Kulinarischer Stilmix für Feinschmecker

Bis ins Jahr 1680 lassen sich die Ahnenreihen der Familie Poppenborg zurückverfolgen. Das Haus im Ortskern von Harsewinkel zählt zu den führenden Gaststätten in der Region.

 

Das Haus von Anne und Heinrich Poppenborg prägt den Ortskern von Harsewinkel im Kreis Gütersloh seit Jahrhunderten. „Seit dem 17. Jahrhundert ist die Familie in der kleinen, westfälischen Stadt ansässig. 1906 hat mein Großvater seine Schankgenehmigung erhalten“,  wie sein Enkel Heinrich Poppenborg erzählt. Mit Stolz zeigt der heutige Inhaber des Hotels und Restaurants auf das alte Dokument, das in einem Glasrahmen im Flur hängt – neben unzähligen weiteren schwarz-weiß Fotos, die die Familiengeschichte erzählen.

 

Doch der Gastronomiebetrieb ist dem 69-Jährigen zufolge noch älter: „1820 wurde anlässlich der ersten Kirmes in Harsewinkel im Münsterischen Intelligenzblatt annonciert, dass man im Haus Poppenborg gut essen kann.“ Und die Ahnenreihe der Familie lasse sich sogar bis ins Jahr 1680 zurückverfolgen. 1913 habe der Großvater das Haus vergrößert und einen Saal angebaut. Noch heute finden in dem bis zu 200 Personen fassenden Saal mit kleiner Bühne Veranstaltungen statt. Erste Übernachtungszimmer seien in den 1950er-Jahren über dem Saal entstanden. Inzwischen zählt das Hotel 18 Zimmer; zwölf Einzelzimmer und sechs Doppelzimmer.

 

Heinrich Poppenborg hat das Traditionshaus 1970 von seinen Eltern übernommen. Seit 1983 führt er es gemeinsam mit seiner Frau Anne. Der 69-Jährige hat das Gasthaus zu einem der führenden Restaurants in der Region gemacht. Auf der Internetseite des Hauses lassen sich Empfehlungen seiner Küche von Guide-Michelin, Aral-Schlemmeratlas, Varta-Restaurantführer und 3F „Der Feinschmecker“ nachlesen.

 

Das Talent, zu kochen, habe er von seiner Großmutter geerbt. „Sie war sehr begabt in der Küche. Mein Opa kam nicht aus der Gastronomie, sondern war Kutscher. Er hat schließlich seinen Beruf aufgegeben und ist mit in den Betrieb eingestiegen. Meine Mutter wiederum hat die Tradition fortgesetzt. Sie war ebenfalls gelernte Köchin“, erzählt Heinrich Poppenborg.

 

Der Restaurantinhaber sieht sich „der Tradition verpflichtet, ohne sich dem modernen Zeitgeist zu verweigern“ – da passt es durchaus, dass er es war, der mit einer Familientradition gebrochen hat: „Nicht meine Schwester, sondern ich bin Koch geworden. Meine Frau wiederum kümmert sich um den kaufmännischen Part“, stellt er mit einem Augenzwinkern fest.

 

Die Küche, das ist sein Bereich; Beruf und Berufung zugleich. Heinrich Poppenborg hat nach seiner Ausbildung zum Koch im Parkhotel Wittekindshof in Dortmund immer wieder auch Zeit in Frankreich verbracht und sich dort von der französischen Gourmetküche inspirieren lassen. Die französische Küche ist das klassische Fundament seiner Kreationen.

 

Über Jahrzehnte hat Poppenborg in Harsewinkel eine Gourmetküche geschaffen, an der Feinschmecker in der Region nicht vorbeikommen. Obwohl, und das dürfte Teil seines Erfolgsrezepts sein, verbindet er längst die gehobene Gourmetküche mit einer weniger aufwändigen, „lockeren und legeren Küche“. Auf Spitzenniveau muss dennoch kein Gast verzichten. „Elf Jahre waren wir mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet. Bis es sich nicht mehr gelohnt hat. Man muss einfach mit der Zeit gehen. Die Lebensgewohnheiten der Menschen haben sich im Laufe der Jahre verändert.“ Immer weniger Gäste besuchten ein Gourmetrestaurant. Vielmehr suchten viele ein weniger zwanghaftes Ambiente. „Bistrogeist“ nennt es Poppenborg. Entsprechend gibt es neben dem Restaurant mit etwa 25 Plätzen auch das Bistro „Stübchen“, in dem man gemütlich klassisch speisen kann. Einen zauberhaften Rückzugsort, um die kulinarischen Köstlichkeiten zu genießen, bietet bei gutem Wetter auch der idyllische Garten.

 

Doch egal, wo man sitzt – der Blick auf die verschiedenen Speisekarten spiegelt die Vielfältigkeit und Kreativität des Sternekochs wider. Selbstredend, dass die Qualität der Lebensmittel eine Grundvoraussetzung für eine hervorragende Küche sei. Ebenso achte er auf Regionalität: „Ich beziehe auch Fleisch aus der hiesigen Region; verarbeite insbesondere heimisches Wild und auf dem Wochenmarkt gehe ich ebenfalls einkaufen“, erklärt der Gastronom.

 

Adresse:

Hotel & Restaurant Poppenborg

Brockhäger Strasse 9

33428 Harsewinkel

Telefon: 05247 2241

E-Mail: hotel@poppenborg.com

Internet: www.hotel-poppenborg.de

Öffnungszeiten:

Gourmet-Restaurant:

Speisenbestellungen: Montag sowie Donnerstag bis Sonntag 12 bis 13.15 Uhr und 19 bis 21 Uhr,
Dienstag 19 bis 21 Uhr

Ruhetage: Dienstag-Mittag und Mittwoch

Bistro-Stübchen und Gaststätte:

Speisenbestellungen: Montag sowie Donnerstag bis Sonntag 12 bis 13.30 Uhr und 18 bis 21.30 Uhr;
Dienstag 18 bis 21.30 Uhr

Ruhetage: Dienstag-Mittag und Mittwoch.

 

Text: Anja Tenbrock; Fotos: Jens Dünhölter


Schiefe Wände versprühen Charme

Die rot-bräunlichen Ziegelsteine glitzern in der Sonne, in ungleichmäßigen Abständen ziehen sich braune Holzbalken durch das Gemäuer, die dem zweigeschossigen Gebäude seinen Halt geben. Schief ist das Fachwerkhaus. Es scheint fast, als hätte die Last, Lebensgeschichten von Generationen beherbergen zu müssen, ihren Tribut gefordert. Bereits 1635 wurde der vordere Teil, 1838 der hintere des historischen Brauhauses „Warintharpa“ an der Kirchstraße im Herzen der Warendorfer Altstadt und Schatten der ältesten Kirche, der Laurentiuskirche, errichtet. 1986 haben beide Häuser die Denkmalplakette erhalten. Zwei Eingänge gibt es heute zum Gasthaus.

 

Katja und Bernd Schulte haben das Haus 2002 gekauft, nachdem es 1996 komplett renoviert worden war. „Aus dieser Zeit stammen auch die Original-Exponate, allesamt vom Gastronomie-Innenausstatter auf Flohmärkten erstanden“, erzählen die Inhaber des „Warintharpas“. „Es sind alles alte Stücke; nichts Nachgemachtes“, betont Bernd Schulte.

 

 Für beide Wirtsleute war es vor 16 Jahren fast eine Selbstverständlichkeit „Ja“ zu sagen, als sie gefragt worden seien, ob sie das historische Brauhaus übernehmen wollten. Bernd Schulte ist gelernter Fleischer, seinen Großeltern gehörte die Traditionsmetzgerei Steltenkamp in der Emsstadt. Der Umgang mit Lebensmitteln und die Tatsache, aus einer Familie zu stammen, die ein Geschäft hatte, haben dazu geführt, dass ihm die berufliche Selbstständigkeit quasi im Blut liege. Zudem habe er eine Kochlehre absolviert.

 

 Seine Frau Katja sei mit der Ausbildung zur Hotelfachfrau sowie Empfangssekretärin ebenfalls vom Fach. Erfahrungen haben beide zudem im Hotel „Hof zur Linde“ in Münster gesammelt. „Wir wussten, was auf uns zukommt, als wir das Gasthaus übernommen haben“, sagt das Ehepaar, das zwei Töchter hat. „Es ist ein toller Beruf. Jeden Tag kommen wir mit Menschen zusammen und somit birgt auch jeder Tag etwas Neues“, sagt die Gastronomin. Hinzu komme, dass das „Warintharpa“-Team „wie eine Familie ist“.

 

 120 Plätze bietet das Brauhaus, weitere 70 im Biergarten auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Mit Beginn des Frühlings werden die ersten Tische rausgestellt; bei sonnigem Wetter sind sie schnell besetzt. „Vor allem Touristengruppen verweilen gern bei uns und genießen den Platz gegenüber der beeindruckenden Laurentiuskirche“, berichtet die 45-Jährige.

 

Wenn im „Warintharpa“ auch vieles an vergangene Zeit erinnert, die Speisekarte versteht es sehr wohl, Althergebrachtes mit Modernem zu verknüpfen. „Junge, kreative Gastronomie und traditionelle westfälische Küche schließen sich keineswegs aus“, erklärt Bernd Schulte. Ein Blick auf spezielle Angebote sowie in die Speisekarte bestätigt das. „Viele Besucher kommen hierher, um Rouladen zu essen, weil diese von jüngeren Generationen immer weniger zuhause zubereitet werden“, weiß er. Die gutbürgerliche Küche suchten viele als Alternative zu Restaurants mit internationaler Küche. „Sie wollen einfach mal ein Schnitzel oder Steak essen.“

 

 Dementsprechend reicht das Angebot von einem kleinen Snack nach Feierabend über saisonale Gerichte, das westfälische Töttchen und andere Münsterländer Leckereien bis hin zum so genannten Drei-Gänge-Friedensreiter-Menu.  Bernd Schulte: „Unser Speisenangebot besteht aus einem Grundgerüst und saisonalen Ergänzungen wie Wild oder Spargel. Frische, Qualität und Regionalität sind die Grundzutaten einer erfolgreichen, gutbürgerlichen Küche.“

 

Text: Anja Tenbrock; Fotos: Oliver Baumjohann


Hier sind Sportler und Promis zu Hause

„Freitagnachmittag um 14 Uhr haben wir erfahren, dass der Bundesligist VfL Wolfsburg nur drei Stunden später anreisen würde, um sich bei uns auf das Relegations-Rückspiel bei Eintracht Braunschweig vorzubereiten“, erinnert sich Sabrina Stratmann an ein ereignisreiches Wochenende im Mai 2017. „Das kam völlig überraschend.“ Drei Stunden Vorbereitungszeit für den Wolfsburger Tross ist auch für das Sporthotel, in dem regelmäßig Bundesliga- und Nationalmannschaften Quartier beziehen, eine Herausforderung. Normalerweise melden sich die Fußballer lange im Voraus für ihre Trainingslager an. „Aber damit muss man umgehen können“, sagt die Marketingexpertin der Hotel-Residence Klosterpforte in Marienfeld. Schließlich zeichne das ein Vier-Sterne-Haus aus.

 

Die Lage der Hotel-Residence, die sich mit 20 Häusern über 180 000 Quadratmetern erstreckt, das Angebot an Sportmöglichkeiten und Wellnesscenter, die Vielfalt der Küche sowie besondere Veranstaltungen haben das Haus weit über die Grenzen Ostwestfalens hinaus bekannt gemacht. „Im Gästebuch finden sich immer wieder prominente Unterschriften von Stars wie Helene Fischer, Wladimir Klitschko und Tamme Hanken“, sagt Stratmann.

 

Der Grundstein für die komplexe Hotelanlage wurde vor 65 Jahren gelegt. Am 10. April 1953 hat die Familie von Anneliese Austermann die Klosterpforte ersteigert und dort noch am selben Tag eine Gaststätte eröffnet. 1954 heiratete Anneliese Austermann Reinhold Frie senior, der in den Gastronomiebetrieb mit einstieg. In den nächsten Jahrzehnten wurde das Gasthaus Stammlokal von zahlreichen Schützen- und Sportvereinen. „Die Gemütlichkeit in der Klosterpforte, die Herzlichkeit der Wirtsleute und das gutbürgerliche Essen sprachen sich schnell in der Region herum“, heißt es in der Chronik des Hauses. Heute ist Sohn Reinhold Frie mit seiner Frau Barbara Eigentümer. Die dritte Generation wirkt ebenfalls in der Hotel-Residence mit: Seit 2014 ist die älteste Tochter Carina mit ihrem Ehemann Christopher Schemmink in der  Geschäftsleitung vertreten.

 

Das Hotel liegt direkt vor den Toren des mehr als 800 Jahre alten Klosters Marienfeld. Der Weg dorthin führt durch ein großes Steintor im Eingangsbereich; der Torbogen wird derzeit renoviert. Von dort ging es einst ins Gasthaus. Die ehemalige Klosterpforte hat dem Hotel auch seinen Namen gegeben. Neben der Klosterkirche, die heute als Pfarrkirche genutzt wird, entstand im 19. Jahrhundert das Abteigebäude, das Reinhold Frie im Dezember 2007 erworben hat. Das unter Denkmalschutz stehende Haus mit einer Fläche von mehr als 400 Quadratmetern ist von Grund auf renoviert worden. Es beherbergt heute nicht nur einen urigen Klosterkeller samt eigener Hausbrauerei, sondern auch eine Kochschule für Hobbyköche.

 

In den historischen Räumen mit hohen Decken und Wandmalerei finden außerdem oft Tagungen und Seminare ebenso wie Familienfeste statt. Ein Biergarten gehört ebenfalls zur Alten Abtei. Auf dem weitläufigen Gelände laden großzügige Parks und Gärten mit jahrhundertealtem Baumbestand zum Spazierengehen und Entspannen ein. Zu entdecken gibt es genug. Seit 2009 liegt inmitten des Klosterhofs das Kloster-Café, das mit frisch gebackenem Kuchen der Marienfelder Landfrauen, Tee- und Kaffeespezialitäten lockt.

 

Was 1953 als kleine Gaststätte mit zunächst drei, später zehn Zimmern begann – die Reinhold Frie zufolge „immer mal wieder spontan vermietet wurden“ – ist im Jahr 2018 zu einem Hotelkomplex mit 250 Betten in 153 Zimmern und 6 Suiten, verteilt auf Landhaus, Abteigebäude und Sporthotel, einem Wellness-Bereich mit Sauna, Massage, Dampfbad, Pool sowie Schwimmteich, einer Fitnessscheune, zwei Restaurants, fünf Sälen, 13 Tagungsräumen, einem Eventhaus und einer Fischerhütte herangewachsen. Sogar standesamtlich heiraten kann man in der Klosterpforte.

 

Am Erfolg des Unternehmens haben Reinhold Frie und sein Vater Reinhold Frie senior kontinuierlich gearbeitet. „Unsere ganze Familie hat sich durch und durch der Gastronomie verschrieben“, sagt Reinhold Frie. Auch seine Tochter Carina Schemmink hat sich mit Leib und Seele der Klosterpforte verschrieben. „Es ist wichtig, dass sich ein Hotel immer weiterentwickelt, den Gästen Neues bietet. Man darf im Wandel der Zeit nicht stecken bleiben. Gleichwohl ist es ebenso bedeutsam, neben aller Moderne auch die Tradition zu wahren. Modernster Komfort in einer historischen Umgebung machen den unverwechselbaren Charme und Charakter der Klosterpforte aus“, betont die Hotelmanagerin.

 

Das Klosterstübchen ist eines von zwei Restaurants mit regionaler und nationaler Küche mit westfälischem Akzent. Das Restaurant im Haupthaus bietet Platz für etwa 50 Gäste. Dass Tradition und Moderne auch in der Küche kein Widerspruch sein müssen, zeigt ein Blick auf die Speisekarte. In der Klosterpforte spielen nicht nur traditionelle Rezepte eine Rolle – kulinarische Trends spiegeln sich durchaus in den Speisekarten wider. Wer im Klosterstübchen essen geht, findet ein vielfältiges Angebot an Gerichten – nicht nur aus der „gehobenen Küche“. Je nach Jahreszeit gibt es westfälische Klassiker wie Rinderkraftsuppe, Grünkohl und Mettendchen und Spargel. Wer es etwas ausgefallener mag, kann das „Gebratene Kikok-Hähnchen mit einer Langpfeffer Jus an wildem Brokkoli, Sesam und einem Kartoffel-Walnusspüree“ probieren. Auch vegetarische Speisen wie „Steinpilzravioli in einem fruchtigen Tomatensugo“ fehlen in der anspruchsvollen Küche nicht – einer Küche, bei der sich weder Regionalität und Internationalität noch Tradition und Moderne ausschließen.

 

Text: Anja Tenbrock, Bilder: Hubert Kemper

 


Ein Haus voller Geschichte (n)

Der weiß gestrichene Flur, der Gasträume, Saal und Wintergarten verbindet, wirkt auf den ersten Blick nüchtern und kühl. Doch wer kurz stehen bleibt und sich die Mühe macht, einen Blick in die Glasvitrine zu werfen oder sich die Dekoration an den Wänden genauer anzuschauen, wird schnell vergessen, wo er hinwollte. Der Flur erzählt Geschichte. So wie der Saal und der große Gastraum des heutigen Restaurants Stiftshof Dühlmann an der Westkirchener Straße in Freckenhorst.

 

 

Seit 255 Jahren gehört das Gasthaus zur Stiftsstadt. Vor fünf Jahren haben die Dühlmanns das 250-jährige Jubiläum des Familienbetriebs gefeiert. Die gerahmten Dokumente wie Urkunden, Speisekarten, Fotos und Bilder an den Wänden entführen den Besucher in längst vergangene Zeiten. Sie erzählen nicht nur die Geschichte eines Hauses, sondern auch einer Familie, die seit Generationen für den Gasthof lebt. Hendirk Dühlmann führt ihn in der siebten Generation, die achte gibt es mit seinen Kindern Amelie (3), Henry (5) und Franziska (8) bereits. Theo Dühlmann, gelernter Bäckermeister und Vater des heutigen Inhabers, übernahm den Stiftshof 1977 von seinem Vater Theodor Dühlmann.

 

 

Zeit braucht es, um die vielen Schriftstücke, die sich unter dem Spiegelglas in dem großen, braunen Holzrahmen im Flur befinden, zu studieren. Stolz zeigt Hendirk Dühlmann auf zwei von ihm restaurierte Fenster mit Bleiverglasung, die ebenfalls im Flur die Wand schmücken: „Diese Oberlichter hingen früher im großen Saal.“ Unzählige Schätze beherbergt auch der Gastraum, gewissermaßen das Herzstück des Stiftshofs. 100 Jahre alte Stühle, ein riesiger, grüner Kachelofen von 1959, gemauerte Bögen und an den Wänden gerahmte schwarz-weiß Fotos machen die „urwestfälische Atmosphäre“ aus, schaffen Gastlichkeit und Gemütlichkeit. Zu besonderen Anlässen werde sogar das Geschirr von 1920 und echtes Silberbesteck aus dem Schrank geholt.

 

 

Altes bewahren und sich Neuerungen öffnen – dass das kein Widerspruch sein muss, zeigt ein Blick auf die Speisekarte. „Wir stehen für eine frische, westfälisch-deutsche Küche“, betont Hendirk Dühlmann. „Wir verschließen uns keineswegs den Trends der Zeit und bieten Traditionelles wie Neues an.“ Für ihn liege das Geheimnis einer anspruchsvollen Speisekarte in der Kombination von beidem. Qualität ist ein weiteres Stichwort, das für ihn eine wichtige Rolle spielt. Dühlmann legt großen Wert darauf, dass die frischen Lebensmittel aus der Region kommen. „Ich kaufe selbst ein“, verdeutlicht er. „Ich möchte die Ware sehen, die ich verarbeite. Gemüse und Obst beziehe ich stets aus dem Umkreis.“ Viele Kräuter, die er beim Kochen verwende, stammten aus dem eigenen Garten.

 

 

Tradition bewahren, Qualität sichern und die Zukunft im Blick haben – so lässt sich Hendirk Dühlmanns Rezept zusammenfassen, den Familienbetrieb auch durch die nächsten Jahrzehnte erfolgreich zu steuern.

 

Adresse & Öffnungszeiten:

Restaurant Stiftshof Dühlmann

Westkirchener Straße 1

48231 Warendorf-Freckenhorst

Tel. 02581 / 4191

E-Mail: h.duehlmann@t-online.de

Öffnungszeiten:

Dienstag bis Samstag: 18 bis 24 Uhr

Sonntag: 11.30 bis 14 Uhr und 17 bis 23 Uhr

 

 

Text und Fotos: Anja Tenbrock


Wo Otto Rehhagel an der Theke stand

Vor 1827 startete Familie Kampwirth in Verl mit einer Dorfkneipe, heute ist darauf ein modernes Hotel-Restaurant geworden. Und aus den vergangenen 1900 Jahren gibt es viel zu berichten. Die Geschichte der Wirtsfamilie geht in eine Zeit zurück, in der auf staubigen Wegen ausschließlich Pferdefuhrwerke samt ihrer Kutsche durch die Bauerschaften rumpelten. 

 

1905, also 78 Jahre nach dem Ankauf des heute auf dem rückwärtigen Areal befindlichen Kottens, entstand direkt an der Straße ein für damalige Verhältnisse stattliches Haus, das mit seinen Gauben und Giebeln bis heute ein Hingucker ist. 

Das Gastronom-Ehepaar Sonja und Richard Kampwirth, das das Haus mittlerweile in sechster Generation führt, bewahrt diese Tradition, verschließt sich aber auch dem Modernen nicht. Das Gebäude-Innere wird daher im Neun-Jahres-Rhythmus renoviert und auch in Sachen Inneneinrichtung dem aktuellen Zeitgeist angepasst. 

 

Eines der großen Erfolgsrezepte des Hauses steht höchst persönlich in der Küche am Herd: Als gelernter Koch überlasst Richard Kampwirth im Reich der Töpfe und Pfannen nichts dem Zufall. Alle Speisen, egal ob für den Restaurantbetrieb oder den Catering-Service außer Haus, wirden so frisch wie möglich zubereitet. Die wechselnde Speisekarte umfasst stets 25 bis 30 Gerichte. 

 

Doch nicht nur für seine gute Küche ist das Restaurant beliebt. Seit Jahrzehnten ist der Schankbetrieb auch das Vereinslokal des wenige hundert Meter Luftlinie entfernten SC Verl. Mitte der 1970er- und 80er-Jahre war er sogar der inoffizielle Mittelpunkt des Vereinslebens des heutigen Fußball-Regionalligisten.  Im Anschluss an ihre Spiele trafen sich Spieler, Trainer, Fans, Offizielle und Sponsoren wie selbstverständlich in dem Lokal an der umbenannten Hauptstraße. Und im Sog der Ballartisten kehrten in diesen bis heute legendären Jahren auch Prominente wie Otto Rehhagel, Kalli Feldkamp oder Andi Möller in die Gaststätte ein.

 

Adresse & Öffnungszeiten

Hotel und Restaurant Kampwirth

Hauptstr. 10, 33415 Verl

Telefon 05246 / 3508

E-Mail: info@kampwirth.de

Internet: www.kampwirth.de

Öffnungszeiten:

Täglich ab 17:00 Uhr

Montags ist Ruhetag

 

 

Text: Jens Dünhölter


Wo man ein Stiefel vertragen kann

Heiner Jürgens braut in der ältesten Brauerei Westfalens sein eigenes Bier. Er achtet darauf, dass sich der Stil seines Braugasthofs "Stiefel-Jürgens" in Beckum auf keinen Fall verändert.

 

„Früher gab es immer nur das rein obergärige Stiefel-Bier. Der Uropa würde sich im Grabe umdrehen, wenn er vom untergärigen Ur-Alt erfahren hätte", meint Heiner Jürgens. „Aber alles gut.“ Heute stehen neben dem klassischen Stiefel-Bier ein naturtrübes Kellerbier, das Stephanus-Bräu (ein Pils), das ebenfalls naturtrübe, dunkle Ur-Alt sowie im Sommer ein Hefe-Weizen und im Winter ein Winterbräu auf der Karte. Alle Spezialitäten gibt es auch im Außer-Haus-Verkauf.

 

Bis auf die neuen Sorten hat sich in der ältesten Brauerei Westfalens nur wenig geändert. „Wir sind traditionsgebunden und wollen den Stil des Hauses auf keinen Fall verändern“, ist Heiner Jürgens stolz auf die acht Generationen vor ihm, die seit 1680 im Herzen Beckums Bier brauen. Damals gehörte noch eine Bäckerei zur Brauerei, denn „man braute das Bier und backte das Brot“. Diese Bäckerei wurde bis zum Jahre 1929 parallel geführt. Bis 1980 hat der Braumeister zudem die Gerste, die von den Landwirten angeliefert wurde, zu Malz verarbeitet.

 

„Wir halten es hier bewusst alt“, meint Jürgens, der anfügt: „Damit werben wir nicht nur, wir brauen auch so.“ Alles ein bisschen aus der Mode gekommen, aber deshalb stilecht.

 

Die hauseigene Brauerei hinten auf dem Hof ist nicht auf Hochglanz poliert. Nein, in ihr schlummert der Geist der Vorfahren. Der süßliche Geruch vom Malzzucker liegt in der Luft. Ein sicheres Indiz, dass hier gearbeitet wird. Ein- oder zweimal wöchentlich braut Jürgens, 400 Hektoliter im Jahr.

 

„Wir liegen von den Standards her bestimmt 60 Jahre zurück. Hier ist Handwerk gefragt“, erklärt der Braumeister, der schon von seinem Vater Heinrich die Kunst des Brauens lernte. „Ich bin damit aufgewachsen. Mir wurden die Kenntnisse schon in die Wiege gelegt. Außerdem war es damals selbstverständlich, den Familienbetrieb zu übernehmen“, erinnert sich der 49-Jährige, der 1994 seine Meisterprüfung ablegte und in anderen Brauereien Erfahrungen sammelte – ob in Oelde bei Pott’s oder in Münster bei Pinkus Müller. „Ich bin Brauer aus Herzenslust. Es ist einfach ein spannender Beruf“, beschreibt der Beckumer seine Liebe zum Bier. „Unser Ziel ist es, die Gäste zu begeistern und kein Allerweltsbier herzustellen.“

 

Adresse und Öffnungszeiten:

Brauhaus Stiefel-Jürgens

Hühlstraße 4-6, 59269 Beckum

Telefon 0 25 21 – 33 51

Internet: stiefel-juergens.de

Öffnungszeiten: Mittwoch und Samstag Frühschoppen ab 11 Uhr, Dienstag – Sonntag 17 – 24 Uhr, Küche 17 – 22 Uhr, Biergarten Mai – September, Montag Ruhetag 

Tipp: Mittwoch und Samstag Markttage ab 11 Uhr. „Da freut sich Leib und Seele“ mit Stiefels Spezialitäten und Brauhausgerichten.

 

Text und Bilder: Benedikt Miketta


Familientradition wird großgeschrieben

Wenn Josef Willenbrink durch seinen Gasthof in Lippborg geht, dann ist es immer wie eine Zeitreise. Schon als 13-jähriger Jungspund half Willenbrink bei seinen Eltern Beate und Antonius im Restaurant aus. Gläser spülen, Karten verteilen, aufräumen. „Ich wusste sehr früh, dass ich in die Gastronomie möchte“, sagt der mittlerweile 57-Jährige, der an dem Ort steht, an dem er schon als junge Hilfskraft stand. Nun aber als Küchenchef und Inhaber des Gasthof Willenbrinks, den er von seinen Eltern übernommen hatte.

 

„Hier stecken so viele Erinnerungen drin“, erklärt Willenbrink, der aus der Diele geht, im Flur stehen bleibt und auf die kleinen Delfter Porzellanteller an der Wand zeigt. „Die sind noch von meinen Eltern. Mutter hatte sie mal im Urlaub gekauft.“ An den Wänden hängen Bilder der Vorfahren, alte Urkunden, die Oma Gertrud bekommen hatte, oder besonders auffällig: Ein alter, rustikaler Wandschrank, der zu schade für den Scheiterhaufen war und jetzt als Platzhalter für Speisekarten, Geschirr und Tischdecken dient. „Uns gefällt die Mischung aus dem Alten, Rustikalen und dem Heimeligen“, sagt Josef Willenbrinks Frau Gabriele, die lächelt und anfügt: „Ich glaube, den Gästen gefällt es auch.“ Zumindest lässt es die Resonanz erahnen. „Wir verstehen uns als eine Stätte, in der man einfach nur ein Bierchen trinken kann.“ Oder übernachten. Denn das Gasthaus hat neben dem Restaurant noch ein Hotel. Für größere Veranstaltungen steht ein Saal zur Verfügung. Und im Thekenbereich treffen sich regelmäßig Stammtische, die teils auf ulkige Ideen kommen. „Hier haben zwei Männer mal um ein Fass Bier gewettet, dass der eine es nicht schaffen würde, mit einem Minibagger in die Kneipe zu fahren, um mit der Schaufel Bier zu zapfen“, erinnert sich Willenbrink und lacht. „Unglaublich. Ein paar Tage später hatten wir den Bagger im Haus.“ Der Verlierer zahlte seinen Preis und lud zur großen Sause ein. „Ach“, sagt Gabriele, „das sind doch die schönen Momente, wenn die Gäste und auch wir Spaß haben.“ Doch bald dürfte sich für die Josef und Gabriele Willenbrink ein Kreis schließen. Mit Sohn Andreas und Partnerin Sarike steht schon die nächste Generation in den Startlöchern, um den Betrieb zu übernehmen.

 

Text und Bilder: Benedikt Miketta


Beim Fuchs genießt Du ganz verstohlen

Winterzeit ist Grünkohlzeit. Rebecca Semmler freut sich darauf schon. Denn auch in der Fuchshöhle in Rheda-Wiedenbrück duftet es dann in der ganzen Küche wieder nach Kohl. Unser „hierzulande“-Einkehrtipp für ein gemütliches Essen während einer winterlichen Tour durch die Region.

 

Seit April 2010 wird die Traditionsgaststätte von Rebecca Semmler und Denis Fetting geführt. Seit dem Jahr 1686 ist die „Fuchshöhle“ in Wiedenbrück nahezu ununterbrochen als Gastwirtschaft, Konditorei, Café und Kneipe genutzt.

 

Den Namen verdankt das Haus dem ehemaligen Wirt und Bäcker Hermann Goldkuhle. Dessen rote Haare brachten ihm den Spitznamen „Fuchs“ ein,  seine Kneipe wurde folgerichtig die „Fuchshöhle“.

 

Dem Namen machen heute zwei ausgestopfte Füchse an der Wand alle Ehre, das Ambiente ist rustikal. Holzbalken, Kronleuchter, Ledersofa und Apothekerschrank halten Erinnerungen an vergangene Zeiten wach. Ähnlich wie die Atmosphäre ist auch die Speisekarte typisch westfälisch: herzhaft, klassisch und ohne die ganz großen  Experimente.

 

Es git Schnitzel mit frischen Pilzen, Bratkartoffeln oder Frikadellen als Klassiker und alles, was die Region hergibt. „Wir wollen schon frisch und mit Qualität kochen und achten bei den Zutaten darauf, dass wir es vom Markt oder vom Bauern bekommen“, sagt Semmler, die sich schon auf die Grünkohlsaison freut. „Das ist natürlich mit bei uns im Programm. Darum kommen wir nicht herum“, erklärt die 30-Jährige.

 

Eine Besonderheit in der Fuchshöhle: Lässt eine Bestellung mal etwas länger auf sich warten oder die Gäste haben noch einen Wunsch, können sie ganz einfach auf einen Schalter an der Wand drücken. Am Klingelkasten neben der Theke sieht die Bedienung dann, zu welchem Tisch sie muss.

 

Fetting ist zwar meist hinter der Theke und kümmert sich um die Gäste, gelernt hat der Wiedenbrücker aber den Beruf des Konditors. Das ganze Jahr backt der 40-Jährige Torten und Kuchen. Immer das, was saisonal gerade möglich ist. „Rebecca und ich haben uns die Küche und Backstube geteilt. Das wurde teilweise ganz schön eng“, erklärt Fetting, der in Rheda nun seine eigene, kleine Konditorei eröffnet hat. „Morgens sind wir dann in Rheda. Ab dem Nachmittag in Wiedenbrück“, ist das Paar stolz auf ihr zweites Standbein. „Man traut uns das zu“, freut sich Semmler.

 

Text: Benedikt Miketta; Bilder: Andreas Kirschner (1), Benedikt Miketta


Himmlische Ruhe im Klosterdorf

Die Gastronomen Thomas und Susanne Bertram zog es vor einigen Jahren von Gelsenkirchen nach Vinnenberg. Hier, vor den Toren der Kreisstadt Warendorf, betreiben sie den Landgasthof „Zum kühlen Grunde“.

Das kleine Klosterdorf ist von schweigsamer Ruhe umhüllt. Balsam für die Seele jener, die extra hierher fahren, um abzuschalten. Selbst das Handy schweigt, es herrscht Funkstille.

Nur jeden Sonntag zur 20-Uhr-Messe herrscht für vinnenberger Verhältnisse Ausnahmezustand. „Dann geht es hier rund wie an der Schalker Veltinsarena“, scherzt Susanne Bertram. „Da wird es schon mal knapp mit den Parkplätzen.“

Vinnenberg ist über die Stadtmauern hinaus bekannt für sein Kloster. Doch es ist nicht das Gotteshaus, das den meisten  Gästen zuerst ins Auge springt. Es ist ein altes Mühlengebäude, an dessen Vorderseite ein uriges, hölzernes Wasserrad steht.
Damals noch trieb das Mühlrad, gespeist von der Bever, den Mahlvorgang an. Heute beherbert das alte Gebäude den urigen  Landgasthof.

Susanne und Thomas Bertram leben und arbeiten seit 2011 hier. Die schöne und ruhige Umgebung hat die Gastronomen angezogen. „Es ist schon ein sehr idyllisches Örtchen.“ Ganz anders als früher. Da war im Leben der Bertrams alles schriller, lauter, größer. So richtig Gelsenkirchen Mitte.

„Uns fragen viele, warum wir jetzt ins Münsterland gezogen sind“, sagt Thomas Bertram, der Küchenchef in seinem eigenen Reich. „Wir fühlen uns hier einfach sehr wohl, leben in einer schönen und ruhigen Umgebung“, erklärt Frau Susanne, die gesteht: „Mit 20 wäre ich nicht hierhergezogen. Jetzt aber, mit Anfang 50, ist das etwas anderes.“

Was Susanne Bertram mit ruhig und idyllisch meint, wird deutlich, als sie sich auf die Terrasse des großen Außenbereiches setzt. Dort, wo die Gäste im Sommer am liebsten speisen und trinken. Bertram hat es sich in ihrem Stuhl bequem gemacht, ihr Blick schweift durch den Garten des Landgasthofes. „Das ist wie Urlaub. Hier kann man gut entspannen.“ Eine 800 Jahre alte Linde spendet Schatten. „Und im Wassermühlenteich tummeln sich sogar Hechte und Aale“, weiß Thomas Bertram, der einst für die Mahlzeiten von Marine-Soldaten verantwortlich war, ehe er in Gelsenkirchen 20 Jahre lang sein erstes eigenes Restaurant führte.

Das Design im Landgasthof ist rustikal, typisch westfälisch. „Daran haben wir nichts geändert“, sagt Thomas Bertram.   Lediglich der Kneipenbereich wurde verkleinert. „Wir sehen uns eher als Restaurant.“ Auffällig ist nur hier und da: Das Ehepaar hat eine kleine, aber feine Schwäche für Kitsch. Kleinen Schnick-Schnack finden die Gäste auch im Garten. „Ein Bekannter stellt aus Schrott und Metall kleine Figuren her. Da sind wirklich feine Sachen bei.“

Radler aus dem Münsterland machen gern Halt am Gasthof, um sich bei einem Stück Kuchen und etwas zu Trinken zu stärken.
Ein Muss: Der hausgemachte Apfelkuchen.

 

Text: Bendikt Miketta, Fotos: Hubert Kemper


Für die Heimat das "Adlon" verlassen

Rolf Ortmeyer steht gemeinsam mit seiner Frau Gerda und einem weiteren Koch höchstpersönlich in der Küche der historischen Gaststätte Restaurant „Zur Linde“ in Gütersloh-Isselhorst und kredenzt seinen Gästen feinste Speisen nach westfälischer Art. Gut zu kochen hat Ortmeyer gelernt: Er hat im Berliner Kempinski gelernt und lange Zeit im Adlon gearbeitet. „1978 bin ich dann zu meinen Eltern hierhergekommen und habe sie unterstützt“, erzählt der Küchenmeister, der die Gaststätte vor einigen Jahren von seiner Mutter Anneliese und seinem Vater übernommen hat.

Seit 1677 steht das Gebäude mit der heutigen Hausnummer fünf am Isselhorster Kirchplatz. Erstmals urkundlich erwähnt wird das Haus im Urbar der Grafschaft Ravensberg im Jahr 1556, in den Jahren 1675 bis 1677 sei das Haus vom damaligen Besitzer Hinrich Astroth jedoch neu gebaut worden, was die Zahl über der Eingangstür erklärt.

Hinter der Theke geht es zum Feuerwehrmuseum. „Früher war hier ein Lebensmittelladen“, berichtet Ortmeyer. „Den haben meine Eltern 1958 gebaut.“ Damals habe es noch alle Lebensmittel, wie Erbsen oder Linsen, lose gegeben. „Dann standen links die Frauen und kauften ein und rechts standen die Männer und tranken ihr Bier“, erzählt der 62-Jährige amüsiert. 1998 habe er den Laden an das Detmolder Museum verschenkt und das Feuerwehrmuseum eingerichtet. „Ich habe so viele Dinge, dass ich die gar nicht alle im Museum aufstellen kann, sondern einige Sachen im Keller lagern muss“, verrät Ortmeyer, der sein Leben lang leidenschaftlich bei der freiwilligen Feuerwehr Mitglied war.

Im Gebäude nebenan lagert eine weitere Besonderheit: das riesige Schnapsfass aus Eichenholz, das in einem alten Lagerraum neben dem Hauptgebäude zur Ausstellung steht. Das Außergewöhnliche daran: Das Fass aus Braunschweig umfasst 20 000 Liter Schnaps und ist laut Ortmeyer das größte Schnapsfass der Welt.

Bekannt ist die Isselhorster Gaststätte für ihre Bisonwochen. „Die Bisons kommen direkt aus dem benachbarten Ortsteil Niehorst, vom Hof Birkenharke“, erzählt Ortmeyer. „Das erste Bison, das ich hatte, war 800 Kilogramm schwer“, sagt er. Im Jahr verwerte er drei bis vier der stämmigen Tiere auf verschiedenste Art, als Steak, als Wurst, als Buletten. Auch die Spargelzeit sorgt für Rekordbesuche.

 

Text und Video: Anika Reckeweg


Schatzsuche im Letter Land

Besuch im Landgasthof Westhoff-Düppmann


Thomas und Sophia Westhoff-Düppmann sind leidenschaftliche Gastwirte. Ihr Landgasthof in Oelde-Lette ist schon lange kein Geheimtipp mehr. Mittlerweile ist das Haus so beliebt, dass die Inhaber regelmäßig Besucher wieder nach Hause schicken müssen, weil alle Tische besetzt oder ausgebucht sind. Thomas hat den Hof gemeinsam mit seinem Bruder Georg und der vollen Unterstützung seiner Mutter Sophia von seinem Vater übernommen. Auf den Teller kommen nur frische, regionale Lebensmittel vom Oelder Wochenmarkt oder von benachbarten Bauernhöfen. Sobald die Saison beginnt, zaubert Thomas Westhoff-Düppmann in der Küche Desserts und andere Feinheiten aus den im Garten hinter dem Hof selbst angebauten Früchten.


Der Landgasthof selbst hat eine lange Tradition. Das Haus ist rund 300 Jahre alt und seit jeher in der Hand der Ahnen Westhoff-Düppmanns. In den Anfängen lag das Gebäude gegenüber einer Schmiede und diente als Aufenthaltsort für die Kutscher, während deren Pferde neu beschlagen wurden. Der damalige Besitzer war Bierbrauer und Bäcker. Einige Relikte dieser Zeit sind auch heute noch im Landgasthof Westhoff-Düppmann erhalten.

 

Text und Video: Julia Frings , Anika Reckeweg


Schiefe Wände versprühen Charme

Die rot-bräunlichen Ziegelsteine glitzern in der Sonne, in ungleichmäßigen Abständen ziehen sich braune Holzbalken durch das Gemäuer, die dem zweigeschossigen Gebäude seinen Halt geben. Schief ist das Fachwerkhaus. Es scheint fast, als hätte die Last, Lebensgeschichten von Generationen beherbergen zu müssen, ihren Tribut gefordert. Bereits 1635 wurde der vordere Teil, 1838 der hintere des historischen Brauhauses „Warintharpa“ an der Kirchstraße im Herzen der Warendorfer Altstadt und Schatten der ältesten Kirche, der Laurentiuskirche, errichtet. 1986 haben beide Häuser die Denkmalplakette erhalten. Zwei Eingänge gibt es heute zum Gasthaus.

 

Katja und Bernd Schulte haben das Haus 2002 gekauft, nachdem es 1996 komplett renoviert worden war. „Aus dieser Zeit stammen auch die Original-Exponate, allesamt vom Gastronomie-Innenausstatter auf Flohmärkten erstanden“, erzählen die Inhaber des „Warintharpas“. „Es sind alles alte Stücke; nichts Nachgemachtes“, betont Bernd Schulte.

 

 Für beide Wirtsleute war es vor 16 Jahren fast eine Selbstverständlichkeit „Ja“ zu sagen, als sie gefragt worden seien, ob sie das historische Brauhaus übernehmen wollten. Bernd Schulte ist gelernter Fleischer, seinen Großeltern gehörte die Traditionsmetzgerei Steltenkamp in der Emsstadt. Der Umgang mit Lebensmitteln und die Tatsache, aus einer Familie zu stammen, die ein Geschäft hatte, haben dazu geführt, dass ihm die berufliche Selbstständigkeit quasi im Blut liege. Zudem habe er eine Kochlehre absolviert.

 

 Seine Frau Katja sei mit der Ausbildung zur Hotelfachfrau sowie Empfangssekretärin ebenfalls vom Fach. Erfahrungen haben beide zudem im Hotel „Hof zur Linde“ in Münster gesammelt. „Wir wussten, was auf uns zukommt, als wir das Gasthaus übernommen haben“, sagt das Ehepaar, das zwei Töchter hat. „Es ist ein toller Beruf. Jeden Tag kommen wir mit Menschen zusammen und somit birgt auch jeder Tag etwas Neues“, sagt die Gastronomin. Hinzu komme, dass das „Warintharpa“-Team „wie eine Familie ist“.

 

 120 Plätze bietet das Brauhaus, weitere 70 im Biergarten auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Mit Beginn des Frühlings werden die ersten Tische rausgestellt; bei sonnigem Wetter sind sie schnell besetzt. „Vor allem Touristengruppen verweilen gern bei uns und genießen den Platz gegenüber der beeindruckenden Laurentiuskirche“, berichtet die 45-Jährige.

 

Wenn im „Warintharpa“ auch vieles an vergangene Zeit erinnert, die Speisekarte versteht es sehr wohl, Althergebrachtes mit Modernem zu verknüpfen. „Junge, kreative Gastronomie und traditionelle westfälische Küche schließen sich keineswegs aus“, erklärt Bernd Schulte. Ein Blick auf spezielle Angebote sowie in die Speisekarte bestätigt das. „Viele Besucher kommen hierher, um Rouladen zu essen, weil diese von jüngeren Generationen immer weniger zuhause zubereitet werden“, weiß er. Die gutbürgerliche Küche suchten viele als Alternative zu Restaurants mit internationaler Küche. „Sie wollen einfach mal ein Schnitzel oder Steak essen.“

 

 Dementsprechend reicht das Angebot von einem kleinen Snack nach Feierabend über saisonale Gerichte, das westfälische Töttchen und andere Münsterländer Leckereien bis hin zum so genannten Drei-Gänge-Friedensreiter-Menu.  Bernd Schulte: „Unser Speisenangebot besteht aus einem Grundgerüst und saisonalen Ergänzungen wie Wild oder Spargel. Frische, Qualität und Regionalität sind die Grundzutaten einer erfolgreichen, gutbürgerlichen Küche.“

 

Text: Anja Tenbrock; Fotos: Oliver Baumjohann


Hier sind Sportler und Promis zu Hause

„Freitagnachmittag um 14 Uhr haben wir erfahren, dass der Bundesligist VfL Wolfsburg nur drei Stunden später anreisen würde, um sich bei uns auf das Relegations-Rückspiel bei Eintracht Braunschweig vorzubereiten“, erinnert sich Sabrina Stratmann an ein ereignisreiches Wochenende im Mai 2017. „Das kam völlig überraschend.“ Drei Stunden Vorbereitungszeit für den Wolfsburger Tross ist auch für das Sporthotel, in dem regelmäßig Bundesliga- und Nationalmannschaften Quartier beziehen, eine Herausforderung. Normalerweise melden sich die Fußballer lange im Voraus für ihre Trainingslager an. „Aber damit muss man umgehen können“, sagt die Marketingexpertin der Hotel-Residence Klosterpforte in Marienfeld. Schließlich zeichne das ein Vier-Sterne-Haus aus.

 

Die Lage der Hotel-Residence, die sich mit 20 Häusern über 180 000 Quadratmetern erstreckt, das Angebot an Sportmöglichkeiten und Wellnesscenter, die Vielfalt der Küche sowie besondere Veranstaltungen haben das Haus weit über die Grenzen Ostwestfalens hinaus bekannt gemacht. „Im Gästebuch finden sich immer wieder prominente Unterschriften von Stars wie Helene Fischer, Wladimir Klitschko und Tamme Hanken“, sagt Stratmann.

 

Der Grundstein für die komplexe Hotelanlage wurde vor 65 Jahren gelegt. Am 10. April 1953 hat die Familie von Anneliese Austermann die Klosterpforte ersteigert und dort noch am selben Tag eine Gaststätte eröffnet. 1954 heiratete Anneliese Austermann Reinhold Frie senior, der in den Gastronomiebetrieb mit einstieg. In den nächsten Jahrzehnten wurde das Gasthaus Stammlokal von zahlreichen Schützen- und Sportvereinen. „Die Gemütlichkeit in der Klosterpforte, die Herzlichkeit der Wirtsleute und das gutbürgerliche Essen sprachen sich schnell in der Region herum“, heißt es in der Chronik des Hauses. Heute ist Sohn Reinhold Frie mit seiner Frau Barbara Eigentümer. Die dritte Generation wirkt ebenfalls in der Hotel-Residence mit: Seit 2014 ist die älteste Tochter Carina mit ihrem Ehemann Christopher Schemmink in der  Geschäftsleitung vertreten.

 

Das Hotel liegt direkt vor den Toren des mehr als 800 Jahre alten Klosters Marienfeld. Der Weg dorthin führt durch ein großes Steintor im Eingangsbereich; der Torbogen wird derzeit renoviert. Von dort ging es einst ins Gasthaus. Die ehemalige Klosterpforte hat dem Hotel auch seinen Namen gegeben. Neben der Klosterkirche, die heute als Pfarrkirche genutzt wird, entstand im 19. Jahrhundert das Abteigebäude, das Reinhold Frie im Dezember 2007 erworben hat. Das unter Denkmalschutz stehende Haus mit einer Fläche von mehr als 400 Quadratmetern ist von Grund auf renoviert worden. Es beherbergt heute nicht nur einen urigen Klosterkeller samt eigener Hausbrauerei, sondern auch eine Kochschule für Hobbyköche.

 

In den historischen Räumen mit hohen Decken und Wandmalerei finden außerdem oft Tagungen und Seminare ebenso wie Familienfeste statt. Ein Biergarten gehört ebenfalls zur Alten Abtei. Auf dem weitläufigen Gelände laden großzügige Parks und Gärten mit jahrhundertealtem Baumbestand zum Spazierengehen und Entspannen ein. Zu entdecken gibt es genug. Seit 2009 liegt inmitten des Klosterhofs das Kloster-Café, das mit frisch gebackenem Kuchen der Marienfelder Landfrauen, Tee- und Kaffeespezialitäten lockt.

 

Was 1953 als kleine Gaststätte mit zunächst drei, später zehn Zimmern begann – die Reinhold Frie zufolge „immer mal wieder spontan vermietet wurden“ – ist im Jahr 2018 zu einem Hotelkomplex mit 250 Betten in 153 Zimmern und 6 Suiten, verteilt auf Landhaus, Abteigebäude und Sporthotel, einem Wellness-Bereich mit Sauna, Massage, Dampfbad, Pool sowie Schwimmteich, einer Fitnessscheune, zwei Restaurants, fünf Sälen, 13 Tagungsräumen, einem Eventhaus und einer Fischerhütte herangewachsen. Sogar standesamtlich heiraten kann man in der Klosterpforte.

 

Am Erfolg des Unternehmens haben Reinhold Frie und sein Vater Reinhold Frie senior kontinuierlich gearbeitet. „Unsere ganze Familie hat sich durch und durch der Gastronomie verschrieben“, sagt Reinhold Frie. Auch seine Tochter Carina Schemmink hat sich mit Leib und Seele der Klosterpforte verschrieben. „Es ist wichtig, dass sich ein Hotel immer weiterentwickelt, den Gästen Neues bietet. Man darf im Wandel der Zeit nicht stecken bleiben. Gleichwohl ist es ebenso bedeutsam, neben aller Moderne auch die Tradition zu wahren. Modernster Komfort in einer historischen Umgebung machen den unverwechselbaren Charme und Charakter der Klosterpforte aus“, betont die Hotelmanagerin.

 

Das Klosterstübchen ist eines von zwei Restaurants mit regionaler und nationaler Küche mit westfälischem Akzent. Das Restaurant im Haupthaus bietet Platz für etwa 50 Gäste. Dass Tradition und Moderne auch in der Küche kein Widerspruch sein müssen, zeigt ein Blick auf die Speisekarte. In der Klosterpforte spielen nicht nur traditionelle Rezepte eine Rolle – kulinarische Trends spiegeln sich durchaus in den Speisekarten wider. Wer im Klosterstübchen essen geht, findet ein vielfältiges Angebot an Gerichten – nicht nur aus der „gehobenen Küche“. Je nach Jahreszeit gibt es westfälische Klassiker wie Rinderkraftsuppe, Grünkohl und Mettendchen und Spargel. Wer es etwas ausgefallener mag, kann das „Gebratene Kikok-Hähnchen mit einer Langpfeffer Jus an wildem Brokkoli, Sesam und einem Kartoffel-Walnusspüree“ probieren. Auch vegetarische Speisen wie „Steinpilzravioli in einem fruchtigen Tomatensugo“ fehlen in der anspruchsvollen Küche nicht – einer Küche, bei der sich weder Regionalität und Internationalität noch Tradition und Moderne ausschließen.

 

Text: Anja Tenbrock, Bilder: Hubert Kemper

 


Ein Haus voller Geschichte (n)

Der weiß gestrichene Flur, der Gasträume, Saal und Wintergarten verbindet, wirkt auf den ersten Blick nüchtern und kühl. Doch wer kurz stehen bleibt und sich die Mühe macht, einen Blick in die Glasvitrine zu werfen oder sich die Dekoration an den Wänden genauer anzuschauen, wird schnell vergessen, wo er hinwollte. Der Flur erzählt Geschichte. So wie der Saal und der große Gastraum des heutigen Restaurants Stiftshof Dühlmann an der Westkirchener Straße in Freckenhorst.

 

 

Seit 255 Jahren gehört das Gasthaus zur Stiftsstadt. Vor fünf Jahren haben die Dühlmanns das 250-jährige Jubiläum des Familienbetriebs gefeiert. Die gerahmten Dokumente wie Urkunden, Speisekarten, Fotos und Bilder an den Wänden entführen den Besucher in längst vergangene Zeiten. Sie erzählen nicht nur die Geschichte eines Hauses, sondern auch einer Familie, die seit Generationen für den Gasthof lebt. Hendirk Dühlmann führt ihn in der siebten Generation, die achte gibt es mit seinen Kindern Amelie (3), Henry (5) und Franziska (8) bereits. Theo Dühlmann, gelernter Bäckermeister und Vater des heutigen Inhabers, übernahm den Stiftshof 1977 von seinem Vater Theodor Dühlmann.

 

 

Zeit braucht es, um die vielen Schriftstücke, die sich unter dem Spiegelglas in dem großen, braunen Holzrahmen im Flur befinden, zu studieren. Stolz zeigt Hendirk Dühlmann auf zwei von ihm restaurierte Fenster mit Bleiverglasung, die ebenfalls im Flur die Wand schmücken: „Diese Oberlichter hingen früher im großen Saal.“ Unzählige Schätze beherbergt auch der Gastraum, gewissermaßen das Herzstück des Stiftshofs. 100 Jahre alte Stühle, ein riesiger, grüner Kachelofen von 1959, gemauerte Bögen und an den Wänden gerahmte schwarz-weiß Fotos machen die „urwestfälische Atmosphäre“ aus, schaffen Gastlichkeit und Gemütlichkeit. Zu besonderen Anlässen werde sogar das Geschirr von 1920 und echtes Silberbesteck aus dem Schrank geholt.

 

 

Altes bewahren und sich Neuerungen öffnen – dass das kein Widerspruch sein muss, zeigt ein Blick auf die Speisekarte. „Wir stehen für eine frische, westfälisch-deutsche Küche“, betont Hendirk Dühlmann. „Wir verschließen uns keineswegs den Trends der Zeit und bieten Traditionelles wie Neues an.“ Für ihn liege das Geheimnis einer anspruchsvollen Speisekarte in der Kombination von beidem. Qualität ist ein weiteres Stichwort, das für ihn eine wichtige Rolle spielt. Dühlmann legt großen Wert darauf, dass die frischen Lebensmittel aus der Region kommen. „Ich kaufe selbst ein“, verdeutlicht er. „Ich möchte die Ware sehen, die ich verarbeite. Gemüse und Obst beziehe ich stets aus dem Umkreis.“ Viele Kräuter, die er beim Kochen verwende, stammten aus dem eigenen Garten.

 

 

Tradition bewahren, Qualität sichern und die Zukunft im Blick haben – so lässt sich Hendirk Dühlmanns Rezept zusammenfassen, den Familienbetrieb auch durch die nächsten Jahrzehnte erfolgreich zu steuern.

 

Adresse & Öffnungszeiten:

Restaurant Stiftshof Dühlmann

Westkirchener Straße 1

48231 Warendorf-Freckenhorst

Tel. 02581 / 4191

E-Mail: h.duehlmann@t-online.de

Öffnungszeiten:

Dienstag bis Samstag: 18 bis 24 Uhr

Sonntag: 11.30 bis 14 Uhr und 17 bis 23 Uhr

 

 

Text und Fotos: Anja Tenbrock


Wo Otto Rehhagel an der Theke stand

Vor 1827 startete Familie Kampwirth in Verl mit einer Dorfkneipe, heute ist darauf ein modernes Hotel-Restaurant geworden. Und aus den vergangenen 1900 Jahren gibt es viel zu berichten. Die Geschichte der Wirtsfamilie geht in eine Zeit zurück, in der auf staubigen Wegen ausschließlich Pferdefuhrwerke samt ihrer Kutsche durch die Bauerschaften rumpelten. 

 

1905, also 78 Jahre nach dem Ankauf des heute auf dem rückwärtigen Areal befindlichen Kottens, entstand direkt an der Straße ein für damalige Verhältnisse stattliches Haus, das mit seinen Gauben und Giebeln bis heute ein Hingucker ist. 

Das Gastronom-Ehepaar Sonja und Richard Kampwirth, das das Haus mittlerweile in sechster Generation führt, bewahrt diese Tradition, verschließt sich aber auch dem Modernen nicht. Das Gebäude-Innere wird daher im Neun-Jahres-Rhythmus renoviert und auch in Sachen Inneneinrichtung dem aktuellen Zeitgeist angepasst. 

 

Eines der großen Erfolgsrezepte des Hauses steht höchst persönlich in der Küche am Herd: Als gelernter Koch überlasst Richard Kampwirth im Reich der Töpfe und Pfannen nichts dem Zufall. Alle Speisen, egal ob für den Restaurantbetrieb oder den Catering-Service außer Haus, wirden so frisch wie möglich zubereitet. Die wechselnde Speisekarte umfasst stets 25 bis 30 Gerichte. 

 

Doch nicht nur für seine gute Küche ist das Restaurant beliebt. Seit Jahrzehnten ist der Schankbetrieb auch das Vereinslokal des wenige hundert Meter Luftlinie entfernten SC Verl. Mitte der 1970er- und 80er-Jahre war er sogar der inoffizielle Mittelpunkt des Vereinslebens des heutigen Fußball-Regionalligisten.  Im Anschluss an ihre Spiele trafen sich Spieler, Trainer, Fans, Offizielle und Sponsoren wie selbstverständlich in dem Lokal an der umbenannten Hauptstraße. Und im Sog der Ballartisten kehrten in diesen bis heute legendären Jahren auch Prominente wie Otto Rehhagel, Kalli Feldkamp oder Andi Möller in die Gaststätte ein.

 

Adresse & Öffnungszeiten

Hotel und Restaurant Kampwirth

Hauptstr. 10, 33415 Verl

Telefon 05246 / 3508

E-Mail: info@kampwirth.de

Internet: www.kampwirth.de

Öffnungszeiten:

Täglich ab 17:00 Uhr

Montags ist Ruhetag

 

 

Text: Jens Dünhölter


Wo man ein Stiefel vertragen kann

Heiner Jürgens braut in der ältesten Brauerei Westfalens sein eigenes Bier. Er achtet darauf, dass sich der Stil seines Braugasthofs "Stiefel-Jürgens" in Beckum auf keinen Fall verändert.

 

„Früher gab es immer nur das rein obergärige Stiefel-Bier. Der Uropa würde sich im Grabe umdrehen, wenn er vom untergärigen Ur-Alt erfahren hätte", meint Heiner Jürgens. „Aber alles gut.“ Heute stehen neben dem klassischen Stiefel-Bier ein naturtrübes Kellerbier, das Stephanus-Bräu (ein Pils), das ebenfalls naturtrübe, dunkle Ur-Alt sowie im Sommer ein Hefe-Weizen und im Winter ein Winterbräu auf der Karte. Alle Spezialitäten gibt es auch im Außer-Haus-Verkauf.

 

Bis auf die neuen Sorten hat sich in der ältesten Brauerei Westfalens nur wenig geändert. „Wir sind traditionsgebunden und wollen den Stil des Hauses auf keinen Fall verändern“, ist Heiner Jürgens stolz auf die acht Generationen vor ihm, die seit 1680 im Herzen Beckums Bier brauen. Damals gehörte noch eine Bäckerei zur Brauerei, denn „man braute das Bier und backte das Brot“. Diese Bäckerei wurde bis zum Jahre 1929 parallel geführt. Bis 1980 hat der Braumeister zudem die Gerste, die von den Landwirten angeliefert wurde, zu Malz verarbeitet.

 

„Wir halten es hier bewusst alt“, meint Jürgens, der anfügt: „Damit werben wir nicht nur, wir brauen auch so.“ Alles ein bisschen aus der Mode gekommen, aber deshalb stilecht.

 

Die hauseigene Brauerei hinten auf dem Hof ist nicht auf Hochglanz poliert. Nein, in ihr schlummert der Geist der Vorfahren. Der süßliche Geruch vom Malzzucker liegt in der Luft. Ein sicheres Indiz, dass hier gearbeitet wird. Ein- oder zweimal wöchentlich braut Jürgens, 400 Hektoliter im Jahr.

 

„Wir liegen von den Standards her bestimmt 60 Jahre zurück. Hier ist Handwerk gefragt“, erklärt der Braumeister, der schon von seinem Vater Heinrich die Kunst des Brauens lernte. „Ich bin damit aufgewachsen. Mir wurden die Kenntnisse schon in die Wiege gelegt. Außerdem war es damals selbstverständlich, den Familienbetrieb zu übernehmen“, erinnert sich der 49-Jährige, der 1994 seine Meisterprüfung ablegte und in anderen Brauereien Erfahrungen sammelte – ob in Oelde bei Pott’s oder in Münster bei Pinkus Müller. „Ich bin Brauer aus Herzenslust. Es ist einfach ein spannender Beruf“, beschreibt der Beckumer seine Liebe zum Bier. „Unser Ziel ist es, die Gäste zu begeistern und kein Allerweltsbier herzustellen.“

 

Adresse und Öffnungszeiten:

Brauhaus Stiefel-Jürgens

Hühlstraße 4-6, 59269 Beckum

Telefon 0 25 21 – 33 51

Internet: stiefel-juergens.de

Öffnungszeiten: Mittwoch und Samstag Frühschoppen ab 11 Uhr, Dienstag – Sonntag 17 – 24 Uhr, Küche 17 – 22 Uhr, Biergarten Mai – September, Montag Ruhetag 

Tipp: Mittwoch und Samstag Markttage ab 11 Uhr. „Da freut sich Leib und Seele“ mit Stiefels Spezialitäten und Brauhausgerichten.

 

Text und Bilder: Benedikt Miketta


Familientradition wird großgeschrieben

Wenn Josef Willenbrink durch seinen Gasthof in Lippborg geht, dann ist es immer wie eine Zeitreise. Schon als 13-jähriger Jungspund half Willenbrink bei seinen Eltern Beate und Antonius im Restaurant aus. Gläser spülen, Karten verteilen, aufräumen. „Ich wusste sehr früh, dass ich in die Gastronomie möchte“, sagt der mittlerweile 57-Jährige, der an dem Ort steht, an dem er schon als junge Hilfskraft stand. Nun aber als Küchenchef und Inhaber des Gasthof Willenbrinks, den er von seinen Eltern übernommen hatte.

 

„Hier stecken so viele Erinnerungen drin“, erklärt Willenbrink, der aus der Diele geht, im Flur stehen bleibt und auf die kleinen Delfter Porzellanteller an der Wand zeigt. „Die sind noch von meinen Eltern. Mutter hatte sie mal im Urlaub gekauft.“ An den Wänden hängen Bilder der Vorfahren, alte Urkunden, die Oma Gertrud bekommen hatte, oder besonders auffällig: Ein alter, rustikaler Wandschrank, der zu schade für den Scheiterhaufen war und jetzt als Platzhalter für Speisekarten, Geschirr und Tischdecken dient. „Uns gefällt die Mischung aus dem Alten, Rustikalen und dem Heimeligen“, sagt Josef Willenbrinks Frau Gabriele, die lächelt und anfügt: „Ich glaube, den Gästen gefällt es auch.“ Zumindest lässt es die Resonanz erahnen. „Wir verstehen uns als eine Stätte, in der man einfach nur ein Bierchen trinken kann.“ Oder übernachten. Denn das Gasthaus hat neben dem Restaurant noch ein Hotel. Für größere Veranstaltungen steht ein Saal zur Verfügung. Und im Thekenbereich treffen sich regelmäßig Stammtische, die teils auf ulkige Ideen kommen. „Hier haben zwei Männer mal um ein Fass Bier gewettet, dass der eine es nicht schaffen würde, mit einem Minibagger in die Kneipe zu fahren, um mit der Schaufel Bier zu zapfen“, erinnert sich Willenbrink und lacht. „Unglaublich. Ein paar Tage später hatten wir den Bagger im Haus.“ Der Verlierer zahlte seinen Preis und lud zur großen Sause ein. „Ach“, sagt Gabriele, „das sind doch die schönen Momente, wenn die Gäste und auch wir Spaß haben.“ Doch bald dürfte sich für die Josef und Gabriele Willenbrink ein Kreis schließen. Mit Sohn Andreas und Partnerin Sarike steht schon die nächste Generation in den Startlöchern, um den Betrieb zu übernehmen.

 

Text und Bilder: Benedikt Miketta


Beim Fuchs genießt Du ganz verstohlen

Winterzeit ist Grünkohlzeit. Rebecca Semmler freut sich darauf schon. Denn auch in der Fuchshöhle in Rheda-Wiedenbrück duftet es dann in der ganzen Küche wieder nach Kohl. Unser „hierzulande“-Einkehrtipp für ein gemütliches Essen während einer winterlichen Tour durch die Region.

 

Seit April 2010 wird die Traditionsgaststätte von Rebecca Semmler und Denis Fetting geführt. Seit dem Jahr 1686 ist die „Fuchshöhle“ in Wiedenbrück nahezu ununterbrochen als Gastwirtschaft, Konditorei, Café und Kneipe genutzt.

 

Den Namen verdankt das Haus dem ehemaligen Wirt und Bäcker Hermann Goldkuhle. Dessen rote Haare brachten ihm den Spitznamen „Fuchs“ ein,  seine Kneipe wurde folgerichtig die „Fuchshöhle“.

 

Dem Namen machen heute zwei ausgestopfte Füchse an der Wand alle Ehre, das Ambiente ist rustikal. Holzbalken, Kronleuchter, Ledersofa und Apothekerschrank halten Erinnerungen an vergangene Zeiten wach. Ähnlich wie die Atmosphäre ist auch die Speisekarte typisch westfälisch: herzhaft, klassisch und ohne die ganz großen  Experimente.

 

Es git Schnitzel mit frischen Pilzen, Bratkartoffeln oder Frikadellen als Klassiker und alles, was die Region hergibt. „Wir wollen schon frisch und mit Qualität kochen und achten bei den Zutaten darauf, dass wir es vom Markt oder vom Bauern bekommen“, sagt Semmler, die sich schon auf die Grünkohlsaison freut. „Das ist natürlich mit bei uns im Programm. Darum kommen wir nicht herum“, erklärt die 30-Jährige.

 

Eine Besonderheit in der Fuchshöhle: Lässt eine Bestellung mal etwas länger auf sich warten oder die Gäste haben noch einen Wunsch, können sie ganz einfach auf einen Schalter an der Wand drücken. Am Klingelkasten neben der Theke sieht die Bedienung dann, zu welchem Tisch sie muss.

 

Fetting ist zwar meist hinter der Theke und kümmert sich um die Gäste, gelernt hat der Wiedenbrücker aber den Beruf des Konditors. Das ganze Jahr backt der 40-Jährige Torten und Kuchen. Immer das, was saisonal gerade möglich ist. „Rebecca und ich haben uns die Küche und Backstube geteilt. Das wurde teilweise ganz schön eng“, erklärt Fetting, der in Rheda nun seine eigene, kleine Konditorei eröffnet hat. „Morgens sind wir dann in Rheda. Ab dem Nachmittag in Wiedenbrück“, ist das Paar stolz auf ihr zweites Standbein. „Man traut uns das zu“, freut sich Semmler.

 

Text: Benedikt Miketta; Bilder: Andreas Kirschner (1), Benedikt Miketta


Himmlische Ruhe im Klosterdorf

Die Gastronomen Thomas und Susanne Bertram zog es vor einigen Jahren von Gelsenkirchen nach Vinnenberg. Hier, vor den Toren der Kreisstadt Warendorf, betreiben sie den Landgasthof „Zum kühlen Grunde“.

Das kleine Klosterdorf ist von schweigsamer Ruhe umhüllt. Balsam für die Seele jener, die extra hierher fahren, um abzuschalten. Selbst das Handy schweigt, es herrscht Funkstille.

Nur jeden Sonntag zur 20-Uhr-Messe herrscht für vinnenberger Verhältnisse Ausnahmezustand. „Dann geht es hier rund wie an der Schalker Veltinsarena“, scherzt Susanne Bertram. „Da wird es schon mal knapp mit den Parkplätzen.“

Vinnenberg ist über die Stadtmauern hinaus bekannt für sein Kloster. Doch es ist nicht das Gotteshaus, das den meisten  Gästen zuerst ins Auge springt. Es ist ein altes Mühlengebäude, an dessen Vorderseite ein uriges, hölzernes Wasserrad steht.
Damals noch trieb das Mühlrad, gespeist von der Bever, den Mahlvorgang an. Heute beherbert das alte Gebäude den urigen  Landgasthof.

Susanne und Thomas Bertram leben und arbeiten seit 2011 hier. Die schöne und ruhige Umgebung hat die Gastronomen angezogen. „Es ist schon ein sehr idyllisches Örtchen.“ Ganz anders als früher. Da war im Leben der Bertrams alles schriller, lauter, größer. So richtig Gelsenkirchen Mitte.

„Uns fragen viele, warum wir jetzt ins Münsterland gezogen sind“, sagt Thomas Bertram, der Küchenchef in seinem eigenen Reich. „Wir fühlen uns hier einfach sehr wohl, leben in einer schönen und ruhigen Umgebung“, erklärt Frau Susanne, die gesteht: „Mit 20 wäre ich nicht hierhergezogen. Jetzt aber, mit Anfang 50, ist das etwas anderes.“

Was Susanne Bertram mit ruhig und idyllisch meint, wird deutlich, als sie sich auf die Terrasse des großen Außenbereiches setzt. Dort, wo die Gäste im Sommer am liebsten speisen und trinken. Bertram hat es sich in ihrem Stuhl bequem gemacht, ihr Blick schweift durch den Garten des Landgasthofes. „Das ist wie Urlaub. Hier kann man gut entspannen.“ Eine 800 Jahre alte Linde spendet Schatten. „Und im Wassermühlenteich tummeln sich sogar Hechte und Aale“, weiß Thomas Bertram, der einst für die Mahlzeiten von Marine-Soldaten verantwortlich war, ehe er in Gelsenkirchen 20 Jahre lang sein erstes eigenes Restaurant führte.

Das Design im Landgasthof ist rustikal, typisch westfälisch. „Daran haben wir nichts geändert“, sagt Thomas Bertram.   Lediglich der Kneipenbereich wurde verkleinert. „Wir sehen uns eher als Restaurant.“ Auffällig ist nur hier und da: Das Ehepaar hat eine kleine, aber feine Schwäche für Kitsch. Kleinen Schnick-Schnack finden die Gäste auch im Garten. „Ein Bekannter stellt aus Schrott und Metall kleine Figuren her. Da sind wirklich feine Sachen bei.“

Radler aus dem Münsterland machen gern Halt am Gasthof, um sich bei einem Stück Kuchen und etwas zu Trinken zu stärken.
Ein Muss: Der hausgemachte Apfelkuchen.

 

Text: Bendikt Miketta, Fotos: Hubert Kemper


Für die Heimat das "Adlon" verlassen

Rolf Ortmeyer steht gemeinsam mit seiner Frau Gerda und einem weiteren Koch höchstpersönlich in der Küche der historischen Gaststätte Restaurant „Zur Linde“ in Gütersloh-Isselhorst und kredenzt seinen Gästen feinste Speisen nach westfälischer Art. Gut zu kochen hat Ortmeyer gelernt: Er hat im Berliner Kempinski gelernt und lange Zeit im Adlon gearbeitet. „1978 bin ich dann zu meinen Eltern hierhergekommen und habe sie unterstützt“, erzählt der Küchenmeister, der die Gaststätte vor einigen Jahren von seiner Mutter Anneliese und seinem Vater übernommen hat.

Seit 1677 steht das Gebäude mit der heutigen Hausnummer fünf am Isselhorster Kirchplatz. Erstmals urkundlich erwähnt wird das Haus im Urbar der Grafschaft Ravensberg im Jahr 1556, in den Jahren 1675 bis 1677 sei das Haus vom damaligen Besitzer Hinrich Astroth jedoch neu gebaut worden, was die Zahl über der Eingangstür erklärt.

Hinter der Theke geht es zum Feuerwehrmuseum. „Früher war hier ein Lebensmittelladen“, berichtet Ortmeyer. „Den haben meine Eltern 1958 gebaut.“ Damals habe es noch alle Lebensmittel, wie Erbsen oder Linsen, lose gegeben. „Dann standen links die Frauen und kauften ein und rechts standen die Männer und tranken ihr Bier“, erzählt der 62-Jährige amüsiert. 1998 habe er den Laden an das Detmolder Museum verschenkt und das Feuerwehrmuseum eingerichtet. „Ich habe so viele Dinge, dass ich die gar nicht alle im Museum aufstellen kann, sondern einige Sachen im Keller lagern muss“, verrät Ortmeyer, der sein Leben lang leidenschaftlich bei der freiwilligen Feuerwehr Mitglied war.

Im Gebäude nebenan lagert eine weitere Besonderheit: das riesige Schnapsfass aus Eichenholz, das in einem alten Lagerraum neben dem Hauptgebäude zur Ausstellung steht. Das Außergewöhnliche daran: Das Fass aus Braunschweig umfasst 20 000 Liter Schnaps und ist laut Ortmeyer das größte Schnapsfass der Welt.

Bekannt ist die Isselhorster Gaststätte für ihre Bisonwochen. „Die Bisons kommen direkt aus dem benachbarten Ortsteil Niehorst, vom Hof Birkenharke“, erzählt Ortmeyer. „Das erste Bison, das ich hatte, war 800 Kilogramm schwer“, sagt er. Im Jahr verwerte er drei bis vier der stämmigen Tiere auf verschiedenste Art, als Steak, als Wurst, als Buletten. Auch die Spargelzeit sorgt für Rekordbesuche.

 

Text und Video: Anika Reckeweg


Schatzsuche im Letter Land

Besuch im Landgasthof Westhoff-Düppmann


Thomas und Sophia Westhoff-Düppmann sind leidenschaftliche Gastwirte. Ihr Landgasthof in Oelde-Lette ist schon lange kein Geheimtipp mehr. Mittlerweile ist das Haus so beliebt, dass die Inhaber regelmäßig Besucher wieder nach Hause schicken müssen, weil alle Tische besetzt oder ausgebucht sind. Thomas hat den Hof gemeinsam mit seinem Bruder Georg und der vollen Unterstützung seiner Mutter Sophia von seinem Vater übernommen. Auf den Teller kommen nur frische, regionale Lebensmittel vom Oelder Wochenmarkt oder von benachbarten Bauernhöfen. Sobald die Saison beginnt, zaubert Thomas Westhoff-Düppmann in der Küche Desserts und andere Feinheiten aus den im Garten hinter dem Hof selbst angebauten Früchten.


Der Landgasthof selbst hat eine lange Tradition. Das Haus ist rund 300 Jahre alt und seit jeher in der Hand der Ahnen Westhoff-Düppmanns. In den Anfängen lag das Gebäude gegenüber einer Schmiede und diente als Aufenthaltsort für die Kutscher, während deren Pferde neu beschlagen wurden. Der damalige Besitzer war Bierbrauer und Bäcker. Einige Relikte dieser Zeit sind auch heute noch im Landgasthof Westhoff-Düppmann erhalten.

 

Text und Video: Julia Frings , Anika Reckeweg


Schiefe Wände versprühen Charme

Die rot-bräunlichen Ziegelsteine glitzern in der Sonne, in ungleichmäßigen Abständen ziehen sich braune Holzbalken durch das Gemäuer, die dem zweigeschossigen Gebäude seinen Halt geben. Schief ist das Fachwerkhaus. Es scheint fast, als hätte die Last, Lebensgeschichten von Generationen beherbergen zu müssen, ihren Tribut gefordert. Bereits 1635 wurde der vordere Teil, 1838 der hintere des historischen Brauhauses „Warintharpa“ an der Kirchstraße im Herzen der Warendorfer Altstadt und Schatten der ältesten Kirche, der Laurentiuskirche, errichtet. 1986 haben beide Häuser die Denkmalplakette erhalten. Zwei Eingänge gibt es heute zum Gasthaus.

 

Katja und Bernd Schulte haben das Haus 2002 gekauft, nachdem es 1996 komplett renoviert worden war. „Aus dieser Zeit stammen auch die Original-Exponate, allesamt vom Gastronomie-Innenausstatter auf Flohmärkten erstanden“, erzählen die Inhaber des „Warintharpas“. „Es sind alles alte Stücke; nichts Nachgemachtes“, betont Bernd Schulte.

 

 Für beide Wirtsleute war es vor 16 Jahren fast eine Selbstverständlichkeit „Ja“ zu sagen, als sie gefragt worden seien, ob sie das historische Brauhaus übernehmen wollten. Bernd Schulte ist gelernter Fleischer, seinen Großeltern gehörte die Traditionsmetzgerei Steltenkamp in der Emsstadt. Der Umgang mit Lebensmitteln und die Tatsache, aus einer Familie zu stammen, die ein Geschäft hatte, haben dazu geführt, dass ihm die berufliche Selbstständigkeit quasi im Blut liege. Zudem habe er eine Kochlehre absolviert.

 

 Seine Frau Katja sei mit der Ausbildung zur Hotelfachfrau sowie Empfangssekretärin ebenfalls vom Fach. Erfahrungen haben beide zudem im Hotel „Hof zur Linde“ in Münster gesammelt. „Wir wussten, was auf uns zukommt, als wir das Gasthaus übernommen haben“, sagt das Ehepaar, das zwei Töchter hat. „Es ist ein toller Beruf. Jeden Tag kommen wir mit Menschen zusammen und somit birgt auch jeder Tag etwas Neues“, sagt die Gastronomin. Hinzu komme, dass das „Warintharpa“-Team „wie eine Familie ist“.

 

 120 Plätze bietet das Brauhaus, weitere 70 im Biergarten auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Mit Beginn des Frühlings werden die ersten Tische rausgestellt; bei sonnigem Wetter sind sie schnell besetzt. „Vor allem Touristengruppen verweilen gern bei uns und genießen den Platz gegenüber der beeindruckenden Laurentiuskirche“, berichtet die 45-Jährige.

 

Wenn im „Warintharpa“ auch vieles an vergangene Zeit erinnert, die Speisekarte versteht es sehr wohl, Althergebrachtes mit Modernem zu verknüpfen. „Junge, kreative Gastronomie und traditionelle westfälische Küche schließen sich keineswegs aus“, erklärt Bernd Schulte. Ein Blick auf spezielle Angebote sowie in die Speisekarte bestätigt das. „Viele Besucher kommen hierher, um Rouladen zu essen, weil diese von jüngeren Generationen immer weniger zuhause zubereitet werden“, weiß er. Die gutbürgerliche Küche suchten viele als Alternative zu Restaurants mit internationaler Küche. „Sie wollen einfach mal ein Schnitzel oder Steak essen.“

 

 Dementsprechend reicht das Angebot von einem kleinen Snack nach Feierabend über saisonale Gerichte, das westfälische Töttchen und andere Münsterländer Leckereien bis hin zum so genannten Drei-Gänge-Friedensreiter-Menu.  Bernd Schulte: „Unser Speisenangebot besteht aus einem Grundgerüst und saisonalen Ergänzungen wie Wild oder Spargel. Frische, Qualität und Regionalität sind die Grundzutaten einer erfolgreichen, gutbürgerlichen Küche.“

 

Text: Anja Tenbrock; Fotos: Oliver Baumjohann


Hier sind Sportler und Promis zu Hause

„Freitagnachmittag um 14 Uhr haben wir erfahren, dass der Bundesligist VfL Wolfsburg nur drei Stunden später anreisen würde, um sich bei uns auf das Relegations-Rückspiel bei Eintracht Braunschweig vorzubereiten“, erinnert sich Sabrina Stratmann an ein ereignisreiches Wochenende im Mai 2017. „Das kam völlig überraschend.“ Drei Stunden Vorbereitungszeit für den Wolfsburger Tross ist auch für das Sporthotel, in dem regelmäßig Bundesliga- und Nationalmannschaften Quartier beziehen, eine Herausforderung. Normalerweise melden sich die Fußballer lange im Voraus für ihre Trainingslager an. „Aber damit muss man umgehen können“, sagt die Marketingexpertin der Hotel-Residence Klosterpforte in Marienfeld. Schließlich zeichne das ein Vier-Sterne-Haus aus.

 

Die Lage der Hotel-Residence, die sich mit 20 Häusern über 180 000 Quadratmetern erstreckt, das Angebot an Sportmöglichkeiten und Wellnesscenter, die Vielfalt der Küche sowie besondere Veranstaltungen haben das Haus weit über die Grenzen Ostwestfalens hinaus bekannt gemacht. „Im Gästebuch finden sich immer wieder prominente Unterschriften von Stars wie Helene Fischer, Wladimir Klitschko und Tamme Hanken“, sagt Stratmann.

 

Der Grundstein für die komplexe Hotelanlage wurde vor 65 Jahren gelegt. Am 10. April 1953 hat die Familie von Anneliese Austermann die Klosterpforte ersteigert und dort noch am selben Tag eine Gaststätte eröffnet. 1954 heiratete Anneliese Austermann Reinhold Frie senior, der in den Gastronomiebetrieb mit einstieg. In den nächsten Jahrzehnten wurde das Gasthaus Stammlokal von zahlreichen Schützen- und Sportvereinen. „Die Gemütlichkeit in der Klosterpforte, die Herzlichkeit der Wirtsleute und das gutbürgerliche Essen sprachen sich schnell in der Region herum“, heißt es in der Chronik des Hauses. Heute ist Sohn Reinhold Frie mit seiner Frau Barbara Eigentümer. Die dritte Generation wirkt ebenfalls in der Hotel-Residence mit: Seit 2014 ist die älteste Tochter Carina mit ihrem Ehemann Christopher Schemmink in der  Geschäftsleitung vertreten.

 

Das Hotel liegt direkt vor den Toren des mehr als 800 Jahre alten Klosters Marienfeld. Der Weg dorthin führt durch ein großes Steintor im Eingangsbereich; der Torbogen wird derzeit renoviert. Von dort ging es einst ins Gasthaus. Die ehemalige Klosterpforte hat dem Hotel auch seinen Namen gegeben. Neben der Klosterkirche, die heute als Pfarrkirche genutzt wird, entstand im 19. Jahrhundert das Abteigebäude, das Reinhold Frie im Dezember 2007 erworben hat. Das unter Denkmalschutz stehende Haus mit einer Fläche von mehr als 400 Quadratmetern ist von Grund auf renoviert worden. Es beherbergt heute nicht nur einen urigen Klosterkeller samt eigener Hausbrauerei, sondern auch eine Kochschule für Hobbyköche.

 

In den historischen Räumen mit hohen Decken und Wandmalerei finden außerdem oft Tagungen und Seminare ebenso wie Familienfeste statt. Ein Biergarten gehört ebenfalls zur Alten Abtei. Auf dem weitläufigen Gelände laden großzügige Parks und Gärten mit jahrhundertealtem Baumbestand zum Spazierengehen und Entspannen ein. Zu entdecken gibt es genug. Seit 2009 liegt inmitten des Klosterhofs das Kloster-Café, das mit frisch gebackenem Kuchen der Marienfelder Landfrauen, Tee- und Kaffeespezialitäten lockt.

 

Was 1953 als kleine Gaststätte mit zunächst drei, später zehn Zimmern begann – die Reinhold Frie zufolge „immer mal wieder spontan vermietet wurden“ – ist im Jahr 2018 zu einem Hotelkomplex mit 250 Betten in 153 Zimmern und 6 Suiten, verteilt auf Landhaus, Abteigebäude und Sporthotel, einem Wellness-Bereich mit Sauna, Massage, Dampfbad, Pool sowie Schwimmteich, einer Fitnessscheune, zwei Restaurants, fünf Sälen, 13 Tagungsräumen, einem Eventhaus und einer Fischerhütte herangewachsen. Sogar standesamtlich heiraten kann man in der Klosterpforte.

 

Am Erfolg des Unternehmens haben Reinhold Frie und sein Vater Reinhold Frie senior kontinuierlich gearbeitet. „Unsere ganze Familie hat sich durch und durch der Gastronomie verschrieben“, sagt Reinhold Frie. Auch seine Tochter Carina Schemmink hat sich mit Leib und Seele der Klosterpforte verschrieben. „Es ist wichtig, dass sich ein Hotel immer weiterentwickelt, den Gästen Neues bietet. Man darf im Wandel der Zeit nicht stecken bleiben. Gleichwohl ist es ebenso bedeutsam, neben aller Moderne auch die Tradition zu wahren. Modernster Komfort in einer historischen Umgebung machen den unverwechselbaren Charme und Charakter der Klosterpforte aus“, betont die Hotelmanagerin.

 

Das Klosterstübchen ist eines von zwei Restaurants mit regionaler und nationaler Küche mit westfälischem Akzent. Das Restaurant im Haupthaus bietet Platz für etwa 50 Gäste. Dass Tradition und Moderne auch in der Küche kein Widerspruch sein müssen, zeigt ein Blick auf die Speisekarte. In der Klosterpforte spielen nicht nur traditionelle Rezepte eine Rolle – kulinarische Trends spiegeln sich durchaus in den Speisekarten wider. Wer im Klosterstübchen essen geht, findet ein vielfältiges Angebot an Gerichten – nicht nur aus der „gehobenen Küche“. Je nach Jahreszeit gibt es westfälische Klassiker wie Rinderkraftsuppe, Grünkohl und Mettendchen und Spargel. Wer es etwas ausgefallener mag, kann das „Gebratene Kikok-Hähnchen mit einer Langpfeffer Jus an wildem Brokkoli, Sesam und einem Kartoffel-Walnusspüree“ probieren. Auch vegetarische Speisen wie „Steinpilzravioli in einem fruchtigen Tomatensugo“ fehlen in der anspruchsvollen Küche nicht – einer Küche, bei der sich weder Regionalität und Internationalität noch Tradition und Moderne ausschließen.

 

Text: Anja Tenbrock, Bilder: Hubert Kemper

 


Ein Haus voller Geschichte (n)

Der weiß gestrichene Flur, der Gasträume, Saal und Wintergarten verbindet, wirkt auf den ersten Blick nüchtern und kühl. Doch wer kurz stehen bleibt und sich die Mühe macht, einen Blick in die Glasvitrine zu werfen oder sich die Dekoration an den Wänden genauer anzuschauen, wird schnell vergessen, wo er hinwollte. Der Flur erzählt Geschichte. So wie der Saal und der große Gastraum des heutigen Restaurants Stiftshof Dühlmann an der Westkirchener Straße in Freckenhorst.

 

 

Seit 255 Jahren gehört das Gasthaus zur Stiftsstadt. Vor fünf Jahren haben die Dühlmanns das 250-jährige Jubiläum des Familienbetriebs gefeiert. Die gerahmten Dokumente wie Urkunden, Speisekarten, Fotos und Bilder an den Wänden entführen den Besucher in längst vergangene Zeiten. Sie erzählen nicht nur die Geschichte eines Hauses, sondern auch einer Familie, die seit Generationen für den Gasthof lebt. Hendirk Dühlmann führt ihn in der siebten Generation, die achte gibt es mit seinen Kindern Amelie (3), Henry (5) und Franziska (8) bereits. Theo Dühlmann, gelernter Bäckermeister und Vater des heutigen Inhabers, übernahm den Stiftshof 1977 von seinem Vater Theodor Dühlmann.

 

 

Zeit braucht es, um die vielen Schriftstücke, die sich unter dem Spiegelglas in dem großen, braunen Holzrahmen im Flur befinden, zu studieren. Stolz zeigt Hendirk Dühlmann auf zwei von ihm restaurierte Fenster mit Bleiverglasung, die ebenfalls im Flur die Wand schmücken: „Diese Oberlichter hingen früher im großen Saal.“ Unzählige Schätze beherbergt auch der Gastraum, gewissermaßen das Herzstück des Stiftshofs. 100 Jahre alte Stühle, ein riesiger, grüner Kachelofen von 1959, gemauerte Bögen und an den Wänden gerahmte schwarz-weiß Fotos machen die „urwestfälische Atmosphäre“ aus, schaffen Gastlichkeit und Gemütlichkeit. Zu besonderen Anlässen werde sogar das Geschirr von 1920 und echtes Silberbesteck aus dem Schrank geholt.

 

 

Altes bewahren und sich Neuerungen öffnen – dass das kein Widerspruch sein muss, zeigt ein Blick auf die Speisekarte. „Wir stehen für eine frische, westfälisch-deutsche Küche“, betont Hendirk Dühlmann. „Wir verschließen uns keineswegs den Trends der Zeit und bieten Traditionelles wie Neues an.“ Für ihn liege das Geheimnis einer anspruchsvollen Speisekarte in der Kombination von beidem. Qualität ist ein weiteres Stichwort, das für ihn eine wichtige Rolle spielt. Dühlmann legt großen Wert darauf, dass die frischen Lebensmittel aus der Region kommen. „Ich kaufe selbst ein“, verdeutlicht er. „Ich möchte die Ware sehen, die ich verarbeite. Gemüse und Obst beziehe ich stets aus dem Umkreis.“ Viele Kräuter, die er beim Kochen verwende, stammten aus dem eigenen Garten.

 

 

Tradition bewahren, Qualität sichern und die Zukunft im Blick haben – so lässt sich Hendirk Dühlmanns Rezept zusammenfassen, den Familienbetrieb auch durch die nächsten Jahrzehnte erfolgreich zu steuern.

 

Adresse & Öffnungszeiten:

Restaurant Stiftshof Dühlmann

Westkirchener Straße 1

48231 Warendorf-Freckenhorst

Tel. 02581 / 4191

E-Mail: h.duehlmann@t-online.de

Öffnungszeiten:

Dienstag bis Samstag: 18 bis 24 Uhr

Sonntag: 11.30 bis 14 Uhr und 17 bis 23 Uhr

 

 

Text und Fotos: Anja Tenbrock


Wo Otto Rehhagel an der Theke stand

Vor 1827 startete Familie Kampwirth in Verl mit einer Dorfkneipe, heute ist darauf ein modernes Hotel-Restaurant geworden. Und aus den vergangenen 1900 Jahren gibt es viel zu berichten. Die Geschichte der Wirtsfamilie geht in eine Zeit zurück, in der auf staubigen Wegen ausschließlich Pferdefuhrwerke samt ihrer Kutsche durch die Bauerschaften rumpelten. 

 

1905, also 78 Jahre nach dem Ankauf des heute auf dem rückwärtigen Areal befindlichen Kottens, entstand direkt an der Straße ein für damalige Verhältnisse stattliches Haus, das mit seinen Gauben und Giebeln bis heute ein Hingucker ist. 

Das Gastronom-Ehepaar Sonja und Richard Kampwirth, das das Haus mittlerweile in sechster Generation führt, bewahrt diese Tradition, verschließt sich aber auch dem Modernen nicht. Das Gebäude-Innere wird daher im Neun-Jahres-Rhythmus renoviert und auch in Sachen Inneneinrichtung dem aktuellen Zeitgeist angepasst. 

 

Eines der großen Erfolgsrezepte des Hauses steht höchst persönlich in der Küche am Herd: Als gelernter Koch überlasst Richard Kampwirth im Reich der Töpfe und Pfannen nichts dem Zufall. Alle Speisen, egal ob für den Restaurantbetrieb oder den Catering-Service außer Haus, wirden so frisch wie möglich zubereitet. Die wechselnde Speisekarte umfasst stets 25 bis 30 Gerichte. 

 

Doch nicht nur für seine gute Küche ist das Restaurant beliebt. Seit Jahrzehnten ist der Schankbetrieb auch das Vereinslokal des wenige hundert Meter Luftlinie entfernten SC Verl. Mitte der 1970er- und 80er-Jahre war er sogar der inoffizielle Mittelpunkt des Vereinslebens des heutigen Fußball-Regionalligisten.  Im Anschluss an ihre Spiele trafen sich Spieler, Trainer, Fans, Offizielle und Sponsoren wie selbstverständlich in dem Lokal an der umbenannten Hauptstraße. Und im Sog der Ballartisten kehrten in diesen bis heute legendären Jahren auch Prominente wie Otto Rehhagel, Kalli Feldkamp oder Andi Möller in die Gaststätte ein.

 

Adresse & Öffnungszeiten

Hotel und Restaurant Kampwirth

Hauptstr. 10, 33415 Verl

Telefon 05246 / 3508

E-Mail: info@kampwirth.de

Internet: www.kampwirth.de

Öffnungszeiten:

Täglich ab 17:00 Uhr

Montags ist Ruhetag

 

 

Text: Jens Dünhölter


Wo man ein Stiefel vertragen kann

Heiner Jürgens braut in der ältesten Brauerei Westfalens sein eigenes Bier. Er achtet darauf, dass sich der Stil seines Braugasthofs "Stiefel-Jürgens" in Beckum auf keinen Fall verändert.

 

„Früher gab es immer nur das rein obergärige Stiefel-Bier. Der Uropa würde sich im Grabe umdrehen, wenn er vom untergärigen Ur-Alt erfahren hätte", meint Heiner Jürgens. „Aber alles gut.“ Heute stehen neben dem klassischen Stiefel-Bier ein naturtrübes Kellerbier, das Stephanus-Bräu (ein Pils), das ebenfalls naturtrübe, dunkle Ur-Alt sowie im Sommer ein Hefe-Weizen und im Winter ein Winterbräu auf der Karte. Alle Spezialitäten gibt es auch im Außer-Haus-Verkauf.

 

Bis auf die neuen Sorten hat sich in der ältesten Brauerei Westfalens nur wenig geändert. „Wir sind traditionsgebunden und wollen den Stil des Hauses auf keinen Fall verändern“, ist Heiner Jürgens stolz auf die acht Generationen vor ihm, die seit 1680 im Herzen Beckums Bier brauen. Damals gehörte noch eine Bäckerei zur Brauerei, denn „man braute das Bier und backte das Brot“. Diese Bäckerei wurde bis zum Jahre 1929 parallel geführt. Bis 1980 hat der Braumeister zudem die Gerste, die von den Landwirten angeliefert wurde, zu Malz verarbeitet.

 

„Wir halten es hier bewusst alt“, meint Jürgens, der anfügt: „Damit werben wir nicht nur, wir brauen auch so.“ Alles ein bisschen aus der Mode gekommen, aber deshalb stilecht.

 

Die hauseigene Brauerei hinten auf dem Hof ist nicht auf Hochglanz poliert. Nein, in ihr schlummert der Geist der Vorfahren. Der süßliche Geruch vom Malzzucker liegt in der Luft. Ein sicheres Indiz, dass hier gearbeitet wird. Ein- oder zweimal wöchentlich braut Jürgens, 400 Hektoliter im Jahr.

 

„Wir liegen von den Standards her bestimmt 60 Jahre zurück. Hier ist Handwerk gefragt“, erklärt der Braumeister, der schon von seinem Vater Heinrich die Kunst des Brauens lernte. „Ich bin damit aufgewachsen. Mir wurden die Kenntnisse schon in die Wiege gelegt. Außerdem war es damals selbstverständlich, den Familienbetrieb zu übernehmen“, erinnert sich der 49-Jährige, der 1994 seine Meisterprüfung ablegte und in anderen Brauereien Erfahrungen sammelte – ob in Oelde bei Pott’s oder in Münster bei Pinkus Müller. „Ich bin Brauer aus Herzenslust. Es ist einfach ein spannender Beruf“, beschreibt der Beckumer seine Liebe zum Bier. „Unser Ziel ist es, die Gäste zu begeistern und kein Allerweltsbier herzustellen.“

 

Adresse und Öffnungszeiten:

Brauhaus Stiefel-Jürgens

Hühlstraße 4-6, 59269 Beckum

Telefon 0 25 21 – 33 51

Internet: stiefel-juergens.de

Öffnungszeiten: Mittwoch und Samstag Frühschoppen ab 11 Uhr, Dienstag – Sonntag 17 – 24 Uhr, Küche 17 – 22 Uhr, Biergarten Mai – September, Montag Ruhetag 

Tipp: Mittwoch und Samstag Markttage ab 11 Uhr. „Da freut sich Leib und Seele“ mit Stiefels Spezialitäten und Brauhausgerichten.

 

Text und Bilder: Benedikt Miketta


Familientradition wird großgeschrieben

Wenn Josef Willenbrink durch seinen Gasthof in Lippborg geht, dann ist es immer wie eine Zeitreise. Schon als 13-jähriger Jungspund half Willenbrink bei seinen Eltern Beate und Antonius im Restaurant aus. Gläser spülen, Karten verteilen, aufräumen. „Ich wusste sehr früh, dass ich in die Gastronomie möchte“, sagt der mittlerweile 57-Jährige, der an dem Ort steht, an dem er schon als junge Hilfskraft stand. Nun aber als Küchenchef und Inhaber des Gasthof Willenbrinks, den er von seinen Eltern übernommen hatte.

 

„Hier stecken so viele Erinnerungen drin“, erklärt Willenbrink, der aus der Diele geht, im Flur stehen bleibt und auf die kleinen Delfter Porzellanteller an der Wand zeigt. „Die sind noch von meinen Eltern. Mutter hatte sie mal im Urlaub gekauft.“ An den Wänden hängen Bilder der Vorfahren, alte Urkunden, die Oma Gertrud bekommen hatte, oder besonders auffällig: Ein alter, rustikaler Wandschrank, der zu schade für den Scheiterhaufen war und jetzt als Platzhalter für Speisekarten, Geschirr und Tischdecken dient. „Uns gefällt die Mischung aus dem Alten, Rustikalen und dem Heimeligen“, sagt Josef Willenbrinks Frau Gabriele, die lächelt und anfügt: „Ich glaube, den Gästen gefällt es auch.“ Zumindest lässt es die Resonanz erahnen. „Wir verstehen uns als eine Stätte, in der man einfach nur ein Bierchen trinken kann.“ Oder übernachten. Denn das Gasthaus hat neben dem Restaurant noch ein Hotel. Für größere Veranstaltungen steht ein Saal zur Verfügung. Und im Thekenbereich treffen sich regelmäßig Stammtische, die teils auf ulkige Ideen kommen. „Hier haben zwei Männer mal um ein Fass Bier gewettet, dass der eine es nicht schaffen würde, mit einem Minibagger in die Kneipe zu fahren, um mit der Schaufel Bier zu zapfen“, erinnert sich Willenbrink und lacht. „Unglaublich. Ein paar Tage später hatten wir den Bagger im Haus.“ Der Verlierer zahlte seinen Preis und lud zur großen Sause ein. „Ach“, sagt Gabriele, „das sind doch die schönen Momente, wenn die Gäste und auch wir Spaß haben.“ Doch bald dürfte sich für die Josef und Gabriele Willenbrink ein Kreis schließen. Mit Sohn Andreas und Partnerin Sarike steht schon die nächste Generation in den Startlöchern, um den Betrieb zu übernehmen.

 

Text und Bilder: Benedikt Miketta


Beim Fuchs genießt Du ganz verstohlen

Winterzeit ist Grünkohlzeit. Rebecca Semmler freut sich darauf schon. Denn auch in der Fuchshöhle in Rheda-Wiedenbrück duftet es dann in der ganzen Küche wieder nach Kohl. Unser „hierzulande“-Einkehrtipp für ein gemütliches Essen während einer winterlichen Tour durch die Region.

 

Seit April 2010 wird die Traditionsgaststätte von Rebecca Semmler und Denis Fetting geführt. Seit dem Jahr 1686 ist die „Fuchshöhle“ in Wiedenbrück nahezu ununterbrochen als Gastwirtschaft, Konditorei, Café und Kneipe genutzt.

 

Den Namen verdankt das Haus dem ehemaligen Wirt und Bäcker Hermann Goldkuhle. Dessen rote Haare brachten ihm den Spitznamen „Fuchs“ ein,  seine Kneipe wurde folgerichtig die „Fuchshöhle“.

 

Dem Namen machen heute zwei ausgestopfte Füchse an der Wand alle Ehre, das Ambiente ist rustikal. Holzbalken, Kronleuchter, Ledersofa und Apothekerschrank halten Erinnerungen an vergangene Zeiten wach. Ähnlich wie die Atmosphäre ist auch die Speisekarte typisch westfälisch: herzhaft, klassisch und ohne die ganz großen  Experimente.

 

Es git Schnitzel mit frischen Pilzen, Bratkartoffeln oder Frikadellen als Klassiker und alles, was die Region hergibt. „Wir wollen schon frisch und mit Qualität kochen und achten bei den Zutaten darauf, dass wir es vom Markt oder vom Bauern bekommen“, sagt Semmler, die sich schon auf die Grünkohlsaison freut. „Das ist natürlich mit bei uns im Programm. Darum kommen wir nicht herum“, erklärt die 30-Jährige.

 

Eine Besonderheit in der Fuchshöhle: Lässt eine Bestellung mal etwas länger auf sich warten oder die Gäste haben noch einen Wunsch, können sie ganz einfach auf einen Schalter an der Wand drücken. Am Klingelkasten neben der Theke sieht die Bedienung dann, zu welchem Tisch sie muss.

 

Fetting ist zwar meist hinter der Theke und kümmert sich um die Gäste, gelernt hat der Wiedenbrücker aber den Beruf des Konditors. Das ganze Jahr backt der 40-Jährige Torten und Kuchen. Immer das, was saisonal gerade möglich ist. „Rebecca und ich haben uns die Küche und Backstube geteilt. Das wurde teilweise ganz schön eng“, erklärt Fetting, der in Rheda nun seine eigene, kleine Konditorei eröffnet hat. „Morgens sind wir dann in Rheda. Ab dem Nachmittag in Wiedenbrück“, ist das Paar stolz auf ihr zweites Standbein. „Man traut uns das zu“, freut sich Semmler.

 

Text: Benedikt Miketta; Bilder: Andreas Kirschner (1), Benedikt Miketta


Himmlische Ruhe im Klosterdorf

Die Gastronomen Thomas und Susanne Bertram zog es vor einigen Jahren von Gelsenkirchen nach Vinnenberg. Hier, vor den Toren der Kreisstadt Warendorf, betreiben sie den Landgasthof „Zum kühlen Grunde“.

Das kleine Klosterdorf ist von schweigsamer Ruhe umhüllt. Balsam für die Seele jener, die extra hierher fahren, um abzuschalten. Selbst das Handy schweigt, es herrscht Funkstille.

Nur jeden Sonntag zur 20-Uhr-Messe herrscht für vinnenberger Verhältnisse Ausnahmezustand. „Dann geht es hier rund wie an der Schalker Veltinsarena“, scherzt Susanne Bertram. „Da wird es schon mal knapp mit den Parkplätzen.“

Vinnenberg ist über die Stadtmauern hinaus bekannt für sein Kloster. Doch es ist nicht das Gotteshaus, das den meisten  Gästen zuerst ins Auge springt. Es ist ein altes Mühlengebäude, an dessen Vorderseite ein uriges, hölzernes Wasserrad steht.
Damals noch trieb das Mühlrad, gespeist von der Bever, den Mahlvorgang an. Heute beherbert das alte Gebäude den urigen  Landgasthof.

Susanne und Thomas Bertram leben und arbeiten seit 2011 hier. Die schöne und ruhige Umgebung hat die Gastronomen angezogen. „Es ist schon ein sehr idyllisches Örtchen.“ Ganz anders als früher. Da war im Leben der Bertrams alles schriller, lauter, größer. So richtig Gelsenkirchen Mitte.

„Uns fragen viele, warum wir jetzt ins Münsterland gezogen sind“, sagt Thomas Bertram, der Küchenchef in seinem eigenen Reich. „Wir fühlen uns hier einfach sehr wohl, leben in einer schönen und ruhigen Umgebung“, erklärt Frau Susanne, die gesteht: „Mit 20 wäre ich nicht hierhergezogen. Jetzt aber, mit Anfang 50, ist das etwas anderes.“

Was Susanne Bertram mit ruhig und idyllisch meint, wird deutlich, als sie sich auf die Terrasse des großen Außenbereiches setzt. Dort, wo die Gäste im Sommer am liebsten speisen und trinken. Bertram hat es sich in ihrem Stuhl bequem gemacht, ihr Blick schweift durch den Garten des Landgasthofes. „Das ist wie Urlaub. Hier kann man gut entspannen.“ Eine 800 Jahre alte Linde spendet Schatten. „Und im Wassermühlenteich tummeln sich sogar Hechte und Aale“, weiß Thomas Bertram, der einst für die Mahlzeiten von Marine-Soldaten verantwortlich war, ehe er in Gelsenkirchen 20 Jahre lang sein erstes eigenes Restaurant führte.

Das Design im Landgasthof ist rustikal, typisch westfälisch. „Daran haben wir nichts geändert“, sagt Thomas Bertram.   Lediglich der Kneipenbereich wurde verkleinert. „Wir sehen uns eher als Restaurant.“ Auffällig ist nur hier und da: Das Ehepaar hat eine kleine, aber feine Schwäche für Kitsch. Kleinen Schnick-Schnack finden die Gäste auch im Garten. „Ein Bekannter stellt aus Schrott und Metall kleine Figuren her. Da sind wirklich feine Sachen bei.“

Radler aus dem Münsterland machen gern Halt am Gasthof, um sich bei einem Stück Kuchen und etwas zu Trinken zu stärken.
Ein Muss: Der hausgemachte Apfelkuchen.

 

Text: Bendikt Miketta, Fotos: Hubert Kemper


Für die Heimat das "Adlon" verlassen

Rolf Ortmeyer steht gemeinsam mit seiner Frau Gerda und einem weiteren Koch höchstpersönlich in der Küche der historischen Gaststätte Restaurant „Zur Linde“ in Gütersloh-Isselhorst und kredenzt seinen Gästen feinste Speisen nach westfälischer Art. Gut zu kochen hat Ortmeyer gelernt: Er hat im Berliner Kempinski gelernt und lange Zeit im Adlon gearbeitet. „1978 bin ich dann zu meinen Eltern hierhergekommen und habe sie unterstützt“, erzählt der Küchenmeister, der die Gaststätte vor einigen Jahren von seiner Mutter Anneliese und seinem Vater übernommen hat.

Seit 1677 steht das Gebäude mit der heutigen Hausnummer fünf am Isselhorster Kirchplatz. Erstmals urkundlich erwähnt wird das Haus im Urbar der Grafschaft Ravensberg im Jahr 1556, in den Jahren 1675 bis 1677 sei das Haus vom damaligen Besitzer Hinrich Astroth jedoch neu gebaut worden, was die Zahl über der Eingangstür erklärt.

Hinter der Theke geht es zum Feuerwehrmuseum. „Früher war hier ein Lebensmittelladen“, berichtet Ortmeyer. „Den haben meine Eltern 1958 gebaut.“ Damals habe es noch alle Lebensmittel, wie Erbsen oder Linsen, lose gegeben. „Dann standen links die Frauen und kauften ein und rechts standen die Männer und tranken ihr Bier“, erzählt der 62-Jährige amüsiert. 1998 habe er den Laden an das Detmolder Museum verschenkt und das Feuerwehrmuseum eingerichtet. „Ich habe so viele Dinge, dass ich die gar nicht alle im Museum aufstellen kann, sondern einige Sachen im Keller lagern muss“, verrät Ortmeyer, der sein Leben lang leidenschaftlich bei der freiwilligen Feuerwehr Mitglied war.

Im Gebäude nebenan lagert eine weitere Besonderheit: das riesige Schnapsfass aus Eichenholz, das in einem alten Lagerraum neben dem Hauptgebäude zur Ausstellung steht. Das Außergewöhnliche daran: Das Fass aus Braunschweig umfasst 20 000 Liter Schnaps und ist laut Ortmeyer das größte Schnapsfass der Welt.

Bekannt ist die Isselhorster Gaststätte für ihre Bisonwochen. „Die Bisons kommen direkt aus dem benachbarten Ortsteil Niehorst, vom Hof Birkenharke“, erzählt Ortmeyer. „Das erste Bison, das ich hatte, war 800 Kilogramm schwer“, sagt er. Im Jahr verwerte er drei bis vier der stämmigen Tiere auf verschiedenste Art, als Steak, als Wurst, als Buletten. Auch die Spargelzeit sorgt für Rekordbesuche.

 

Text und Video: Anika Reckeweg


Schatzsuche im Letter Land

Besuch im Landgasthof Westhoff-Düppmann


Thomas und Sophia Westhoff-Düppmann sind leidenschaftliche Gastwirte. Ihr Landgasthof in Oelde-Lette ist schon lange kein Geheimtipp mehr. Mittlerweile ist das Haus so beliebt, dass die Inhaber regelmäßig Besucher wieder nach Hause schicken müssen, weil alle Tische besetzt oder ausgebucht sind. Thomas hat den Hof gemeinsam mit seinem Bruder Georg und der vollen Unterstützung seiner Mutter Sophia von seinem Vater übernommen. Auf den Teller kommen nur frische, regionale Lebensmittel vom Oelder Wochenmarkt oder von benachbarten Bauernhöfen. Sobald die Saison beginnt, zaubert Thomas Westhoff-Düppmann in der Küche Desserts und andere Feinheiten aus den im Garten hinter dem Hof selbst angebauten Früchten.


Der Landgasthof selbst hat eine lange Tradition. Das Haus ist rund 300 Jahre alt und seit jeher in der Hand der Ahnen Westhoff-Düppmanns. In den Anfängen lag das Gebäude gegenüber einer Schmiede und diente als Aufenthaltsort für die Kutscher, während deren Pferde neu beschlagen wurden. Der damalige Besitzer war Bierbrauer und Bäcker. Einige Relikte dieser Zeit sind auch heute noch im Landgasthof Westhoff-Düppmann erhalten.

 

Text und Video: Julia Frings , Anika Reckeweg