Bier, Töttchen und Anekdötchen

Wo bis zum Jahr 1911 Bäckerei und Brauerei waren, verleben die Menschen heute im  „Alten Gasthaus Porten Leve“ in Warendorf gesellige Stunden und werden von den Gastgebern kulinarisch verwöhnt – ob mit Freunden auf ein Bier oder für ein gutbürgerliches, westfälisches Abendessen, ein Besuch des Restaurants passt bei jedem Anlass.

In den vielen Jahren hinter der Theke hat Seniorchef Franz-Theo Leve einiges erlebt. Ob an feuchtfröhlichen Karnevalsabenden oder zum Frühschoppen. Zu Letzterem fällt ihm gleich eine Anekdote ein. „Ein Paar hat hier mal einen Kinderwagen in der Kaminecke vergessen“, erinnert sich  der Gastronom mit einem Schmunzeln auf dem Gesicht. Kinderwagen mit Kind, versteht sich. Zwei Stunden später hätten die Eltern dann besorgt in der Kneipe angerufen. Und in der Zwischenzeit habe sich das Team von Porten Leve eben um das Kind gekümmert.

Doch nicht immer waren die Zeiten so positiv. Vor gut elf Jahren gab es ein einschneidendes Erlebnis für den heutigen Juniorchef Florian und dessen Eltern Cathrin und Franz-Theo Leve. Im August 2008 hatte ein Feuer das gut 400 Jahre alte Fachwerkhaus in der Warendorfer Innenstadt fast komplett zerstört. Ganze neun Monate hat es anschließend gedauert, bis der Betrieb wiedereröffnet wurde. „Für uns stand sofort fest, dass es wieder so aussehen soll wie vorher“, denkt Franz-Theo Leve zurück. Vorne in der Kneipe sollte sich nichts verändern. Die Inneneinrichtung wurde restauriert.

Voller Dankbarkeit ist Franz-Theo Leve, wenn er sich an die Hilfsbereitschaft der Warendorfer erinnert. „Die Unterstützung hätte nicht besser sein können. Wir haben auch direkt von Gerd Leve, dem Inhaber des Hotels ,Im Engel', Zimmer angeboten bekommen“, hält der 61-Jährige fest. Schon am Tag nach dem Brand packten Dutzende fleißige Helfer mit an, um das beschädigte Inventar aus der Kneipe zu räumen. Auch ein Teil der alten Ölgemälde ist verbrannt. Man versuchte aber, möglichst viele der Kunstschätze zu retten.

In der gesamten Kneipe inklusive Thekenbereich finden rund 70 Gäste Platz, etwa 46 Sitzplätze zum Essen sind darunter. Den Saal für 60 Personen im hinteren Teil des Hauses bieten die Leves für Familienfeiern oder andere Veranstaltungen an. Ein für viele besonderer Ort ist das Kaminzimmer. „Viele Gäste nennen es unsere Kapelle. Gerade Stammtischgruppen wissen sie zu schätzen“, zeigt sich Seniorchef Leve auch ein bisschen stolz. Kapelle deswegen, weil die Anordnung der Sitze den Anschein dessen erweckt. Außerdem ziert eine Madonna die Wand an der Frontseite.

Das „Alte Gasthaus Porten Leve“ in Warendorf haben Cathrin und Franz-Theo Leve seit 1982 geführt. Sohn Florian hat es im Sommer 2016 übernommen. Seitdem gibt es auch ein neues gastronomisches Konzept. Seine Ausbildung zum Koch hat Florian Leve beim „Großen Kiepenkerl“ in Münster gemacht. Da habe er einiges an Wissen für sein heutiges Wirken mitnehmen können, sagt der 31-Jährige. Auch im Restaurant „Haus Wibbelt“ in Ahlen hat Leve zwischendurch gekocht.

Bis 2016 waren hauptsächlich Stammtischgruppen in der Kneipe zu Gast. Der Fokus lag auf den Getränken. Dazu gab es Kleinigkeiten wie Schnittchen. Schnell war klar, dass Florian Leve eine größere Karte mit verschiedenen Speisen mit anbieten möchte. Wer heute einen Blick auf die Karte wirft, der findet vor allem zünftige westfälische Hausmannskost. Etwa alle zwei Monate gibt es eine neue Auswahl. Jeweils ein Steak-, ein Fisch- und ein vegetarisches Gericht sind neben den typisch westfälischen Speisen zu finden. Zusätzlich bietet der gelernte Koch saisonale Leckereien an.

 

 „Altes Gasthaus Porten Leve“

Freckenhorster Straße 33, 48231 Warendorf

Telefon: 02581 1618

E-Mail: portenleve@gmx.de

Internet: www.porten-leve.de

Öffnungszeiten: Montag sowie Mittwoch bis Sonntag ab 17 Uhr, Dienstag Ruhetag

 

 

Text: Maike Stutenbäumer, Fotos: Hubert Kemper

 

 


 

Mit frischem Wind zurück zu den Wurzeln

Mit dem „Op de Limeke“ auf der Grenze zwischen Verl und Schloß Holte hat sich Stefan Kranz einen Traum erfüllt.
Er haucht der Gaststätte neues Leben ein.

Radfahrer, die im Umland von Verl unterwegs sind, stoßen früher oder später auf das „Op de Limeke“. Das Hofcafé und Restaurant hat seinen Platz in einem alten Bauernhaus, das seit 1500 an diesem Fleck zwischen Verl und Schloß Holte-Stukenbrock steht. Café, Restaurant, Biergarten – die Gastronomie ist vielseitig. Und Betreiber Stefan Kranz hat noch Großes damit vor.

Im November 2018 hat der Verler das „Op de Limeke“ eröffnet. „Seit 15 Jahren koche ich leidenschaftlich privat.
Beruflich habe ich da noch etwas ganz anderes gemacht, Lkw verkauft“, sagt Stefan Kranz und lacht. „Aber ein eigenes Restaurant zu eröffnen war schon länger mein Traum. Also habe ich mein Erspartes zusammengekratzt, um mir hier etwas aufzubauen“, sagt er. Vor ihm haben das schon andere versucht. Seit Ende der 1990er-Jahre haben inzwischen fünf Gastronomen das alte Bauernhaus bewirtschaftet.

Der 39-Jährige steht auf, geht von der Terrasse in das Fachwerkhaus. Er geht vorbei an massiven Holztischen und Stühlen, zeigt auf einen Billardtisch am Ende des großen Raums. „Unser Stolz“, sagt er und ergänzt: „Früher war es in Restaurants viel gängiger, dass dort ein grüner Tisch steht. Für mich gehört das irgendwie dazu.“

Das „Op de Limeke“ ist zwar „stark schnitzellastig“, wie Stefan Kranz es nennt, aber die Speisekarte gibt noch weit mehr her. Flammkuchen, Pizza, Salat mit selbst gemachten Falafelbällchen finden Gäste da. Ein bisschen querbeet sind die Gerichte zusammengestellt, das gibt Stefan Kranz selbst zu. Ausprobieren gehöre eben dazu, erklärt er. Immerhin müsse er herausfinden, was bei den Gästen ankomme. Und selbstverständlich müsse er auch hinter den Gerichten stehen können, Lust auf das haben, was er da zubereitet. So finden Gäste auf der Karte auch die Tagessuppe „nach Geschmack des Kochs“ – eine kulinarische Wundertüte. Bald soll Pasta den Weg auf die Karte finden. Denn: „Mein Steckenpferd ist die italienische Küche, mit frischen Gewürzen“, betont Kranz.

Der 39-Jährige schlendert vorbei an grünen Büschen zum Parkplatz des Restaurants. Der Kies knirscht unter seinen Schuhen. Dann erreicht Kranz eine Wiese mit einer großen, sandigen Fläche, über die straff ein grobmaschiges Netz gespannt ist. „Das gehört auch noch dazu. Hier können die Gäste Volleyball spielen“, sagt er. Auch eine Feuerstelle ist dort aufgebaut, die derzeit noch nicht gebraucht wird. Eine Wildblumenwiese wächst ungezähmt, „für Insekten“.

Ein weiterer Punkt, der das ‚Op de Limeke‘ ausmacht: die familiäre Atmosphäre. „Den rauen Ton, der in der Gastro oft herrscht, sucht man hier vergebens. Wir würden alle auch privat mal ein Bierchen miteinander trinken gehen“, sagt Restaurantleiter Markus Leuchtenberg. Einmal haben er und seine Kollegen ihrem Chef Kranz eine Küchenschürze geschenkt, auf der pinkfarben „Schnitzel Stefan“ steht. „Ihr Verrückten“, sagt der und lacht.

„Op de Limeke“
Stefan Kranz, Holter Straße 163, 33415 Verl
Telefon: 05246 933277
E-Mail: info@opdelimeke.de
Internet: www.opdelimeke.de
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag ab 17 Uhr, Samstag ab 13 Uhr und Sonntag ab 9.30 Uhr;
Montag und Dienstag Ruhetag

Text und Fotos: Simon Bussieweke

Alt Vellern mitten in Vellern

Das erste Gebäude stammt aus dem Jahr 1686, eine Schankurkunde aus den 1860er-Jahren, seit 1979 ist es im Besitz der Familie Stichling: das Restaurant und Hotel Alt Vellern. Es hat eine lange Geschichte.

Wo das heute von Bernd Stichling geführte Haus Alt Vellern seinen Ursprung hat, erkennt man sofort. Im Kaminzimmer und im angrenzenden „Stübchen“ sind die Wände leicht schief und der Bodenbelag besteht aus alten Steinplatten. Die Wohnräume eines ehemaligen Bauernhofes aus dem 17. Jahrhundert bilden heute das gemütliche und detailreich dekorierte Zentrum des Betriebs.

Dort wo jetzt das Restaurant seinen Platz hat, war früher die Deele des altehrwürdigen Bauernhauses. Die großen Fenster, die anstelle des ehemaligen Deelen-Tores eingebaut wurden, lassen reichlich Tageslicht auf die Sitzplätze für bis zu 70 Personen fallen. Mittagstisch und Abendkarte werden hier sechs Mal die Woche geboten. Nur am Sonntag ist Ruhetag.

Angesprochen auf den immer wieder von Trägern oder hüfthohen Mauern durchzogenen Restaurantbereich sagt Inhaber Bernd Stichling: „Die bauliche Gestaltung macht die Pflege nicht unbedingt leichter, aber das alles macht einfach die Atmosphäre aus.“ Eine Schankurkunde bezeugt, dass hier bereits seit 1860 Gäste miteinander anstoßen. Seit 1979 zeichnet dafür die Familie Stichling verantwortlich.

Durch den Zukauf benachbarter Grundstücke ist 1991 und 1998 in zwei Schritten aus dem reinen Schankbetrieb auch ein Hotel mit Tagungsräumen geworden. Die mittlerweile insgesamt 40 Zimmer im Haus Alt Vellern beherbergen unter der Woche vor allem geschäftlich Reisende. Wer Frühstück zu seiner Übernachtung bucht, kann den großen und lichtdurchfluteten Frühstücksraum nutzen. Bei passendem Wetter werden Speisen und Getränke auch gerne bis unter eine kleine Remise im Innenhof gebracht. Dort laden im Sommer weitere Sitzmöglichkeiten zum Verweilen in entspannter Atmosphäre ein. Im auch Gartenrestaurant genannten Bereich lässt sich zu späterer Stunde bei schönem Wetter und Vogelgezwitscher ein leichter Wein ebenso genießen wie eine frisch zubereitete Speise von der saisonalen Karte.

Alt Vellern – Hotel und Restaurant
Dorfstraße 21, 59269 Beckum-Vellern
Telefon: 02521 87170
E-Mail: hotel@alt-vellern.de
Internet: www.alt-vellern.de
Öffnungszeiten Restaurant: Montags bis freitags 12 bis 14 Uhr und 17.30 bis 22 Uhr; samstags ab 17.30 Uhr;
sonntags Ruhetag

Text und Fotos: Christian Dresmann

Der Charme vergangener Zeiten

Wenn es auch ein Zufall war, der Marlies und Willi Knobbe 1968 zu Gastronomen machte, ihrer Leidenschaft tat das keinen Abbruch. Bis heute: Die 75-jährige und der 80-jährige sind nach wie vor im heutigen „Landgasthof Hotel Altes Bauernhaus“ in Harsewinkel-Marienfeld präsent und helfen ihrem Sohn Arno, dem sie den Betrieb längst überschrieben haben, wo es nur geht. Marlies wisse nach wie vor über alles Bescheid, sagt Willi Knobbe mit einem Augenzwinkern. So kümmere sie sich um die Tischbelegungen im Restaurant „Altes Bauernhaus“, während er oft hinter der Theke stehe und zapfe. Für Arno Knobbe ist das eine willkommene Unterstützung. Denn seit 2014 gehört zu dem Betrieb noch ein Landhotel.

Das „Alte Bauernhaus“ beherbergt ein Speiserestaurant, in dem sich gesellige, aber auch romantische Stunden zu zweit verbringen lassen. Der Raum versprüht zugleich Kneipenatmosphäre, die vielerorts längst aus der Mode gekommen ist.
Die rustikal gestaltete Einrichtung besitzt den Charme westfälischer Gemütlichkeit: roter Samt- und Stoffbezug, teils gestreift, kleidet Stühle und Eckbänke aus dunklem Holz. Darüber hängen Lampenschirme, die warmes Licht verbreiten.

Eine schier endlos lange Theke zieht sich durch die Gaststube. Elf Barhocker bieten viel Platz für die Thekengäste, die sich entgegen dem allgemeinen Trend hier am Sonntag immer noch gern zum Frühschoppen treffen: „Die jungen Burschen aus der Umgebung schauen regelmäßig vorbei. Senioren, die zum Mittagessen kommen, wollen dann immer an den Tischen sitzen, die nur durch einen schmalen Gang vom Tresen getrennt sind. Sie wollen hören, was sich Neues im Dorf zugetragen hat“, erzählt Marlies Knobbe mit einem Schmunzeln. „Wenn keiner der jungen Leute da ist, müssen sie dort auch nicht unbedingt sitzen. Dann dürfen es andere Tische sein.“

Wer seinen Platz gefunden hat, lässt das Auge umherschweifen. Erinnerungen werden wach. Nicht nur wegen der alten Phoenix-Tischnähmaschine und dem antiken Herd aus einem vergangenen Jahrhundert gleich am Eingang zum Gasthaus, sondern nahezu alles, was auf Regalen und Balken steht und an Wänden im Restaurant, Kaminzimmer und in den Fluren hängt, hat unzählige Jahre, manchmal ein Jahrhundert hinter sich. Die Einrichtung des Gasthauses ist Marlies Knobbes ganzer Stolz: „Das habe ich alles selbst zusammengetragen. Gekauft auf Flohmärkten in der ganzen Republik“, berichtet sie. Besonders stolz ist sie auf ihre Kaffeemühlen-Sammlung. Rund 50 Exemplare stehen auf einem Regal bei der Theke. „Die älteste kommt aus Indien, meine Mutter hat sie mir geschenkt.“

Ganz anders sieht es nebenan im Landhotel „Altes Bauernhaus“ aus, das Familie Knobbe vor mehr als vier Jahren eröffnet hat. Ein Hingucker ist die großzügige lichtdurchflutete Eingangshalle, in der eine breite, geschwungene Treppe nach oben führt. Schmuckstück darunter ist ein schwarzer Flügel, über dem ein klassischer Kronleuchter thront. Das Frühstück wird in einem verglasten Saal serviert. Fototapeten mit Naturszenen und Bildern mit bunten Blumenmotiven an den Wänden verbreiten Ruhe. Konferenz- und Tagungsräume, ausgestattet mit modernster Technik, „locken viele Unternehmen an“, sagt Arno Knobbe. „Auch hier haben wir viele treue Stammgäste.“

Wenn auch Licht und helle Farben in dem modernen Gebäude in deutlichem Kontrast zum „Alten Bauernhaus“ stehen, von ihrer Maxime ist die Familie nicht abgewichen: Mit dem Hotel hat sie eine weitere Insel der Gastfreundschaft geschaffen.

Landgasthof Hotel „Altes Bauernhaus Möllenbrock“
Möllenbrocksweg 20-24, 33428 Marienfeld
Hotel-Telefon: 05247 988010
Restaurant-Telefon: 05247 98801400
E-Mail: rezeption@altesbauernhaus.info
Internet:www.altesbauernhaus.info
Öffnungszeiten: Montag Ruhetag, Dienstag bis Samstag ab 17 Uhr (Gruppenreservierung möglich), Sonntag ab 11 Uhr

Text: Anja Tenbrock, Fotos: Hubert Kemper

Rustikale Gemütlichkeit

Sobald man die Hauptstraße in Telgte verlassen hat und von der B51 in den Klatenberg einbiegt, wird es ruhig. Vereinzelt säumen Häuser und Gehöfte den Straßenrand. Ein unauffälliges, grünes Schild weist schließlich die Richtung zum Heidehotel Waldhütte. Immer weiter geht es in den Wald hinein. Hier könnte die Welt zu Ende sein. Bis plötzlich ein schmuckes Fachwerkhaus auftaucht. Doch anders als es der Name des Hotels vermuten lassen könnte – das
Haus ist alles andere als klein. Aber die Ruhe, die im Allgemeinen eine Hütte im Wald verspricht, ist sofort zu spüren.

Die Geschichte der Waldhütte beginnt lange bevor das Hotel zu einem bekannten Traditionsunternehmen wurde. Während es zu seinen Anfangszeiten seinem Namen entsprechend Bauern und Jägern als Unterstand im Wald diente, beherbergt es heute Gäste, die zum einen Ruhe und Entspannung, zum anderen eine ausgezeichnete westfälische Küche suchen. „1933 erwarb der Münsteraner Gastronom Otto Süß gemeinsam mit seiner Frau Gertrud den ehemaligen Bauern- und Jagdunterstand mit der Idee, daraus ein ländliches Ausflugsziel zu machen“, berichtet Gregor Joanning, der mit seiner inzwischen verstorbenen Frau Sigrid das Haus zu dem gemacht hat, was es heute ist. Mittlerweile führt der frühere
Inhaber die Waldhütte als Pächter weiter, gemeinsam mit dem Geschäftsführer Michael Krabbe, der seit 34 Jahren im Betrieb ist, und Küchenchef Dennis Wäsche.

Anfangs sei die Waldhütte eine kleine Speise- und Schankwirtschaft gewesen. Verzehrt worden seien Kuchen und einfache Schnittchen. „Oder aber, die Gäste, überwiegend Land- und Waldarbeiter, Jäger und Spaziergänger hatten sich die Brote selbst mitgebracht und tranken nur etwas“, erläutert der 67-Jährige. Doch schnell habe Süß die einstige Hütte zu einer Gaststätte ausgebaut. Das erste Personal sei angestellt, die ersten Übernachtungsgäste seien aufgenommen worden.

1952 kam es zu einem ersten Generationenwechsel. Eine Tochter der Familie Süß, Helma Süß, heiratete Josef Altrogge. Nach und nach wurde das Gasthaus umgebaut und erweitert. 1959/1960 kam die Landwirtschaft dazu. „Früher haben wir selbst geschlachtet und unsere Wurst hergestellt“, erinnert sich Joanning. „Doch das ist längst vorbei.“ 1969 wurde ein weiterer Hoteltrakt erbaut, in dem auch eine Wäscherei sowie die Privatwohnung der Familie Altrogge untergebracht gewesen sind. Das Paar habe 1953 die Tochter Sigrid bekommen, seine zukünftige Ehefrau, berichtet er weiter. „Wir haben 1976 geheiratet.“ In den darauffolgenden Jahren entwickelte sich die Waldhütte dank weiterer Renovierungen und Neubauten zu dem, was sie auch 2018 noch ist: Ein Hotel und Restaurant, dem der urtümlich westfälische Charakter noch immer aus allen Poren dringt.

„Die aus mehreren alten Bauernhöfen stammenden, jahrhundertealten Eichenbalken, antiken Schränke und Lampen vermitteln nach wie vor die urig-gemütliche Atmosphäre eines echten münsterländischen Bauernhauses“, betont
der Gastronom. Ein echtes Schmuckstück beispielsweise ist der 200 Jahre alte handgeschnitzte Eichenschrank. Die Motive auf den Türen erzählen Geschichten, die den Betrachter mit auf die Jagd nehmen. Ebenso ist das Bild im großen Gastraum, das die Waldhütte um 1913 zeigt, ein Hingucker. Hirschgeweihe an der Wand, ein alter Kamin, handgeschmiedete Leuchten und alte Schwarz-Weiß-Fotos spiegeln ebenfalls die Historie wider.

Das Wohl seiner Gäste liegt Joanning besonders am Herzen. Das dürfte eines seiner Geheimrezepte für den Erfolg sein: „Wir begrüßen unsere Gäste stets persönlich. Ob Herr Krabbe oder ich, einer von uns ist immer für sie da und ansprechbar“, betont der gelernte Hotelkaufmann und Koch, der sich im Alter von 16 Jahren „mit Leib und Seele der Gastronomie verschrieben“ hat. Kein Wunder, dass auch Prominente wie Schriftsteller Günter Grass, Entertainer
Harald Juhnke und Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher zu den Besuchern gehörten.

Heidehotel Waldhütte
Im Klatenberg 19, 48291 Telgte
Telefon: 02504 9200
E-Mail: info@heidehotel-waldhuette.de
Internet: www.heidehotel-waldhuette.de
Öffnungszeiten Montag bis Sonntag:
7 bis 10.30 Uhr Frühstück (nur mit Anmeldung), 12 bis 14 Uhr warme Küche, ab 14 Uhr Kaffee und Kuchen,
18 bis 21.30 Uhr warme Küche

Text: Anja Tenbrock, Fotos: Hubert Kemper

Kulinarischer Stilmix für Feinschmecker

Bis ins Jahr 1680 lassen sich die Ahnenreihen der Familie Poppenborg zurückverfolgen. Das Haus im Ortskern von Harsewinkel zählt zu den führenden Gaststätten in der Region.

Das Haus von Anne und Heinrich Poppenborg prägt den Ortskern von Harsewinkel im Kreis Gütersloh seit Jahrhunderten. „Seit dem 17. Jahrhundert ist die Familie in der kleinen, westfälischen Stadt ansässig. 1906 hat mein Großvater seine Schankgenehmigung erhalten“,  wie sein Enkel Heinrich Poppenborg erzählt. Mit Stolz zeigt der heutige Inhaber des Hotels und Restaurants auf das alte Dokument, das in einem Glasrahmen im Flur hängt – neben unzähligen weiteren schwarz-weiß Fotos, die die Familiengeschichte erzählen.

Doch der Gastronomiebetrieb ist dem 69-Jährigen zufolge noch älter: „1820 wurde anlässlich der ersten Kirmes in Harsewinkel im Münsterischen Intelligenzblatt annonciert, dass man im Haus Poppenborg gut essen kann.“ Und die Ahnenreihe der Familie lasse sich sogar bis ins Jahr 1680 zurückverfolgen. 1913 habe der Großvater das Haus vergrößert und einen Saal angebaut. Noch heute finden in dem bis zu 200 Personen fassenden Saal mit kleiner Bühne Veranstaltungen statt. Erste Übernachtungszimmer seien in den 1950er-Jahren über dem Saal entstanden. Inzwischen zählt das Hotel 18 Zimmer; zwölf Einzelzimmer und sechs Doppelzimmer.

Heinrich Poppenborg hat das Traditionshaus 1970 von seinen Eltern übernommen. Seit 1983 führt er es gemeinsam mit seiner Frau Anne. Der 69-Jährige hat das Gasthaus zu einem der führenden Restaurants in der Region gemacht. Auf der Internetseite des Hauses lassen sich Empfehlungen seiner Küche von Guide-Michelin, Aral-Schlemmeratlas, Varta-Restaurantführer und 3F „Der Feinschmecker“ nachlesen.

Das Talent, zu kochen, habe er von seiner Großmutter geerbt. „Sie war sehr begabt in der Küche. Mein Opa kam nicht aus der Gastronomie, sondern war Kutscher. Er hat schließlich seinen Beruf aufgegeben und ist mit in den Betrieb eingestiegen. Meine Mutter wiederum hat die Tradition fortgesetzt. Sie war ebenfalls gelernte Köchin“, erzählt Heinrich Poppenborg.

Der Restaurantinhaber sieht sich „der Tradition verpflichtet, ohne sich dem modernen Zeitgeist zu verweigern“ – da passt es durchaus, dass er es war, der mit einer Familientradition gebrochen hat: „Nicht meine Schwester, sondern ich bin Koch geworden. Meine Frau wiederum kümmert sich um den kaufmännischen Part“, stellt er mit einem Augenzwinkern fest.

Die Küche, das ist sein Bereich; Beruf und Berufung zugleich. Heinrich Poppenborg hat nach seiner Ausbildung zum Koch im Parkhotel Wittekindshof in Dortmund immer wieder auch Zeit in Frankreich verbracht und sich dort von der französischen Gourmetküche inspirieren lassen. Die französische Küche ist das klassische Fundament seiner Kreationen.

Über Jahrzehnte hat Poppenborg in Harsewinkel eine Gourmetküche geschaffen, an der Feinschmecker in der Region nicht vorbeikommen. Obwohl, und das dürfte Teil seines Erfolgsrezepts sein, verbindet er längst die gehobene Gourmetküche mit einer weniger aufwändigen, „lockeren und legeren Küche“. Auf Spitzenniveau muss dennoch kein Gast verzichten. „Elf Jahre waren wir mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet. Bis es sich nicht mehr gelohnt hat. Man muss einfach mit der Zeit gehen. Die Lebensgewohnheiten der Menschen haben sich im Laufe der Jahre verändert.“ Immer weniger Gäste besuchten ein Gourmetrestaurant. Vielmehr suchten viele ein weniger zwanghaftes Ambiente. „Bistrogeist“ nennt es Poppenborg. Entsprechend gibt es neben dem Restaurant mit etwa 25 Plätzen auch das Bistro „Stübchen“, in dem man gemütlich klassisch speisen kann. Einen zauberhaften Rückzugsort, um die kulinarischen Köstlichkeiten zu genießen, bietet bei gutem Wetter auch der idyllische Garten.

Doch egal, wo man sitzt – der Blick auf die verschiedenen Speisekarten spiegelt die Vielfältigkeit und Kreativität des Sternekochs wider. Selbstredend, dass die Qualität der Lebensmittel eine Grundvoraussetzung für eine hervorragende Küche sei. Ebenso achte er auf Regionalität: „Ich beziehe auch Fleisch aus der hiesigen Region; verarbeite insbesondere heimisches Wild und auf dem Wochenmarkt gehe ich ebenfalls einkaufen“, erklärt der Gastronom.

Adresse:
Hotel & Restaurant Poppenborg
Brockhäger Strasse 9
33428 Harsewinkel
Telefon: 05247 2241
E-Mail: hotel@poppenborg.com
Internet: www.hotel-poppenborg.de

Öffnungszeiten:
Gourmet-Restaurant:
Speisenbestellungen: Montag sowie Donnerstag bis Sonntag 12 bis 13.15 Uhr und 19 bis 21 Uhr,
Dienstag 19 bis 21 Uhr
Ruhetage: Dienstag-Mittag und Mittwoch

Bistro-Stübchen und Gaststätte:
Speisenbestellungen: Montag sowie Donnerstag bis Sonntag 12 bis 13.30 Uhr und 18 bis 21.30 Uhr;
Dienstag 18 bis 21.30 Uhr
Ruhetage: Dienstag-Mittag und Mittwoch.

Text: Anja Tenbrock; Fotos: Jens Dünhölter