Gastronomie-Betriebe mit Charme: Die Inhaber sind mit Leidenschaft am Werk, mögen gutes Essen und Geselligkeit.
Um die Geschichte hinter Restaurants und Kneipen zu erfahren, sind wir für Sie im Kreis Warendorf unterwegs in Oelde, Ennigerloh, Beckum, Ahlen, Sendenhorst, Warendorf, Sassenberg, Beelen, Everswinkel und Telgte.


Alt Vellern mitten in Vellern

Das erste Gebäude stammt aus dem Jahr 1686, eine Schankurkunde aus den 1860er-Jahren, seit 1979 ist es im Besitz der Familie Stichling: das Restaurant und Hotel Alt Vellern. Es hat eine lange Geschichte.

Wo das heute von Bernd Stichling geführte Haus Alt Vellern seinen Ursprung hat, erkennt man sofort. Im Kaminzimmer und im angrenzenden „Stübchen“ sind die Wände leicht schief und der Bodenbelag besteht aus alten Steinplatten. Die Wohnräume eines ehemaligen Bauernhofes aus dem 17. Jahrhundert bilden heute das gemütliche und detailreich dekorierte Zentrum des Betriebs.

Dort wo jetzt das Restaurant seinen Platz hat, war früher die Deele des altehrwürdigen Bauernhauses. Die großen Fenster, die anstelle des ehemaligen Deelen-Tores eingebaut wurden, lassen reichlich Tageslicht auf die Sitzplätze für bis zu 70 Personen fallen. Mittagstisch und Abendkarte werden hier sechs Mal die Woche geboten. Nur am Sonntag ist Ruhetag.

Angesprochen auf den immer wieder von Trägern oder hüfthohen Mauern durchzogenen Restaurantbereich sagt Inhaber Bernd Stichling: „Die bauliche Gestaltung macht die Pflege nicht unbedingt leichter, aber das alles macht einfach die Atmosphäre aus.“ Eine Schankurkunde bezeugt, dass hier bereits seit 1860 Gäste miteinander anstoßen. Seit 1979 zeichnet dafür die Familie Stichling verantwortlich.

Durch den Zukauf benachbarter Grundstücke ist 1991 und 1998 in zwei Schritten aus dem reinen Schankbetrieb auch ein Hotel mit Tagungsräumen geworden. Die mittlerweile insgesamt 40 Zimmer im Haus Alt Vellern beherbergen unter der Woche vor allem geschäftlich Reisende. Wer Frühstück zu seiner Übernachtung bucht, kann den großen und lichtdurchfluteten Frühstücksraum nutzen. Bei passendem Wetter werden Speisen und Getränke auch gerne bis unter eine kleine Remise im Innenhof gebracht. Dort laden im Sommer weitere Sitzmöglichkeiten zum Verweilen in entspannter Atmosphäre ein. Im auch Gartenrestaurant genannten Bereich lässt sich zu späterer Stunde bei schönem Wetter und Vogelgezwitscher ein leichter Wein ebenso genießen wie eine frisch zubereitete Speise von der saisonalen Karte.

Alt Vellern – Hotel und Restaurant
Dorfstraße 21, 59269 Beckum-Vellern
Telefon: 02521 87170
E-Mail: hotel@alt-vellern.de
Internet: www.alt-vellern.de
Öffnungszeiten Restaurant: Montags bis freitags 12 bis 14 Uhr und 17.30 bis 22 Uhr; samstags ab 17.30 Uhr;
sonntags Ruhetag

Text und Fotos: Christian Dresmann


Rustikale Gemütlichkeit

Sobald man die Hauptstraße in Telgte verlassen hat und von der B51 in den Klatenberg einbiegt, wird es ruhig. Vereinzelt säumen Häuser und Gehöfte den Straßenrand. Ein unauffälliges, grünes Schild weist schließlich die Richtung zum Heidehotel Waldhütte. Immer weiter geht es in den Wald hinein. Hier könnte die Welt zu Ende sein. Bis plötzlich ein schmuckes Fachwerkhaus auftaucht. Doch anders als es der Name des Hotels vermuten lassen könnte – das
Haus ist alles andere als klein. Aber die Ruhe, die im Allgemeinen eine Hütte im Wald verspricht, ist sofort zu spüren.

Die Geschichte der Waldhütte beginnt lange bevor das Hotel zu einem bekannten Traditionsunternehmen wurde. Während es zu seinen Anfangszeiten seinem Namen entsprechend Bauern und Jägern als Unterstand im Wald diente, beherbergt es heute Gäste, die zum einen Ruhe und Entspannung, zum anderen eine ausgezeichnete westfälische Küche suchen. „1933 erwarb der Münsteraner Gastronom Otto Süß gemeinsam mit seiner Frau Gertrud den ehemaligen Bauern- und Jagdunterstand mit der Idee, daraus ein ländliches Ausflugsziel zu machen“, berichtet Gregor Joanning, der mit seiner inzwischen verstorbenen Frau Sigrid das Haus zu dem gemacht hat, was es heute ist. Mittlerweile führt der frühere
Inhaber die Waldhütte als Pächter weiter, gemeinsam mit dem Geschäftsführer Michael Krabbe, der seit 34 Jahren im Betrieb ist, und Küchenchef Dennis Wäsche.

Anfangs sei die Waldhütte eine kleine Speise- und Schankwirtschaft gewesen. Verzehrt worden seien Kuchen und einfache Schnittchen. „Oder aber, die Gäste, überwiegend Land- und Waldarbeiter, Jäger und Spaziergänger hatten sich die Brote selbst mitgebracht und tranken nur etwas“, erläutert der 67-Jährige. Doch schnell habe Süß die einstige Hütte zu einer Gaststätte ausgebaut. Das erste Personal sei angestellt, die ersten Übernachtungsgäste seien aufgenommen worden.

1952 kam es zu einem ersten Generationenwechsel. Eine Tochter der Familie Süß, Helma Süß, heiratete Josef Altrogge. Nach und nach wurde das Gasthaus umgebaut und erweitert. 1959/1960 kam die Landwirtschaft dazu. „Früher haben wir selbst geschlachtet und unsere Wurst hergestellt“, erinnert sich Joanning. „Doch das ist längst vorbei.“ 1969 wurde ein weiterer Hoteltrakt erbaut, in dem auch eine Wäscherei sowie die Privatwohnung der Familie Altrogge untergebracht gewesen sind. Das Paar habe 1953 die Tochter Sigrid bekommen, seine zukünftige Ehefrau, berichtet er weiter. „Wir haben 1976 geheiratet.“ In den darauffolgenden Jahren entwickelte sich die Waldhütte dank weiterer Renovierungen und Neubauten zu dem, was sie auch 2018 noch ist: Ein Hotel und Restaurant, dem der urtümlich westfälische Charakter noch immer aus allen Poren dringt.

„Die aus mehreren alten Bauernhöfen stammenden, jahrhundertealten Eichenbalken, antiken Schränke und Lampen vermitteln nach wie vor die urig-gemütliche Atmosphäre eines echten münsterländischen Bauernhauses“, betont
der Gastronom. Ein echtes Schmuckstück beispielsweise ist der 200 Jahre alte handgeschnitzte Eichenschrank. Die Motive auf den Türen erzählen Geschichten, die den Betrachter mit auf die Jagd nehmen. Ebenso ist das Bild im großen Gastraum, das die Waldhütte um 1913 zeigt, ein Hingucker. Hirschgeweihe an der Wand, ein alter Kamin, handgeschmiedete Leuchten und alte Schwarz-Weiß-Fotos spiegeln ebenfalls die Historie wider.

Das Wohl seiner Gäste liegt Joanning besonders am Herzen. Das dürfte eines seiner Geheimrezepte für den Erfolg sein: „Wir begrüßen unsere Gäste stets persönlich. Ob Herr Krabbe oder ich, einer von uns ist immer für sie da und ansprechbar“, betont der gelernte Hotelkaufmann und Koch, der sich im Alter von 16 Jahren „mit Leib und Seele der Gastronomie verschrieben“ hat. Kein Wunder, dass auch Prominente wie Schriftsteller Günter Grass, Entertainer
Harald Juhnke und Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher zu den Besuchern gehörten.

Heidehotel Waldhütte
Im Klatenberg 19, 48291 Telgte
Telefon: 02504 9200
E-Mail: info@heidehotel-waldhuette.de
Internet: www.heidehotel-waldhuette.de
Öffnungszeiten Montag bis Sonntag:
7 bis 10.30 Uhr Frühstück (nur mit Anmeldung), 12 bis 14 Uhr warme Küche, ab 14 Uhr Kaffee und Kuchen,
18 bis 21.30 Uhr warme Küche

Text: Anja Tenbrock, Fotos: Hubert Kemper



Schiefe Wände versprühen Charme

Die rot-bräunlichen Ziegelsteine glitzern in der Sonne, in ungleichmäßigen Abständen ziehen sich braune Holzbalken durch das Gemäuer, die dem zweigeschossigen Gebäude seinen Halt geben. Schief ist das Fachwerkhaus. Es scheint fast, als hätte die Last, Lebensgeschichten von Generationen beherbergen zu müssen, ihren Tribut gefordert. Bereits 1635 wurde der vordere Teil, 1838 der hintere des historischen Brauhauses „Warintharpa“ an der Kirchstraße im Herzen der Warendorfer Altstadt und Schatten der ältesten Kirche, der Laurentiuskirche, errichtet. 1986 haben beide Häuser die Denkmalplakette erhalten. Zwei Eingänge gibt es heute zum Gasthaus.

Katja und Bernd Schulte haben das Haus 2002 gekauft, nachdem es 1996 komplett renoviert worden war. „Aus dieser Zeit stammen auch die Original-Exponate, allesamt vom Gastronomie-Innenausstatter auf Flohmärkten erstanden“, erzählen die Inhaber des „Warintharpas“. „Es sind alles alte Stücke; nichts Nachgemachtes“, betont Bernd Schulte.

Für beide Wirtsleute war es vor 16 Jahren fast eine Selbstverständlichkeit „Ja“ zu sagen, als sie gefragt worden seien, ob sie das historische Brauhaus übernehmen wollten. Bernd Schulte ist gelernter Fleischer, seinen Großeltern gehörte die Traditionsmetzgerei Steltenkamp in der Emsstadt. Der Umgang mit Lebensmitteln und die Tatsache, aus einer Familie zu stammen, die ein Geschäft hatte, haben dazu geführt, dass ihm die berufliche Selbstständigkeit quasi im Blut liege. Zudem habe er eine Kochlehre absolviert.

Seine Frau Katja sei mit der Ausbildung zur Hotelfachfrau sowie Empfangssekretärin ebenfalls vom Fach. Erfahrungen haben beide zudem im Hotel „Hof zur Linde“ in Münster gesammelt. „Wir wussten, was auf uns zukommt, als wir das Gasthaus übernommen haben“, sagt das Ehepaar, das zwei Töchter hat. „Es ist ein toller Beruf. Jeden Tag kommen wir mit Menschen zusammen und somit birgt auch jeder Tag etwas Neues“, sagt die Gastronomin. Hinzu komme, dass das „Warintharpa“-Team „wie eine Familie ist“.

120 Plätze bietet das Brauhaus, weitere 70 im Biergarten auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Mit Beginn des Frühlings werden die ersten Tische rausgestellt; bei sonnigem Wetter sind sie schnell besetzt. „Vor allem Touristengruppen verweilen gern bei uns und genießen den Platz gegenüber der beeindruckenden Laurentiuskirche“, berichtet die 45-Jährige.

Wenn im „Warintharpa“ auch vieles an vergangene Zeit erinnert, die Speisekarte versteht es sehr wohl, Althergebrachtes mit Modernem zu verknüpfen. „Junge, kreative Gastronomie und traditionelle westfälische Küche schließen sich keineswegs aus“, erklärt Bernd Schulte. Ein Blick auf spezielle Angebote sowie in die Speisekarte bestätigt das. „Viele Besucher kommen hierher, um Rouladen zu essen, weil diese von jüngeren Generationen immer weniger zuhause zubereitet werden“, weiß er. Die gutbürgerliche Küche suchten viele als Alternative zu Restaurants mit internationaler Küche. „Sie wollen einfach mal ein Schnitzel oder Steak essen.“

Dementsprechend reicht das Angebot von einem kleinen Snack nach Feierabend über saisonale Gerichte, das westfälische Töttchen und andere Münsterländer Leckereien bis hin zum so genannten Drei-Gänge-Friedensreiter-Menu.  Bernd Schulte: „Unser Speisenangebot besteht aus einem Grundgerüst und saisonalen Ergänzungen wie Wild oder Spargel. Frische, Qualität und Regionalität sind die Grundzutaten einer erfolgreichen, gutbürgerlichen Küche.“

Text: Anja Tenbrock; Fotos: Oliver Baumjohann


Ein Haus voller Geschichte (n)

Der weiß gestrichene Flur, der Gasträume, Saal und Wintergarten verbindet, wirkt auf den ersten Blick nüchtern und kühl. Doch wer kurz stehen bleibt und sich die Mühe macht, einen Blick in die Glasvitrine zu werfen oder sich die Dekoration an den Wänden genauer anzuschauen, wird schnell vergessen, wo er hinwollte. Der Flur erzählt Geschichte. So wie der Saal und der große Gastraum des heutigen Restaurants Stiftshof Dühlmann an der Westkirchener Straße in Freckenhorst.

Seit 255 Jahren gehört das Gasthaus zur Stiftsstadt. Vor fünf Jahren haben die Dühlmanns das 250-jährige Jubiläum des Familienbetriebs gefeiert. Die gerahmten Dokumente wie Urkunden, Speisekarten, Fotos und Bilder an den Wänden entführen den Besucher in längst vergangene Zeiten. Sie erzählen nicht nur die Geschichte eines Hauses, sondern auch einer Familie, die seit Generationen für den Gasthof lebt. Hendirk Dühlmann führt ihn in der siebten Generation, die achte gibt es mit seinen Kindern Amelie (3), Henry (5) und Franziska (8) bereits. Theo Dühlmann, gelernter Bäckermeister und Vater des heutigen Inhabers, übernahm den Stiftshof 1977 von seinem Vater Theodor Dühlmann.

Zeit braucht es, um die vielen Schriftstücke, die sich unter dem Spiegelglas in dem großen, braunen Holzrahmen im Flur befinden, zu studieren. Stolz zeigt Hendirk Dühlmann auf zwei von ihm restaurierte Fenster mit Bleiverglasung, die ebenfalls im Flur die Wand schmücken: „Diese Oberlichter hingen früher im großen Saal.“ Unzählige Schätze beherbergt auch der Gastraum, gewissermaßen das Herzstück des Stiftshofs. 100 Jahre alte Stühle, ein riesiger, grüner Kachelofen von 1959, gemauerte Bögen und an den Wänden gerahmte schwarz-weiß Fotos machen die „urwestfälische Atmosphäre“ aus, schaffen Gastlichkeit und Gemütlichkeit. Zu besonderen Anlässen werde sogar das Geschirr von 1920 und echtes Silberbesteck aus dem Schrank geholt.

Altes bewahren und sich Neuerungen öffnen – dass das kein Widerspruch sein muss, zeigt ein Blick auf die Speisekarte. „Wir stehen für eine frische, westfälisch-deutsche Küche“, betont Hendirk Dühlmann. „Wir verschließen uns keineswegs den Trends der Zeit und bieten Traditionelles wie Neues an.“ Für ihn liege das Geheimnis einer anspruchsvollen Speisekarte in der Kombination von beidem. Qualität ist ein weiteres Stichwort, das für ihn eine wichtige Rolle spielt. Dühlmann legt großen Wert darauf, dass die frischen Lebensmittel aus der Region kommen. „Ich kaufe selbst ein“, verdeutlicht er. „Ich möchte die Ware sehen, die ich verarbeite. Gemüse und Obst beziehe ich stets aus dem Umkreis.“ Viele Kräuter, die er beim Kochen verwende, stammten aus dem eigenen Garten.

Tradition bewahren, Qualität sichern und die Zukunft im Blick haben – so lässt sich Hendirk Dühlmanns Rezept zusammenfassen, den Familienbetrieb auch durch die nächsten Jahrzehnte erfolgreich zu steuern.

Adresse & Öffnungszeiten:
Restaurant Stiftshof Dühlmann
Westkirchener Straße 1
48231 Warendorf-Freckenhorst
Tel. 02581 / 4191
E-Mail: h.duehlmann@t-online.de
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Samstag: 18 bis 24 Uhr
Sonntag: 11.30 bis 14 Uhr und 17 bis 23 Uhr

Text und Fotos: Anja Tenbrock


Wo man ein Stiefel vertragen kann

Heiner Jürgens braut in der ältesten Brauerei Westfalens sein eigenes Bier. Er achtet darauf, dass sich der Stil seines Braugasthofs "Stiefel-Jürgens" in Beckum auf keinen Fall verändert.

„Früher gab es immer nur das rein obergärige Stiefel-Bier. Der Uropa würde sich im Grabe umdrehen, wenn er vom untergärigen Ur-Alt erfahren hätte", meint Heiner Jürgens. „Aber alles gut.“ Heute stehen neben dem klassischen Stiefel-Bier ein naturtrübes Kellerbier, das Stephanus-Bräu (ein Pils), das ebenfalls naturtrübe, dunkle Ur-Alt sowie im Sommer ein Hefe-Weizen und im Winter ein Winterbräu auf der Karte. Alle Spezialitäten gibt es auch im Außer-Haus-Verkauf.

Bis auf die neuen Sorten hat sich in der ältesten Brauerei Westfalens nur wenig geändert. „Wir sind traditionsgebunden und wollen den Stil des Hauses auf keinen Fall verändern“, ist Heiner Jürgens stolz auf die acht Generationen vor ihm, die seit 1680 im Herzen Beckums Bier brauen. Damals gehörte noch eine Bäckerei zur Brauerei, denn „man braute das Bier und backte das Brot“. Diese Bäckerei wurde bis zum Jahre 1929 parallel geführt. Bis 1980 hat der Braumeister zudem die Gerste, die von den Landwirten angeliefert wurde, zu Malz verarbeitet.

„Wir halten es hier bewusst alt“, meint Jürgens, der anfügt: „Damit werben wir nicht nur, wir brauen auch so.“ Alles ein bisschen aus der Mode gekommen, aber deshalb stilecht.

Die hauseigene Brauerei hinten auf dem Hof ist nicht auf Hochglanz poliert. Nein, in ihr schlummert der Geist der Vorfahren. Der süßliche Geruch vom Malzzucker liegt in der Luft. Ein sicheres Indiz, dass hier gearbeitet wird. Ein- oder zweimal wöchentlich braut Jürgens, 400 Hektoliter im Jahr.

„Wir liegen von den Standards her bestimmt 60 Jahre zurück. Hier ist Handwerk gefragt“, erklärt der Braumeister, der schon von seinem Vater Heinrich die Kunst des Brauens lernte. „Ich bin damit aufgewachsen. Mir wurden die Kenntnisse schon in die Wiege gelegt. Außerdem war es damals selbstverständlich, den Familienbetrieb zu übernehmen“, erinnert sich der 49-Jährige, der 1994 seine Meisterprüfung ablegte und in anderen Brauereien Erfahrungen sammelte – ob in Oelde bei Pott’s oder in Münster bei Pinkus Müller. „Ich bin Brauer aus Herzenslust. Es ist einfach ein spannender Beruf“, beschreibt der Beckumer seine Liebe zum Bier. „Unser Ziel ist es, die Gäste zu begeistern und kein Allerweltsbier herzustellen.“

Adresse und Öffnungszeiten:
Brauhaus Stiefel-Jürgens
Hühlstraße 4-6, 59269 Beckum
Telefon 0 25 21 – 33 51
Internet: stiefel-juergens.de

Öffnungszeiten: Mittwoch und Samstag Frühschoppen ab 11 Uhr, Dienstag – Sonntag 17 – 24 Uhr, Küche 17 – 22 Uhr, Biergarten Mai – September, Montag Ruhetag 

Tipp: Mittwoch und Samstag Markttage ab 11 Uhr. „Da freut sich Leib und Seele“ mit Stiefels Spezialitäten und Brauhausgerichten.

Text und Bilder: Benedikt Miketta


Familientradition wird großgeschrieben

Wenn Josef Willenbrink durch seinen Gasthof in Lippborg geht, dann ist es immer wie eine Zeitreise. Schon als 13-jähriger Jungspund half Willenbrink bei seinen Eltern Beate und Antonius im Restaurant aus. Gläser spülen, Karten verteilen, aufräumen. „Ich wusste sehr früh, dass ich in die Gastronomie möchte“, sagt der mittlerweile 57-Jährige, der an dem Ort steht, an dem er schon als junge Hilfskraft stand. Nun aber als Küchenchef und Inhaber des Gasthof Willenbrinks, den er von seinen Eltern übernommen hatte.

„Hier stecken so viele Erinnerungen drin“, erklärt Willenbrink, der aus der Diele geht, im Flur stehen bleibt und auf die kleinen Delfter Porzellanteller an der Wand zeigt. „Die sind noch von meinen Eltern. Mutter hatte sie mal im Urlaub gekauft.“ An den Wänden hängen Bilder der Vorfahren, alte Urkunden, die Oma Gertrud bekommen hatte, oder besonders auffällig: Ein alter, rustikaler Wandschrank, der zu schade für den Scheiterhaufen war und jetzt als Platzhalter für Speisekarten, Geschirr und Tischdecken dient. „Uns gefällt die Mischung aus dem Alten, Rustikalen und dem Heimeligen“, sagt Josef Willenbrinks Frau Gabriele, die lächelt und anfügt: „Ich glaube, den Gästen gefällt es auch.“ Zumindest lässt es die Resonanz erahnen. „Wir verstehen uns als eine Stätte, in der man einfach nur ein Bierchen trinken kann.“ Oder übernachten. Denn das Gasthaus hat neben dem Restaurant noch ein Hotel. Für größere Veranstaltungen steht ein Saal zur Verfügung. Und im Thekenbereich treffen sich regelmäßig Stammtische, die teils auf ulkige Ideen kommen. „Hier haben zwei Männer mal um ein Fass Bier gewettet, dass der eine es nicht schaffen würde, mit einem Minibagger in die Kneipe zu fahren, um mit der Schaufel Bier zu zapfen“, erinnert sich Willenbrink und lacht. „Unglaublich. Ein paar Tage später hatten wir den Bagger im Haus.“ Der Verlierer zahlte seinen Preis und lud zur großen Sause ein. „Ach“, sagt Gabriele, „das sind doch die schönen Momente, wenn die Gäste und auch wir Spaß haben.“ Doch bald dürfte sich für die Josef und Gabriele Willenbrink ein Kreis schließen. Mit Sohn Andreas und Partnerin Sarike steht schon die nächste Generation in den Startlöchern, um den Betrieb zu übernehmen.

Text und Bilder: Benedikt Miketta


Himmlische Ruhe im Klosterdorf

Die Gastronomen Thomas und Susanne Bertram zog es vor einigen Jahren von Gelsenkirchen nach Vinnenberg. Hier, vor den Toren der Kreisstadt Warendorf, betreiben sie den Landgasthof „Zum kühlen Grunde“.

Das kleine Klosterdorf ist von schweigsamer Ruhe umhüllt. Balsam für die Seele jener, die extra hierher fahren, um abzuschalten. Selbst das Handy schweigt, es herrscht Funkstille.

Nur jeden Sonntag zur 20-Uhr-Messe herrscht für vinnenberger Verhältnisse Ausnahmezustand. „Dann geht es hier rund wie an der Schalker Veltinsarena“, scherzt Susanne Bertram. „Da wird es schon mal knapp mit den Parkplätzen.“

Vinnenberg ist über die Stadtmauern hinaus bekannt für sein Kloster. Doch es ist nicht das Gotteshaus, das den meisten  Gästen zuerst ins Auge springt. Es ist ein altes Mühlengebäude, an dessen Vorderseite ein uriges, hölzernes Wasserrad steht.
Damals noch trieb das Mühlrad, gespeist von der Bever, den Mahlvorgang an. Heute beherbert das alte Gebäude den urigen  Landgasthof.

Susanne und Thomas Bertram leben und arbeiten seit 2011 hier. Die schöne und ruhige Umgebung hat die Gastronomen angezogen. „Es ist schon ein sehr idyllisches Örtchen.“ Ganz anders als früher. Da war im Leben der Bertrams alles schriller, lauter, größer. So richtig Gelsenkirchen Mitte.

„Uns fragen viele, warum wir jetzt ins Münsterland gezogen sind“, sagt Thomas Bertram, der Küchenchef in seinem eigenen Reich. „Wir fühlen uns hier einfach sehr wohl, leben in einer schönen und ruhigen Umgebung“, erklärt Frau Susanne, die gesteht: „Mit 20 wäre ich nicht hierhergezogen. Jetzt aber, mit Anfang 50, ist das etwas anderes.“

Was Susanne Bertram mit ruhig und idyllisch meint, wird deutlich, als sie sich auf die Terrasse des großen Außenbereiches setzt. Dort, wo die Gäste im Sommer am liebsten speisen und trinken. Bertram hat es sich in ihrem Stuhl bequem gemacht, ihr Blick schweift durch den Garten des Landgasthofes. „Das ist wie Urlaub. Hier kann man gut entspannen.“ Eine 800 Jahre alte Linde spendet Schatten. „Und im Wassermühlenteich tummeln sich sogar Hechte und Aale“, weiß Thomas Bertram, der einst für die Mahlzeiten von Marine-Soldaten verantwortlich war, ehe er in Gelsenkirchen 20 Jahre lang sein erstes eigenes Restaurant führte.

Das Design im Landgasthof ist rustikal, typisch westfälisch. „Daran haben wir nichts geändert“, sagt Thomas Bertram.   Lediglich der Kneipenbereich wurde verkleinert. „Wir sehen uns eher als Restaurant.“ Auffällig ist nur hier und da: Das Ehepaar hat eine kleine, aber feine Schwäche für Kitsch. Kleinen Schnick-Schnack finden die Gäste auch im Garten. „Ein Bekannter stellt aus Schrott und Metall kleine Figuren her. Da sind wirklich feine Sachen bei.“

Radler aus dem Münsterland machen gern Halt am Gasthof, um sich bei einem Stück Kuchen und etwas zu Trinken zu stärken.
Ein Muss: Der hausgemachte Apfelkuchen.

Text: Bendikt Miketta, Fotos: Hubert Kemper


Schatzsuche im Letter Land

Besuch im Landgasthof Westhoff-Düppmann

Thomas und Sophia Westhoff-Düppmann sind leidenschaftliche Gastwirte. Ihr Landgasthof in Oelde-Lette ist schon lange kein Geheimtipp mehr. Mittlerweile ist das Haus so beliebt, dass die Inhaber regelmäßig Besucher wieder nach Hause schicken müssen, weil alle Tische besetzt oder ausgebucht sind. Thomas hat den Hof gemeinsam mit seinem Bruder Georg und der vollen Unterstützung seiner Mutter Sophia von seinem Vater übernommen. Auf den Teller kommen nur frische, regionale Lebensmittel vom Oelder Wochenmarkt oder von benachbarten Bauernhöfen. Sobald die Saison beginnt, zaubert Thomas Westhoff-Düppmann in der Küche Desserts und andere Feinheiten aus den im Garten hinter dem Hof selbst angebauten Früchten.

Der Landgasthof selbst hat eine lange Tradition. Das Haus ist rund 300 Jahre alt und seit jeher in der Hand der Ahnen Westhoff-Düppmanns. In den Anfängen lag das Gebäude gegenüber einer Schmiede und diente als Aufenthaltsort für die Kutscher, während deren Pferde neu beschlagen wurden. Der damalige Besitzer war Bierbrauer und Bäcker. Einige Relikte dieser Zeit sind auch heute noch im Landgasthof Westhoff-Düppmann erhalten.

Text und Video: Julia Frings , Anika Reckeweg