Gastronomie-Betriebe mit Charme: Die Inhaber sind mit Leidenschaft am Werk, mögen gutes Essen und Geselligkeit.
Um die Geschichte hinter Restaurants und Kneipen zu erfahren, sind wir für Sie im Kreis Gütersloh unterwegs in Rheda-Wiedenbrück, Rietberg, Gütersloh, Verl, Harsewinkel und Herzebrock-Clarholz.


Mit frischem Wind zurück zu den Wurzeln

Mit dem „Op de Limeke“ auf der Grenze zwischen Verl und Schloß Holte hat sich Stefan Kranz einen Traum erfüllt.
Er haucht der Gaststätte neues Leben ein.

Radfahrer, die im Umland von Verl unterwegs sind, stoßen früher oder später auf das „Op de Limeke“. Das Hofcafé und Restaurant hat seinen Platz in einem alten Bauernhaus, das seit 1500 an diesem Fleck zwischen Verl und Schloß Holte-Stukenbrock steht. Café, Restaurant, Biergarten – die Gastronomie ist vielseitig. Und Betreiber Stefan Kranz hat noch Großes damit vor.

Im November 2018 hat der Verler das „Op de Limeke“ eröffnet. „Seit 15 Jahren koche ich leidenschaftlich privat.
Beruflich habe ich da noch etwas ganz anderes gemacht, Lkw verkauft“, sagt Stefan Kranz und lacht. „Aber ein eigenes Restaurant zu eröffnen war schon länger mein Traum. Also habe ich mein Erspartes zusammengekratzt, um mir hier etwas aufzubauen“, sagt er. Vor ihm haben das schon andere versucht. Seit Ende der 1990er-Jahre haben inzwischen fünf Gastronomen das alte Bauernhaus bewirtschaftet.

Der 39-Jährige steht auf, geht von der Terrasse in das Fachwerkhaus. Er geht vorbei an massiven Holztischen und Stühlen, zeigt auf einen Billardtisch am Ende des großen Raums. „Unser Stolz“, sagt er und ergänzt: „Früher war es in Restaurants viel gängiger, dass dort ein grüner Tisch steht. Für mich gehört das irgendwie dazu.“

Das „Op de Limeke“ ist zwar „stark schnitzellastig“, wie Stefan Kranz es nennt, aber die Speisekarte gibt noch weit mehr her. Flammkuchen, Pizza, Salat mit selbst gemachten Falafelbällchen finden Gäste da. Ein bisschen querbeet sind die Gerichte zusammengestellt, das gibt Stefan Kranz selbst zu. Ausprobieren gehöre eben dazu, erklärt er. Immerhin müsse er herausfinden, was bei den Gästen ankomme. Und selbstverständlich müsse er auch hinter den Gerichten stehen können, Lust auf das haben, was er da zubereitet. So finden Gäste auf der Karte auch die Tagessuppe „nach Geschmack des Kochs“ – eine kulinarische Wundertüte. Bald soll Pasta den Weg auf die Karte finden. Denn: „Mein Steckenpferd ist die italienische Küche, mit frischen Gewürzen“, betont Kranz.

Der 39-Jährige schlendert vorbei an grünen Büschen zum Parkplatz des Restaurants. Der Kies knirscht unter seinen Schuhen. Dann erreicht Kranz eine Wiese mit einer großen, sandigen Fläche, über die straff ein grobmaschiges Netz gespannt ist. „Das gehört auch noch dazu. Hier können die Gäste Volleyball spielen“, sagt er. Auch eine Feuerstelle ist dort aufgebaut, die derzeit noch nicht gebraucht wird. Eine Wildblumenwiese wächst ungezähmt, „für Insekten“.

Ein weiterer Punkt, der das ‚Op de Limeke‘ ausmacht: die familiäre Atmosphäre. „Den rauen Ton, der in der Gastro oft herrscht, sucht man hier vergebens. Wir würden alle auch privat mal ein Bierchen miteinander trinken gehen“, sagt Restaurantleiter Markus Leuchtenberg. Einmal haben er und seine Kollegen ihrem Chef Kranz eine Küchenschürze geschenkt, auf der pinkfarben „Schnitzel Stefan“ steht. „Ihr Verrückten“, sagt der und lacht.

„Op de Limeke“
Stefan Kranz, Holter Straße 163, 33415 Verl
Telefon: 05246 933277
E-Mail: info@opdelimeke.de
Internet: www.opdelimeke.de
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag ab 17 Uhr, Samstag ab 13 Uhr und Sonntag ab 9.30 Uhr;
Montag und Dienstag Ruhetag

Text und Fotos: Simon Bussieweke


Der Charme vergangener Zeiten

Wenn es auch ein Zufall war, der Marlies und Willi Knobbe 1968 zu Gastronomen machte, ihrer Leidenschaft tat das keinen Abbruch. Bis heute: Die 75-jährige und der 80-jährige sind nach wie vor im heutigen „Landgasthof Hotel Altes Bauernhaus“ in Harsewinkel-Marienfeld präsent und helfen ihrem Sohn Arno, dem sie den Betrieb längst überschrieben haben, wo es nur geht. Marlies wisse nach wie vor über alles Bescheid, sagt Willi Knobbe mit einem Augenzwinkern. So kümmere sie sich um die Tischbelegungen im Restaurant „Altes Bauernhaus“, während er oft hinter der Theke stehe und zapfe. Für Arno Knobbe ist das eine willkommene Unterstützung. Denn seit 2014 gehört zu dem Betrieb noch ein Landhotel.

Das „Alte Bauernhaus“ beherbergt ein Speiserestaurant, in dem sich gesellige, aber auch romantische Stunden zu zweit verbringen lassen. Der Raum versprüht zugleich Kneipenatmosphäre, die vielerorts längst aus der Mode gekommen ist.
Die rustikal gestaltete Einrichtung besitzt den Charme westfälischer Gemütlichkeit: roter Samt- und Stoffbezug, teils gestreift, kleidet Stühle und Eckbänke aus dunklem Holz. Darüber hängen Lampenschirme, die warmes Licht verbreiten.

Eine schier endlos lange Theke zieht sich durch die Gaststube. Elf Barhocker bieten viel Platz für die Thekengäste, die sich entgegen dem allgemeinen Trend hier am Sonntag immer noch gern zum Frühschoppen treffen: „Die jungen Burschen aus der Umgebung schauen regelmäßig vorbei. Senioren, die zum Mittagessen kommen, wollen dann immer an den Tischen sitzen, die nur durch einen schmalen Gang vom Tresen getrennt sind. Sie wollen hören, was sich Neues im Dorf zugetragen hat“, erzählt Marlies Knobbe mit einem Schmunzeln. „Wenn keiner der jungen Leute da ist, müssen sie dort auch nicht unbedingt sitzen. Dann dürfen es andere Tische sein.“

Wer seinen Platz gefunden hat, lässt das Auge umherschweifen. Erinnerungen werden wach. Nicht nur wegen der alten Phoenix-Tischnähmaschine und dem antiken Herd aus einem vergangenen Jahrhundert gleich am Eingang zum Gasthaus, sondern nahezu alles, was auf Regalen und Balken steht und an Wänden im Restaurant, Kaminzimmer und in den Fluren hängt, hat unzählige Jahre, manchmal ein Jahrhundert hinter sich. Die Einrichtung des Gasthauses ist Marlies Knobbes ganzer Stolz: „Das habe ich alles selbst zusammengetragen. Gekauft auf Flohmärkten in der ganzen Republik“, berichtet sie. Besonders stolz ist sie auf ihre Kaffeemühlen-Sammlung. Rund 50 Exemplare stehen auf einem Regal bei der Theke. „Die älteste kommt aus Indien, meine Mutter hat sie mir geschenkt.“

Ganz anders sieht es nebenan im Landhotel „Altes Bauernhaus“ aus, das Familie Knobbe vor mehr als vier Jahren eröffnet hat. Ein Hingucker ist die großzügige lichtdurchflutete Eingangshalle, in der eine breite, geschwungene Treppe nach oben führt. Schmuckstück darunter ist ein schwarzer Flügel, über dem ein klassischer Kronleuchter thront. Das Frühstück wird in einem verglasten Saal serviert. Fototapeten mit Naturszenen und Bildern mit bunten Blumenmotiven an den Wänden verbreiten Ruhe. Konferenz- und Tagungsräume, ausgestattet mit modernster Technik, „locken viele Unternehmen an“, sagt Arno Knobbe. „Auch hier haben wir viele treue Stammgäste.“

Wenn auch Licht und helle Farben in dem modernen Gebäude in deutlichem Kontrast zum „Alten Bauernhaus“ stehen, von ihrer Maxime ist die Familie nicht abgewichen: Mit dem Hotel hat sie eine weitere Insel der Gastfreundschaft geschaffen.

Landgasthof Hotel „Altes Bauernhaus Möllenbrock“
Möllenbrocksweg 20-24, 33428 Marienfeld
Hotel-Telefon: 05247 988010
Restaurant-Telefon: 05247 98801400
E-Mail: rezeption@altesbauernhaus.info
Internet:www.altesbauernhaus.info
Öffnungszeiten: Montag Ruhetag, Dienstag bis Samstag ab 17 Uhr (Gruppenreservierung möglich), Sonntag ab 11 Uhr

Text: Anja Tenbrock, Fotos: Hubert Kemper


Kulinarischer Stilmix für Feinschmecker

Bis ins Jahr 1680 lassen sich die Ahnenreihen der Familie Poppenborg zurückverfolgen. Das Haus im Ortskern von Harsewinkel zählt zu den führenden Gaststätten in der Region.

Das Haus von Anne und Heinrich Poppenborg prägt den Ortskern von Harsewinkel im Kreis Gütersloh seit Jahrhunderten. „Seit dem 17. Jahrhundert ist die Familie in der kleinen, westfälischen Stadt ansässig. 1906 hat mein Großvater seine Schankgenehmigung erhalten“,  wie sein Enkel Heinrich Poppenborg erzählt. Mit Stolz zeigt der heutige Inhaber des Hotels und Restaurants auf das alte Dokument, das in einem Glasrahmen im Flur hängt – neben unzähligen weiteren schwarz-weiß Fotos, die die Familiengeschichte erzählen.

Doch der Gastronomiebetrieb ist dem 69-Jährigen zufolge noch älter: „1820 wurde anlässlich der ersten Kirmes in Harsewinkel im Münsterischen Intelligenzblatt annonciert, dass man im Haus Poppenborg gut essen kann.“ Und die Ahnenreihe der Familie lasse sich sogar bis ins Jahr 1680 zurückverfolgen. 1913 habe der Großvater das Haus vergrößert und einen Saal angebaut. Noch heute finden in dem bis zu 200 Personen fassenden Saal mit kleiner Bühne Veranstaltungen statt. Erste Übernachtungszimmer seien in den 1950er-Jahren über dem Saal entstanden. Inzwischen zählt das Hotel 18 Zimmer; zwölf Einzelzimmer und sechs Doppelzimmer.

Heinrich Poppenborg hat das Traditionshaus 1970 von seinen Eltern übernommen. Seit 1983 führt er es gemeinsam mit seiner Frau Anne. Der 69-Jährige hat das Gasthaus zu einem der führenden Restaurants in der Region gemacht. Auf der Internetseite des Hauses lassen sich Empfehlungen seiner Küche von Guide-Michelin, Aral-Schlemmeratlas, Varta-Restaurantführer und 3F „Der Feinschmecker“ nachlesen.

Das Talent, zu kochen, habe er von seiner Großmutter geerbt. „Sie war sehr begabt in der Küche. Mein Opa kam nicht aus der Gastronomie, sondern war Kutscher. Er hat schließlich seinen Beruf aufgegeben und ist mit in den Betrieb eingestiegen. Meine Mutter wiederum hat die Tradition fortgesetzt. Sie war ebenfalls gelernte Köchin“, erzählt Heinrich Poppenborg.

Der Restaurantinhaber sieht sich „der Tradition verpflichtet, ohne sich dem modernen Zeitgeist zu verweigern“ – da passt es durchaus, dass er es war, der mit einer Familientradition gebrochen hat: „Nicht meine Schwester, sondern ich bin Koch geworden. Meine Frau wiederum kümmert sich um den kaufmännischen Part“, stellt er mit einem Augenzwinkern fest.

Die Küche, das ist sein Bereich; Beruf und Berufung zugleich. Heinrich Poppenborg hat nach seiner Ausbildung zum Koch im Parkhotel Wittekindshof in Dortmund immer wieder auch Zeit in Frankreich verbracht und sich dort von der französischen Gourmetküche inspirieren lassen. Die französische Küche ist das klassische Fundament seiner Kreationen.

Über Jahrzehnte hat Poppenborg in Harsewinkel eine Gourmetküche geschaffen, an der Feinschmecker in der Region nicht vorbeikommen. Obwohl, und das dürfte Teil seines Erfolgsrezepts sein, verbindet er längst die gehobene Gourmetküche mit einer weniger aufwändigen, „lockeren und legeren Küche“. Auf Spitzenniveau muss dennoch kein Gast verzichten. „Elf Jahre waren wir mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet. Bis es sich nicht mehr gelohnt hat. Man muss einfach mit der Zeit gehen. Die Lebensgewohnheiten der Menschen haben sich im Laufe der Jahre verändert.“ Immer weniger Gäste besuchten ein Gourmetrestaurant. Vielmehr suchten viele ein weniger zwanghaftes Ambiente. „Bistrogeist“ nennt es Poppenborg. Entsprechend gibt es neben dem Restaurant mit etwa 25 Plätzen auch das Bistro „Stübchen“, in dem man gemütlich klassisch speisen kann. Einen zauberhaften Rückzugsort, um die kulinarischen Köstlichkeiten zu genießen, bietet bei gutem Wetter auch der idyllische Garten.

Doch egal, wo man sitzt – der Blick auf die verschiedenen Speisekarten spiegelt die Vielfältigkeit und Kreativität des Sternekochs wider. Selbstredend, dass die Qualität der Lebensmittel eine Grundvoraussetzung für eine hervorragende Küche sei. Ebenso achte er auf Regionalität: „Ich beziehe auch Fleisch aus der hiesigen Region; verarbeite insbesondere heimisches Wild und auf dem Wochenmarkt gehe ich ebenfalls einkaufen“, erklärt der Gastronom.

Adresse:
Hotel & Restaurant Poppenborg
Brockhäger Strasse 9
33428 Harsewinkel
Telefon: 05247 2241
E-Mail: hotel@poppenborg.com
Internet: www.hotel-poppenborg.de

Öffnungszeiten:
Gourmet-Restaurant:
Speisenbestellungen: Montag sowie Donnerstag bis Sonntag 12 bis 13.15 Uhr und 19 bis 21 Uhr,
Dienstag 19 bis 21 Uhr
Ruhetage: Dienstag-Mittag und Mittwoch

Bistro-Stübchen und Gaststätte:
Speisenbestellungen: Montag sowie Donnerstag bis Sonntag 12 bis 13.30 Uhr und 18 bis 21.30 Uhr;
Dienstag 18 bis 21.30 Uhr
Ruhetage: Dienstag-Mittag und Mittwoch.

Text: Anja Tenbrock; Fotos: Jens Dünhölter



Hier sind Sportler und Promis zu Hause

„Freitagnachmittag um 14 Uhr haben wir erfahren, dass der Bundesligist VfL Wolfsburg nur drei Stunden später anreisen würde, um sich bei uns auf das Relegations-Rückspiel bei Eintracht Braunschweig vorzubereiten“, erinnert sich Sabrina Stratmann an ein ereignisreiches Wochenende im Mai 2017. „Das kam völlig überraschend.“ Drei Stunden Vorbereitungszeit für den Wolfsburger Tross ist auch für das Sporthotel, in dem regelmäßig Bundesliga- und Nationalmannschaften Quartier beziehen, eine Herausforderung. Normalerweise melden sich die Fußballer lange im Voraus für ihre Trainingslager an. „Aber damit muss man umgehen können“, sagt die Marketingexpertin der Hotel-Residence Klosterpforte in Marienfeld. Schließlich zeichne das ein Vier-Sterne-Haus aus.

Die Lage der Hotel-Residence, die sich mit 20 Häusern über 180 000 Quadratmetern erstreckt, das Angebot an Sportmöglichkeiten und Wellnesscenter, die Vielfalt der Küche sowie besondere Veranstaltungen haben das Haus weit über die Grenzen Ostwestfalens hinaus bekannt gemacht. „Im Gästebuch finden sich immer wieder prominente Unterschriften von Stars wie Helene Fischer, Wladimir Klitschko und Tamme Hanken“, sagt Stratmann.

Der Grundstein für die komplexe Hotelanlage wurde vor 65 Jahren gelegt. Am 10. April 1953 hat die Familie von Anneliese Austermann die Klosterpforte ersteigert und dort noch am selben Tag eine Gaststätte eröffnet. 1954 heiratete Anneliese Austermann Reinhold Frie senior, der in den Gastronomiebetrieb mit einstieg. In den nächsten Jahrzehnten wurde das Gasthaus Stammlokal von zahlreichen Schützen- und Sportvereinen. „Die Gemütlichkeit in der Klosterpforte, die Herzlichkeit der Wirtsleute und das gutbürgerliche Essen sprachen sich schnell in der Region herum“, heißt es in der Chronik des Hauses. Heute ist Sohn Reinhold Frie mit seiner Frau Barbara Eigentümer. Die dritte Generation wirkt ebenfalls in der Hotel-Residence mit: Seit 2014 ist die älteste Tochter Carina mit ihrem Ehemann Christopher Schemmink in der  Geschäftsleitung vertreten.

Das Hotel liegt direkt vor den Toren des mehr als 800 Jahre alten Klosters Marienfeld. Der Weg dorthin führt durch ein großes Steintor im Eingangsbereich; der Torbogen wird derzeit renoviert. Von dort ging es einst ins Gasthaus. Die ehemalige Klosterpforte hat dem Hotel auch seinen Namen gegeben. Neben der Klosterkirche, die heute als Pfarrkirche genutzt wird, entstand im 19. Jahrhundert das Abteigebäude, das Reinhold Frie im Dezember 2007 erworben hat. Das unter Denkmalschutz stehende Haus mit einer Fläche von mehr als 400 Quadratmetern ist von Grund auf renoviert worden. Es beherbergt heute nicht nur einen urigen Klosterkeller samt eigener Hausbrauerei, sondern auch eine Kochschule für Hobbyköche.

In den historischen Räumen mit hohen Decken und Wandmalerei finden außerdem oft Tagungen und Seminare ebenso wie Familienfeste statt. Ein Biergarten gehört ebenfalls zur Alten Abtei. Auf dem weitläufigen Gelände laden großzügige Parks und Gärten mit jahrhundertealtem Baumbestand zum Spazierengehen und Entspannen ein. Zu entdecken gibt es genug. Seit 2009 liegt inmitten des Klosterhofs das Kloster-Café, das mit frisch gebackenem Kuchen der Marienfelder Landfrauen, Tee- und Kaffeespezialitäten lockt.

Was 1953 als kleine Gaststätte mit zunächst drei, später zehn Zimmern begann – die Reinhold Frie zufolge „immer mal wieder spontan vermietet wurden“ – ist im Jahr 2018 zu einem Hotelkomplex mit 250 Betten in 153 Zimmern und 6 Suiten, verteilt auf Landhaus, Abteigebäude und Sporthotel, einem Wellness-Bereich mit Sauna, Massage, Dampfbad, Pool sowie Schwimmteich, einer Fitnessscheune, zwei Restaurants, fünf Sälen, 13 Tagungsräumen, einem Eventhaus und einer Fischerhütte herangewachsen. Sogar standesamtlich heiraten kann man in der Klosterpforte.

Am Erfolg des Unternehmens haben Reinhold Frie und sein Vater Reinhold Frie senior kontinuierlich gearbeitet. „Unsere ganze Familie hat sich durch und durch der Gastronomie verschrieben“, sagt Reinhold Frie. Auch seine Tochter Carina Schemmink hat sich mit Leib und Seele der Klosterpforte verschrieben. „Es ist wichtig, dass sich ein Hotel immer weiterentwickelt, den Gästen Neues bietet. Man darf im Wandel der Zeit nicht stecken bleiben. Gleichwohl ist es ebenso bedeutsam, neben aller Moderne auch die Tradition zu wahren. Modernster Komfort in einer historischen Umgebung machen den unverwechselbaren Charme und Charakter der Klosterpforte aus“, betont die Hotelmanagerin.

Das Klosterstübchen ist eines von zwei Restaurants mit regionaler und nationaler Küche mit westfälischem Akzent. Das Restaurant im Haupthaus bietet Platz für etwa 50 Gäste. Dass Tradition und Moderne auch in der Küche kein Widerspruch sein müssen, zeigt ein Blick auf die Speisekarte. In der Klosterpforte spielen nicht nur traditionelle Rezepte eine Rolle – kulinarische Trends spiegeln sich durchaus in den Speisekarten wider. Wer im Klosterstübchen essen geht, findet ein vielfältiges Angebot an Gerichten – nicht nur aus der „gehobenen Küche“. Je nach Jahreszeit gibt es westfälische Klassiker wie Rinderkraftsuppe, Grünkohl und Mettendchen und Spargel. Wer es etwas ausgefallener mag, kann das „Gebratene Kikok-Hähnchen mit einer Langpfeffer Jus an wildem Brokkoli, Sesam und einem Kartoffel-Walnusspüree“ probieren. Auch vegetarische Speisen wie „Steinpilzravioli in einem fruchtigen Tomatensugo“ fehlen in der anspruchsvollen Küche nicht – einer Küche, bei der sich weder Regionalität und Internationalität noch Tradition und Moderne ausschließen.

Text: Anja Tenbrock, Bilder: Hubert Kemper


Wo Otto Rehhagel an der Theke stand

Vor 1827 startete Familie Kampwirth in Verl mit einer Dorfkneipe, heute ist darauf ein modernes Hotel-Restaurant geworden. Und aus den vergangenen 1900 Jahren gibt es viel zu berichten. Die Geschichte der Wirtsfamilie geht in eine Zeit zurück, in der auf staubigen Wegen ausschließlich Pferdefuhrwerke samt ihrer Kutsche durch die Bauerschaften rumpelten. 

1905, also 78 Jahre nach dem Ankauf des heute auf dem rückwärtigen Areal befindlichen Kottens, entstand direkt an der Straße ein für damalige Verhältnisse stattliches Haus, das mit seinen Gauben und Giebeln bis heute ein Hingucker ist.

Das Gastronom-Ehepaar Sonja und Richard Kampwirth, das das Haus mittlerweile in sechster Generation führt, bewahrt diese Tradition, verschließt sich aber auch dem Modernen nicht. Das Gebäude-Innere wird daher im Neun-Jahres-Rhythmus renoviert und auch in Sachen Inneneinrichtung dem aktuellen Zeitgeist angepasst.

Eines der großen Erfolgsrezepte des Hauses steht höchst persönlich in der Küche am Herd: Als gelernter Koch überlasst Richard Kampwirth im Reich der Töpfe und Pfannen nichts dem Zufall. Alle Speisen, egal ob für den Restaurantbetrieb oder den Catering-Service außer Haus, wirden so frisch wie möglich zubereitet. Die wechselnde Speisekarte umfasst stets 25 bis 30 Gerichte.

Doch nicht nur für seine gute Küche ist das Restaurant beliebt. Seit Jahrzehnten ist der Schankbetrieb auch das Vereinslokal des wenige hundert Meter Luftlinie entfernten SC Verl. Mitte der 1970er- und 80er-Jahre war er sogar der inoffizielle Mittelpunkt des Vereinslebens des heutigen Fußball-Regionalligisten.  Im Anschluss an ihre Spiele trafen sich Spieler, Trainer, Fans, Offizielle und Sponsoren wie selbstverständlich in dem Lokal an der umbenannten Hauptstraße. Und im Sog der Ballartisten kehrten in diesen bis heute legendären Jahren auch Prominente wie Otto Rehhagel, Kalli Feldkamp oder Andi Möller in die Gaststätte ein.

Adresse & Öffnungszeiten:
Hotel und Restaurant Kampwirth
Hauptstr. 10, 33415 Verl
Telefon 05246 / 3508
E-Mail: info@kampwirth.de
Internet: www.kampwirth.de
Öffnungszeiten:
Täglich ab 17:00 Uhr
Montags ist Ruhetag

Text: Jens Dünhölter


Beim Fuchs genießt Du ganz verstohlen

Winterzeit ist Grünkohlzeit. Rebecca Semmler freut sich darauf schon. Denn auch in der Fuchshöhle in Rheda-Wiedenbrück duftet es dann in der ganzen Küche wieder nach Kohl. Unser „hierzulande“-Einkehrtipp für ein gemütliches Essen während einer winterlichen Tour durch die Region.

Seit April 2010 wird die Traditionsgaststätte von Rebecca Semmler und Denis Fetting geführt. Seit dem Jahr 1686 ist die „Fuchshöhle“ in Wiedenbrück nahezu ununterbrochen als Gastwirtschaft, Konditorei, Café und Kneipe genutzt.

Den Namen verdankt das Haus dem ehemaligen Wirt und Bäcker Hermann Goldkuhle. Dessen rote Haare brachten ihm den Spitznamen „Fuchs“ ein,  seine Kneipe wurde folgerichtig die „Fuchshöhle“.

Dem Namen machen heute zwei ausgestopfte Füchse an der Wand alle Ehre, das Ambiente ist rustikal. Holzbalken, Kronleuchter, Ledersofa und Apothekerschrank halten Erinnerungen an vergangene Zeiten wach. Ähnlich wie die Atmosphäre ist auch die Speisekarte typisch westfälisch: herzhaft, klassisch und ohne die ganz großen  Experimente.

Es git Schnitzel mit frischen Pilzen, Bratkartoffeln oder Frikadellen als Klassiker und alles, was die Region hergibt. „Wir wollen schon frisch und mit Qualität kochen und achten bei den Zutaten darauf, dass wir es vom Markt oder vom Bauern bekommen“, sagt Semmler, die sich schon auf die Grünkohlsaison freut. „Das ist natürlich mit bei uns im Programm. Darum kommen wir nicht herum“, erklärt die 30-Jährige.

Eine Besonderheit in der Fuchshöhle: Lässt eine Bestellung mal etwas länger auf sich warten oder die Gäste haben noch einen Wunsch, können sie ganz einfach auf einen Schalter an der Wand drücken. Am Klingelkasten neben der Theke sieht die Bedienung dann, zu welchem Tisch sie muss.

Fetting ist zwar meist hinter der Theke und kümmert sich um die Gäste, gelernt hat der Wiedenbrücker aber den Beruf des Konditors. Das ganze Jahr backt der 40-Jährige Torten und Kuchen. Immer das, was saisonal gerade möglich ist. „Rebecca und ich haben uns die Küche und Backstube geteilt. Das wurde teilweise ganz schön eng“, erklärt Fetting, der in Rheda nun seine eigene, kleine Konditorei eröffnet hat. „Morgens sind wir dann in Rheda. Ab dem Nachmittag in Wiedenbrück“, ist das Paar stolz auf ihr zweites Standbein. „Man traut uns das zu“, freut sich Semmler.

Text: Benedikt Miketta; Bilder: Andreas Kirschner (1), Benedikt Miketta


Für die Heimat das "Adlon" verlassen

Rolf Ortmeyer steht gemeinsam mit seiner Frau Gerda und einem weiteren Koch höchstpersönlich in der Küche der historischen Gaststätte Restaurant „Zur Linde“ in Gütersloh-Isselhorst und kredenzt seinen Gästen feinste Speisen nach westfälischer Art. Gut zu kochen hat Ortmeyer gelernt: Er hat im Berliner Kempinski gelernt und lange Zeit im Adlon gearbeitet. „1978 bin ich dann zu meinen Eltern hierhergekommen und habe sie unterstützt“, erzählt der Küchenmeister, der die Gaststätte vor einigen Jahren von seiner Mutter Anneliese und seinem Vater übernommen hat.

Seit 1677 steht das Gebäude mit der heutigen Hausnummer fünf am Isselhorster Kirchplatz. Erstmals urkundlich erwähnt wird das Haus im Urbar der Grafschaft Ravensberg im Jahr 1556, in den Jahren 1675 bis 1677 sei das Haus vom damaligen Besitzer Hinrich Astroth jedoch neu gebaut worden, was die Zahl über der Eingangstür erklärt.

Hinter der Theke geht es zum Feuerwehrmuseum. „Früher war hier ein Lebensmittelladen“, berichtet Ortmeyer. „Den haben meine Eltern 1958 gebaut.“ Damals habe es noch alle Lebensmittel, wie Erbsen oder Linsen, lose gegeben. „Dann standen links die Frauen und kauften ein und rechts standen die Männer und tranken ihr Bier“, erzählt der 62-Jährige amüsiert. 1998 habe er den Laden an das Detmolder Museum verschenkt und das Feuerwehrmuseum eingerichtet. „Ich habe so viele Dinge, dass ich die gar nicht alle im Museum aufstellen kann, sondern einige Sachen im Keller lagern muss“, verrät Ortmeyer, der sein Leben lang leidenschaftlich bei der freiwilligen Feuerwehr Mitglied war.

Im Gebäude nebenan lagert eine weitere Besonderheit: das riesige Schnapsfass aus Eichenholz, das in einem alten Lagerraum neben dem Hauptgebäude zur Ausstellung steht. Das Außergewöhnliche daran: Das Fass aus Braunschweig umfasst 20 000 Liter Schnaps und ist laut Ortmeyer das größte Schnapsfass der Welt.

Bekannt ist die Isselhorster Gaststätte für ihre Bisonwochen. „Die Bisons kommen direkt aus dem benachbarten Ortsteil Niehorst, vom Hof Birkenharke“, erzählt Ortmeyer. „Das erste Bison, das ich hatte, war 800 Kilogramm schwer“, sagt er. Im Jahr verwerte er drei bis vier der stämmigen Tiere auf verschiedenste Art, als Steak, als Wurst, als Buletten. Auch die Spargelzeit sorgt für Rekordbesuche.

Text und Video: Anika Reckeweg