Von der kleinen Kneipe zur großen Gaststätte

Von einer kleinen Kneipe mit Tankstelle zur Gaststätte mit Saal, Biergarten und Kegelbahn - die Gaststätte Falke in Harsewinkel hat eine erstaunliche
Wandlung vollzogen. Seit mehr als 50 Jahren ist sie in Familienhand.

Fast etwas unscheinbar wirkt die Gaststätte Falke von außen, gelegen am Rand von einem Industrie-Mischgebiet in Harsewinkel. Der Eindruck ändert sich jedoch, sobald man durch die Eingangstür tritt. Alle Blicke werden sofort von den Wänden angezogen. Es bietet sich ein Anblick, der sicherlich schon einige Augen zum Staunen gebracht hat. Zu sehen sind Malereien, die das Städtchen Harsewinkel zeigen, wie es früher aussah. Die Bilder sind das Markenzeichen der Gaststätte. Was genau dahintersteckt, das wird Inhaber Hans-Joachim „Jochen“ Falke später erklären.

Erst als der Betrachter all die Kunstwerke auf sich hat wirken lassen, bemerkt er, was das Lokal sonst alles zu bieten hat. Direkt in der Mitte vor der Theke steht ein – wenn auch nicht ganz echter – Baum, der eine natürliche Atmosphäre schafft. Zur linken Hand geht es in einen großen Saal. Hier sind die Wände mit Sprüchen verziert, im gleichen Stil wie im Thekenbereich. In der Ecke hat der Saal seine eigene kleine Theke. Zurück durch den Hauptraum geht es nach hinten zu zwei Kegelbahnen und nach draußen in den Biergarten, wo das angenehme Plätschern des Bachs, der sich zwischen Tischen und Stühlen hindurchschlängelt, zu hören ist.

Die Gaststätte Falke hat eine Entwicklung hingelegt, mit der wohl wahrlich nicht jeder gerechnet hätte. Waltraud Falke eröffnete im Jahr 1970 eine kleine Gaststube am Westfalendamm in Harsewinkel, dazu eine kleine Tankstelle. Die gibt es inzwischen nicht mehr – statt der Autos kommen heute nur noch Menschen zum „Tanken“ zu den Falkes. Doch nicht nur das. Das Familienunternehmen hat die Gaststätte in den vergangenen 50 Jahren vielfach erweitert: Um einen großen Saal, in dem viele rauschende Feste gefeiert wurden, einen einladenden Biergarten, in dem man im Sommer frische Kaltgetränke genießen kann, und zwei Kegelbahnen, die von etlichen Clubs bespielt werden.

All das zieht ein bunt gemischtes Publikum in die Gaststätte – für Jochen Falke macht das den besonderen Reiz seines Lokals aus. Da sind die zahlreichen Vereine, die regelmäßig einkehren. Zu den weiteren Stammgästen gehören sowohl der Arbeiter, der im Blaumann sein Bier und sein frisch zubereitetes Schnitzel genießt, als auch der Anzugträger.

 

Gaststätte Falke
Westfalendamm 2, 33428 Harsewinkel
Telefon: 05247 2451
Internet: www.gaststätte-falke-harsewinkel.de
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag 11 bis 14 Uhr und 17 bis 24 Uhr

 

Text: Andi Kleinemeier, Fotos: Hubert Kemper


An dieser Theke sind Ritter zu Hause

Munteres Rätselraten beim Kneipenquiz, Doppelkopfrunden mit Gästen aus Süddeutschland und Ausnahmezustand zu Karneval - in der Gaststätte Zum alten Graf in Rietberg sprudelt es vor Lebendigkeit.

Der alte Graf ist für Rietberger ein Symbol ihrer Heimat. In der Gaststätte wurden Vereine gegründet und rauschende Feste gefeiert. Das im 18. Jahrhundert erbaute Haus steht für Traditionspflege. Mark Brockschnieder und seine Ehefrau Bianka haben den Gasthof 2009 übernommen. „An Gastronomie hatte ich auch vorher Spaß“, sagt Mark Brockschnieder. Er arbeitete zuvor bereits in der Branche. Von April bis August wurden die Räumlichkeiten einem umfangreichen Umbau und einer intensiven Renovierung unterzogen. Um den ursprünglichen Charme des Hauses zu erhalten, richteten die Brockschnieders die frisch restaurierte Gaststätte wieder genau in dem Stil ein, den die Stammkunden unter den Kneipengängern kennen.

Das gewisse Etwas erhält die Einrichtung durch die vielen Verweise auf den Grafen. Im Eingang begrüßt eine Ritterfigur aus Metall die Besucher. Die Lampen über den Tischen sind aus historisch anmutenden Ritterhelmen gefertigt. „Für die Optik haben wir diese zum Teil rostig gemacht“, berichtet Mark Brockschnieder. Eine Besonderheit ist auch der eigene Kräuterschnaps, der den Hausnamen „Alter Graf“ trägt.

Geprägt wird der alte Graf von den zahlreichen Vereinen, die die Gaststätte für ihre Aktivitäten nutzen. Da ist die Doppelkopfrunde, die sich seit 40 Jahren trifft und zu der einer aus der Runde extra aus Süddeutschland anreist. Sport-, Schützen- und der Taubenzuchtverein zählen dazu – und selbstverständlich die Karnevalisten. Die Jeckenzeit gehört zum Alten Graf wie das Glas-Bier-Geschäft. Die Überbleibsel der feuchtfröhlichen Feierlichkeiten zeigen sich am nächsten Tag. EC-Karten, Perücken, Kostüme haben den Weg mit ihren Besitzern aus der Gaststätte nicht herausgefunden. „Über das ganze Jahr bleibt vielleicht mal ein Regenschirm liegen – nach Karneval ein halber Kostümverleih“, sagt Bianka Brockschnieder mit einem Augenzwinkern.

Besonders beliebt ist das Kneipenquiz, das alle zwei bis drei Monate im Wirtshaus stattfand. Zurzeit setzt die Veranstaltung coronabedingt aus. Wenn die Pandemie es zulässt, sollen die Rätselabende wieder fest ins Programm aufgenommen werden.

 

Zum alten Graf
Rathausstraße 12, 33397 Rietberg
Telefon: 05244 8862
E-Mail: info@zum-alten-graf.de
Internet: www.zum-alten-graf.de
Öffnungszeiten:
Donnerstag bis Montag ab 17 Uhr

 

Text: Andi Kleinemeier, Fotos: Hubert Kemper



Gastronomen gehen neue Wege

Mehr als ein halbes Jahr Stillstand – die Gastronomie hat unter den Corona-Maßnahmen gelitten. Einige Betriebe haben aus der Not eine Tugend gemacht und kreative neue Konzepte entwickelt.

Restaurant-Feeling beim Wohnmobil-Dinner

Bei Facebook hat Norman Adelmann im vergangenen November die Idee der Wohnmobil-Dinner entdeckt. „Wir sind direkt auf das Pferd aufgesprungen“, sagt der Juniorchef vom Hotel Adelmann in Rietberg-Mastholte. „Im Kreis Gütersloh waren wir mit die Ersten, die die Wohnmobil-Dinner angeboten haben.“

Wer sich nach einem Restaurantbesuch sehnt, kann von zu Hause ein Menü von der monatlich wechselnden Speisekarte auswählen und einen Termin reservieren. Vor Ort wird ein Parkplatz vor dem Hotel zugewiesen. „Mit Abstand und Maske nehmen wir dann am Wohnmobil die Getränkebestellung auf und bringen das komplette Menü an die Tür“, erklärt Adelmann (43). Serviert werde selbstverständlich auf Porzellan und mit richtigem Besteck. „Es soll ja zumindest ein bisschen das Gefühl eines echten Restaurantbesuchs entstehen.“ Viele würden sich ihren Wagen extra schön herrichten, um in einem angenehmen Ambiente speisen zu können.

„Am Anfang wurden wir überrannt“, sagt Adelmann. „Da hätten wir deutlich mehr Plätze vergeben können.“ In der Regel sind die Gäste Familien. Viele Besucher kamen aber auch zu besonderen Anlässen wie Geburtstagen oder Hochzeitstagen. „Ein Höhepunkt war, als ein Paar direkt nach der standesamtlichen Trauung zu uns kam“, sagt Adelmann. Auch von weit her, unter anderem aus München, haben er und sein Team Gäste bedient. „Die meisten sind froh, einfach wieder etwas anderes zu erleben – und auch mal ein gezapftes Bier zu trinken“, sagt Adelmann.

Hotel Adelmann
Lippstädter Str. 5, 33397 Rietberg-Mastholte
Telefon: 02944 1442
E-Mail: info@hotel-adelmann.de
Internet: www.hotel-adelmann.de