Einfach in die Puschen kommen

Ihr Talent für die Gestaltung und Produktion ausgefallener Pantoffeln entdeckte Conny Menke durch Zufall. Ihr Spitzname „Puschenhexe“ ist
Programm.

Niedliche Mäuse, Schafe und Esel zieren die bunten kleinen Puschen, auch ein Schiffchen, ein Regenbogen, sogar das „Peace-Zeichen“. Ihre eigene Tochter war vor Jahren die Erste, für die Conny Menke ein Paar Leder-Pantöffelchen nähte. Heute fertigt die zweifache Mutter die leichte Fußbekleidung in Heimarbeit für jeden an, der sie tragen möchte. Man kann ein Exemplar bei ihr in Auftrag geben - gleichgültig, in welcher Größe oder Farbe und mit welchem Motiv.

Nachdem sie anfangs nur für Kinderfüße tätig geworden war, kamen irgendwann auch Mutter und Vater eines kleinen Puschen-Läufers auf den Geschmack. Und so fertigte die Beckumerin das leichte Schuhwerk auch in Erwachsenengröße. „Das größte Paar hatte wohl Größe 43“, erzählt Conny Menke, während sie in ihrem Wohnzimmer viele neue Kinder-Puschen in ein Schuhregal sortiert. Jedes Paar wird von einer Holzklammer zusammengehalten. Ein farbenfrohes Sammelsurium. „Ich liebe Herausforderungen“, sagt sie zu ihrer Produktion. Und: „Ob groß oder klein, Hauptsache: bunt!“

„Es ist gesund, barfuß zu laufen“, erläutert Conny Menke, wie sie auf die Idee kam, Puschen herzustellen. Gehen ohne Schuhe stärke die Muskulatur, sagt sie. Gerade die von Kleinkindern. Deren Bein- und Fußmuskulatur müsse sich noch ausbilden. Nur: Ein Kind überall barfuß laufen zu lassen – das geht natürlich nicht. Schnell ist es in eine Scherbe oder Ähnliches getreten. Eine flache, leichte Fußbekleidung schwebte der gelernten Krankenschwester für ihr Töchterchen vor. „Man bekam so etwas aber nur über das Internet“, erinnert sie sich. Also überlegte sie, ob sie sich nicht selbst was einfallen lassen könnte. Nähen hatte sie als Mädchen gelernt und so schnitt und schneiderte die junge Mutter an ein paar Stückchen Leder so lange herum, bis der Nachwuchs (heute ist er 18) in bunten Lederpantöffelchen durchs Haus hopste.

„Ich habe lange herumprobiert“, erinnert sich Conny Menke, „bis die Puschen dann an die Füße der Tochter perfekt angepasst waren. „Irgendwann waren sie breit und hoch genug — und kamen nicht nur bei der Kleinen, sondern auch bei den Eltern in der Krabbelgruppe gut an. „Sie wollten auch alle ein Paar für ihre Kinder“, berichtet sie und ging damals auf die Anfragen ein. Plötzlich war die Auftragslage so gut, dass sie – vor 15 Jahren – ein Gewerbe anmeldete. „Ich brauchte nicht viel Werbung für die Puschen zu machen“, erinnert sie sich. „Die Eltern erzählten alles herum.“

Mittlerweile hat sie sich einen Namen gemacht. Bei ihr, der Puschenhexe, können fertige Schühchen und Schuhe gekauft werden. Oder aber man stellt sie sich mit Blick auf Farbe und Verzierung selber zusammen und gibt sie bei ihr in Auftrag.

Conny Menke
Schubertstraße 8, 59269 Beckum
Telefon: 02521 / 82 98 68
E-Mail: info@puschenhexe.de

Text und Bilder: Andrea Kutzendörfer


Mit federleichtem Pinselstrich

Barbara Balsliemke malt frei Hand. Am liebsten Blumen. Zu Ostern verziert sie Straußen- und Gänseeier, Hühner- und Enteneier mit Blütenblättern. Um sie fürs Fest edel zu machen, versteckt die 80-Jährige aus Verl Spruchbänder darin.

Wenn sie zum federleichten Pinselstrich ansetzt und die ersten Blütenblätter auf dem weißen Ei erkennbar sind, hofft man inständig, das auch so zu können. Es braucht aber definitiv Talent, so zu malen wie Barbara Balsliemke. Ein Griff zum grünen Farbfläschchen, ein bisschen von dessen Inhalt auf die Untertasse gegossen und in wenigen Sekunden hat die rosa Blüte grüne Stängel bekommen. Fertig ist das Osterei. Oder auch nicht. Das kleine Bildnis wird vielleicht an seiner Ober- und Unterseite noch farblich abgesetzt oder das schmucke Oval bekommt am Ende zwei hübsche Schleifen an jeder Seite. Wer weiß. Der Fantasie der Künstlerin aus Verl sind keine Grenzen gesetzt.

Früher zeigte die Künstlerin auf großen Messen beispielsweise in Hamburg oder Dortmund ihre Arbeiten, heute ist sie eher auf Handwerkermärkten oder in Heimathäusern der Region zu finden. „Ich male nicht gern kunterbunt – lieber dezent, so in Richtung edel“, versucht Barbara Balsliemke zu erklären. Blumen sind ihr Motiv. Es darf so ziemlich jede sein, die ihr gefällt – wobei die Rose eigentlich ihr Favorit ist. „Die schmücke ich dann mit Vergissmeinnicht in verschiedenen Farben aus. Ein paar schöne Blätter dazu …“, schwärmt die 80-Jährige.

Für ihre Ostereier nutzt die Künstlerin, die in Verl Bauernmalerei lernte und später die Malschule in Frankenthal in der Pfalz besuchte, ausschließlich Acrylfarbe. „Sie ist dickflüssiger.“ Das sei beim Bemalen eines Eis einfach von Vorteil und erst recht bei dem des Straußes, dessen Schale ziemlich porös und rau ist. Gerne mischt sie die Farben.

Apropos Schale: Das Ei muss zur Aufnahme des Kunstwerkes vorbereitet sein. „Ich wasche es mit Wasser und lasse es dann erst einmal trocknen“, beschreibt Barbara Balsliemke ihre Vorgehensweise. „Dann muss das Unebene weg. Dafür schmirgel ich es mit feinem Schmirgelpapier. Anschließend bemale ich es und lasse das Motiv trocknen.“ Das kleine Bildnis wird am Ende mit Antikwachs aus dem Malereigeschäft eingestrichen, um die Farbe zu schützen und einen seidigen Glanz zu bekommen. Manchmal kommt noch eine weitere Schicht drauf. Am Ende wird das Ganze mit einer weichen Bürste vorsichtig poliert.

Dabei ist Ei nicht gleich Ei. Die Verlerin verwendet das große Straußen- oder Gänseei und das sehr große, fast schwarze des Emus, das kleinere Hühner- und das noch kleinere Zierentenei. Alle bräuchten ihre spezielle Behandlung. Als Clou lässt die Künstlerin aus einigen der Ostereier ein schmales Band mit einem Spruch. „Dabei ist mir so manches Ei schon geplatzt“, verrät sie. Also, Vorsicht!

Text und Fotos: Andrea Kutzendörfer


Zur Krippe her kommet in Bethlehems Stall ...

Jahr für Jahr bauen viele Familien eine Krippe unter ihrem Weihnachtsbaum auf. Krippenbauer gibt es heutzutage nur noch wenige. In Herzebrock-Clarholz, bei der Bildhauerei Potthoff, schnitzt Willi Potthoff seit Jahrzehnten Figuren aus Holz.

In seiner Werkstatt riecht es nach frischen Sägespänen. Werkzeuge gibt es hier in jeder Größe und Ausführung. Die Vielfalt an Gerätschaften ist überwältigend. In den Regalen liegen etliche Krippenfiguren: Nur grob erkennbar als vorgeschnitzter Klotz oder halb fertig bearbeitet, auf ihre Bemalung wartend. In der Größe eines kleinen Kindes und so klein wie ein Finger.

Im nächsten Raum befinden sich Werkbänke, ein Hirte ist gerade eingespannt und wartet darauf, seine Gesichtszüge verfeinert zu bekommen. Auf einem Tisch an der anderen Seite sammeln sich haufenweise Pinsel und Farbbehälter, die das gesamte Farbspektrum abdecken.

Die Besonderheit dieses Ortes ist zu spüren. Seit Jahrzehnten fertigt Willi Potthoff hier in seiner Werkstatt in Herzebrock in liebevoller Arbeit Krippenfiguren an. Bei Krippenausstellungen, in Kirchen und unter zahlreichen geschmückten Tannenbäumen in den Wohnstuben der Region bewundern die Menschen in der Weihnachtszeit seine Arbeit.

Als Inhaberin hat inzwischen Tochter Claudia (51) die Geschäfte übernommen. Aber ganz in den Ruhestand konnte sich der 83-jährige Willi Potthoff noch nicht verabschieden. Und so schnitzt er weiter seine Figuren. Nicht mehr so viele wie es früher mal waren. Aber seine Handgriffe in der Werkstatt sind noch routiniert wie eh und je.

Das Holz bekommt Potthoff aus einem Sägewerk. Die Qualität sei wichtig. „Luftgetrocknet“ müsse es sein. Das heißt: Mindestens zehn Jahre muss es im Trockenen lagern, vor der Verarbeitung noch einmal 14 Tage in der Werkstatt. Zugeschnitten wird das Holz im Block. Dann geht für Willi Potthoff die „Knochenarbeit“ los. In einer Kopiermaschine werden die groben Konturen der Figuren vorgezeichnet. Am Beispiel eines Kamels zeigt er, wie er vorsichtig Stück für Stück des Holzes mit einem Fräsmotor abarbeitet. „Eine moderne CNC-Maschine haben wir nicht“, sagt der Herzebrocker. Die könnte selbstständig mit hoher Präzision Werkstücke herstellen.

Potthoff jedoch legt selbst Hand an. Neben ihm auf der Werkbank liegen identisch geschnittene Kamele. Auch über ihnen hängt je ein Fräsmotor, der die Bewegungen Potthoffs nachahmt. So muss er nicht jedes einzelne Kamel bearbeiten. Aber es ist Vorsicht geboten: Eine fehlerhafte Bewegung hat Auswirkungen auf alle Kamele.

Nach dem Kopieren müssen die Figuren einzeln behandelt werden. Sie werden jetzt auf eine Werkbank gespannt und Potthoff greift zu seinen Bildhauer-Stecheisen. Von denen hat er gleich mehrere Schubladen voll. Sie haben eine Breite von 1,5 Millimetern bis zu mehreren Zentimetern. „Die schmalsten benutzt man zum Beispiel für die Jesuskinder in der kleinsten Ausführung“, erklärt Potthoff. Um deren Konturen und Gesichtszüge perfekt hinzubekommen, ist viel Geduld gefragt. 

Anschließend steht schon der letzte Schritt an. Wenn die Figuren ihre Naturfarbe behalten, werden sie gewachst und lasiert. Oder sie werden bemalt: weiße Umhänge, grüne Gewänder, goldene Kronen.

Bei den Potthoffs werden die Krippenfiguren nicht in schneller Massenproduktion hergestellt. Sich auf eine Stundenzahl festzulegen, die er für eine Figur benötigt, fällt Willi Potthoff schwer. An einem Tag fertige er eine Figur jedenfalls nicht an. „Es ist eben alles Handarbeit“, sagt er. Deswegen hat Potthoff auch nicht nur in der Vorweihnachtszeit zu tun. „Geschnitzt wird das ganze Jahr“, betont er.

Bleibt zum Abschied die Frage, wie es bei den Potthoffs selbst an Weihnachten unter dem Tannenbaum aussieht. Sind sie die Krippen, die sie das ganze Jahr über sehen, irgendwann leid, und verzichten selbst darauf? „Auf keinen Fall“, sagt Claudia Potthoff. „Eine Krippe gehört an Weihnachten dazu. Ohne geht es nicht.“

Bildhauerei Potthoff
von-Zumbusch-Straße 6, 33442 Herzebrock-Clarholz
Telefon: 05245 3890
E-Mail: claudiapot@web.de
Internet: www.bildhauerei-potthoff.de
Öffnungszeiten: In der Adventszeit werktags von 9 bis 19 Uhr oder nach telefonischer Absprache

Text und Fotos: Andi Kleinemeier