Im Restaurant schick essen gehen oder gemütlich in der urigen Kneipe ein Bierchen trinken – in Westfalen gibt es zahlreiche Gastronomie-Betriebe mit einer langen Tradition, die beides verbinden. Wir stellen Ihnen in jeder Ausgabe unseres Magazins einen neuen „Gastro-Tipp“ vor und sind abwechselnd im Kreis Gütersloh und im Kreis Warendorf unterwegs. Eine gekürzte Version der Reportage lesen Sie hier.


Wirtshaus im Schatten von St. Anna

Mitten in Verl im Schatten der St.-Anna-Kirche betreiben Sascha Großeschallau und Hannes Erichlandwehr den Bürmanns Hof. Leidenschaft prägt ihre Arbeit.

Wer den Bürmanns Hof in Verl betritt, der hat mit dem Schritt über die Schwelle das Gefühl, eine Reise zurückgelegt zu haben. Denn der Gastronomiebetrieb hat einen ganz besonderen Charme, der für die Region eher untypisch ist.
„Wir bezeichnen uns als Wirtshaus“, erklärt Sascha Großeschallau. Die Decken und Wände sind von Holz und Fachwerk geprägt, die Theke ist mitten im Gastraum angesiedelt und die gestreifte Polsterung der Stühle und Bänke hat historisch anmutenden Charme. Gemeinsam mit Johannes „Hannes“ Erichlandwehr betreibt Großeschallau seit fünfeinhalb Jahren den Bürmanns Hof.

„Durch den Charakter des Gebäudes, aber auch die Art und Weise, wie wir Gastronomie betreiben, passt der Begriff gut“, führt der 35-Jährige aus. Mittagstisch und Abendessen mit einer vielfältigen, zugleich bodenständigen Karte, sowie Frühschoppen gibt es im Bürmanns Hof. Die beiden Männer wollen „Leben in der Bude haben“ und jeden ansprechen.
Vom Geschäftsmann bis zur Familie mit kleinen Kindern und dem Stammtisch der Fußballer oder Handballer aus der Stadt. „Alle sollen sich bei uns wohlfühlen“, sagt der Bornholter. Das gilt auch für die Kegelgruppe und die Knobler sowie den Stammtisch der Alteingesessenen.

Der historische Hof Bürmann zählt zu den ältesten Bauernhöfen in der Stadt. „Gebaut wurde das ursprüngliche Haus vor etwa 1000 Jahren“, sagt Erichlandwehr. Ganz so alt ist das heutige Zweiständergebäude nicht. Das stammt aus dem Jahr 1698.

Ein besonderer Hingucker im Bürmanns Hof sind die historischen Fliesen, die auf dem Fußboden seitlich der Theke zu sehen sind. Der dunkelgraue, Belag hebt sich nicht nur farblich ab. Zahlreiche Splitter sind dort verarbeitet.
„Das ist der Originalfußboden“, erklärt Erichlandwehr. Regelmäßig kommen Stadtführer mit Gruppen vorbei, um den denkmalgeschützten Tennenboden zu zeigen.

Erst um 1985 entwickelte sich das alte Bauernhaus zum Gastronomiebetrieb. Zunächst bot Bernhard Büdel seinen Gästen etwa ein Jahrzehnt lang Sterneküche. Anschließend wechselten die Pächter laut Erichlandwehr mehrfach. Viele setzten auf gehobene Küche. Als 2014 ein neuer Betreiber gesucht wurde, überredete Erichlandwehr seinen jüngeren Kollegen, das Projekt gemeinsam anzugehen und kulinarisch einen anderen Schwerpunkt als die Vorgänger zu setzen.

Bis zu 85 Gäste finden in dem Wirtshaus gut Platz. Wird es etwas gemütlicher, sprich enger, kommen bis zu 110 Personen unter. Gesellschaften können die Räumlichkeiten zwar mieten, es gibt jedoch eine Einschränkung: „Der Thekenbereich bleibt immer frei“, betont Erichlandwehr. „Das gilt auch für den ersten Tisch direkt rechts neben der Tür. Dort sitzen unsere Stammgäste. Die haben immer ihren Platz bei uns.“

Der 62-Jährige fühlt sich hinter der Theke am wohlsten. „Vormittags und abends, spätestens ab 22 Uhr, ist hier mein fester Platz“, sagt er. Seit 33 Jahren ist er in der Gastronomie aktiv, bewirtete zunächst 10 Jahre lang in Verl-Kaunitz die Fürstenstube, im Anschluss 18 Jahre lang den Lindenkrug in Verl.

Die Theke selbst ist ein weiterer Hingucker in dem Wirtshaus. Oben ist sie mit blau-weißen Fliesen umgeben. Jagdmotive zieren diese. Vom Rehbock bis zum Jäger selbst. Davor stehen einige alte Kaffeemühlen. „Irgendwann meinte mal jemand, dass er eine übrig habe und die dort gut hinpasse. Ich habe gesagt: ,Bring einfach mal mit.‘ Und so wurden es mit der Zeit immer mehr“, erinnert sich der Gastronom.

Die Karte der Gaststätte ist geprägt von traditionellen Speisen. Von Salaten über Bratkartoffeln mit Spiegelei –
in Kombination mit Schnitzel als Schlemmerkrüstchen serviert – bis hin zu einer Auswahl verschiedener Schnitzel, Steaks und ostwestfälischem Bruzzelfleisch ist alles dabei. „Es gibt bei uns aber auch Currywurst und Bratwurst, hier soll sich schließlich jeder wohlfühlen“, hebt Erichlandwehr erneut hervor. Für Gesellschaften werde auf Wunsch auch etwas anderes zubereitet, beispielsweise Braten und Rouladen.

Bürmanns Hof
Kirchplatz 5, 33415 Verl
Telefon: 05246 3447
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag ab 11 Uhr, Samstag und Sonntag ab 10 Uhr, Küche durchgehend ab 12 Uhr,
Montag Ruhetag; Betriebsferien vom 25. bis 31. Mai

Text: Kirstin Oelgemöller, Fotos: Hubert Kemper, privat (1)


Bier, Töttchen und Anekdötchen

Wo bis zum Jahr 1911 Bäckerei und Brauerei waren, verleben die Menschen heute im  „Alten Gasthaus Porten Leve“ in Warendorf gesellige Stunden und werden von den Gastgebern kulinarisch verwöhnt – ob mit Freunden auf ein Bier oder für ein gutbürgerliches, westfälisches Abendessen, ein Besuch des Restaurants passt bei jedem Anlass.

In den vielen Jahren hinter der Theke hat Seniorchef Franz-Theo Leve einiges erlebt. Ob an feuchtfröhlichen Karnevalsabenden oder zum Frühschoppen. Zu Letzterem fällt ihm gleich eine Anekdote ein. „Ein Paar hat hier mal einen Kinderwagen in der Kaminecke vergessen“, erinnert sich  der Gastronom mit einem Schmunzeln auf dem Gesicht. Kinderwagen mit Kind, versteht sich. Zwei Stunden später hätten die Eltern dann besorgt in der Kneipe angerufen. Und in der Zwischenzeit habe sich das Team von Porten Leve eben um das Kind gekümmert.

Doch nicht immer waren die Zeiten so positiv. Vor gut elf Jahren gab es ein einschneidendes Erlebnis für den heutigen Juniorchef Florian und dessen Eltern Cathrin und Franz-Theo Leve. Im August 2008 hatte ein Feuer das gut 400 Jahre alte Fachwerkhaus in der Warendorfer Innenstadt fast komplett zerstört. Ganze neun Monate hat es anschließend gedauert, bis der Betrieb wiedereröffnet wurde. „Für uns stand sofort fest, dass es wieder so aussehen soll wie vorher“, denkt Franz-Theo Leve zurück. Vorne in der Kneipe sollte sich nichts verändern. Die Inneneinrichtung wurde restauriert.

Voller Dankbarkeit ist Franz-Theo Leve, wenn er sich an die Hilfsbereitschaft der Warendorfer erinnert. „Die Unterstützung hätte nicht besser sein können. Wir haben auch direkt von Gerd Leve, dem Inhaber des Hotels ,Im Engel', Zimmer angeboten bekommen“, hält der 61-Jährige fest.
Schon am Tag nach dem Brand packten Dutzende fleißige Helfer mit an, um das beschädigte Inventar aus der Kneipe zu räumen. Auch ein Teil der alten Ölgemälde ist verbrannt. Man versuchte aber, möglichst viele der Kunstschätze zu retten.

In der gesamten Kneipe inklusive Thekenbereich finden rund 70 Gäste Platz, etwa 46 Sitzplätze zum Essen sind darunter. Den Saal für 60 Personen im hinteren Teil des Hauses bieten die Leves für Familienfeiern oder andere Veranstaltungen an. Ein für viele besonderer Ort ist das Kaminzimmer.
„Viele Gäste nennen es unsere Kapelle. Gerade Stammtischgruppen wissen sie zu schätzen“, zeigt sich Seniorchef Leve auch ein bisschen stolz.
Kapelle deswegen, weil die Anordnung der Sitze den Anschein dessen erweckt. Außerdem ziert eine Madonna die Wand an der Frontseite.

Das „Alte Gasthaus Porten Leve“ in Warendorf haben Cathrin und Franz-Theo Leve seit 1982 geführt. Sohn Florian hat es im Sommer 2016 übernommen. Seitdem gibt es auch ein neues gastronomisches Konzept. Seine Ausbildung zum Koch hat Florian Leve beim „Großen Kiepenkerl“ in Münster gemacht. Da habe er einiges an Wissen für sein heutiges Wirken mitnehmen können, sagt der 31-Jährige. Auch im Restaurant „Haus Wibbelt“ in Ahlen hat Leve zwischendurch gekocht.

Bis 2016 waren hauptsächlich Stammtischgruppen in der Kneipe zu Gast. Der Fokus lag auf den Getränken. Dazu gab es Kleinigkeiten wie Schnittchen. Schnell war klar, dass Florian Leve eine größere Karte mit verschiedenen Speisen mit anbieten möchte. Wer heute einen Blick auf die Karte wirft,
der findet vor allem zünftige westfälische Hausmannskost. Etwa alle zwei Monate gibt es eine neue Auswahl. Jeweils ein Steak-, ein Fisch- und ein vegetarisches Gericht sind neben den typisch westfälischen Speisen zu finden. Zusätzlich bietet der gelernte Koch saisonale Leckereien an

Altes Gasthaus Porten Leve“
Freckenhorster Straße 33, 48231 Warendorf
Telefon: 02581 1618
E-Mail: portenleve@gmx.de
Internet: www.porten-leve.de
Öffnungszeiten: Montag sowie Mittwoch bis Sonntag ab 17 Uhr, Dienstag Ruhetag

Text: Maike Stutenbäumer, Fotos: Hubert Kemper