an den Sträuchern reifen, hat auch das Feld zum Selbstpflücken geöffnet.

Zurück auf dem Wochenmarkt in Oelde. Petra Claas gibt an ihrem Stand Tipps zur Lagerung von Bohnen. Zu Hause halten sie sich nur wenige Tage, betont sie. „Am besten ist es, sie direkt zu verarbeiten. Aber sie bleiben im Gemüsefach im Kühlschrank bis zu vier Tage frisch.“ Wichtig ist, Bohnen nicht roh zu essen. Sie enthalten den giftigen Pflanzenstoff Phasin, der erst beim Erhitzen und Kochen zerfällt. „Das gilt also auch, wenn man einen Bohnensalat macht“, betont Claas‘ Mitarbeiterin Marianne Rembrink. Für den empfiehlt sie gelbe Bohnen, weil diese besonders zart sind.

Auf dem Marktplatz in Harsewinkel ist am Dienstagvormittag Hubert Heitmann aus Clarholz anzutreffen.
Gelbe Wachsbohnen und grüne Böhnchen liegen in seiner Auslage. Saison haben sie etwa von Juli bis Oktober.
Immer abhängig vom Wetter, klar. Er selbst baut Stangenbohnen an, runde und platte. „Alle zwei Wochen mache ich eine neue Aussaat, so habe ich bis in den Herbst hinein immer frische Bohnen“, erklärt er. Der Aufwand sei gerade durch den mangelnden Niederschlag in den vergangenen Monaten nicht zu unterschätzen. Regelmäßiges Bewässern gehört ebenso zur Pflege der Bohnen wie das Hochbinden der Pflanzen. Stangenbohnen können immerhin mehr als zwei Meter hoch werden. Hubert Heitmann bindet Fäden an Stangen, an denen die  Pflanzen vernünftig gen Himmel wachsen. „Am Anfang muss ich immer etwas Anleitung geben und sie anlegen, aber dann ranken sie von alleine am Faden entlang“, erklärt er.
Um besonders knackige Bohnen anbieten zu können, pflückt der Clarholzer sie, wenn sie klein sind. „Das ist zwar mit mehr Arbeit verbunden, dafür schmecken sie aber auch besser.“ Der Kunde könne Frische daran erkennen, dass sich die Bohnen gut durchbrechen lassen. „Wenn sie sich weit durchbiegen, liegt die Ernte schon etwas zurück“, erklärt Heitmann.

Text und Fotos: Kirstin Oelgemöller


Bunte Knollen

Roh zum Dippen, gekocht als Gemüsebeilage zur Hauptspeise oder weiterverarbeitet als Suppe. Einmal gekauft oder im heimischen Beet geerntet, ist Kohlrabi vielfältig einsetzbar. Seit Mai muss Heike Cilker vom gleichnamigen Hof aus Herzebrock-Clarholz nicht mehr auf in Italien gereiften Kohl zurückgreifen, sondern kann den Kunden am Stand auf dem Herzebrocker Wochenmarkt frischen Kohlrabi aus dem eigenen Anbau anbieten. „Wir verkaufen hier auf dem Markt hauptsächlich grünen Kohlrabi“, sagt die Herzebrockerin, „denn die sind robuster und sehen auf den ersten Blick auch schöner aus“, erklärt sie während sie einige der Knollen aus der Auslage nimmt.

Ob der Kohl frisch ist, erkennt man laut Heike Cilker „an den kräftigen grünen Blättern“. „Man sollte auch gucken ob die Knolle schön fest ist“, kann Tobias Brüggenthies ergänzen. Der Geschäftsführer der Gärtnerei Brüggenthies aus Wadersloh-Diestedde verkauft jetzt im Sommer auf dem Markt in Beckum auch die rote Variante. „Natürlich aus eigenem Anbau, denn die schmecken einfach am besten“, sagt Brüggenthies lächelnd.

Kohlrabi lässt sich problemlos im Garten oder im Pflanzkübel anbauen. Kleine Pflanzen sind sowohl in Herzebrock als auch in Beckum auf dem Wochenmarkt in großer Anzahl zu bekommen. „Am besten pflanzt man sie im Intervall“, erklärt Heike Cilker. „Denn die Pflanzen wachsen schnell. So kann man sie nacheinander ernten und hat konstant frischen Kohlrabi zur Verfügung“, sagt sie.

Tobias Brüggenthies hat die Erfahrung gemacht, dass Kohlrabi, der als Setzling gepflanzt wird, „im Frühjahr rund acht Wochen und im Sommer fünf bis sechs Wochen braucht“ um erntereif zu sein. Damit der Kohl optimal wächst „sollte man die Pflanzen im Abstand von ungefähr 15 Zentimetern setzen“, empfiehlt Brüggenthies. „Sonst brauchen sie eigentlich nur viel Licht und viel Wasser“, fügt Heike Cilker hinzu.

Für den privaten Anbau empfiehlt Heike Cilker blauen Kohlrabi, „der ist im Anbau schön leicht“, sagt sie und zeigt auf die entsprechenden Pflänzchen ganz am Rand ihres Marktstandes auf dem Paul-Craemer-Platz in Herzebrock.

Text und Fotos: Christian Dresmann


Knackige Knollen