Gastronomie-Betriebe mit Charme: Die Inhaber sind mit Leidenschaft am Werk, mögen gutes Essen und Geselligkeit.
Um die Geschichte hinter Restaurants und Kneipen zu erfahren, sind wir für Sie im Kreis Warendorf unterwegs in Oelde, Ennigerloh, Beckum, Ahlen, Sendenhorst, Warendorf, Sassenberg, Beelen, Everswinkel und Telgte.

Gastronomen gehen neue Wege

Mehr als ein halbes Jahr Stillstand – die Gastronomie hat unter den Corona-Maßnahmen gelitten. Einige Betriebe haben aus der Not eine Tugend gemacht und kreative neue Konzepte entwickelt.

Restaurant-Feeling beim Wohnmobil-Dinner

Bei Facebook hat Norman Adelmann im vergangenen November die Idee der Wohnmobil-Dinner entdeckt. „Wir sind direkt auf das Pferd aufgesprungen“, sagt der Juniorchef vom Hotel Adelmann in Rietberg-Mastholte. „Im Kreis Gütersloh waren wir mit die Ersten, die die Wohnmobil-Dinner angeboten haben.“

Wer sich nach einem Restaurantbesuch sehnt, kann von zu Hause ein Menü von der monatlich wechselnden Speisekarte auswählen und einen Termin reservieren. Vor Ort wird ein Parkplatz vor dem Hotel zugewiesen. „Mit Abstand und Maske nehmen wir dann am Wohnmobil die Getränkebestellung auf und bringen das komplette Menü an die Tür“, erklärt Adelmann (43). Serviert werde selbstverständlich auf Porzellan und mit richtigem Besteck. „Es soll ja zumindest ein bisschen das Gefühl eines echten Restaurantbesuchs entstehen.“ Viele würden sich ihren Wagen extra schön herrichten, um in einem angenehmen Ambiente speisen zu können.

„Am Anfang wurden wir überrannt“, sagt Adelmann. „Da hätten wir deutlich mehr Plätze vergeben können.“ In der Regel sind die Gäste Familien. Viele Besucher kamen aber auch zu besonderen Anlässen wie Geburtstagen oder Hochzeitstagen. „Ein Höhepunkt war, als ein Paar direkt nach der standesamtlichen Trauung zu uns kam“, sagt Adelmann. Auch von weit her, unter anderem aus München, haben er und sein Team Gäste bedient. „Die meisten sind froh, einfach wieder etwas anderes zu erleben – und auch mal ein gezapftes Bier zu trinken“, sagt Adelmann.

Hotel Adelmann
Lippstädter Str. 5, 33397 Rietberg-Mastholte
Telefon: 02944 1442
E-Mail: info@hotel-adelmann.de
Internet: www.hotel-adelmann.de


Klönen und Knobeln in der Wiese

Knobelrunden zu jeder Tageszeit, die ersten Thekengäste morgens um 10 und mehr als 165 Jahre Tradition – das alles bietet der Alte Gasthof Wiese in Warendorf.

„Die Wiese ist die Wiese. Sie ist eine Institution in Warendorf“, sagt Falk Roerkohl. Der 49-Jährige hat Kneipe und Gasthaus vor knapp zweieinhalb Jahren von Margret Wiese übernommen, die dort 50 Jahre hinter der Theke stand. Dementsprechend viel hat sie über die Geschichte des Betriebs zu berichten. Und auch Roerkohl kennt inzwischen die Eigenheiten seiner Stammgäste, von denen er lachend zu berichten weiß.

Pünktlich um fünf Minuten vor zehn am Vormittag haben diese über Jahre vor der Kneipentür gestanden, erinnert sich Wiese. „Wenn ich nicht pünktlich aufgeschlossen habe, dann rappelte es auch schon mal an der Tür“, erzählt sie. Die Männer von Tisch 1, der verlängerten Theke, hätten stets viel geknobelt. Doch nicht nur die. „Ich habe Zeiten erlebt, da kamen zehn Leute unter der Woche mittags zum Knobeln. Es wusste jeder: Um eins, Viertel nach eins ist Aufschlag. Und dann ging das bis um drei. Natürlich mit vollem Bierdeckel“, sagt die heute 74-Jährige und lacht bei der Erinnerung an die zahlreichen alkoholischen Getränke, die sie damals bereits zur Mittagszeit ausschenkte.

2019 war es, als der Warendorfer das Alte Gasthaus Wiese übernommen hat. Im Gästeraum ersetzte Roerkohl die Sitzbänke durch Stühle, die Tische erhielten neue Tischplatten, in der Kneipe wurden die Barhocker neu bezogen. „Viel mehr haben wir an der Ausstattung nicht verändert.“ Schließlich sollte „die Wiese“ als solche erkennbar bleiben.

Eine augenscheinliche Veränderung hat sich allerdings an den Wänden im Gästeraum vollzogen. Dort hängen mehrere Filmplakate. Diese hat der Gastronom von Johannes Austermann erhalten. Mit dem Besitzer des Kinos „Scala“ in Warendorf kooperiert er und das zeigt sich ebenso auf der Speisekarte: Dort gibt es das Schnitzel nach „Scala-Art“ mit einer Nacho-Panade. Die Chips sind original die, die Austermann in seinem Kino an die Zuschauer ausgibt. Eines der Plakate im Alten Gasthaus Wiese gehört allerdings dem Kneipier selbst: „Paul Leon“ ist nicht nur das größte, sondern auch mit Abstand das älteste. „Es ist ein Originalplakat und mehr als 100 Jahre alt“, betont Roerkohl, der stolz auf das besondere Stück ist.

Richtig was los war im Alten Gasthaus Wiese schon in den 1960er-Jahren. Auch hinter der Ladentheke des damaligen Café- und Konditoreibetriebs. „Ich erinnere mich noch, dass hier für alle Cafés in der Stadt das Eis gefroren wurde“, erzählt Margret Wiese. Bis zu 150 Liter Speiseeis am Tag.

Was sich vor den 1950er-Jahren im Alten Gasthaus Wiese abgespielt hat, davon weiß auch Margret Wiese nur aus Erzählungen. Falk Roerkohl und Rebecca Lek forschen in Archiven nach, um möglichst viel über die Geschichte von Haus und Betrieb herauszufinden. Auf einige alte Fotos sind sie dabei bereits gestoßen.

Heute konzentriert sich Roerkohl auf den Kneipen- und Gastronomiebetrieb. Täglich – außer montags – öffnet er um 10, Feierabend ist gegen 23 Uhr. Die Küche ist sein Refugium, die Karte beschreibt er als klassisch deutsch mit westfälischen Einschlägen. Derzeit gibt es ein Baukastensystem, in dem sich die Gäste ihre eigene Speise zusammenstellen können: Hähnchen- oder Schweineschnitzel, klassisch gewürzt oder mit Panade, dazu eine Auswahl an Soßen und Beilagen. Außerdem gibt es ein vegetarisches Pastagericht, einen veganen Gartensalat und einen Salat mit gratiniertem Ziegenkäse.

Altes Gasthaus Wiese
Kirchstraße 3, 48231 Warendorf
Telefon: 02581 8725
Internet: www.agwiese.de
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10 bis 23 Uhr, Küche 17 bis 21 Uhr und nach Vereinbarung, Montag Ruhetag

 

Text: Kirstin Oelgemöller, Fotos: Hubert Kemper, Andreas Poschmann, Altstadtfreunde Warendorf, privat


Oelde kocht live im Internet

Ein Event auf die Beine zu stellen, bei dem die Menschen für kurze Zeit ihre Sorgen vergessen können – das war das Ziel der Organisatoren von „Oelde kocht live“. Eine Gruppe um den Eventtechniker Daniel Kolodzeiski verwirklichte die Idee einer Live-Kochshow mit örtlichen Gastronomen. „In bisher vier Folgen sowie einer Bonus-Show für Kinder haben Chefköche gemeinsam mit Oelder Bekanntheiten Gerichte zubereitet, die die Zuschauer zu Hause mitkochen konnten“, berichtet Michael Twittmann aus dem Organisationsteam. Dazu kauften sich alle, die mitmachen wollten, bei Edeka Junkerkalefeld in Oelde vorgefertigte Boxen mit den Zutaten für das Rezept.

Mit dabei waren bisher das Haus Zelic, das Pott’s Brau- und Backhaus und das Landgasthaus Hohen Hagen. 50 bis 200 Boxen sind für die jeweiligen Veranstaltungen verkauft worden. 2500 bis 3000 Zuschauer haben die einzelnen Kochshows verfolgt. „Sogar Menschen aus den USA und Portugal, die einen Bezug zu Oelde haben, waren dabei“, sagt Twittmann, der als Moderator durch die Veranstaltungen führte. Es hat sich sogar eine Stammkundschaft entwickelt, die bei jeder Folge dabei war, berichtet er. Bei YouTube konnten die Zuschauer über den Chat Fragen stellen und sich an Diskussionen beteiligen. „Die Rückmeldungen haben uns gezeigt, dass es uns geglückt ist, die Menschen für zwei Stunden vergessen zu lassen, was in der Welt alles los ist“, sagt Twittmann.

Aufgrund der zahlreichen positiven Resonanz haben sich die Organisatoren dazu entschlossen, eine zweite Staffel „Oelde kocht live“ zu veranstalten. „Auch wenn die Pandemie vorbei ist, wollen wir weitermachen“, betont Twittmann. Allerdings erst, wenn das Wetter wieder schlechter wird – also im Herbst. Und die Chancen auf eine weitere Staffel stehen nicht schlecht, es gibt bereits die Zusage von zwei Gastronomen.

Oelde kocht live
Internet: www.facebook.com/Oelde.Kocht


Regionale Burger vom Foodtruck

Einmal im Monat steht Marc Freitag mit dem Foodtruck an der Feuerarena in Ahlen und verkauft die Burger, die es sonst in dem Restaurant Fuchshöhle in Wadersloh gibt. Den Foodtruck hatte er schon im Jahr 2019 angeschafft – eigentlich wollte er mit ihm zu Veranstaltungen fahren und die Gäste vor Ort bedienen. An große Veranstaltungen ist jedoch schon lange nicht mehr zu denken. Doch da der Truck angeschafft war, entschlossen sich seine Eltern Doris und Heinrich-Josef und er kurzerhand, ihn anderweitig einzusetzen. „Außer dem Abholgeschäft können wir jetzt auch über den Foodtruck unseren Kunden mit regionalen Burgern etwas Gutes tun“, sagt Freitag.

Für den 32-Jährigen, der im Betrieb seiner Eltern als Koch arbeitet, eine willkommene Abwechslung. Gerade für das Küchenpersonal sei es ein wunderschönes Erlebnis, direkt mit den Leuten zu sprechen. „Wir haben richtig Spaß“, sagt Freitag. „In diesen teilweise depressiven Zeiten tut das dem Herz und der Seele gut.“ Auch viele Stammkunden würden extra aus Wadersloh nach Ahlen kommen. Zu kaufen gibt es an dem Truck die klassischen Burger mit regionalem Rindfleisch und Salat sowie selbst gemachten Soßen. Außerdem Falafel-Burger nach eigenem Rezept sowie pro Monat einen Spezialburger. Passend zur Spargelsaison zum Beispiel einen Spargel-Burger.

Marc Freitag vermutet, dass auch in absehbarer Zeit keine größeren Veranstaltungen stattfinden werden können. Deshalb wird der Foodtruck auch weiterhin an einem Freitag im Monat in Ahlen stehen. Inzwischen hat er weitere Anfragen erhalten, zum Beispiel aus Lippstadt. „Wir sind im Moment noch in der Anfangsphase und arbeiten uns ein“, sagt Freitag. „Aber wir können uns gut vorstellen, auch an weiteren Standorten in der Region regelmäßig unsere Burger anzubieten.“

Der.Freitag – Foodtruck
Standort: Feuerarena Ahlen (einen Freitag im Monat)
Telefon: 02523 1445
E-Mail: info@fuchshöhle.de
Internet: www.facebook.com/Der.Freitag.Fuchshoehle

Text: Andi Kleinemeier, Fotos: Andi Kleinemeier, Kirstin Oelgemöller, Conny Kingma, Sirko Junge Fotografie, privat


Als Profikoch in fremden Küchen

Ob große Küche oder kleine Kochnische – Patrick Schweigart kommt mit allem zurecht. Kaum ein Arbeitsplatz ist für den Mietkoch aus Oelde zu klein.

hierzulande: Was macht für Sie den Reiz aus, Mietkoch zu sein?

Schweigart: Mich begeistert, dass ich immer neue Küchen sehe. Die sind mal klein, mal groß, mal gut und mal schlechter ausgestattet. Ich hatte wirklich schon alles, von einer Art Besenkammer bis zur Riesenküche mit über 100 Quadratmetern. Und es begeistert mich, dass ich sofort die Reaktionen sehe, wenn ich den Gästen etwas koche. Meistens suchen sich die Kunden nämlich untereinander eine Küche aus, die offen gestaltet ist, damit sie mir zusehen können.

hierzulande: Wer bucht Sie als Mietkoch?

Schweigart: Es sind meistens Privatpersonen, da für mein Vorhaben ja eine Küche vorhanden sein sollte und diese auch im privaten Bereich steht. Ich hatte zum Beispiel schon mehrere Junggesellenabschiede, wo nur ein geringes Budget vorhanden war. Ebenso habe ich Kunden, bei denen der Preis keine Rolle spielt. Das hat nicht unbedingt etwas mit dem Einkommen zu tun: Diese Kunden gönnen sich das Event einmal im Jahr, koste es, was es wolle. Natürlich gibt es auch Ausnahmen, bei denen ich eine mobile Küche in Firmen aufgebaut habe.

hierzulande: Welche Herausforderungen bringt Ihr Job für Sie mit sich?

Schweigart: Meistens ist der Platz die größte Herausforderung. Aber meine Menüs sind so organisiert, dass ich sie überall umsetzen kann. Jeder hat einen Backofen, einen Herd und ein paar Pfannen und Töpfe. Das ist das, was ich vom Kunden benutze. Dazu gibt es Spezialgeräte, die ich mitbringe: eigene Messer, einen Mixer und ein Niedrigtemperaturgargerät. So kann ich meine Qualität gewährleisten, egal was für eine Küche vor Ort ist.

hierzulande: Verwenden Sie zum Servieren auch das Geschirr des Kunden?

Schweigart: Ich nehme fast immer das des Kunden. Ich habe eine kleine Auswahl an Geschirren da, falls der Kunde wirklich nichts hat. Denn ich hatte in meinem ersten Jahr einen Fall, bei dem ich die Kundenteller nicht vorher überprüft habe. Und dann gab es nur Teller mit einer riesigen italienischen Flagge darauf. Die waren zu einem Drittel grün, zu einem Drittel rot und zu einem Drittel weiß. Wirklich alle Teller, die tiefen und die flachen (lacht). Und damit kann ich gar nicht arbeiten, da die Farben meines Gerichts nicht zur Geltung kommen. Ich nehme gerne weiße Teller ohne Schnickschnack, die hat fast jeder. Seitdem kontrolliere ich übrigens jedes Mal vorher die Teller.

hierzulande: Wie sieht Ihr Zeitplan bei einem Termin aus?

Schweigart: Es kommt zunächst die Anfrage rein. Danach vereinbare ich einen Termin zur Menüabsprache. Der findet beim Kunden statt, denn dann sehe ich direkt die Küche und weiß, was möglich ist, zum Beispiel vom Platz her. Anschließend wird das Menü besprochen: Startzeit, Allergien, wie viele Gänge, welche Gänge und der Preis. Ich passe mich von den Gerichten immer gerne dem Budget des Kunden an, das ist für beide Seiten zufriedenstellend. Und zwei bis sechs Wochen später ist der Termin. Kurz vorher kaufe ich alles dafür ein, und fahre dann zwei bis drei Stunden vor dem ersten Gang zum Kunden. So kann ich alles vorbereiten und habe keinen Stress. Es soll ja locker ablaufen und entspannt sein. Das heißt etwa gegen 16 Uhr komme ich an, gegen 18.30 Uhr gibt es einen Empfang, wenn die Gäste kommen, und es gibt einen kleinen Gruß aus der Küche. Und im Anschluss daran nimmt der Abend seinen Lauf. Eine Zielzeit gibt es nicht.

hierzulande: Bieten Sie auch Speisen für Vegetarier oder Veganer an?

Schweigart: Ich koche auch vegetarisch und vegan. Meistens ist es so, dass die meisten Gäste Fleischesser sind und ein Vegetarier oder Veganer dabei ist. Da mache ich ein Ersatzprodukt, das vom Aufwand her dem Fleisch gleichkommt. Das kann eine feine Lasagne mit Röstgemüse oder Antipasti-Gemüse sein. Dazu gibt es meistens ähnliche Beilagen wie beim Fleisch. Aber es ist wirklich ein kleines Kunstwerk, das ich erstelle.

Mietkoch Pasch – Patrick Schweigart
Telefon: 0176 23662961 (Anfragen auch über Whatsapp möglich)
E-Mail: pasch-feinkost@web.de
Internet: www.pasch-mietkoch.de

Interview: Kirstin Oelgemöller, Fotos: Patrick Schweigart, privat


Alt Vellern mitten in Vellern

Das erste Gebäude stammt aus dem Jahr 1686, eine Schankurkunde aus den 1860er-Jahren, seit 1979 ist es im Besitz der Familie Stichling: das Restaurant und Hotel Alt Vellern. Es hat eine lange Geschichte.

Wo das heute von Bernd Stichling geführte Haus Alt Vellern seinen Ursprung hat, erkennt man sofort. Im Kaminzimmer und im angrenzenden „Stübchen“ sind die Wände leicht schief und der Bodenbelag besteht aus alten Steinplatten. Die Wohnräume eines ehemaligen Bauernhofes aus dem 17. Jahrhundert bilden heute das gemütliche und detailreich dekorierte Zentrum des Betriebs.

Dort wo jetzt das Restaurant seinen Platz hat, war früher die Deele des altehrwürdigen Bauernhauses. Die großen Fenster, die anstelle des ehemaligen Deelen-Tores eingebaut wurden, lassen reichlich Tageslicht auf die Sitzplätze für bis zu 70 Personen fallen. Mittagstisch und Abendkarte werden hier sechs Mal die Woche geboten. Nur am Sonntag ist Ruhetag.

Angesprochen auf den immer wieder von Trägern oder hüfthohen Mauern durchzogenen Restaurantbereich sagt Inhaber Bernd Stichling: „Die bauliche Gestaltung macht die Pflege nicht unbedingt leichter, aber das alles macht einfach die Atmosphäre aus.“ Eine Schankurkunde bezeugt, dass hier bereits seit 1860 Gäste miteinander anstoßen. Seit 1979 zeichnet dafür die Familie Stichling verantwortlich.

Durch den Zukauf benachbarter Grundstücke ist 1991 und 1998 in zwei Schritten aus dem reinen Schankbetrieb auch ein Hotel mit Tagungsräumen geworden. Die mittlerweile insgesamt 40 Zimmer im Haus Alt Vellern beherbergen unter der Woche vor allem geschäftlich Reisende. Wer Frühstück zu seiner Übernachtung bucht, kann den großen und lichtdurchfluteten Frühstücksraum nutzen. Bei passendem Wetter werden Speisen und Getränke auch gerne bis unter eine kleine Remise im Innenhof gebracht. Dort laden im Sommer weitere Sitzmöglichkeiten zum Verweilen in entspannter Atmosphäre ein. Im auch Gartenrestaurant genannten Bereich lässt sich zu späterer Stunde bei schönem Wetter und Vogelgezwitscher ein leichter Wein ebenso genießen wie eine frisch zubereitete Speise von der saisonalen Karte.

Alt Vellern – Hotel und Restaurant
Dorfstraße 21, 59269 Beckum-Vellern
Telefon: 02521 87170
E-Mail: hotel@alt-vellern.de
Internet: www.alt-vellern.de
Öffnungszeiten Restaurant: Montags bis freitags 12 bis 14 Uhr und 17.30 bis 22 Uhr; samstags ab 17.30 Uhr;
sonntags Ruhetag

Text und Fotos: Christian Dresmann

Rustikale Gemütlichkeit

Sobald man die Hauptstraße in Telgte verlassen hat und von der B51 in den Klatenberg einbiegt, wird es ruhig. Vereinzelt säumen Häuser und Gehöfte den Straßenrand. Ein unauffälliges, grünes Schild weist schließlich die Richtung zum Heidehotel Waldhütte. Immer weiter geht es in den Wald hinein. Hier könnte die Welt zu Ende sein. Bis plötzlich ein schmuckes Fachwerkhaus auftaucht. Doch anders als es der Name des Hotels vermuten lassen könnte – das
Haus ist alles andere als klein. Aber die Ruhe, die im Allgemeinen eine Hütte im Wald verspricht, ist sofort zu spüren.

Die Geschichte der Waldhütte beginnt lange bevor das Hotel zu einem bekannten Traditionsunternehmen wurde. Während es zu seinen Anfangszeiten seinem Namen entsprechend Bauern und Jägern als Unterstand im Wald diente, beherbergt es heute Gäste, die zum einen Ruhe und Entspannung, zum anderen eine ausgezeichnete westfälische Küche suchen. „1933 erwarb der Münsteraner Gastronom Otto Süß gemeinsam mit seiner Frau Gertrud den ehemaligen Bauern- und Jagdunterstand mit der Idee, daraus ein ländliches Ausflugsziel zu machen“, berichtet Gregor Joanning, der mit seiner inzwischen verstorbenen Frau Sigrid das Haus zu dem gemacht hat, was es heute ist. Mittlerweile führt der frühere
Inhaber die Waldhütte als Pächter weiter, gemeinsam mit dem Geschäftsführer Michael Krabbe, der seit 34 Jahren im Betrieb ist, und Küchenchef Dennis Wäsche.

Anfangs sei die Waldhütte eine kleine Speise- und Schankwirtschaft gewesen. Verzehrt worden seien Kuchen und einfache Schnittchen. „Oder aber, die Gäste, überwiegend Land- und Waldarbeiter, Jäger und Spaziergänger hatten sich die Brote selbst mitgebracht und tranken nur etwas“, erläutert der 67-Jährige. Doch schnell habe Süß die einstige Hütte zu einer Gaststätte ausgebaut. Das erste Personal sei angestellt, die ersten Übernachtungsgäste seien aufgenommen worden.

1952 kam es zu einem ersten Generationenwechsel. Eine Tochter der Familie Süß, Helma Süß, heiratete Josef Altrogge. Nach und nach wurde das Gasthaus umgebaut und erweitert. 1959/1960 kam die Landwirtschaft dazu. „Früher haben wir selbst geschlachtet und unsere Wurst hergestellt“, erinnert sich Joanning. „Doch das ist längst vorbei.“ 1969 wurde ein weiterer Hoteltrakt erbaut, in dem auch eine Wäscherei sowie die Privatwohnung der Familie Altrogge untergebracht gewesen sind. Das Paar habe 1953 die Tochter Sigrid bekommen, seine zukünftige Ehefrau, berichtet er weiter. „Wir haben 1976 geheiratet.“ In den darauffolgenden Jahren entwickelte sich die Waldhütte dank weiterer Renovierungen und Neubauten zu dem, was sie auch 2018 noch ist: Ein Hotel und Restaurant, dem der urtümlich westfälische Charakter noch immer aus allen Poren dringt.

„Die aus mehreren alten Bauernhöfen stammenden, jahrhundertealten Eichenbalken, antiken Schränke und Lampen vermitteln nach wie vor die urig-gemütliche Atmosphäre eines echten münsterländischen Bauernhauses“, betont
der Gastronom. Ein echtes Schmuckstück beispielsweise ist der 200 Jahre alte handgeschnitzte Eichenschrank. Die Motive auf den Türen erzählen Geschichten, die den Betrachter mit auf die Jagd nehmen. Ebenso ist das Bild im großen Gastraum, das die Waldhütte um 1913 zeigt, ein Hingucker. Hirschgeweihe an der Wand, ein alter Kamin, handgeschmiedete Leuchten und alte Schwarz-Weiß-Fotos spiegeln ebenfalls die Historie wider.

Das Wohl seiner Gäste liegt Joanning besonders am Herzen. Das dürfte eines seiner Geheimrezepte für den Erfolg sein: „Wir begrüßen unsere Gäste stets persönlich. Ob Herr Krabbe oder ich, einer von uns ist immer für sie da und ansprechbar“, betont der gelernte Hotelkaufmann und Koch, der sich im Alter von 16 Jahren „mit Leib und Seele der Gastronomie verschrieben“ hat. Kein Wunder, dass auch Prominente wie Schriftsteller Günter Grass, Entertainer
Harald Juhnke und Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher zu den Besuchern gehörten.

Heidehotel Waldhütte
Im Klatenberg 19, 48291 Telgte
Telefon: 02504 9200
E-Mail: info@heidehotel-waldhuette.de
Internet: www.heidehotel-waldhuette.de
Öffnungszeiten Montag bis Sonntag:
7 bis 10.30 Uhr Frühstück (nur mit Anmeldung), 12 bis 14 Uhr warme Küche, ab 14 Uhr Kaffee und Kuchen,
18 bis 21.30 Uhr warme Küche

Text: Anja Tenbrock, Fotos: Hubert Kemper



Schiefe Wände versprühen Charme

Die rot-bräunlichen Ziegelsteine glitzern in der Sonne, in ungleichmäßigen Abständen ziehen sich braune Holzbalken durch das Gemäuer, die dem zweigeschossigen Gebäude seinen Halt geben. Schief ist das Fachwerkhaus. Es scheint fast, als hätte die Last, Lebensgeschichten von Generationen beherbergen zu müssen, ihren Tribut gefordert. Bereits 1635 wurde der vordere Teil, 1838 der hintere des historischen Brauhauses „Warintharpa“ an der Kirchstraße im Herzen der Warendorfer Altstadt und Schatten der ältesten Kirche, der Laurentiuskirche, errichtet. 1986 haben beide Häuser die Denkmalplakette erhalten. Zwei Eingänge gibt es heute zum Gasthaus.

Katja und Bernd Schulte haben das Haus 2002 gekauft, nachdem es 1996 komplett renoviert worden war. „Aus dieser Zeit stammen auch die Original-Exponate, allesamt vom Gastronomie-Innenausstatter auf Flohmärkten erstanden“, erzählen die Inhaber des „Warintharpas“. „Es sind alles alte Stücke; nichts Nachgemachtes“, betont Bernd Schulte.

Für beide Wirtsleute war es vor 16 Jahren fast eine Selbstverständlichkeit „Ja“ zu sagen, als sie gefragt worden seien, ob sie das historische Brauhaus übernehmen wollten. Bernd Schulte ist gelernter Fleischer, seinen Großeltern gehörte die Traditionsmetzgerei Steltenkamp in der Emsstadt. Der Umgang mit Lebensmitteln und die Tatsache, aus einer Familie zu stammen, die ein Geschäft hatte, haben dazu geführt, dass ihm die berufliche Selbstständigkeit quasi im Blut liege. Zudem habe er eine Kochlehre absolviert.

Seine Frau Katja sei mit der Ausbildung zur Hotelfachfrau sowie Empfangssekretärin ebenfalls vom Fach. Erfahrungen haben beide zudem im Hotel „Hof zur Linde“ in Münster gesammelt. „Wir wussten, was auf uns zukommt, als wir das Gasthaus übernommen haben“, sagt das Ehepaar, das zwei Töchter hat. „Es ist ein toller Beruf. Jeden Tag kommen wir mit Menschen zusammen und somit birgt auch jeder Tag etwas Neues“, sagt die Gastronomin. Hinzu komme, dass das „Warintharpa“-Team „wie eine Familie ist“.

120 Plätze bietet das Brauhaus, weitere 70 im Biergarten auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Mit Beginn des Frühlings werden die ersten Tische rausgestellt; bei sonnigem Wetter sind sie schnell besetzt. „Vor allem Touristengruppen verweilen gern bei uns und genießen den Platz gegenüber der beeindruckenden Laurentiuskirche“, berichtet die 45-Jährige.

Wenn im „Warintharpa“ auch vieles an vergangene Zeit erinnert, die Speisekarte versteht es sehr wohl, Althergebrachtes mit Modernem zu verknüpfen. „Junge, kreative Gastronomie und traditionelle westfälische Küche schließen sich keineswegs aus“, erklärt Bernd Schulte. Ein Blick auf spezielle Angebote sowie in die Speisekarte bestätigt das. „Viele Besucher kommen hierher, um Rouladen zu essen, weil diese von jüngeren Generationen immer weniger zuhause zubereitet werden“, weiß er. Die gutbürgerliche Küche suchten viele als Alternative zu Restaurants mit internationaler Küche. „Sie wollen einfach mal ein Schnitzel oder Steak essen.“

Dementsprechend reicht das Angebot von einem kleinen Snack nach Feierabend über saisonale Gerichte, das westfälische Töttchen und andere Münsterländer Leckereien bis hin zum so genannten Drei-Gänge-Friedensreiter-Menu.  Bernd Schulte: „Unser Speisenangebot besteht aus einem Grundgerüst und saisonalen Ergänzungen wie Wild oder Spargel. Frische, Qualität und Regionalität sind die Grundzutaten einer erfolgreichen, gutbürgerlichen Küche.“

Historisches Brauhaus Warintharpa
Kirchstraße 14-15, 48231 Warendorf
E-Mail: info@warintharpa.de
Internet: www.warintharpa.de

Text: Anja Tenbrock; Fotos: Oliver Baumjohann


Ein Haus voller Geschichte (n)

Der weiß gestrichene Flur, der Gasträume, Saal und Wintergarten verbindet, wirkt auf den ersten Blick nüchtern und kühl. Doch wer kurz stehen bleibt und sich die Mühe macht, einen Blick in die Glasvitrine zu werfen oder sich die Dekoration an den Wänden genauer anzuschauen, wird schnell vergessen, wo er hinwollte. Der Flur erzählt Geschichte. So wie der Saal und der große Gastraum des heutigen Restaurants Stiftshof Dühlmann an der Westkirchener Straße in Freckenhorst.

Seit 255 Jahren gehört das Gasthaus zur Stiftsstadt. Vor fünf Jahren haben die Dühlmanns das 250-jährige Jubiläum des Familienbetriebs gefeiert. Die gerahmten Dokumente wie Urkunden, Speisekarten, Fotos und Bilder an den Wänden entführen den Besucher in längst vergangene Zeiten. Sie erzählen nicht nur die Geschichte eines Hauses, sondern auch einer Familie, die seit Generationen für den Gasthof lebt. Hendirk Dühlmann führt ihn in der siebten Generation, die achte gibt es mit seinen Kindern Amelie (3), Henry (5) und Franziska (8) bereits. Theo Dühlmann, gelernter Bäckermeister und Vater des heutigen Inhabers, übernahm den Stiftshof 1977 von seinem Vater Theodor Dühlmann.

Zeit braucht es, um die vielen Schriftstücke, die sich unter dem Spiegelglas in dem großen, braunen Holzrahmen im Flur befinden, zu studieren. Stolz zeigt Hendirk Dühlmann auf zwei von ihm restaurierte Fenster mit Bleiverglasung, die ebenfalls im Flur die Wand schmücken: „Diese Oberlichter hingen früher im großen Saal.“ Unzählige Schätze beherbergt auch der Gastraum, gewissermaßen das Herzstück des Stiftshofs. 100 Jahre alte Stühle, ein riesiger, grüner Kachelofen von 1959, gemauerte Bögen und an den Wänden gerahmte schwarz-weiß Fotos machen die „urwestfälische Atmosphäre“ aus, schaffen Gastlichkeit und Gemütlichkeit. Zu besonderen Anlässen werde sogar das Geschirr von 1920 und echtes Silberbesteck aus dem Schrank geholt.

Altes bewahren und sich Neuerungen öffnen – dass das kein Widerspruch sein muss, zeigt ein Blick auf die Speisekarte. „Wir stehen für eine frische, westfälisch-deutsche Küche“, betont Hendirk Dühlmann. „Wir verschließen uns keineswegs den Trends der Zeit und bieten Traditionelles wie Neues an.“ Für ihn liege das Geheimnis einer anspruchsvollen Speisekarte in der Kombination von beidem. Qualität ist ein weiteres Stichwort, das für ihn eine wichtige Rolle spielt. Dühlmann legt großen Wert darauf, dass die frischen Lebensmittel aus der Region kommen. „Ich kaufe selbst ein“, verdeutlicht er. „Ich möchte die Ware sehen, die ich verarbeite. Gemüse und Obst beziehe ich stets aus dem Umkreis.“ Viele Kräuter, die er beim Kochen verwende, stammten aus dem eigenen Garten.

Tradition bewahren, Qualität sichern und die Zukunft im Blick haben – so lässt sich Hendirk Dühlmanns Rezept zusammenfassen, den Familienbetrieb auch durch die nächsten Jahrzehnte erfolgreich zu steuern.

Adresse & Öffnungszeiten:
Restaurant Stiftshof Dühlmann
Westkirchener Straße 1, 48231 Warendorf-Freckenhorst
Tel. 02581 / 4191
E-Mail: h.duehlmann@t-online.de
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Samstag: 18 bis 24 Uhr
Sonntag: 11.30 bis 14 Uhr und 17 bis 23 Uhr

Text und Fotos: Anja Tenbrock


Wo man ein Stiefel vertragen kann

Heiner Jürgens braut in der ältesten Brauerei Westfalens sein eigenes Bier. Er achtet darauf, dass sich der Stil seines Braugasthofs "Stiefel-Jürgens" in Beckum auf keinen Fall verändert.

„Früher gab es immer nur das rein obergärige Stiefel-Bier. Der Uropa würde sich im Grabe umdrehen, wenn er vom untergärigen Ur-Alt erfahren hätte", meint Heiner Jürgens. „Aber alles gut.“ Heute stehen neben dem klassischen Stiefel-Bier ein naturtrübes Kellerbier, das Stephanus-Bräu (ein Pils), das ebenfalls naturtrübe, dunkle Ur-Alt sowie im Sommer ein Hefe-Weizen und im Winter ein Winterbräu auf der Karte. Alle Spezialitäten gibt es auch im Außer-Haus-Verkauf.

Bis auf die neuen Sorten hat sich in der ältesten Brauerei Westfalens nur wenig geändert. „Wir sind traditionsgebunden und wollen den Stil des Hauses auf keinen Fall verändern“, ist Heiner Jürgens stolz auf die acht Generationen vor ihm, die seit 1680 im Herzen Beckums Bier brauen. Damals gehörte noch eine Bäckerei zur Brauerei, denn „man braute das Bier und backte das Brot“. Diese Bäckerei wurde bis zum Jahre 1929 parallel geführt. Bis 1980 hat der Braumeister zudem die Gerste, die von den Landwirten angeliefert wurde, zu Malz verarbeitet.

„Wir halten es hier bewusst alt“, meint Jürgens, der anfügt: „Damit werben wir nicht nur, wir brauen auch so.“ Alles ein bisschen aus der Mode gekommen, aber deshalb stilecht.

Die hauseigene Brauerei hinten auf dem Hof ist nicht auf Hochglanz poliert. Nein, in ihr schlummert der Geist der Vorfahren. Der süßliche Geruch vom Malzzucker liegt in der Luft. Ein sicheres Indiz, dass hier gearbeitet wird. Ein- oder zweimal wöchentlich braut Jürgens, 400 Hektoliter im Jahr.

„Wir liegen von den Standards her bestimmt 60 Jahre zurück. Hier ist Handwerk gefragt“, erklärt der Braumeister, der schon von seinem Vater Heinrich die Kunst des Brauens lernte. „Ich bin damit aufgewachsen. Mir wurden die Kenntnisse schon in die Wiege gelegt. Außerdem war es damals selbstverständlich, den Familienbetrieb zu übernehmen“, erinnert sich der 49-Jährige, der 1994 seine Meisterprüfung ablegte und in anderen Brauereien Erfahrungen sammelte – ob in Oelde bei Pott’s oder in Münster bei Pinkus Müller. „Ich bin Brauer aus Herzenslust. Es ist einfach ein spannender Beruf“, beschreibt der Beckumer seine Liebe zum Bier. „Unser Ziel ist es, die Gäste zu begeistern und kein Allerweltsbier herzustellen.“

Adresse und Öffnungszeiten:
Brauhaus Stiefel-Jürgens
Hühlstraße 4-6, 59269 Beckum
Telefon 0 25 21 – 33 51
Internet: stiefel-juergens.de

Öffnungszeiten: Mittwoch und Samstag Frühschoppen ab 11 Uhr, Dienstag – Sonntag 17 – 24 Uhr, Küche 17 – 22 Uhr, Biergarten Mai – September, Montag Ruhetag 

Tipp: Mittwoch und Samstag Markttage ab 11 Uhr. „Da freut sich Leib und Seele“ mit Stiefels Spezialitäten und Brauhausgerichten.

Text und Bilder: Benedikt Miketta


Familientradition wird großgeschrieben

Wenn Josef Willenbrink durch seinen Gasthof in Lippborg geht, dann ist es immer wie eine Zeitreise. Schon als 13-jähriger Jungspund half Willenbrink bei seinen Eltern Beate und Antonius im Restaurant aus. Gläser spülen, Karten verteilen, aufräumen. „Ich wusste sehr früh, dass ich in die Gastronomie möchte“, sagt der mittlerweile 57-Jährige, der an dem Ort steht, an dem er schon als junge Hilfskraft stand. Nun aber als Küchenchef und Inhaber des Gasthof Willenbrinks, den er von seinen Eltern übernommen hatte.

„Hier stecken so viele Erinnerungen drin“, erklärt Willenbrink, der aus der Diele geht, im Flur stehen bleibt und auf die kleinen Delfter Porzellanteller an der Wand zeigt. „Die sind noch von meinen Eltern. Mutter hatte sie mal im Urlaub gekauft.“ An den Wänden hängen Bilder der Vorfahren, alte Urkunden, die Oma Gertrud bekommen hatte, oder besonders auffällig: Ein alter, rustikaler Wandschrank, der zu schade für den Scheiterhaufen war und jetzt als Platzhalter für Speisekarten, Geschirr und Tischdecken dient. „Uns gefällt die Mischung aus dem Alten, Rustikalen und dem Heimeligen“, sagt Josef Willenbrinks Frau Gabriele, die lächelt und anfügt: „Ich glaube, den Gästen gefällt es auch.“ Zumindest lässt es die Resonanz erahnen. „Wir verstehen uns als eine Stätte, in der man einfach nur ein Bierchen trinken kann.“ Oder übernachten. Denn das Gasthaus hat neben dem Restaurant noch ein Hotel. Für größere Veranstaltungen steht ein Saal zur Verfügung. Und im Thekenbereich treffen sich regelmäßig Stammtische, die teils auf ulkige Ideen kommen. „Hier haben zwei Männer mal um ein Fass Bier gewettet, dass der eine es nicht schaffen würde, mit einem Minibagger in die Kneipe zu fahren, um mit der Schaufel Bier zu zapfen“, erinnert sich Willenbrink und lacht. „Unglaublich. Ein paar Tage später hatten wir den Bagger im Haus.“ Der Verlierer zahlte seinen Preis und lud zur großen Sause ein. „Ach“, sagt Gabriele, „das sind doch die schönen Momente, wenn die Gäste und auch wir Spaß haben.“ Doch bald dürfte sich für die Josef und Gabriele Willenbrink ein Kreis schließen. Mit Sohn Andreas und Partnerin Sarike steht schon die nächste Generation in den Startlöchern, um den Betrieb zu übernehmen.

Gasthof Willenbrink
Hauptstraße 10, 59510 Lippetal-Lippborg
Telefon: (0 25 27) 2 08
Telefax: (0 25 27) 14 02
Internet: willenbrink.de
E-Mail: gasthof@willenbrink.de

Text und Bilder: Benedikt Miketta


Himmlische Ruhe im Klosterdorf

Die Gastronomen Thomas und Susanne Bertram zog es vor einigen Jahren von Gelsenkirchen nach Vinnenberg. Hier, vor den Toren der Kreisstadt Warendorf, betreiben sie den Landgasthof „Zum kühlen Grunde“.

Das kleine Klosterdorf ist von schweigsamer Ruhe umhüllt. Balsam für die Seele jener, die extra hierher fahren, um abzuschalten. Selbst das Handy schweigt, es herrscht Funkstille.

Nur jeden Sonntag zur 20-Uhr-Messe herrscht für vinnenberger Verhältnisse Ausnahmezustand. „Dann geht es hier rund wie an der Schalker Veltinsarena“, scherzt Susanne Bertram. „Da wird es schon mal knapp mit den Parkplätzen.“

Vinnenberg ist über die Stadtmauern hinaus bekannt für sein Kloster. Doch es ist nicht das Gotteshaus, das den meisten  Gästen zuerst ins Auge springt. Es ist ein altes Mühlengebäude, an dessen Vorderseite ein uriges, hölzernes Wasserrad steht.
Damals noch trieb das Mühlrad, gespeist von der Bever, den Mahlvorgang an. Heute beherbert das alte Gebäude den urigen  Landgasthof.

Susanne und Thomas Bertram leben und arbeiten seit 2011 hier. Die schöne und ruhige Umgebung hat die Gastronomen angezogen. „Es ist schon ein sehr idyllisches Örtchen.“ Ganz anders als früher. Da war im Leben der Bertrams alles schriller, lauter, größer. So richtig Gelsenkirchen Mitte.

„Uns fragen viele, warum wir jetzt ins Münsterland gezogen sind“, sagt Thomas Bertram, der Küchenchef in seinem eigenen Reich. „Wir fühlen uns hier einfach sehr wohl, leben in einer schönen und ruhigen Umgebung“, erklärt Frau Susanne, die gesteht: „Mit 20 wäre ich nicht hierhergezogen. Jetzt aber, mit Anfang 50, ist das etwas anderes.“

Was Susanne Bertram mit ruhig und idyllisch meint, wird deutlich, als sie sich auf die Terrasse des großen Außenbereiches setzt. Dort, wo die Gäste im Sommer am liebsten speisen und trinken. Bertram hat es sich in ihrem Stuhl bequem gemacht, ihr Blick schweift durch den Garten des Landgasthofes. „Das ist wie Urlaub. Hier kann man gut entspannen.“ Eine 800 Jahre alte Linde spendet Schatten. „Und im Wassermühlenteich tummeln sich sogar Hechte und Aale“, weiß Thomas Bertram, der einst für die Mahlzeiten von Marine-Soldaten verantwortlich war, ehe er in Gelsenkirchen 20 Jahre lang sein erstes eigenes Restaurant führte.

Das Design im Landgasthof ist rustikal, typisch westfälisch. „Daran haben wir nichts geändert“, sagt Thomas Bertram.   Lediglich der Kneipenbereich wurde verkleinert. „Wir sehen uns eher als Restaurant.“ Auffällig ist nur hier und da: Das Ehepaar hat eine kleine, aber feine Schwäche für Kitsch. Kleinen Schnick-Schnack finden die Gäste auch im Garten. „Ein Bekannter stellt aus Schrott und Metall kleine Figuren her. Da sind wirklich feine Sachen bei.“

Radler aus dem Münsterland machen gern Halt am Gasthof, um sich bei einem Stück Kuchen und etwas zu Trinken zu stärken.
Ein Muss: Der hausgemachte Apfelkuchen.

Text: Bendikt Miketta, Fotos: Hubert Kemper