Dieses Spielzeug ist Liebe aus Holz

Ob Ritterburg, Beißring, Kinderstuhl oder Hus: Als eine der letzten Firmen in Deutschland produziert Familie Stock Holzspielzeug

Eine Bandsäge kreischt, die Absauganlage donnert gnadenlos, ein elektrischer Hobel lässt bei Materialkontakt das Blut in den Adern gefrieren. Feiner Staub wirbelt durch die Luft, zu allem Überfluss tönt Bluesrock in Megadezibilstärke aus den Lautsprecherboxen. Iris und Norbert Stock schieben konzentriert ein stattliches Stück Holz gemeinsam durch die Maschine. Ein prüfender Blick. Kontrolle, dann kehrt auf Knopfdruck Ruhe ein. Hör- und Mundschutz werden beiseitegelegt. Was wie überdimensionale Mikadostäbe wirkt, ist geformte Meterware für Naturholzstühle.
Kinder, die einen neugierigen Blick in Werkstatt und Lager in Stromberg werfen, laufen Gefahr, sich dort in ihren Träumen zu verlieren. Raumgröße und ruhende Maschinen üben eine Faszination auf Mädchen und Jungen aus. Puppenstuben, Ritterburgen, Laufräder und Greifigel stapeln sich in Regalen. Kaufläden, die die Scheitelhöhe ihrer jungen Betrachter überragen, sind auf dem Boden platziert und locken verführerisch: „Komm, spiel mit mir!“ Selbst Frühstücksbretter „Made in Stromberg“ erinnern an Grisu und Co.
In dem von außen unscheinbaren Gebäude in Stromberg, das mit seiner Wilder-Wein-Fassade Hänsel-und-Gretel-Romantik transportiert, werden Kinderträume wahr. Iris und Norbert Stock scheinen Kindern Wünsche von den Augen abzulesen – und nicht nur denen. Das Ehepaar betreibt in Stromberg die Madera Spielzeug-Manufaktur – eine von insgesamt noch fünf, die ausschließlich in Deutschland Holzspielzeug produzieren. Der Name passt: Das Ehepaar erledigt jeden Handgriff an den Gegenständen aus Holz selbst: Manufaktur ist hier ein Markenzeichen und nicht ein Namens-Anhängsel, mit dem Wichtigtuer nach außen der Strickpullovergeneration nachweinen.
Die Firma ist eine Herzensangelegenheit. Das wird sofort klar. Iris streichelt behutsam einen Laufdrachen, der gerade noch im Regal zwischen Igel und dem „kleinen Stromberger“, ein mini Holzpferd, um Beachtung buhlte. „Rund, warm, aus Eschenholz“, beschreibt sie das Spielzeug, das für Babys gedacht ist. Massiv und mit Leinöl behandelt. Ideal und absolut gefahrlos für den Nachwuchs, bei dem alles Ertastete den Weg unweigerlich zum Mund findet. „Völlig unbedenklich“, ergänzt Norbert Stock, „ein Begleiter der Kids beim Zahnen.“ Die Zertifizierungen belegen, dass Madera Spielzeug höchsten ökologischen und gesundheitlichen Vorgaben gehorcht. Überdies unterstützen zahlreiche Spielgeräte therapeutische Anwendungen. Fast logisch, dass Madera regionale Rohstoffe bevorzugt und seit längerer Zeit die benötigte Energie komplett selbst produziert.
„Unser Holzspielzeug erfüllt höchste ökologische Kriterien“, sagt Norbert Stock beiläufig. Kunststoff, gesteht der 63-Jährige, kommt ihm nicht ins Haus. Holz ist für den gelernten Werkzeugmacher nicht nur schnödes Herstellungsmaterial, sondern eine Weltanschauung, die er mit seiner Frau Iris teilt. „Holz atmet, Holz lebt, Holz hat Charakter. Das spürt man“, sagt sie mit Überzeugung und einem Hauch Respekt. Gegenstände aus Holz sind langlebig, ein weiterer Vorteil gegenüber der Massenware aus Kunststoff. Norbert Stock tritt umgehend den Beweis an: Ein Schaukelpferd und ein Puppenhaus haben 40 Jahre auf dem Buckel und sind „intensiv bespielt worden“. Zustand: tadellos. Ein weiterer Vorteil: In der Regel lässt sich ein Holzprodukt reparieren.
„Unsere Produkte sind unlackiert, geölt und können deshalb bedenkenlos in den Mund genommen werden“, gibt das Ehepaar einen Hinweis auf die Homepage, in der Transparenz großgeschrieben wird. Bunte Spielzeuge finden Interessenten auch dort im mit 800 unterschiedlichen Artikeln bestückten Madera-Shop. Die farbigen Exponate stammen aus anderen Betrieben, die ausnahmslos den Madera-Standards genügen müssen. Auch hier gilt Offenlegung der Herstellung und Herkunft.
Bleibt noch die Frage, was sich hinter der Bezeichnung Madera verbirgt? Holz heißt auf Spanisch Madera, lautet die Erklärung. „Es entbehrt nicht einer gewissen Komik, wenn jemand im Holzgewerbe selbstständig ist und den Hausnamen Stock trägt“, konstatiert der Firmenchef mit einem schelmischen Blinzeln, „da musste ich kreativ werden“.

Madera-Manufaktur
Borgfeld 8, 59302 Oelde-Stromberg
Mobil: 0174 6749007
E-Mail: norbertstock@gmail.com
Internet: www.madera-spielzeug.de

Öffnungszeiten Werkstattladen:
Montag bis Freitag 10 bis 12 sowie 15 bis 17 Uhr
Zur Weihnachtszeit Samstag von 10 bis 11 Uhr geöffnet.
Gegebenenfalls klingeln.

Text und Fotos: Axel Ebert


Einfach in die Puschen kommen

Ihr Talent für die Gestaltung und Produktion ausgefallener Pantoffeln entdeckte Conny Menke durch Zufall. Ihr Spitzname „Puschenhexe“ ist
Programm.

Niedliche Mäuse, Schafe und Esel zieren die bunten kleinen Puschen, auch ein Schiffchen, ein Regenbogen, sogar das „Peace-Zeichen“. Ihre eigene Tochter war vor Jahren die Erste, für die Conny Menke ein Paar Leder-Pantöffelchen nähte. Heute fertigt die zweifache Mutter die leichte Fußbekleidung in Heimarbeit für jeden an, der sie tragen möchte. Man kann ein Exemplar bei ihr in Auftrag geben - gleichgültig, in welcher Größe oder Farbe und mit welchem Motiv.

Nachdem sie anfangs nur für Kinderfüße tätig geworden war, kamen irgendwann auch Mutter und Vater eines kleinen Puschen-Läufers auf den Geschmack. Und so fertigte die Beckumerin das leichte Schuhwerk auch in Erwachsenengröße. „Das größte Paar hatte wohl Größe 43“, erzählt Conny Menke, während sie in ihrem Wohnzimmer viele neue Kinder-Puschen in ein Schuhregal sortiert. Jedes Paar wird von einer Holzklammer zusammengehalten. Ein farbenfrohes Sammelsurium. „Ich liebe Herausforderungen“, sagt sie zu ihrer Produktion. Und: „Ob groß oder klein, Hauptsache: bunt!“

„Es ist gesund, barfuß zu laufen“, erläutert Conny Menke, wie sie auf die Idee kam, Puschen herzustellen. Gehen ohne Schuhe stärke die Muskulatur, sagt sie. Gerade die von Kleinkindern. Deren Bein- und Fußmuskulatur müsse sich noch ausbilden. Nur: Ein Kind überall barfuß laufen zu lassen – das geht natürlich nicht. Schnell ist es in eine Scherbe oder Ähnliches getreten. Eine flache, leichte Fußbekleidung schwebte der gelernten Krankenschwester für ihr Töchterchen vor. „Man bekam so etwas aber nur über das Internet“, erinnert sie sich. Also überlegte sie, ob sie sich nicht selbst was einfallen lassen könnte. Nähen hatte sie als Mädchen gelernt und so schnitt und schneiderte die junge Mutter an ein paar Stückchen Leder so lange herum, bis der Nachwuchs (heute ist er 18) in bunten Lederpantöffelchen durchs Haus hopste.

„Ich habe lange herumprobiert“, erinnert sich Conny Menke, „bis die Puschen dann an die Füße der Tochter perfekt angepasst waren. „Irgendwann waren sie breit und hoch genug — und kamen nicht nur bei der Kleinen, sondern auch bei den Eltern in der Krabbelgruppe gut an. „Sie wollten auch alle ein Paar für ihre Kinder“, berichtet sie und ging damals auf die Anfragen ein. Plötzlich war die Auftragslage so gut, dass sie – vor 15 Jahren – ein Gewerbe anmeldete. „Ich brauchte nicht viel Werbung für die Puschen zu machen“, erinnert sie sich. „Die Eltern erzählten alles herum.“

Mittlerweile hat sie sich einen Namen gemacht. Bei ihr, der Puschenhexe, können fertige Schühchen und Schuhe gekauft werden. Oder aber man stellt sie sich mit Blick auf Farbe und Verzierung selber zusammen und gibt sie bei ihr in Auftrag.

Conny Menke
Schubertstraße 8, 59269 Beckum
Telefon: 02521 / 82 98 68
E-Mail: info@puschenhexe.de

Text und Bilder: Andrea Kutzendörfer


Barbara Balsliemke malt frei Hand. Am liebsten Blumen. Zu Ostern verziert sie Straußen- und Gänseeier, Hühner- und Enteneier mit Blütenblättern. Um sie fürs Fest edel zu machen, versteckt die 80-Jährige aus Verl Spruchbänder darin.

Wenn sie zum federleichten Pinselstrich ansetzt und die ersten Blütenblätter auf dem weißen Ei erkennbar sind, hofft man inständig, das auch so zu können. Es braucht aber definitiv Talent, so zu malen wie Barbara Balsliemke. Ein Griff zum grünen Farbfläschchen, ein bisschen von dessen Inhalt auf die Untertasse gegossen und in wenigen Sekunden hat die rosa Blüte grüne Stängel bekommen. Fertig ist das Osterei. Oder auch nicht. Das kleine Bildnis wird vielleicht an seiner Ober- und Unterseite noch farblich abgesetzt oder das schmucke Oval bekommt am Ende zwei hübsche Schleifen an jeder Seite. Wer weiß. Der Fantasie der Künstlerin aus Verl sind keine Grenzen gesetzt.

Früher zeigte die Künstlerin auf großen Messen beispielsweise in Hamburg oder Dortmund ihre Arbeiten, heute ist sie eher auf Handwerkermärkten oder in Heimathäusern der Region zu finden. „Ich male nicht gern kunterbunt – lieber dezent, so in Richtung edel“, versucht Barbara Balsliemke zu erklären. Blumen sind ihr Motiv. Es darf so ziemlich jede sein, die ihr gefällt – wobei die Rose eigentlich ihr Favorit ist. „Die schmücke ich dann mit Vergissmeinnicht in verschiedenen Farben aus. Ein paar schöne Blätter dazu …“, schwärmt die 80-Jährige.

Für ihre Ostereier nutzt die Künstlerin, die in Verl Bauernmalerei lernte und später die Malschule in Frankenthal in der Pfalz besuchte, ausschließlich Acrylfarbe. „Sie ist dickflüssiger.“ Das sei beim Bemalen eines Eis einfach von Vorteil und erst recht bei dem des Straußes, dessen Schale ziemlich porös und rau ist. Gerne mischt sie die Farben.

Apropos Schale: Das Ei muss zur Aufnahme des Kunstwerkes vorbereitet sein. „Ich wasche es mit Wasser und lasse es dann erst einmal trocknen“, beschreibt Barbara Balsliemke ihre Vorgehensweise. „Dann muss das Unebene weg. Dafür schmirgel ich es mit feinem Schmirgelpapier. Anschließend bemale ich es und lasse das Motiv trocknen.“ Das kleine Bildnis wird am Ende mit Antikwachs aus dem Malereigeschäft eingestrichen, um die Farbe zu schützen und einen seidigen Glanz zu bekommen. Manchmal kommt noch eine weitere Schicht drauf. Am Ende wird das Ganze mit einer weichen Bürste vorsichtig poliert.

Dabei ist Ei nicht gleich Ei. Die Verlerin verwendet das große Straußen- oder Gänseei und das sehr große, fast schwarze des Emus, das kleinere Hühner- und das noch kleinere Zierentenei. Alle bräuchten ihre spezielle Behandlung. Als Clou lässt die Künstlerin aus einigen der Ostereier ein schmales Band mit einem Spruch. „Dabei ist mir so manches Ei schon geplatzt“, verrät sie. Also, Vorsicht!

Text und Fotos: Andrea Kutzendörfer