Gastronomie-Betriebe mit Charme: Die Inhaber sind mit Leidenschaft am Werk, mögen gutes Essen und Geselligkeit.
Um die Geschichte hinter Restaurants und Kneipen zu erfahren, sind wir für Sie im Kreis Gütersloh unterwegs in Rheda-Wiedenbrück, Rietberg, Gütersloh, Verl, Harsewinkel und Herzebrock-Clarholz.


Hier sind Sportler und Promis zu Hause

„Freitagnachmittag um 14 Uhr haben wir erfahren, dass der Bundesligist VfL Wolfsburg nur drei Stunden später anreisen würde, um sich bei uns auf das Relegations-Rückspiel bei Eintracht Braunschweig vorzubereiten“, erinnert sich Sabrina Stratmann an ein ereignisreiches Wochenende im Mai 2017. „Das kam völlig überraschend.“ Drei Stunden Vorbereitungszeit für den Wolfsburger Tross ist auch für das Sporthotel, in dem regelmäßig Bundesliga- und Nationalmannschaften Quartier beziehen, eine Herausforderung. Normalerweise melden sich die Fußballer lange im Voraus für ihre Trainingslager an. „Aber damit muss man umgehen können“, sagt die Marketingexpertin der Hotel-Residence Klosterpforte in Marienfeld. Schließlich zeichne das ein Vier-Sterne-Haus aus.

Die Lage der Hotel-Residence, die sich mit 20 Häusern über 180 000 Quadratmetern erstreckt, das Angebot an Sportmöglichkeiten und Wellnesscenter, die Vielfalt der Küche sowie besondere Veranstaltungen haben das Haus weit über die Grenzen Ostwestfalens hinaus bekannt gemacht. „Im Gästebuch finden sich immer wieder prominente Unterschriften von Stars wie Helene Fischer, Wladimir Klitschko und Tamme Hanken“, sagt Stratmann.

Der Grundstein für die komplexe Hotelanlage wurde vor 65 Jahren gelegt. Am 10. April 1953 hat die Familie von Anneliese Austermann die Klosterpforte ersteigert und dort noch am selben Tag eine Gaststätte eröffnet. 1954 heiratete Anneliese Austermann Reinhold Frie senior, der in den Gastronomiebetrieb mit einstieg. In den nächsten Jahrzehnten wurde das Gasthaus Stammlokal von zahlreichen Schützen- und Sportvereinen. „Die Gemütlichkeit in der Klosterpforte, die Herzlichkeit der Wirtsleute und das gutbürgerliche Essen sprachen sich schnell in der Region herum“, heißt es in der Chronik des Hauses. Heute ist Sohn Reinhold Frie mit seiner Frau Barbara Eigentümer. Die dritte Generation wirkt ebenfalls in der Hotel-Residence mit: Seit 2014 ist die älteste Tochter Carina mit ihrem Ehemann Christopher Schemmink in der  Geschäftsleitung vertreten.

Das Hotel liegt direkt vor den Toren des mehr als 800 Jahre alten Klosters Marienfeld. Der Weg dorthin führt durch ein großes Steintor im Eingangsbereich; der Torbogen wird derzeit renoviert. Von dort ging es einst ins Gasthaus. Die ehemalige Klosterpforte hat dem Hotel auch seinen Namen gegeben. Neben der Klosterkirche, die heute als Pfarrkirche genutzt wird, entstand im 19. Jahrhundert das Abteigebäude, das Reinhold Frie im Dezember 2007 erworben hat. Das unter Denkmalschutz stehende Haus mit einer Fläche von mehr als 400 Quadratmetern ist von Grund auf renoviert worden. Es beherbergt heute nicht nur einen urigen Klosterkeller samt eigener Hausbrauerei, sondern auch eine Kochschule für Hobbyköche.

In den historischen Räumen mit hohen Decken und Wandmalerei finden außerdem oft Tagungen und Seminare ebenso wie Familienfeste statt. Ein Biergarten gehört ebenfalls zur Alten Abtei. Auf dem weitläufigen Gelände laden großzügige Parks und Gärten mit jahrhundertealtem Baumbestand zum Spazierengehen und Entspannen ein. Zu entdecken gibt es genug. Seit 2009 liegt inmitten des Klosterhofs das Kloster-Café, das mit frisch gebackenem Kuchen der Marienfelder Landfrauen, Tee- und Kaffeespezialitäten lockt.

Was 1953 als kleine Gaststätte mit zunächst drei, später zehn Zimmern begann – die Reinhold Frie zufolge „immer mal wieder spontan vermietet wurden“ – ist im Jahr 2018 zu einem Hotelkomplex mit 250 Betten in 153 Zimmern und 6 Suiten, verteilt auf Landhaus, Abteigebäude und Sporthotel, einem Wellness-Bereich mit Sauna, Massage, Dampfbad, Pool sowie Schwimmteich, einer Fitnessscheune, zwei Restaurants, fünf Sälen, 13 Tagungsräumen, einem Eventhaus und einer Fischerhütte herangewachsen. Sogar standesamtlich heiraten kann man in der Klosterpforte.

Am Erfolg des Unternehmens haben Reinhold Frie und sein Vater Reinhold Frie senior kontinuierlich gearbeitet. „Unsere ganze Familie hat sich durch und durch der Gastronomie verschrieben“, sagt Reinhold Frie. Auch seine Tochter Carina Schemmink hat sich mit Leib und Seele der Klosterpforte verschrieben. „Es ist wichtig, dass sich ein Hotel immer weiterentwickelt, den Gästen Neues bietet. Man darf im Wandel der Zeit nicht stecken bleiben. Gleichwohl ist es ebenso bedeutsam, neben aller Moderne auch die Tradition zu wahren. Modernster Komfort in einer historischen Umgebung machen den unverwechselbaren Charme und Charakter der Klosterpforte aus“, betont die Hotelmanagerin.

Das Klosterstübchen ist eines von zwei Restaurants mit regionaler und nationaler Küche mit westfälischem Akzent. Das Restaurant im Haupthaus bietet Platz für etwa 50 Gäste. Dass Tradition und Moderne auch in der Küche kein Widerspruch sein müssen, zeigt ein Blick auf die Speisekarte. In der Klosterpforte spielen nicht nur traditionelle Rezepte eine Rolle – kulinarische Trends spiegeln sich durchaus in den Speisekarten wider. Wer im Klosterstübchen essen geht, findet ein vielfältiges Angebot an Gerichten – nicht nur aus der „gehobenen Küche“. Je nach Jahreszeit gibt es westfälische Klassiker wie Rinderkraftsuppe, Grünkohl und Mettendchen und Spargel. Wer es etwas ausgefallener mag, kann das „Gebratene Kikok-Hähnchen mit einer Langpfeffer Jus an wildem Brokkoli, Sesam und einem Kartoffel-Walnusspüree“ probieren. Auch vegetarische Speisen wie „Steinpilzravioli in einem fruchtigen Tomatensugo“ fehlen in der anspruchsvollen Küche nicht – einer Küche, bei der sich weder Regionalität und Internationalität noch Tradition und Moderne ausschließen.

Text: Anja Tenbrock, Bilder: Hubert Kemper


Wo Otto Rehhagel an der Theke stand

Vor 1827 startete Familie Kampwirth in Verl mit einer Dorfkneipe, heute ist darauf ein modernes Hotel-Restaurant geworden. Und aus den vergangenen 1900 Jahren gibt es viel zu berichten. Die Geschichte der Wirtsfamilie geht in eine Zeit zurück, in der auf staubigen Wegen ausschließlich Pferdefuhrwerke samt ihrer Kutsche durch die Bauerschaften rumpelten. 

1905, also 78 Jahre nach dem Ankauf des heute auf dem rückwärtigen Areal befindlichen Kottens, entstand direkt an der Straße ein für damalige Verhältnisse stattliches Haus, das mit seinen Gauben und Giebeln bis heute ein Hingucker ist.

Das Gastronom-Ehepaar Sonja und Richard Kampwirth, das das Haus mittlerweile in sechster Generation führt, bewahrt diese Tradition, verschließt sich aber auch dem Modernen nicht. Das Gebäude-Innere wird daher im Neun-Jahres-Rhythmus renoviert und auch in Sachen Inneneinrichtung dem aktuellen Zeitgeist angepasst.

Eines der großen Erfolgsrezepte des Hauses steht höchst persönlich in der Küche am Herd: Als gelernter Koch überlasst Richard Kampwirth im Reich der Töpfe und Pfannen nichts dem Zufall. Alle Speisen, egal ob für den Restaurantbetrieb oder den Catering-Service außer Haus, wirden so frisch wie möglich zubereitet. Die wechselnde Speisekarte umfasst stets 25 bis 30 Gerichte.

Doch nicht nur für seine gute Küche ist das Restaurant beliebt. Seit Jahrzehnten ist der Schankbetrieb auch das Vereinslokal des wenige hundert Meter Luftlinie entfernten SC Verl. Mitte der 1970er- und 80er-Jahre war er sogar der inoffizielle Mittelpunkt des Vereinslebens des heutigen Fußball-Regionalligisten.  Im Anschluss an ihre Spiele trafen sich Spieler, Trainer, Fans, Offizielle und Sponsoren wie selbstverständlich in dem Lokal an der umbenannten Hauptstraße. Und im Sog der Ballartisten kehrten in diesen bis heute legendären Jahren auch Prominente wie Otto Rehhagel, Kalli Feldkamp oder Andi Möller in die Gaststätte ein.

Adresse & Öffnungszeiten:
Hotel und Restaurant Kampwirth
Hauptstr. 10, 33415 Verl
Telefon 05246 / 3508
E-Mail: info@kampwirth.de
Internet: www.kampwirth.de
Öffnungszeiten:
Täglich ab 17:00 Uhr
Montags ist Ruhetag

Text: Jens Dünhölter


Beim Fuchs genießt Du ganz verstohlen

Winterzeit ist Grünkohlzeit. Rebecca Semmler freut sich darauf schon. Denn auch in der Fuchshöhle in Rheda-Wiedenbrück duftet es dann in der ganzen Küche wieder nach Kohl. Unser „hierzulande“-Einkehrtipp für ein gemütliches Essen während einer winterlichen Tour durch die Region.

Seit April 2010 wird die Traditionsgaststätte von Rebecca Semmler und Denis Fetting geführt. Seit dem Jahr 1686 ist die „Fuchshöhle“ in Wiedenbrück nahezu ununterbrochen als Gastwirtschaft, Konditorei, Café und Kneipe genutzt.

Den Namen verdankt das Haus dem ehemaligen Wirt und Bäcker Hermann Goldkuhle. Dessen rote Haare brachten ihm den Spitznamen „Fuchs“ ein,  seine Kneipe wurde folgerichtig die „Fuchshöhle“.

Dem Namen machen heute zwei ausgestopfte Füchse an der Wand alle Ehre, das Ambiente ist rustikal. Holzbalken, Kronleuchter, Ledersofa und Apothekerschrank halten Erinnerungen an vergangene Zeiten wach. Ähnlich wie die Atmosphäre ist auch die Speisekarte typisch westfälisch: herzhaft, klassisch und ohne die ganz großen  Experimente.

Es git Schnitzel mit frischen Pilzen, Bratkartoffeln oder Frikadellen als Klassiker und alles, was die Region hergibt. „Wir wollen schon frisch und mit Qualität kochen und achten bei den Zutaten darauf, dass wir es vom Markt oder vom Bauern bekommen“, sagt Semmler, die sich schon auf die Grünkohlsaison freut. „Das ist natürlich mit bei uns im Programm. Darum kommen wir nicht herum“, erklärt die 30-Jährige.

Eine Besonderheit in der Fuchshöhle: Lässt eine Bestellung mal etwas länger auf sich warten oder die Gäste haben noch einen Wunsch, können sie ganz einfach auf einen Schalter an der Wand drücken. Am Klingelkasten neben der Theke sieht die Bedienung dann, zu welchem Tisch sie muss.

Fetting ist zwar meist hinter der Theke und kümmert sich um die Gäste, gelernt hat der Wiedenbrücker aber den Beruf des Konditors. Das ganze Jahr backt der 40-Jährige Torten und Kuchen. Immer das, was saisonal gerade möglich ist. „Rebecca und ich haben uns die Küche und Backstube geteilt. Das wurde teilweise ganz schön eng“, erklärt Fetting, der in Rheda nun seine eigene, kleine Konditorei eröffnet hat. „Morgens sind wir dann in Rheda. Ab dem Nachmittag in Wiedenbrück“, ist das Paar stolz auf ihr zweites Standbein. „Man traut uns das zu“, freut sich Semmler.

Text: Benedikt Miketta; Bilder: Andreas Kirschner (1), Benedikt Miketta


Für die Heimat das "Adlon" verlassen

Rolf Ortmeyer steht gemeinsam mit seiner Frau Gerda und einem weiteren Koch höchstpersönlich in der Küche der historischen Gaststätte Restaurant „Zur Linde“ in Gütersloh-Isselhorst und kredenzt seinen Gästen feinste Speisen nach westfälischer Art. Gut zu kochen hat Ortmeyer gelernt: Er hat im Berliner Kempinski gelernt und lange Zeit im Adlon gearbeitet. „1978 bin ich dann zu meinen Eltern hierhergekommen und habe sie unterstützt“, erzählt der Küchenmeister, der die Gaststätte vor einigen Jahren von seiner Mutter Anneliese und seinem Vater übernommen hat.

Seit 1677 steht das Gebäude mit der heutigen Hausnummer fünf am Isselhorster Kirchplatz. Erstmals urkundlich erwähnt wird das Haus im Urbar der Grafschaft Ravensberg im Jahr 1556, in den Jahren 1675 bis 1677 sei das Haus vom damaligen Besitzer Hinrich Astroth jedoch neu gebaut worden, was die Zahl über der Eingangstür erklärt.

Hinter der Theke geht es zum Feuerwehrmuseum. „Früher war hier ein Lebensmittelladen“, berichtet Ortmeyer. „Den haben meine Eltern 1958 gebaut.“ Damals habe es noch alle Lebensmittel, wie Erbsen oder Linsen, lose gegeben. „Dann standen links die Frauen und kauften ein und rechts standen die Männer und tranken ihr Bier“, erzählt der 62-Jährige amüsiert. 1998 habe er den Laden an das Detmolder Museum verschenkt und das Feuerwehrmuseum eingerichtet. „Ich habe so viele Dinge, dass ich die gar nicht alle im Museum aufstellen kann, sondern einige Sachen im Keller lagern muss“, verrät Ortmeyer, der sein Leben lang leidenschaftlich bei der freiwilligen Feuerwehr Mitglied war.

Im Gebäude nebenan lagert eine weitere Besonderheit: das riesige Schnapsfass aus Eichenholz, das in einem alten Lagerraum neben dem Hauptgebäude zur Ausstellung steht. Das Außergewöhnliche daran: Das Fass aus Braunschweig umfasst 20 000 Liter Schnaps und ist laut Ortmeyer das größte Schnapsfass der Welt.

Bekannt ist die Isselhorster Gaststätte für ihre Bisonwochen. „Die Bisons kommen direkt aus dem benachbarten Ortsteil Niehorst, vom Hof Birkenharke“, erzählt Ortmeyer. „Das erste Bison, das ich hatte, war 800 Kilogramm schwer“, sagt er. Im Jahr verwerte er drei bis vier der stämmigen Tiere auf verschiedenste Art, als Steak, als Wurst, als Buletten. Auch die Spargelzeit sorgt für Rekordbesuche.

Text und Video: Anika Reckeweg