Gastronomie-Betriebe mit Charme: Die Inhaber sind mit Leidenschaft am Werk, mögen gutes Essen und Geselligkeit.
Um die Geschichte hinter Restaurants und Kneipen zu erfahren, sind wir für Sie im Kreis Gütersloh unterwegs in Rheda-Wiedenbrück, Rietberg, Gütersloh, Verl, Harsewinkel und Herzebrock-Clarholz.


Gastfreundschaft in vierter Generation

 „Gastlichkeit im Grünen“: So lautet das Motto der Gaststätte Hesse in Rietberg-Varensell. Dass dieses Motto passt, macht sich schon bei der Anfahrt bemerkbar. Außerhalb des kleinen Dorfs Varensell gelegen, geht es vorbei an Feldern und Wiesen, um zu der Lokalität in der Schulstraße zu gelangen. Auch das Gasthaus selbst ist von Grün umgeben. Vor dem Haus thront ein mächtiger Kastanienbaum. Über hundert Jahre ist er bereits alt – die Kastanie wurde gepflanzt, als Familie Hesse die Gaststätte übernahm

Die Tradition der Gaststätte Hesse ist beim Betreten sofort spürbar. Der Schankraum ist rustikal und strahlt gleichzeitig großen Charme aus. Beim Eintritt durch die Schwingtüren fallen zunächst die vielen Schilder an den Wänden ins Auge – von Maggi, Biermarken, Irish Whiskey, ein Straßenschild des Champs-Élysées. Und etliche Lebensweisheiten. „Wer trinkt, hilft der Landwirtschaft.“

In der Gaststätte begrüßt Inhaber Konrad Hesse, von allen nur Conny genannt, die Gäste. Seine Großmutter Ida Frickenstein erbte das Anwesen von den Brüdern Wiehenpeter. Sie heiratete Heinrich Hesse, der 1919 auf seinen Namen eine Schankkonzession beantragte. Seit dem Sommer 1920 trägt die Gastwirtschaft den Namen Hesse.

Heinrich Hesse riss Anfang der 1920er-Jahre das alte Haus ab und errichtete die Gaststätte neu. „Der Charakter von damals ist aber heute noch vorhanden“, betont Conny Hesse. Im Jahr 1953 übernahm Konrad Hesse senior die Gaststätte. 1989 erbte Sohn Konrad junior das Lokal. Seitdem betreibt er es zusammen mit seiner Frau Ruth, die selbst von Haus aus Gastwirtin ist. Sie ist für die Küche zuständig, während er sich um Service und die Theke kümmert.

„Nach der Übernahme haben wir die Örtlichkeiten erweitert“, berichtet Conny Hesse. Mit dem Gesellschaftsraum, der Feierscheune und „Connys Biergarten“ entstand die Gaststätte, wie sie heute ihre Gäste willkommen heißt. Schränke und Türen im Schankraum, Truhen und Waagen auf den Gängen – „Vieles ist trotz Renovierungen noch so, wie es vor 100 Jahren war“, sagt Hesse.

Wenn auch coronabedingt in etwas abgeschwächter Form, feierte die Gaststätte im vergangenen Jahr ihr 100-jähriges Bestehen in der Generation Hesse. Mit Johannes Hesse, einem der vier Söhne, steht nun bereits die vierte Generation bereit, den Betrieb zu übernehmen. In Soest machte er seine Ausbildung zum Brauer und Mälzer. In Ulm hat er im vergangenen Jahr seinen Brau- und Malzmeister gemacht.

Die Gäste an der Schulstraße in Varensell können bereits in den Genuss des hauseigenen Biers von Johannes Hesse kommen. „Sommerwieß“ hat er die Sorte getauft. „Das Bier wird nach meinem eigenen Rezept hergestellt, gebraut wird es in meinem ehemaligen Ausbildungsbetrieb Brauhaus Zwiebel in Soest“, erläutert der Junior. Abgefüllt wird es nach sechs Wochen Reifezeit. „Das Sommerwieß ist naturtrüb und unfiltriert“, erklärt Johannes Hesse. Das Wieß ist eine alte Biersorte, aus der das heutige Kölsch hervorging.

Die Speisekarte in der Gaststätte Hesse zeichnet sich durch ihre gutbürgerliche Küche und ihre westfälischen Spezialitäten aus. Zu denen gehören Mehlpfannkuchen mit Apfelmus, Speckpfannkuchen oder Mettwurstpfannkuchen mit einem Blattsalat mit Sahnedressing, gebratene Blut- und Leberwurst mit Bratkartoffeln und Apfelmus, Bratkartoffeln mit Spiegeleiern oder eine Hausmacher Sülze mit Remouladensoße und Gewürzgurke, dazu Bratkartoffeln und eine Salatbeilage.

„Auch die Klassiker, wie Schnitzel, haben wir selbstverständlich im Angebot“, sagt Conny Hesse. Zudem gibt es weitere Grillgerichte wie Rumpsteaks oder einen Grillteller mit Steaks, Nürnberger Bratwürstchen und gebratenem Speck. Aber auch Suppen oder etwas für den kleinen Hunger finden sich auf der Speisekarte:

Gaststätte Hesse
Schulstraße 80, 33397 Rietberg
Telefon: 05244 2900
E-Mail: info@gaststaette-hesse.de
Internet: www.gaststaette-hesse.de

Öffnungszeiten: Montag und Donnerstag 15 bis 22 Uhr, Mittwoch 11 bis 13 und 15 bis 22 Uhr, Freitag 15 bis 24 Uhr, Samstag 10 bis 24 Uhr, Sonntag 10 bis 22 Uhr, Dienstag Ruhetag; Urlaub vom 6. bis 21. September

Text: Andi Kleinemeier, Fotos: Hubert Kemper


Wirtshaus mit Kultcharakter

Betritt man das Gasthaus 1643 an der Rathausstraße in Rietberg, wird einem sofort das Motto deutlich: „einfach besonders“. In dem großen Fachwerkhaus treffen quietschbunte Polstermöbel auf knorrige Dachbalken und ein großer, roter Kronleuchter auf rustikalen Wirtshauscharme.

Familie Strunz aus Delbrück hat das ehemalige Ackerbürgerhaus 2009 übernommen und es mit viel Liebe zum Detail zum Lifestyle-Wirtshaus umgestaltet. „Die Umbauphase dauerte ganze vier Jahre“, erklärt Fabian Kraienhorst. Der 26-Jährige ist Restaurantleiter des Gastronomiebetriebs.

Von der Bar aus lässt sich der große Gastraum überblicken, der sich auf zwei Etagen erstreckt. Obwohl der Grundriss des Hauses recht offen gestaltet ist, lassen sich einzelne Bereiche abteilen. In jedem davon gibt es ein eigenes Thema, das sich harmonisch in das Gesamtkonzept des 1643 einfindet. Ob die alte Rentmeisterkammer mit edlem Retrochic und original erhaltenem Deckenputz von 1643 oder der Fuchsbau mit Holzdekor – Gruppen von bis zu 30 Leuten finden in den einzelnen Räumen Platz.

Über den riesigen Gemälden zwischen den Fenstern sind in die Dachbalken des Saals die Namen der Inhaber eingeschnitzt worden. „Klaus und Victoria Strunz“ steht dort in großen Lettern. Ein Pendant zu den ehemaligen Besitzern des Hauses, die ebenfalls in Holz verewigt sind.

Die Büste von Rentmeister Kahle am Treppenaufgang im ersten Raum erinnert an die Zeit, in der das Haus errichtet wurde. Das damals hochherrschaftliche Haus hatte außer dem Rentmeister viele weitere Besitzer. In den 1950er-Jahren übernahm Konrad Koch das Haus. Er baute es um zu einer Gastwirtschaft. Gleichzeitig verkaufte er dort Lebensmittel und betrieb eine Schlacht- und Wursterei. Die zweite Büste am Treppenaufgang ziert sein Gesicht.

Die Zielgruppe des 1643 ist nicht klar definiert, erklärt der Gastronom: „Hier trifft die ältere auf die jüngere Generation. Familien treffen auf Vereine, sowie Junggesellenabschiede auf Hochzeitsfeiern – das Spektrum ist breit gefächert.“ Der Blick in die Speisekarte verrät das Geheimnis, wie man es schafft, derart viele Geschmäcker zu treffen: Burger, Pizza, Hausmannskost, asiatische Speisen – von deftig bis edel, alles ist dabei.

Doch ist es nicht unmöglich, eine derart vielfältige Karte auf hohem Niveau umzusetzen? „Nein, ganz und gar nicht“, beteuert Anan Narat. Der 30-jährige Küchenchef ist der Kopf des sechsköpfigen Kochteams und kulinarischer Tausendsassa des Hauses. Seit 2019 steht er am Herd in der rot gefliesten Küche. Zuvor hat der gelernte Koch in rund 16 Ländern die Kelle geschwungen. Das färbt auf die Karte ab. „Das Rezept unseres Cheesecakes habe ich beispielsweise aus New York mitgebracht“, erinnert er sich.

In Ecuador lernte er schmackhafte Steaks und feurige Salsa zuzubereiten. Ideengeber für seine asiatischen Gerichte sei ganz klar seine Großmutter, sagt Narat. Doch sein Herz schlägt besonders für die traditionelle deutsche Küche: „Mir gefällt es, Gerichte wie Rouladen neu zu interpretieren.“

Pizzen wie beim Edelitaliener, die gibt es ebenfalls im 1643. Damit es klappt, den Teig gekonnt durch die Luft zu wirbeln, haben die Mitarbeiter die Kunst von einem ehemaligen Europameister im Pizzabacken gelernt. Pascal Szczeniak weiß, warum der „Teigwurf“ kein Humbug ist: „Dabei wird der Teig in der Mitte schön dünn und der Rand gleichmäßig rund.“ Unbeobachtet bleibt seine kulinarische Showeinlage nicht. Durch eine orangefarbene Plexiglasscheibe können Gäste vom Restaurant aus einen Blick in die Küche erhaschen.

1643 – Lifestyle-Wirtshaus
Rathausstraße 35, 33397 Rietberg
Telefon: 05244 9759397
E-Mail: info@1643-rietberg.de
Internet: www.1643-rietberg.de

Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag ab 17 Uhr, Sonn- und Feiertage ab 11.30 Uhr;
Küche: Dienstag bis Samstag 17.30 Uhr bis 21.30 Uhr, Sonn- und Feiertage 12 bis 14 Uhr und 17 bis 21 Uhr

Text: Jana Sobolewski, Fotos: Hubert Kemper


Wandel vom Imbiss zur gehobenen Küche

In den 1980er-Jahren war der Pommes-Automat der kulinarische Höhepunkt für die Gäste, heute erwartet sie im Gasthaus Eichenhof am Feldmarksee in Sassenberg gehobenere Küche.

Desserts? Die sucht man auf der Karte vom Gasthaus Eichenhof am Feldmarksee in Sassenberg vergeblich. „Von unseren Gerichten wird man mehr als satt“, erklärt Inhaber Paul Schulze Westhoff. „Wir hatten mal Desserts auf der Karte, die wurden aber kaum bestellt. Viele haben mir gesagt, sie würden gerne noch eins essen, aber sie seien einfach schon satt.“ Der 57-Jährige lacht. Nicht ohne Stolz darf er behaupten, aus dem ehemaligen Imbiss mit Pommes-Automaten und der mehr als 350 Jahre alten Hofstelle ein Restaurant mit gehobener Küche geschaffen zu haben.

Betritt man das Gasthaus, fällt zur linken Seite, noch vor der Theke, eine gemütliche Sitzecke ins Auge – der Lieblingsplatz von Schulze Westhoff. An den Wänden hängen alte Bilder, einige in Schwarz-Weiß. Vorm Kopfende des Tisches hängt ein großes Porträt. Es zeigt Josef Ostlinning, Schulze Westhoffs Großvater, der einst den Hof betrieben hat. Etwa 60 Gäste finden im Gasthaus Platz, auf der Terrasse gibt es ebenso viele Sitzplätze.  Für Veranstaltungen gibt es direkt gegenüber in der alten Scheune einen kleinen Raum, der für 40 bis 50 Personen ausgelegt ist.

Wofür der Eichenhof kulinarisch vor allem steht, ist Fisch. „Wir haben schon einige Gäste zum Fisch gebracht, die vorher davon überzeugt waren, ihn nicht zu mögen“, sagt Schulze Westhoff und lacht. Wirklich verwunderlich ist das beim Blick auf die Speisekarte nicht. Vom Forellenfilet „Feldmark“ über eine westfälische Variante mit Speckwürfeln bis hin zu Zanderfilet, Lachs und Scholle reicht das Angebot. Für große Fischliebhaber gibt es die exotische Fischplatte mit „erlesenen Köstlichkeiten aus dem Ozean und frischen tropischen Früchten“ – für ein bisschen Urlaub vor der Haustür sozusagen mit Ananas, Kiwi und Feige als Garnitur.

In der Küche sind Tatyana Daschitscaja und Elena Pospeyeva in ihrem Element. Sie bereiten jede Bestellung frisch zu, nur die kleinen Salatteller haben sie in Grundzügen vorbereitet, damit diese zügig rausgehen können. Auch die Soßen sind selbst gemacht – aus dem Eimer kommt hier nichts, betont ihr Chef. Die Produkte, die zum Einsatz kommen, stammen zum Großteil aus der Region. Das gilt für das Fleisch, das ein Fleischer aus Sassenberg liefert, aber auch für das Gemüse. „Der Fisch kommt allerdings nicht aus dem Feldmarksee“, scherzt Schulze Westhoff, „dann könnten wir nicht so regelmäßig und vor allem nicht die Vielfalt anbieten, die wir auf der Karte stehen haben.“ Stattdessen bezieht er ihn von einem Großhändler aus Bremerhaven.

Dass zu einem Campingplatz ein Restaurant mit gehobenerer Küche gehört, würden die meisten Besucher nicht erwarten, sagt Schulze Westhoff. In der Weinlaube auf der Terrasse genießen er und seine Frau derweil mit Söhnchen Paul eine Auswahl von der Karte. Nikolina Banjac isst besonders gerne den Salat. „Das Dressing schmeckt super, es ist mit Honig und Senf zubereitet und verleiht dem Salat ein tolles Aroma“, erklärt sie. Vom zarten Hähnchenfilet im Knuspermantel bekommt auch Paul ein paar kleine Stücke ab. Freudig schlägt der Einjährige mit den Händen auf den Tisch – es scheint nicht nur seinen Eltern, sondern auch ihm gut zu schmecken.

Eichenhof am Feldmarksee
Feldmark 3, 48336 Sassenberg
Telefon: 02583 3307
E-Mail: info@gasthaus-eichenhof.de
Internet: www.gasthaus-eichenhof.de
Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag ab 17 Uhr, Sonntag 11.30 bis 14 Uhr und ab 17 Uhr

Text: Kirstin Oelgemöller, Fotos: Andreas Poschmann


Wirtshaus im Schatten von St. Anna

Mitten in Verl im Schatten der St.-Anna-Kirche betreiben Sascha Großeschallau und Hannes Erichlandwehr den Bürmanns Hof. Leidenschaft prägt ihre Arbeit.

Wer den Bürmanns Hof in Verl betritt, der hat mit dem Schritt über die Schwelle das Gefühl, eine Reise zurückgelegt zu haben. Denn der Gastronomiebetrieb hat einen ganz besonderen Charme, der für die Region eher untypisch ist.
„Wir bezeichnen uns als Wirtshaus“, erklärt Sascha Großeschallau. Die Decken und Wände sind von Holz und Fachwerk geprägt, die Theke ist mitten im Gastraum angesiedelt und die gestreifte Polsterung der Stühle und Bänke hat historisch anmutenden Charme. Gemeinsam mit Johannes „Hannes“ Erichlandwehr betreibt Großeschallau seit fünfeinhalb Jahren den Bürmanns Hof.

„Durch den Charakter des Gebäudes, aber auch die Art und Weise, wie wir Gastronomie betreiben, passt der Begriff gut“, führt der 35-Jährige aus. Mittagstisch und Abendessen mit einer vielfältigen, zugleich bodenständigen Karte, sowie Frühschoppen gibt es im Bürmanns Hof. Die beiden Männer wollen „Leben in der Bude haben“ und jeden ansprechen.
Vom Geschäftsmann bis zur Familie mit kleinen Kindern und dem Stammtisch der Fußballer oder Handballer aus der Stadt. „Alle sollen sich bei uns wohlfühlen“, sagt der Bornholter. Das gilt auch für die Kegelgruppe und die Knobler sowie den Stammtisch der Alteingesessenen.

Der historische Hof Bürmann zählt zu den ältesten Bauernhöfen in der Stadt. „Gebaut wurde das ursprüngliche Haus vor etwa 1000 Jahren“, sagt Erichlandwehr. Ganz so alt ist das heutige Zweiständergebäude nicht. Das stammt aus dem Jahr 1698.

Ein besonderer Hingucker im Bürmanns Hof sind die historischen Fliesen, die auf dem Fußboden seitlich der Theke zu sehen sind. Der dunkelgraue, Belag hebt sich nicht nur farblich ab. Zahlreiche Splitter sind dort verarbeitet.
„Das ist der Originalfußboden“, erklärt Erichlandwehr. Regelmäßig kommen Stadtführer mit Gruppen vorbei, um den denkmalgeschützten Tennenboden zu zeigen.

Erst um 1985 entwickelte sich das alte Bauernhaus zum Gastronomiebetrieb. Zunächst bot Bernhard Büdel seinen Gästen etwa ein Jahrzehnt lang Sterneküche. Anschließend wechselten die Pächter laut Erichlandwehr mehrfach. Viele setzten auf gehobene Küche. Als 2014 ein neuer Betreiber gesucht wurde, überredete Erichlandwehr seinen jüngeren Kollegen, das Projekt gemeinsam anzugehen und kulinarisch einen anderen Schwerpunkt als die Vorgänger zu setzen.

Bis zu 85 Gäste finden in dem Wirtshaus gut Platz. Wird es etwas gemütlicher, sprich enger, kommen bis zu 110 Personen unter. Gesellschaften können die Räumlichkeiten zwar mieten, es gibt jedoch eine Einschränkung: „Der Thekenbereich bleibt immer frei“, betont Erichlandwehr. „Das gilt auch für den ersten Tisch direkt rechts neben der Tür. Dort sitzen unsere Stammgäste. Die haben immer ihren Platz bei uns.“

Der 62-Jährige fühlt sich hinter der Theke am wohlsten. „Vormittags und abends, spätestens ab 22 Uhr, ist hier mein fester Platz“, sagt er. Seit 33 Jahren ist er in der Gastronomie aktiv, bewirtete zunächst 10 Jahre lang in Verl-Kaunitz die Fürstenstube, im Anschluss 18 Jahre lang den Lindenkrug in Verl.

Die Theke selbst ist ein weiterer Hingucker in dem Wirtshaus. Oben ist sie mit blau-weißen Fliesen umgeben. Jagdmotive zieren diese. Vom Rehbock bis zum Jäger selbst. Davor stehen einige alte Kaffeemühlen. „Irgendwann meinte mal jemand, dass er eine übrig habe und die dort gut hinpasse. Ich habe gesagt: ,Bring einfach mal mit.‘ Und so wurden es mit der Zeit immer mehr“, erinnert sich der Gastronom.

Die Karte der Gaststätte ist geprägt von traditionellen Speisen. Von Salaten über Bratkartoffeln mit Spiegelei –
in Kombination mit Schnitzel als Schlemmerkrüstchen serviert – bis hin zu einer Auswahl verschiedener Schnitzel, Steaks und ostwestfälischem Bruzzelfleisch ist alles dabei. „Es gibt bei uns aber auch Currywurst und Bratwurst, hier soll sich schließlich jeder wohlfühlen“, hebt Erichlandwehr erneut hervor. Für Gesellschaften werde auf Wunsch auch etwas anderes zubereitet, beispielsweise Braten und Rouladen.

Bürmanns Hof
Kirchplatz 5, 33415 Verl
Telefon: 05246 3447
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag ab 11 Uhr, Samstag und Sonntag ab 10 Uhr, Küche durchgehend ab 12 Uhr,
Montag Ruhetag; Betriebsferien vom 25. bis 31. Mai

Text: Kirstin Oelgemöller, Fotos: Hubert Kemper, privat (1)



Wildshop mit Selbstgejagtem

Das Wild ist im Landhaus Wimmelbücker in Rietberg-Druffel schon lange ein wichtiges Standbein. Inhaber Heiner Torweihen jagt selbst seit 40 Jahren in seinem Revier. Besonders beliebt ist das jährliche Wildbüfett.

Als Ende vergangenen Jahres abzusehen war, dass auch im Januar oder Februar ein verkürztes Büfett nicht machbar sein würde, mussten die Inhaber sich nach einer Alternative umsehen. „Da seit November Stillstand herrschte, waren die Wildbestände hoch“, sagt Torweihen. Denn neben dem Wild aus der eigenen Jagd erhält er auch von befreundeten Jägern unter anderem Hirsche und Rehe. So entstand Anfang des Jahres die Idee, einen eigenen Wildshop aufzubauen.

Dort bietet der Gastronom außer hausgemachter Wildsalami und geräuchertem Hirschschinken weitere Wurstspezialitäten sowie in Gläser eingekochte Gerichte an. Zum Beispiel Rehgulasch und herzhaften Wildschweinbraten in Wildpreiselbeersoße. Die Gerichte müssen lediglich 15 bis 20 Minuten in heißes Wasser gestellt werden und sind dann servierfertig. Passend zur sommerlichen Grillsaison haben die Inhaber Heiner (67) und Rita (66) Torweihen auch Grillfleisch ins Sortiment aufgenommen. Unter anderem Grillsteaks vom Rehrücken und Spieße mit Hirsch-, Wildschwein- und Hasenrücken.

„Der Wildshop läuft sehr gut“, sagt Heiner Torweihen. Vor allem die Stammkunden des Wildbüfetts hätten das Angebot erfreut angenommen. Da sich der Shop bereits als feste Größe etabliert hat, haben sich die Inhaber dazu entschlossen, ihn weiterlaufen zu lassen. „Auch wenn der normale Restaurantbetrieb wieder losgeht, können die Kunden das Wild aus dem Shop weiter kaufen“, sagt Torweihen.

Landhaus Wimmelbücker – Wild-Shop
Druffeler Str. 115, 33397 Rietberg-Druffel
Telefon: 05244 2523
E-Mail: info@wimmelbuecker.de
Internet: www.wimmelbuecker.de



Hier sind Sportler und Promis zu Hause

„Freitagnachmittag um 14 Uhr haben wir erfahren, dass der Bundesligist VfL Wolfsburg nur drei Stunden später anreisen würde, um sich bei uns auf das Relegations-Rückspiel bei Eintracht Braunschweig vorzubereiten“, erinnert sich Sabrina Stratmann an ein ereignisreiches Wochenende im Mai 2017. „Das kam völlig überraschend.“ Drei Stunden Vorbereitungszeit für den Wolfsburger Tross ist auch für das Sporthotel, in dem regelmäßig Bundesliga- und Nationalmannschaften Quartier beziehen, eine Herausforderung. Normalerweise melden sich die Fußballer lange im Voraus für ihre Trainingslager an. „Aber damit muss man umgehen können“, sagt die Marketingexpertin der Hotel-Residence Klosterpforte in Marienfeld. Schließlich zeichne das ein Vier-Sterne-Haus aus.

Die Lage der Hotel-Residence, die sich mit 20 Häusern über 180 000 Quadratmetern erstreckt, das Angebot an Sportmöglichkeiten und Wellnesscenter, die Vielfalt der Küche sowie besondere Veranstaltungen haben das Haus weit über die Grenzen Ostwestfalens hinaus bekannt gemacht. „Im Gästebuch finden sich immer wieder prominente Unterschriften von Stars wie Helene Fischer, Wladimir Klitschko und Tamme Hanken“, sagt Stratmann.

Der Grundstein für die komplexe Hotelanlage wurde vor 65 Jahren gelegt. Am 10. April 1953 hat die Familie von Anneliese Austermann die Klosterpforte ersteigert und dort noch am selben Tag eine Gaststätte eröffnet. 1954 heiratete Anneliese Austermann Reinhold Frie senior, der in den Gastronomiebetrieb mit einstieg. In den nächsten Jahrzehnten wurde das Gasthaus Stammlokal von zahlreichen Schützen- und Sportvereinen. „Die Gemütlichkeit in der Klosterpforte, die Herzlichkeit der Wirtsleute und das gutbürgerliche Essen sprachen sich schnell in der Region herum“, heißt es in der Chronik des Hauses. Heute ist Sohn Reinhold Frie mit seiner Frau Barbara Eigentümer. Die dritte Generation wirkt ebenfalls in der Hotel-Residence mit: Seit 2014 ist die älteste Tochter Carina mit ihrem Ehemann Christopher Schemmink in der  Geschäftsleitung vertreten.

Das Hotel liegt direkt vor den Toren des mehr als 800 Jahre alten Klosters Marienfeld. Der Weg dorthin führt durch ein großes Steintor im Eingangsbereich; der Torbogen wird derzeit renoviert. Von dort ging es einst ins Gasthaus. Die ehemalige Klosterpforte hat dem Hotel auch seinen Namen gegeben. Neben der Klosterkirche, die heute als Pfarrkirche genutzt wird, entstand im 19. Jahrhundert das Abteigebäude, das Reinhold Frie im Dezember 2007 erworben hat. Das unter Denkmalschutz stehende Haus mit einer Fläche von mehr als 400 Quadratmetern ist von Grund auf renoviert worden. Es beherbergt heute nicht nur einen urigen Klosterkeller samt eigener Hausbrauerei, sondern auch eine Kochschule für Hobbyköche.

In den historischen Räumen mit hohen Decken und Wandmalerei finden außerdem oft Tagungen und Seminare ebenso wie Familienfeste statt. Ein Biergarten gehört ebenfalls zur Alten Abtei. Auf dem weitläufigen Gelände laden großzügige Parks und Gärten mit jahrhundertealtem Baumbestand zum Spazierengehen und Entspannen ein. Zu entdecken gibt es genug. Seit 2009 liegt inmitten des Klosterhofs das Kloster-Café, das mit frisch gebackenem Kuchen der Marienfelder Landfrauen, Tee- und Kaffeespezialitäten lockt.

Was 1953 als kleine Gaststätte mit zunächst drei, später zehn Zimmern begann – die Reinhold Frie zufolge „immer mal wieder spontan vermietet wurden“ – ist im Jahr 2018 zu einem Hotelkomplex mit 250 Betten in 153 Zimmern und 6 Suiten, verteilt auf Landhaus, Abteigebäude und Sporthotel, einem Wellness-Bereich mit Sauna, Massage, Dampfbad, Pool sowie Schwimmteich, einer Fitnessscheune, zwei Restaurants, fünf Sälen, 13 Tagungsräumen, einem Eventhaus und einer Fischerhütte herangewachsen. Sogar standesamtlich heiraten kann man in der Klosterpforte.

Am Erfolg des Unternehmens haben Reinhold Frie und sein Vater Reinhold Frie senior kontinuierlich gearbeitet. „Unsere ganze Familie hat sich durch und durch der Gastronomie verschrieben“, sagt Reinhold Frie. Auch seine Tochter Carina Schemmink hat sich mit Leib und Seele der Klosterpforte verschrieben. „Es ist wichtig, dass sich ein Hotel immer weiterentwickelt, den Gästen Neues bietet. Man darf im Wandel der Zeit nicht stecken bleiben. Gleichwohl ist es ebenso bedeutsam, neben aller Moderne auch die Tradition zu wahren. Modernster Komfort in einer historischen Umgebung machen den unverwechselbaren Charme und Charakter der Klosterpforte aus“, betont die Hotelmanagerin.

Das Klosterstübchen ist eines von zwei Restaurants mit regionaler und nationaler Küche mit westfälischem Akzent. Das Restaurant im Haupthaus bietet Platz für etwa 50 Gäste. Dass Tradition und Moderne auch in der Küche kein Widerspruch sein müssen, zeigt ein Blick auf die Speisekarte. In der Klosterpforte spielen nicht nur traditionelle Rezepte eine Rolle – kulinarische Trends spiegeln sich durchaus in den Speisekarten wider. Wer im Klosterstübchen essen geht, findet ein vielfältiges Angebot an Gerichten – nicht nur aus der „gehobenen Küche“. Je nach Jahreszeit gibt es westfälische Klassiker wie Rinderkraftsuppe, Grünkohl und Mettendchen und Spargel. Wer es etwas ausgefallener mag, kann das „Gebratene Kikok-Hähnchen mit einer Langpfeffer Jus an wildem Brokkoli, Sesam und einem Kartoffel-Walnusspüree“ probieren. Auch vegetarische Speisen wie „Steinpilzravioli in einem fruchtigen Tomatensugo“ fehlen in der anspruchsvollen Küche nicht – einer Küche, bei der sich weder Regionalität und Internationalität noch Tradition und Moderne ausschließen.

Klosterpforte GmbH
Klosterhof 2-3, 33428 Harsewinkel-Marienfeld
Tel.: 05247 708-0
E-Mail: post@klosterpforte.de
Internet: www.klosterpforte.de

Text: Anja Tenbrock, Bilder: Hubert Kemper


Wo Otto Rehhagel an der Theke stand

Vor 1827 startete Familie Kampwirth in Verl mit einer Dorfkneipe, heute ist darauf ein modernes Hotel-Restaurant geworden. Und aus den vergangenen 1900 Jahren gibt es viel zu berichten. Die Geschichte der Wirtsfamilie geht in eine Zeit zurück, in der auf staubigen Wegen ausschließlich Pferdefuhrwerke samt ihrer Kutsche durch die Bauerschaften rumpelten. 

1905, also 78 Jahre nach dem Ankauf des heute auf dem rückwärtigen Areal befindlichen Kottens, entstand direkt an der Straße ein für damalige Verhältnisse stattliches Haus, das mit seinen Gauben und Giebeln bis heute ein Hingucker ist.

Das Gastronom-Ehepaar Sonja und Richard Kampwirth, das das Haus mittlerweile in sechster Generation führt, bewahrt diese Tradition, verschließt sich aber auch dem Modernen nicht. Das Gebäude-Innere wird daher im Neun-Jahres-Rhythmus renoviert und auch in Sachen Inneneinrichtung dem aktuellen Zeitgeist angepasst.

Eines der großen Erfolgsrezepte des Hauses steht höchst persönlich in der Küche am Herd: Als gelernter Koch überlasst Richard Kampwirth im Reich der Töpfe und Pfannen nichts dem Zufall. Alle Speisen, egal ob für den Restaurantbetrieb oder den Catering-Service außer Haus, wirden so frisch wie möglich zubereitet. Die wechselnde Speisekarte umfasst stets 25 bis 30 Gerichte.

Doch nicht nur für seine gute Küche ist das Restaurant beliebt. Seit Jahrzehnten ist der Schankbetrieb auch das Vereinslokal des wenige hundert Meter Luftlinie entfernten SC Verl. Mitte der 1970er- und 80er-Jahre war er sogar der inoffizielle Mittelpunkt des Vereinslebens des heutigen Fußball-Regionalligisten.  Im Anschluss an ihre Spiele trafen sich Spieler, Trainer, Fans, Offizielle und Sponsoren wie selbstverständlich in dem Lokal an der umbenannten Hauptstraße. Und im Sog der Ballartisten kehrten in diesen bis heute legendären Jahren auch Prominente wie Otto Rehhagel, Kalli Feldkamp oder Andi Möller in die Gaststätte ein.

Adresse & Öffnungszeiten:
Hotel und Restaurant Kampwirth
Hauptstr. 10, 33415 Verl
Telefon 05246 / 3508
E-Mail: info@kampwirth.de
Internet: www.kampwirth.de
Öffnungszeiten:
Täglich ab 17:00 Uhr
Montags ist Ruhetag

Text: Jens Dünhölter