Gastronomen gehen neue Wege

Mehr als ein halbes Jahr Stillstand – die Gastronomie hat unter den Corona-Maßnahmen gelitten. Einige Betriebe haben aus der Not eine Tugend gemacht und kreative neue Konzepte entwickelt.

Restaurant-Feeling beim Wohnmobil-Dinner

Bei Facebook hat Norman Adelmann im vergangenen November die Idee der Wohnmobil-Dinner entdeckt. „Wir sind direkt auf das Pferd aufgesprungen“, sagt der Juniorchef vom Hotel Adelmann in Rietberg-Mastholte. „Im Kreis Gütersloh waren wir mit die Ersten, die die Wohnmobil-Dinner angeboten haben.“

Wer sich nach einem Restaurantbesuch sehnt, kann von zu Hause ein Menü von der monatlich wechselnden Speisekarte auswählen und einen Termin reservieren. Vor Ort wird ein Parkplatz vor dem Hotel zugewiesen. „Mit Abstand und Maske nehmen wir dann am Wohnmobil die Getränkebestellung auf und bringen das komplette Menü an die Tür“, erklärt Adelmann (43). Serviert werde selbstverständlich auf Porzellan und mit richtigem Besteck. „Es soll ja zumindest ein bisschen das Gefühl eines echten Restaurantbesuchs entstehen.“ Viele würden sich ihren Wagen extra schön herrichten, um in einem angenehmen Ambiente speisen zu können.

„Am Anfang wurden wir überrannt“, sagt Adelmann. „Da hätten wir deutlich mehr Plätze vergeben können.“ In der Regel sind die Gäste Familien. Viele Besucher kamen aber auch zu besonderen Anlässen wie Geburtstagen oder Hochzeitstagen. „Ein Höhepunkt war, als ein Paar direkt nach der standesamtlichen Trauung zu uns kam“, sagt Adelmann. Auch von weit her, unter anderem aus München, haben er und sein Team Gäste bedient. „Die meisten sind froh, einfach wieder etwas anderes zu erleben – und auch mal ein gezapftes Bier zu trinken“, sagt Adelmann.

Hotel Adelmann
Lippstädter Str. 5, 33397 Rietberg-Mastholte
Telefon: 02944 1442
E-Mail: info@hotel-adelmann.de
Internet: www.hotel-adelmann.de


Wildshop mit Selbstgejagtem

Das Wild ist im Landhaus Wimmelbücker in Rietberg-Druffel schon lange ein wichtiges Standbein. Inhaber Heiner Torweihen jagt selbst seit 40 Jahren in seinem Revier. Besonders beliebt ist das jährliche Wildbüfett.

Als Ende vergangenen Jahres abzusehen war, dass auch im Januar oder Februar ein verkürztes Büfett nicht machbar sein würde, mussten die Inhaber sich nach einer Alternative umsehen. „Da seit November Stillstand herrschte, waren die Wildbestände hoch“, sagt Torweihen. Denn neben dem Wild aus der eigenen Jagd erhält er auch von befreundeten Jägern unter anderem Hirsche und Rehe. So entstand Anfang des Jahres die Idee, einen eigenen Wildshop aufzubauen.

Dort bietet der Gastronom außer hausgemachter Wildsalami und geräuchertem Hirschschinken weitere Wurstspezialitäten sowie in Gläser eingekochte Gerichte an. Zum Beispiel Rehgulasch und herzhaften Wildschweinbraten in Wildpreiselbeersoße. Die Gerichte müssen lediglich 15 bis 20 Minuten in heißes Wasser gestellt werden und sind dann servierfertig. Passend zur sommerlichen Grillsaison haben die Inhaber Heiner (67) und Rita (66) Torweihen auch Grillfleisch ins Sortiment aufgenommen. Unter anderem Grillsteaks vom Rehrücken und Spieße mit Hirsch-, Wildschwein- und Hasenrücken.

„Der Wildshop läuft sehr gut“, sagt Heiner Torweihen. Vor allem die Stammkunden des Wildbüfetts hätten das Angebot erfreut angenommen. Da sich der Shop bereits als feste Größe etabliert hat, haben sich die Inhaber dazu entschlossen, ihn weiterlaufen zu lassen. „Auch wenn der normale Restaurantbetrieb wieder losgeht, können die Kunden das Wild aus dem Shop weiter kaufen“, sagt Torweihen.

Landhaus Wimmelbücker – Wild-Shop
Druffeler Str. 115, 33397 Rietberg-Druffel
Telefon: 05244 2523
E-Mail: info@wimmelbuecker.de
Internet: www.wimmelbuecker.de


Oelde kocht live im Internet

Ein Event auf die Beine zu stellen, bei dem die Menschen für kurze Zeit ihre Sorgen vergessen können – das war das Ziel der Organisatoren von „Oelde kocht live“. Eine Gruppe um den Eventtechniker Daniel Kolodzeiski verwirklichte die Idee einer Live-Kochshow mit örtlichen Gastronomen. „In bisher vier Folgen sowie einer Bonus-Show für Kinder haben Chefköche gemeinsam mit Oelder Bekanntheiten Gerichte zubereitet, die die Zuschauer zu Hause mitkochen konnten“, berichtet Michael Twittmann aus dem Organisationsteam. Dazu kauften sich alle, die mitmachen wollten, bei Edeka Junkerkalefeld in Oelde vorgefertigte Boxen mit den Zutaten für das Rezept.

Mit dabei waren bisher das Haus Zelic, das Pott’s Brau- und Backhaus und das Landgasthaus Hohen Hagen. 50 bis 200 Boxen sind für die jeweiligen Veranstaltungen verkauft worden. 2500 bis 3000 Zuschauer haben die einzelnen Kochshows verfolgt. „Sogar Menschen aus den USA und Portugal, die einen Bezug zu Oelde haben, waren dabei“, sagt Twittmann, der als Moderator durch die Veranstaltungen führte. Es hat sich sogar eine Stammkundschaft entwickelt, die bei jeder Folge dabei war, berichtet er. Bei YouTube konnten die Zuschauer über den Chat Fragen stellen und sich an Diskussionen beteiligen. „Die Rückmeldungen haben uns gezeigt, dass es uns geglückt ist, die Menschen für zwei Stunden vergessen zu lassen, was in der Welt alles los ist“, sagt Twittmann.

Aufgrund der zahlreichen positiven Resonanz haben sich die Organisatoren dazu entschlossen, eine zweite Staffel „Oelde kocht live“ zu veranstalten. „Auch wenn die Pandemie vorbei ist, wollen wir weitermachen“, betont Twittmann. Allerdings erst, wenn das Wetter wieder schlechter wird – also im Herbst. Und die Chancen auf eine weitere Staffel stehen nicht schlecht, es gibt bereits die Zusage von zwei Gastronomen.

Oelde kocht live
Internet: www.facebook.com/Oelde.Kocht


Regionale Burger vom Foodtruck

Einmal im Monat steht Marc Freitag mit dem Foodtruck an der Feuerarena in Ahlen und verkauft die Burger, die es sonst in dem Restaurant Fuchshöhle in Wadersloh gibt. Den Foodtruck hatte er schon im Jahr 2019 angeschafft – eigentlich wollte er mit ihm zu Veranstaltungen fahren und die Gäste vor Ort bedienen. An große Veranstaltungen ist jedoch schon lange nicht mehr zu denken. Doch da der Truck angeschafft war, entschlossen sich seine Eltern Doris und Heinrich-Josef und er kurzerhand, ihn anderweitig einzusetzen. „Außer dem Abholgeschäft können wir jetzt auch über den Foodtruck unseren Kunden mit regionalen Burgern etwas Gutes tun“, sagt Freitag.

Für den 32-Jährigen, der im Betrieb seiner Eltern als Koch arbeitet, eine willkommene Abwechslung. Gerade für das Küchenpersonal sei es ein wunderschönes Erlebnis, direkt mit den Leuten zu sprechen. „Wir haben richtig Spaß“, sagt Freitag. „In diesen teilweise depressiven Zeiten tut das dem Herz und der Seele gut.“ Auch viele Stammkunden würden extra aus Wadersloh nach Ahlen kommen. Zu kaufen gibt es an dem Truck die klassischen Burger mit regionalem Rindfleisch und Salat sowie selbst gemachten Soßen. Außerdem Falafel-Burger nach eigenem Rezept sowie pro Monat einen Spezialburger. Passend zur Spargelsaison zum Beispiel einen Spargel-Burger.

Marc Freitag vermutet, dass auch in absehbarer Zeit keine größeren Veranstaltungen stattfinden werden können. Deshalb wird der Foodtruck auch weiterhin an einem Freitag im Monat in Ahlen stehen. Inzwischen hat er weitere Anfragen erhalten, zum Beispiel aus Lippstadt. „Wir sind im Moment noch in der Anfangsphase und arbeiten uns ein“, sagt Freitag. „Aber wir können uns gut vorstellen, auch an weiteren Standorten in der Region regelmäßig unsere Burger anzubieten.“

Der.Freitag – Foodtruck
Standort: Feuerarena Ahlen (einen Freitag im Monat)
Telefon: 02523 1445
E-Mail: info@fuchshöhle.de
Internet: www.facebook.com/Der.Freitag.Fuchshoehle

Text: Andi Kleinemeier, Fotos: Andi Kleinemeier, Kirstin Oelgemöller, Conny Kingma, Sirko Junge Fotografie, privat


Als Profikoch in fremden Küchen

Ob große Küche oder kleine Kochnische – Patrick Schweigart kommt mit allem zurecht. Kaum ein Arbeitsplatz ist für den Mietkoch aus Oelde zu klein.

hierzulande: Was macht für Sie den Reiz aus, Mietkoch zu sein?

Schweigart: Mich begeistert, dass ich immer neue Küchen sehe. Die sind mal klein, mal groß, mal gut und mal schlechter ausgestattet. Ich hatte wirklich schon alles, von einer Art Besenkammer bis zur Riesenküche mit über 100 Quadratmetern. Und es begeistert mich, dass ich sofort die Reaktionen sehe, wenn ich den Gästen etwas koche. Meistens suchen sich die Kunden nämlich untereinander eine Küche aus, die offen gestaltet ist, damit sie mir zusehen können.

hierzulande: Wer bucht Sie als Mietkoch?

Schweigart: Es sind meistens Privatpersonen, da für mein Vorhaben ja eine Küche vorhanden sein sollte und diese auch im privaten Bereich steht. Ich hatte zum Beispiel schon mehrere Junggesellenabschiede, wo nur ein geringes Budget vorhanden war. Ebenso habe ich Kunden, bei denen der Preis keine Rolle spielt. Das hat nicht unbedingt etwas mit dem Einkommen zu tun: Diese Kunden gönnen sich das Event einmal im Jahr, koste es, was es wolle. Natürlich gibt es auch Ausnahmen, bei denen ich eine mobile Küche in Firmen aufgebaut habe.

hierzulande: Welche Herausforderungen bringt Ihr Job für Sie mit sich?

Schweigart: Meistens ist der Platz die größte Herausforderung. Aber meine Menüs sind so organisiert, dass ich sie überall umsetzen kann. Jeder hat einen Backofen, einen Herd und ein paar Pfannen und Töpfe. Das ist das, was ich vom Kunden benutze. Dazu gibt es Spezialgeräte, die ich mitbringe: eigene Messer, einen Mixer und ein Niedrigtemperaturgargerät. So kann ich meine Qualität gewährleisten, egal was für eine Küche vor Ort ist.

hierzulande: Verwenden Sie zum Servieren auch das Geschirr des Kunden?

Schweigart: Ich nehme fast immer das des Kunden. Ich habe eine kleine Auswahl an Geschirren da, falls der Kunde wirklich nichts hat. Denn ich hatte in meinem ersten Jahr einen Fall, bei dem ich die Kundenteller nicht vorher überprüft habe. Und dann gab es nur Teller mit einer riesigen italienischen Flagge darauf. Die waren zu einem Drittel grün, zu einem Drittel rot und zu einem Drittel weiß. Wirklich alle Teller, die tiefen und die flachen (lacht). Und damit kann ich gar nicht arbeiten, da die Farben meines Gerichts nicht zur Geltung kommen. Ich nehme gerne weiße Teller ohne Schnickschnack, die hat fast jeder. Seitdem kontrolliere ich übrigens jedes Mal vorher die Teller.

hierzulande: Wie sieht Ihr Zeitplan bei einem Termin aus?

Schweigart: Es kommt zunächst die Anfrage rein. Danach vereinbare ich einen Termin zur Menüabsprache. Der findet beim Kunden statt, denn dann sehe ich direkt die Küche und weiß, was möglich ist, zum Beispiel vom Platz her. Anschließend wird das Menü besprochen: Startzeit, Allergien, wie viele Gänge, welche Gänge und der Preis. Ich passe mich von den Gerichten immer gerne dem Budget des Kunden an, das ist für beide Seiten zufriedenstellend. Und zwei bis sechs Wochen später ist der Termin. Kurz vorher kaufe ich alles dafür ein, und fahre dann zwei bis drei Stunden vor dem ersten Gang zum Kunden. So kann ich alles vorbereiten und habe keinen Stress. Es soll ja locker ablaufen und entspannt sein. Das heißt etwa gegen 16 Uhr komme ich an, gegen 18.30 Uhr gibt es einen Empfang, wenn die Gäste kommen, und es gibt einen kleinen Gruß aus der Küche. Und im Anschluss daran nimmt der Abend seinen Lauf. Eine Zielzeit gibt es nicht.

hierzulande: Bieten Sie auch Speisen für Vegetarier oder Veganer an?

Schweigart: Ich koche auch vegetarisch und vegan. Meistens ist es so, dass die meisten Gäste Fleischesser sind und ein Vegetarier oder Veganer dabei ist. Da mache ich ein Ersatzprodukt, das vom Aufwand her dem Fleisch gleichkommt. Das kann eine feine Lasagne mit Röstgemüse oder Antipasti-Gemüse sein. Dazu gibt es meistens ähnliche Beilagen wie beim Fleisch. Aber es ist wirklich ein kleines Kunstwerk, das ich erstelle.

Mietkoch Pasch – Patrick Schweigart
Telefon: 0176 23662961 (Anfragen auch über Whatsapp möglich)
E-Mail: pasch-feinkost@web.de
Internet: www.pasch-mietkoch.de

Interview: Kirstin Oelgemöller, Fotos: Patrick Schweigart, privat



Wirtshaus mit Kultcharakter

Betritt man das Gasthaus 1643 an der Rathausstraße in Rietberg, wird einem sofort das Motto deutlich: „einfach besonders“. In dem großen Fachwerkhaus treffen quietschbunte Polstermöbel auf knorrige Dachbalken und ein großer, roter Kronleuchter auf rustikalen Wirtshauscharme.

Familie Strunz aus Delbrück hat das ehemalige Ackerbürgerhaus 2009 übernommen und es mit viel Liebe zum Detail zum Lifestyle-Wirtshaus umgestaltet. „Die Umbauphase dauerte ganze vier Jahre“, erklärt Fabian Kraienhorst. Der 26-Jährige ist Restaurantleiter des Gastronomiebetriebs.

Von der Bar aus lässt sich der große Gastraum überblicken, der sich auf zwei Etagen erstreckt. Obwohl der Grundriss des Hauses recht offen gestaltet ist, lassen sich einzelne Bereiche abteilen. In jedem davon gibt es ein eigenes Thema, das sich harmonisch in das Gesamtkonzept des 1643 einfindet. Ob die alte Rentmeisterkammer mit edlem Retrochic und original erhaltenem Deckenputz von 1643 oder der Fuchsbau mit Holzdekor – Gruppen von bis zu 30 Leuten finden in den einzelnen Räumen Platz.

Über den riesigen Gemälden zwischen den Fenstern sind in die Dachbalken des Saals die Namen der Inhaber eingeschnitzt worden. „Klaus und Victoria Strunz“ steht dort in großen Lettern. Ein Pendant zu den ehemaligen Besitzern des Hauses, die ebenfalls in Holz verewigt sind.

Die Büste von Rentmeister Kahle am Treppenaufgang im ersten Raum erinnert an die Zeit, in der das Haus errichtet wurde. Das damals hochherrschaftliche Haus hatte außer dem Rentmeister viele weitere Besitzer. In den 1950er-Jahren übernahm Konrad Koch das Haus. Er baute es um zu einer Gastwirtschaft. Gleichzeitig verkaufte er dort Lebensmittel und betrieb eine Schlacht- und Wursterei. Die zweite Büste am Treppenaufgang ziert sein Gesicht.

Die Zielgruppe des 1643 ist nicht klar definiert, erklärt der Gastronom: „Hier trifft die ältere auf die jüngere Generation. Familien treffen auf Vereine, sowie Junggesellenabschiede auf Hochzeitsfeiern – das Spektrum ist breit gefächert.“ Der Blick in die Speisekarte verrät das Geheimnis, wie man es schafft, derart viele Geschmäcker zu treffen: Burger, Pizza, Hausmannskost, asiatische Speisen – von deftig bis edel, alles ist dabei.

Doch ist es nicht unmöglich, eine derart vielfältige Karte auf hohem Niveau umzusetzen? „Nein, ganz und gar nicht“, beteuert Anan Narat. Der 30-jährige Küchenchef ist der Kopf des sechsköpfigen Kochteams und kulinarischer Tausendsassa des Hauses. Seit 2019 steht er am Herd in der rot gefliesten Küche. Zuvor hat der gelernte Koch in rund 16 Ländern die Kelle geschwungen. Das färbt auf die Karte ab. „Das Rezept unseres Cheesecakes habe ich beispielsweise aus New York mitgebracht“, erinnert er sich.

In Ecuador lernte er schmackhafte Steaks und feurige Salsa zuzubereiten. Ideengeber für seine asiatischen Gerichte sei ganz klar seine Großmutter, sagt Narat. Doch sein Herz schlägt besonders für die traditionelle deutsche Küche: „Mir gefällt es, Gerichte wie Rouladen neu zu interpretieren.“

Pizzen wie beim Edelitaliener, die gibt es ebenfalls im 1643. Damit es klappt, den Teig gekonnt durch die Luft zu wirbeln, haben die Mitarbeiter die Kunst von einem ehemaligen Europameister im Pizzabacken gelernt. Pascal Szczeniak weiß, warum der „Teigwurf“ kein Humbug ist: „Dabei wird der Teig in der Mitte schön dünn und der Rand gleichmäßig rund.“ Unbeobachtet bleibt seine kulinarische Showeinlage nicht. Durch eine orangefarbene Plexiglasscheibe können Gäste vom Restaurant aus einen Blick in die Küche erhaschen.

1643 – Lifestyle-Wirtshaus
Rathausstraße 35, 33397 Rietberg
Telefon: 05244 9759397
E-Mail: info@1643-rietberg.de
Internet: www.1643-rietberg.de

Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag ab 17 Uhr, Sonn- und Feiertage ab 11.30 Uhr;
Küche: Dienstag bis Samstag 17.30 Uhr bis 21.30 Uhr, Sonn- und Feiertage 12 bis 14 Uhr und 17 bis 21 Uhr

Text: Jana Sobolewski, Fotos: Hubert Kemper


Wandel vom Imbiss zur gehobenen Küche

In den 1980er-Jahren war der Pommes-Automat der kulinarische Höhepunkt für die Gäste, heute erwartet sie im Gasthaus Eichenhof am Feldmarksee in Sassenberg gehobenere Küche.

Desserts? Die sucht man auf der Karte vom Gasthaus Eichenhof am Feldmarksee in Sassenberg vergeblich. „Von unseren Gerichten wird man mehr als satt“, erklärt Inhaber Paul Schulze Westhoff. „Wir hatten mal Desserts auf der Karte, die wurden aber kaum bestellt. Viele haben mir gesagt, sie würden gerne noch eins essen, aber sie seien einfach schon satt.“ Der 57-Jährige lacht. Nicht ohne Stolz darf er behaupten, aus dem ehemaligen Imbiss mit Pommes-Automaten und der mehr als 350 Jahre alten Hofstelle ein Restaurant mit gehobener Küche geschaffen zu haben.

Betritt man das Gasthaus, fällt zur linken Seite, noch vor der Theke, eine gemütliche Sitzecke ins Auge – der Lieblingsplatz von Schulze Westhoff. An den Wänden hängen alte Bilder, einige in Schwarz-Weiß. Vorm Kopfende des Tisches hängt ein großes Porträt. Es zeigt Josef Ostlinning, Schulze Westhoffs Großvater, der einst den Hof betrieben hat. Etwa 60 Gäste finden im Gasthaus Platz, auf der Terrasse gibt es ebenso viele Sitzplätze.  Für Veranstaltungen gibt es direkt gegenüber in der alten Scheune einen kleinen Raum, der für 40 bis 50 Personen ausgelegt ist.

Wofür der Eichenhof kulinarisch vor allem steht, ist Fisch. „Wir haben schon einige Gäste zum Fisch gebracht, die vorher davon überzeugt waren, ihn nicht zu mögen“, sagt Schulze Westhoff und lacht. Wirklich verwunderlich ist das beim Blick auf die Speisekarte nicht. Vom Forellenfilet „Feldmark“ über eine westfälische Variante mit Speckwürfeln bis hin zu Zanderfilet, Lachs und Scholle reicht das Angebot. Für große Fischliebhaber gibt es die exotische Fischplatte mit „erlesenen Köstlichkeiten aus dem Ozean und frischen tropischen Früchten“ – für ein bisschen Urlaub vor der Haustür sozusagen mit Ananas, Kiwi und Feige als Garnitur.

In der Küche sind Tatyana Daschitscaja und Elena Pospeyeva in ihrem Element. Sie bereiten jede Bestellung frisch zu, nur die kleinen Salatteller haben sie in Grundzügen vorbereitet, damit diese zügig rausgehen können. Auch die Soßen sind selbst gemacht – aus dem Eimer kommt hier nichts, betont ihr Chef. Die Produkte, die zum Einsatz kommen, stammen zum Großteil aus der Region. Das gilt für das Fleisch, das ein Fleischer aus Sassenberg liefert, aber auch für das Gemüse. „Der Fisch kommt allerdings nicht aus dem Feldmarksee“, scherzt Schulze Westhoff, „dann könnten wir nicht so regelmäßig und vor allem nicht die Vielfalt anbieten, die wir auf der Karte stehen haben.“ Stattdessen bezieht er ihn von einem Großhändler aus Bremerhaven.

Dass zu einem Campingplatz ein Restaurant mit gehobenerer Küche gehört, würden die meisten Besucher nicht erwarten, sagt Schulze Westhoff. In der Weinlaube auf der Terrasse genießen er und seine Frau derweil mit Söhnchen Paul eine Auswahl von der Karte. Nikolina Banjac isst besonders gerne den Salat. „Das Dressing schmeckt super, es ist mit Honig und Senf zubereitet und verleiht dem Salat ein tolles Aroma“, erklärt sie. Vom zarten Hähnchenfilet im Knuspermantel bekommt auch Paul ein paar kleine Stücke ab. Freudig schlägt der Einjährige mit den Händen auf den Tisch – es scheint nicht nur seinen Eltern, sondern auch ihm gut zu schmecken.

Eichenhof am Feldmarksee
Feldmark 3, 48336 Sassenberg
Telefon: 02583 3307
E-Mail: info@gasthaus-eichenhof.de
Internet: www.gasthaus-eichenhof.de
Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag ab 17 Uhr, Sonntag 11.30 bis 14 Uhr und ab 17 Uhr

Text: Kirstin Oelgemöller, Fotos: Andreas Poschmann


Wirtshaus im Schatten von St. Anna

Mitten in Verl im Schatten der St.-Anna-Kirche betreiben Sascha Großeschallau und Hannes Erichlandwehr den Bürmanns Hof. Leidenschaft prägt ihre Arbeit.

Wer den Bürmanns Hof in Verl betritt, der hat mit dem Schritt über die Schwelle das Gefühl, eine Reise zurückgelegt zu haben. Denn der Gastronomiebetrieb hat einen ganz besonderen Charme, der für die Region eher untypisch ist.
„Wir bezeichnen uns als Wirtshaus“, erklärt Sascha Großeschallau. Die Decken und Wände sind von Holz und Fachwerk geprägt, die Theke ist mitten im Gastraum angesiedelt und die gestreifte Polsterung der Stühle und Bänke hat historisch anmutenden Charme. Gemeinsam mit Johannes „Hannes“ Erichlandwehr betreibt Großeschallau seit fünfeinhalb Jahren den Bürmanns Hof.

„Durch den Charakter des Gebäudes, aber auch die Art und Weise, wie wir Gastronomie betreiben, passt der Begriff gut“, führt der 35-Jährige aus. Mittagstisch und Abendessen mit einer vielfältigen, zugleich bodenständigen Karte, sowie Frühschoppen gibt es im Bürmanns Hof. Die beiden Männer wollen „Leben in der Bude haben“ und jeden ansprechen.
Vom Geschäftsmann bis zur Familie mit kleinen Kindern und dem Stammtisch der Fußballer oder Handballer aus der Stadt. „Alle sollen sich bei uns wohlfühlen“, sagt der Bornholter. Das gilt auch für die Kegelgruppe und die Knobler sowie den Stammtisch der Alteingesessenen.

Der historische Hof Bürmann zählt zu den ältesten Bauernhöfen in der Stadt. „Gebaut wurde das ursprüngliche Haus vor etwa 1000 Jahren“, sagt Erichlandwehr. Ganz so alt ist das heutige Zweiständergebäude nicht. Das stammt aus dem Jahr 1698.

Ein besonderer Hingucker im Bürmanns Hof sind die historischen Fliesen, die auf dem Fußboden seitlich der Theke zu sehen sind. Der dunkelgraue, Belag hebt sich nicht nur farblich ab. Zahlreiche Splitter sind dort verarbeitet.
„Das ist der Originalfußboden“, erklärt Erichlandwehr. Regelmäßig kommen Stadtführer mit Gruppen vorbei, um den denkmalgeschützten Tennenboden zu zeigen.

Erst um 1985 entwickelte sich das alte Bauernhaus zum Gastronomiebetrieb. Zunächst bot Bernhard Büdel seinen Gästen etwa ein Jahrzehnt lang Sterneküche. Anschließend wechselten die Pächter laut Erichlandwehr mehrfach. Viele setzten auf gehobene Küche. Als 2014 ein neuer Betreiber gesucht wurde, überredete Erichlandwehr seinen jüngeren Kollegen, das Projekt gemeinsam anzugehen und kulinarisch einen anderen Schwerpunkt als die Vorgänger zu setzen.

Bis zu 85 Gäste finden in dem Wirtshaus gut Platz. Wird es etwas gemütlicher, sprich enger, kommen bis zu 110 Personen unter. Gesellschaften können die Räumlichkeiten zwar mieten, es gibt jedoch eine Einschränkung: „Der Thekenbereich bleibt immer frei“, betont Erichlandwehr. „Das gilt auch für den ersten Tisch direkt rechts neben der Tür. Dort sitzen unsere Stammgäste. Die haben immer ihren Platz bei uns.“

Der 62-Jährige fühlt sich hinter der Theke am wohlsten. „Vormittags und abends, spätestens ab 22 Uhr, ist hier mein fester Platz“, sagt er. Seit 33 Jahren ist er in der Gastronomie aktiv, bewirtete zunächst 10 Jahre lang in Verl-Kaunitz die Fürstenstube, im Anschluss 18 Jahre lang den Lindenkrug in Verl.

Die Theke selbst ist ein weiterer Hingucker in dem Wirtshaus. Oben ist sie mit blau-weißen Fliesen umgeben. Jagdmotive zieren diese. Vom Rehbock bis zum Jäger selbst. Davor stehen einige alte Kaffeemühlen. „Irgendwann meinte mal jemand, dass er eine übrig habe und die dort gut hinpasse. Ich habe gesagt: ,Bring einfach mal mit.‘ Und so wurden es mit der Zeit immer mehr“, erinnert sich der Gastronom.

Die Karte der Gaststätte ist geprägt von traditionellen Speisen. Von Salaten über Bratkartoffeln mit Spiegelei –
in Kombination mit Schnitzel als Schlemmerkrüstchen serviert – bis hin zu einer Auswahl verschiedener Schnitzel, Steaks und ostwestfälischem Bruzzelfleisch ist alles dabei. „Es gibt bei uns aber auch Currywurst und Bratwurst, hier soll sich schließlich jeder wohlfühlen“, hebt Erichlandwehr erneut hervor. Für Gesellschaften werde auf Wunsch auch etwas anderes zubereitet, beispielsweise Braten und Rouladen.

Bürmanns Hof
Kirchplatz 5, 33415 Verl
Telefon: 05246 3447
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag ab 11 Uhr, Samstag und Sonntag ab 10 Uhr, Küche durchgehend ab 12 Uhr,
Montag Ruhetag; Betriebsferien vom 25. bis 31. Mai

Text: Kirstin Oelgemöller, Fotos: Hubert Kemper, privat (1)