Für eine Geschichte in den Hühnerstall

Inmitten von Wiesen, umgeben von Bauernhöfen und Feldern, begleitet vom sanften Plätschern der Lutter, liegt das Café im Hühnerstall. Am Rand von Marienfeld offenbart sich ein Stück Landleben, das aus der Zeit gefallen scheint. Seit 2011 betreiben Katrin Magnus-Schürmann (58) und Josef Schürmann (59) das charmante Café, das sich unmittelbar neben dem Heimatmuseum von Marienfeld befindet. Das Paar schickt ihre Gäste während des Kaffeeschlürfens und Kuchenessens auf eine Zeitreise. Bereits beim Betreten des urigen Cafés reist der Gast ein paar Jahrzehnte mental zurück. Die Auswahl an Blickfängen könnte kaum größer sein.

Verschiedene Holzstühle mit Polstern aus Samt, bestickt oder mit Kissen und einzigartigen Verzierungen, Ölgemälde, eine Sammlung an Stickbildern, Schallplatten von Klassik bis Rock, Bücher, Kissen, Sofas, alte Kostüme, verzierte Schränke, bunte Teller, Teekannen, Tassen, Blumen und vieles mehr schmücken das Ambiente des Lokals. „Ich liebe das Traditionelle“, gesteht Katrin Magnus-Schürmann mit einem Lächeln. „In alten Sachen ist Leben. Sie erzählen eine Geschichte.“ Ihr gefällt die Fülle, die das Café ausstrahlt. „Unsere Gäste haben hier etwas zu schauen. Es wird nie langweilig.“ Das kleine Haus inmitten von Grün ist aktuell kein Hühnerstall mehr. Der Name ist heute noch Programm: Hühner haben sich in zahlreichen Ecken des Lokals versteckt: im Regal, auf dem Tisch oder draußen auf der Wiese. Allerdings gackern sie nicht mehr, denn sie sind aus Porzellan, Ton, Stoff oder Rost. „Das Gackern übernehmen jetzt unsere Gäste“, sagt Magnus-Schürmann schmunzelnd.

Die Inneneinrichtung besteht aus Leihgaben und Ausstellungsstücke aus dem benachbarten Museum. Als Beispiele dienen eine mit Delfter Porzellan bestückte Vitrine aus dem 18. Jahrhundert und ein gemütliches „Liebessofa“. Auch Gäste haben mit ihren Geschenken zu Dekoration und Ausstattung beigetragen.

Das Bestaunen der Bilder an den Wänden und der Sammeltassen kann hungrig machen. Magnus-Schürmann backt eine großzügige Auswahl an Kuchen. So gibt es mal Eierlikörkuchen, mal Mohn-Schmand-Kuchen, mal Apfel-Sahne-Kuchen oder Bienenstich, der zurzeit der Renner ist. Die Rezepte scheinen den Gästen zu schmecken. Magnus-Schürmann erzählt: „Ich werde oft gefragt: Der Kuchen schmeckt so gut, wie macht ihr das?“ Ihre Antwort darauf ist stets: „Mit ganz viel Liebe und noch mehr Butter.“ Die Zutaten sind frisch aus der Region. „Ich kaufe die Eier bei dem umliegenden Bauern“, sagt Josef Schürmann. „Auch die Wurst für das Frühstück und die Milch für den Kaffee und Kakao werden regional eingekauft.“

Das Hauptgeschäft sei das Frühstück. In Büfettform bereitet das Paar Leckereien für einen idealen Start in den Tag vor, darunter Rührei, Speck, Tomaten-Mozzarella-Salat, eine Fischplatte, Marmeladen und verschiedene Brote. Eine Speisekarte gibt es in dem Lokal nicht. „Wir bieten das an, was wir gerade im Kühlschrank haben.“ Bei Veranstaltungen sucht Magnus-Schürmann im Vorfeld das Gespräch mit den Kunden, um die Wünsche zu erfüllen. Die Getränkeauswahl reicht von Kaffee und Kakao bis zu Limo und Aperol Spritz.

Magnus-Schürmann ist stolz auf das, was sie gemeinsam mit ihrem Mann in den vergangenen zwölf Jahren geschaffen hat. „Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen“, betont sie und fragt im selben Zuge ihren Mann: „Macht es dir denn auch noch Spaß, Josef?“ Der Schlosser nickt zufrieden und sagt: „Definitiv!“

Café im Hühnerstall
Lutterstrang 30, 33428 Harsewinkel
Telefon: 05241/340175
E-Mail: info@cafe-huehnerstall.de
Internet: www.cafe-huehnerstall.de

Öffnungszeiten:
Sommer (Mai bis Ende September):
Samstag 14 bis 18 Uhr, Sonntag 13 bis 18 Uhr
Winter (Oktober bis Ende April):
Sonntag 13 bis 18 Uhr
Ab zehn Personen Frühstück mit Anmeldung.

Text und Fotos: Lara Tecklenborg


Wiege der Hofcafés steht in Wieningen

Seit 1987 ist der Eichenhof in Everswinkel-Wieningen Sinnbild der Gastlichkeit. Er gilt als einer der ersten Lokale seiner Art im Münsterland. „Wir haben viele Stammgäste“, sagt der Chef des Eichenhofs, Reinhold Schlüter. „Auch von weiter weg – aus Dortmund zum Beispiel, aus Hamm und aus Münster natürlich.“ Die wenigsten Ausflügler kämen zufällig vorbei, die meisten steuerten den Eichenhof gezielt an.

Offensichtlich vergeht kaum ein Tag, an dem nicht eine Radtour zu dem alten westfälischen Hof führt – wie in der Vergangenheit etwa die des Heimatvereins Clarholz oder der katholischen Arbeitnehmer-Bewegung St. Pankratius in Ahlen-Vorhelm. Fotos im Internet erzählen davon. An diesem Tag ist es eine Gruppe Motorradfahrer aus verschiedenen Städten der Umgebung, die an dem großen Tisch im Biergarten Platz nimmt und die Köpfe über die Speisekarte beugt.

Sehr idyllisch liegt das Anwesen wenige Kilometer südlich der Gemeinde Everswinkel zwischen Freckenhorst und Hoetmar. Man muss schon genau aufpassen, um an der Landstraße in der Bauerschaft Wieningen das bescheidene Holzschild nicht zu übersehen. An der Gabelung der Schnellstraße geht es rein und der abgelegene Hof taucht auf.

Ruhig ist es im und um das schlütersche Anwesen an diesem Mittwochnachmittag. Auf einer großen eingezäunten Wiese picken Hühner vor sich hin, liegen Damhirsche im Gras, ein Pfau stolziert umher und lässt sich dann gefällig auf einem dicken, heruntergefallenen Baumast nieder – vermutlich sein Stammplatz. Auf dem Grün nebenan ist ein Spielplatz eingerichtet – mit ein Grund für Familien, immer wieder mit ihren Kindern herzukommen.

Auch wenn das Wetter an diesem Tag gar nicht mal so gut ist und die Sonne nicht scheint, ist ein großer Teil der Tische im Biergarten besetzt. Es wird Kaffee getrunken und Kuchen gegessen. Vor allem aber – und das auch schon am Nachmittag – wird immer wieder das Gleiche aus der Küche nach draußen getragen: selbst gebackenes Brot mit Schinken und weiteren Zutaten wie Tomaten, Gurken, Spiegelei oder Pumpernickel. „Das ist unsere Spezialität“, sagt Schlüter mit Blick auf die Teller stolz. Vor allem das Brot aus dem alten Ofen.

Reinhold Schlüter blickt über die Tische und muss erst einmal durchzählen. „Wir haben hier draußen etwa 50 Plätze“, sagt er. Drinnen seien es noch einmal so viele. Im Bauernhof sind sie auf verschiedene Räume aufgeteilt, die von der Diele (mit Herdfeuer) abgehen. Kleine Stuben mit Eichentischen, hübschen Tischdecken und Bienenkörben, die zu Lampenschirmen verarbeitet wurden. Die rustikalen kleinen Räume sind so familiär eingerichtet, dass das Gefühl aufkommt, im eigenen Wohnzimmer zu sitzen.

Reinhold Schlüter führt das Bauernhofcafé erst seit kurzer Zeit. Betrieben hatte es – seit 1987 – seine Mutter. Maria Schlüter starb am 3. Februar mit 94 Jahren. Ihr Porträt und ein Schwarz-Weiß-Foto mit ihren Kindern Werner, Reinhold, Antonia, Ursula und Annette sind in einem Raum neben der Bauerndiele aufgestellt. Die Erinnerung an den ehemaligen Mittelpunkt der Familie scheint ganz wach. Man merkt, dass die „Seele des Hauses“ noch nicht lange fort ist.

Seine Mutter sei es gewesen, die den Begriff „Bauernhofcafé“ geprägt hat. „Er ist hier entstanden“, erzählt ihr Sohn. Landgasthöfe – ja, die habe es damals auch schon gegeben, „aber der Eichenhof ist wohl das erste Bauernhofcafé im Münsterland“.

„Das Steinofenbrot – das ist eine Spezialität nach alten Rezepten meiner Mutter“, erzählt Sohn Reinhold. Es wurde immer in „Marias eigener Backstube“ im 100 Jahre alten Ofen produziert – und wird es weiterhin. Die Arbeit hat jetzt der Sohn übernommen.

Eichenhof Schlüter
Wieningen 9
48351 Everswinkel
Telefon: 02528 1838
E-Mail: eichenhof-schlueter@t-online.de
Internet: www.eichenhof-schlueter.de

Öffnungszeiten:
Außer montags und dienstags ist täglich ­geöffnet, auch an Sonn- und Feiertagen. Mittwochs, freitags, samstags, sonn- und ­feiertags wird um 9.30 Uhr geöffnet. Falls Frühstück gewünscht wird, bittet das Haus eine vorherige Anmeldung. ­Donnerstags sind Gäste ab 14 Uhr willkommen. Auch größere Gesellschaften wie Reisegruppen sollten sich anmelden. Im Januar und Februar macht das Bauernhofcafé im Eichenhof Winterpause.

Text: Andrea Kutzendörfer, Fotos: Kutzendörfer/Schlüter


Westfälische Küche im rustikalen Hexenhaus

In der idyllischen Patthorst im ostwestfälischen Steinhagen steht ein Hexenhaus. Obwohl es nicht aus Kuchen und Zucker besteht, fasziniert das Fachwerkhaus aus Sandstein und animiert jedes Wochenende zahlreiche Gäste zu einem Besuch. Seit 15 Jahren betreibt Eckhard Brinkmann das Kaffee Hexenbrink. Hier trifft rustikaler Stil auf gemütliches Ambiente – beim Betreten der großzügigen Räumlichkeiten blicken Besucher in die Augen von dekorativen Miniatur-Hexen, die an den Wänden auf ihren Besen verharren. Was es mit dem magischen Motto auf sich hat? Das weiß Eckhard Brinkmann auch nicht genau. „Möglicherweise haben sich hier in der Vergangenheit Hexenverbrennungen zugetragen“, sagt der Cafébetreiber mit einem Schmunzeln. Dass ein Sandberg in der unmittelbaren Nähe einst die Bezeichnung Hexenbrink trug, sei jedoch kein Märchen.

Zwar begegnet den Gästen im Café die ein oder andere Magierin, die Giebel und Fensterbänke zieren, doch verhext ist das kulinarische Angebot keinesfalls. Statt in Kesseln wird fleißig in den Kochtöpfen gerührt und anstelle von Zaubertränken wird frisch gezapftes Bier kredenzt. Westfälische Spezialitäten treffen auf altbewährte Klassiker. „Sonntags bieten wir ein Frühstücksbüfett an“, sagt Brinkmann. „Ansonsten haben wir selbst gebackene Kuchen und Torten.“ Seine Frau ist gelernte Konditorin und backt jede Leckerei mit viel Leidenschaft. Besonders der Stachelbeer-Baiser-Kuchen habe viele Gäste überzeugt. Doch nicht nur der süße Zahn wird befriedigt, auch deftige Hausmannskost steht auf der Speisekarte. Von Hamburgern, Schnitzeln – selbstverständlich handgeklopft –, Bratkartoffeln mit Würstchen oder Schweinemedaillons. „Was immer gut läuft, ist der westfälische Kastenpickert“, sagt der Betreiber. Zubereitet werden die Gaumenfreuden von einem alten Freund von Brinkmann. Zehn Jahre war der Koch Klaus Lukarsch im Paulaner-Keller des Kempinski-Hotels in Peking Küchenchef. Auch in Singapur schwang er den Kochlöffel, bis es ihn zurück in die ostwestfälische Heimat zog und er nun die Gäste des Kaffees Hexenbrink mit seinen Kochkünsten beglückt.

Viele Zutaten stammen direkt vom eigenen Feld, das sich hinter dem Hof erstreckt. Für die Ernte und Pflege der Pflanzen ist Eckhard Brinkmanns Schwester zuständig. Silke Brinkmann wacht über die Gemüse- und Obstvielfalt und kümmert sich um den saisonalen Ertrag der Kürbisse, Zucchini, Salatköpfe, Kräuter und Kohlrabi. Bei den Brinkmanns wächst und gedeiht eine bunte Vielfalt. „Aber immer nur in der Saison, versteht sich“, sagt die Gärtnerin. „Im Herbst habe ich Pflaumen, Äpfel und Birnen.“ Dieses Jahr werde die Ernte gut ausfallen, sagt Silke Brinkmann mit Zuversicht. „Jetzt fängt die Blüte an und die nächsten zehn Tage gibt es keinen Frost.“ Gute Voraussetzungen für die Köstlichkeiten, die aus der Ernte im Café entstehen werden.

In ihrem Hofladen, der sich direkt gegenüber vom Café befindet, bietet die gelernte Floristin zahlreiche Produkte an. Kränze aus Trockenblumen zieren die Wände, Honiggläser stapeln sich pyramidenförmig auf den Tischen und eingemachtes Gemüse lädt dazu ein, probiert zu werden. Bunte Farben, Lichtelemente und glänzende Dekoration machen den Besuch zu einem besonderen Erlebnis. „Mein Hofladen ist ein beliebtes Fotomotiv“, sagt Silke Brinkmann, die Freude darüber ist kaum zu überhören.

Im Kaffee Hexenbrink wird trockenen Kehlen Abhilfe geschaffen. „Wir bieten den Original-Hexentrunk an“, sagt Eckhard Brinkmann über sein Getränkeangebot. Dabei handelt es sich um einen dunklen Kräuterlikör. Brinkmann zieht eine weitere Flasche aus dem Regal. „Das ist Patthorster Waldgeist und nur etwas für Profis.“ Der hochprozentige Ingwerschnaps stamme von Dreesbeimdieke in Isselhorst. Besonders stolz ist der Gastgeber auf sein Bier, für dessen Beschaffung keine Kosten und Mühen gescheut werden. Das Kreuzberger Klosterbier holt Brinkmann eigens von dem 928 Meter hohen Kreuzberg in der Rhön.

Das Café hat das ganze Jahr geöffnet. Im Winter knistert das Feuer im Kamin, im Sommer kann die Sonne im Biergarten genossen werden.

Kaffee Hexenbrink
Patthorster Straße 93
33803 Steinhagen
Telefon: 05204 995768
E-Mail: hexenbrink@gmx.de
Internet: www.kaffeehexenbrink.de

Öffnungszeiten: Das Kaffee Hexenbrink serviert (nach Anmeldung) sonntags von 10 bis 12.30 Uhr ein großes Bauernfrühstücksbüfett. Die regulären Öffnungszeiten sind freitags von 14 bis 18 Uhr, samstags von 14 bis 20 Uhr und sonntags von 10 bis 20 Uhr. Kaffee Hexenbrink hat außerdem an Feiertagen von 12 bis 20 Uhr geöffnet. Der Hofladen hat freitags von 14 bis 18 Uhr geöffnet, samstags von 10 bis 13 Uhr und von 15 bis 17 Uhr, sowie sonntags von 11.30 bis 16.30 Uhr.

Text und Fotos: Betty Roggenkamp